Gott ist nicht tot – wir haben ihn nur verkauft

Die mutigen Menschen brauchen wir jetzt dringender denn je, damit wieder ein Gleichgewicht hergestellt werden kann in der menschlichen Seele. Ein endgültiger Sieg über das Böse bleibt utopisch, solange die Spezies Mensch sich von dem barmherzigen Gott abwendet, also vom Guten.

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Jerusalem panoramic roof view to christians, jewish and muslims sacred places

Das Böse ist das Hauptproblem des selbst ernannten „modernen“ Menschen. Die Berufung auf alte Werte schützt den Menschen nicht davor, der auf einem unbedeutenden Planeten unseres Universums lebt, sich vor dem Bösen zu schützen. Das Gegenteil ist der Fall. Denn gerade die Berufung auf diese alten Werte und Traditionen, entfachen in der Spezies Homo sapiens sapiens eine Bösartigkeit, die aus der Tiefe der menschlichen Seele aufsteigend, diesen Planeten in eine Vorhölle verwandelt hat.

Der Mensch hat sich seinem Schicksal ergeben. Er hat erkannt, dass er gegen das eigene Böse nicht ankommt. Er hat der Macht des Bösen nichts entgegen zu setzen. Er kann jedoch mit dem Strom mitschwimmen. Das Böse instrumentalisieren, um seine Begierden zu befriedigen. Kriege bedeuten Leid und Tod von Millionen von Menschen, aber auch ein Geschäft. Alles ist ein Geschäft. Der Mensch verkauft alles. Er maßt sich sogar an, Gott zu verkaufen. Warum auch nicht? Mit Gott lassen sich Geschäfte machen. Wozu bräuchten wir ihn sonst noch? Der Mensch hat sich doch schon selbst als Gott ausgerufen. Mit Hilfe der Technik und der Wissenschaft hat der Mensch die Möglichkeiten, das Bewusstsein zu beherrschen. Gleichzeitig ist die Fähigkeit, mit der eigenen Unfähigkeit, mit den sozialen Problemen, mit der menschlichen Seele umzugehen, ad acta gelegt worden. Das Böse hat es geschafft, mit Hilfe der Technik die menschliche Seele zu sterilisieren. Alles ist steril.

Gott verkauft

Die Welt droht in einem Sumpf zu versinken, einem Sumpf aus Blut. Die Kriege im Nahen Osten sind ein Symptom für diese Entwicklung. Nicht das Böse im Menschen ist das Problem. Nietzsche hatte bereits erkannt, dass der Mensch das noch nicht festgestellte Tier ist. Dabei legt der Mensch Wert darauf, dass er sich vom Tier durch die Vernunft, seinem Intellekt und der Fähigkeit, sich der Sprache zu bedienen, unterscheide. Er sei die Krönung der Schöpfung. Ja sogar das Ebenbild Gottes.

Wenn es dem Menschen um die eigene Darstellung geht, da zeigt sich die List und die Kreativität des Bösen in einer gewissen Banalität, dass man es sogar manchmal sympathisch findet. Was der Mensch mit seinem Gottesvergleich jedoch für sich beansprucht, ist nichts anders, als sich selbst zu Gott zu krönen. Das Problem besteht allerdings darin, dass sich jeder Mensch auserkoren sieht, „Gott“ zu sein. Es kommt bei diesem Machtkampf um die Krone zum Ausbruch des kollektiven Bösen. Der Kampf „Jeder gegen Jeden“ hat begonnen und nimmt zunehmend an Fahrt zu. Manche bilden Allianzen, um die Konkurrenz schneller und effizienter zu beseitigen.

Anschließend, das ist wie das Amen in der Kirche, werden die Verbündeten aufeinander losgehen. Das ist das Wesen des Bösen. Das Böse tritt in Formen von verschiedenen ideologischen, politischen und soziologischen Gestalten auf. Es macht seine Arbeit sehr gut, denn das Böse schafft es, Milliarden von Menschen zu faszinieren und sie für seine Zwecke zu gewinnen. Es weiß, dass der Mensch in sich das Böse trägt. Es gilt den Menschen soweit zu bringen, dass er dem Bösen, das er in sich trägt, freien Lauf lässt. Das tut der Mensch gerne. Denn das Böse verleiht dem Menschen temporär Macht. Macht zu herrschen, Macht zu töten, Macht, Gott zu spielen.

Der Mensch kann seinem Instinkte folgend, einem Raubtier gleich, endlich auf die Jagd gehen, um seine bis dato unterdrückten Begierden zu befriedigen. Das Böse hat für alles eine Erklärung und eine Rechtfertigung. Für das Töten schämt es sich nicht, Gott zu instrumentalisieren. Greueltaten werden zum Beispiel damit gerechtfertigt, dass diese Menschen nicht gottesfürchtig sind. Das Böse ist an Genialität nicht zu übertreffen. Es ist ein Meister der Manipulation. Es teilt die Welt in zwei, die Achse des Bösen und die Achse des Guten. Damit erklärt es per definitionem die Hälfte der Menschheit für „vogelfrei“. Es weiß, wie es die Überreste des menschlichen Gewissens zum Schweigen bringt.

Unfähige Religionen

Denn die Religionen haben sich als unfähig erwiesen, das Böse im Menschen endgültig zum Schweigen zu bringen. Der Mensch hat Dank seines Verstandes gelernt, dass man sich der Heiligen Schriften sehr gut bedienen kann, um das Böse zu rechtfertigen, um das Töten in einem Licht darstellen zu können, als wäre es der Wille Gottes, der hier zum Ausdruck kommt. In Wirklichkeit lebt der Mensch seine sadistischen Seiten aus. Warum auch nicht? Wer soll ihn aufhalten? Wo ist das Gute? Beerdigt? Verkauft? Verraten? Oder ist das Gute zu feige, um sich gegen das Böse zu erheben? Wir können nur spekulieren.

Wir konsumieren das Böse in Nachrichten. In den letzten Jahren können wir häufig Live zuschauen, wie Menschen massenweise ermordet oder Frauen vergewaltigt werden. Wir konsumieren das, wie wir alles andere auch konsumieren. Warum auch nicht? Wenn es nicht schmeckt, dann schalten wir um. Wenn der Döner nicht schmeckt, dann holt man sich einen Hamburger oder umgekehrt.

Warum sollte man sich auch anders verhalten, denn das Böse wendet sich ja nicht gegen das eigene Wohl, das eigene Haus. Noch nicht, aber das weiß der Konsument zu dem Zeitpunkt ja nicht. Dazu fehlt ihm die Fähigkeit, über den Hamburger oder Döner hinaus einen Blick in die Ferne zu werfen. Er ahnt nur, dass es ihn womöglich auch mal treffen könnte. Aber er verdrängt sehr schnell. Das Verdrängen hat der Mensch zu einer Kunstform erhoben. Alles, was nicht ins Bild passt, wird verdrängt.

Jeder von uns ist mit dem Bösen verbündet, denn er hat gesehen und nichts getan. Jeder der wegsieht, weil er nicht hinsehen wollte, hätte ja sehen können. Jeder von uns ist mit dem Bösen verbündet, weil er gehört, aber geschwiegen hat. Alle sind mit dem Bösen verbündet, alle Völker, alle Nationen, alle Religionen, alle Klassen, alle Menschen. Der Wertevernichtung durch das Böse haben wir nichts entgegen zu setzen. Das Böse hat uns alle infiziert.

Mut gefragt

Jeder, der es wagt, sich für das Gute einzusetzen, ist potentiell gefährdet. Man könnte geneigt sein anzunehmen, dass das Gute gar nicht mehr existiert. Dabei übersieht man, dass die Menschheitsgeschichte geprägt ist vom Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen.

In jeder Epoche hat es mutige Menschen, Bewegungen und Aufstände gegen das Böse gegeben. Die formelle Abschaffung der Sklaverei in den Vereinigten Staaten von Amerika ist gar nicht so lange her. Die tatsächliche nicht viel kürzer.

Diese mutigen Menschen brauchen wir jetzt dringender denn je, damit wieder ein Gleichgewicht hergestellt werden kann in der menschlichen Seele. Ein endgültiger Sieg über das Böse bleibt utopisch, solange die Spezies Mensch sich von dem barmherzigen Gott abwendet, also vom Guten.

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