Fachtagung oder Geheimtreffen? Aufarbeitung oder Schlussstrich?

Sowohl die Landeszentrale als auch die Amadeu Antonio Stiftung stehen in der Pflicht, über die geplante Fachtagung sich der Öffentlichkeit gegenüber zu äußern, erstens darüber, wer sie veranstaltet und zweitens, ob das Neutralitäts- und drittens das Transparenzgebot eingehalten wurde.

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Symbolbild

Die Fachtagung „Der rechte Rand der DDR-Aufarbeitung“, die in den Räumen der Amadeu Antonio Stiftung am 14.2.2019 stattfinden soll, wirft immer noch mehr Fragen auf. Der enge zeitliche Zusammenhang der Publikation der Tagung und der Nachricht, dass sie leider schon ausgebucht sei, erweckt den Eindruck, dass man die Tagung abseits der Öffentlichkeit durchzuführen beabsichtigte. Keine Frage hingegen besteht darin, dass die Landeszentrale für politische Bildung die Veranstaltung mit öffentlichen Geldern unterstützt, nur räumte die Landeszentrale ein, erst nach Abschluss der Abrechnung Aussagen treffen zu können, wie viel konkret für das Projekt verausgabt werden wird. Demnach hat die Stiftung die Möglichkeit, bis zu 5.000 Euro Steuergelder auszugeben.

Aber veranstaltet die Amadeu Antonio Stiftung die Fachtagung tatsächlich oder sind es die drei auf der Einladung unterzeichnenden Privatpersonen Annetta Kahane, Enrico Heitzer, Klaus Bästlein. Für letzteres spricht, dass der Pressesprecher der Amadeu Antonio Stiftung, in dessen Zuständigkeit die Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung fällt, „bislang nicht weiter mit der Veranstaltung befasst“ war. Außerdem ist „eine gesonderte Presse-Akkreditierung … nicht vorgesehen.“ Sollte die Presse ausgeschlossen werden?

Der Veranstalter geht aus der Einladung nicht zweifelsfrei hervor und das einzige Logo, das auf der Einladung prangt, ist dass der Berliner Landeszentrale für politische Bildung, erstaunlicherweise fehlt das der Amadeu Antonio Stiftung, die sonst nicht so zurückhaltend mit der Präsentation ihres Logos ist. Der letzte Satz der Einladung lautet: „Dazu laden wir herzlich ein.“ Wir sind dann, wie schon erwähnt, Annetta Kahane, Enrico Heitzer, Klaus Bästlein. In welcher Eigenschaft?

Im Text der Einladung und in der Überschrift vermochte ich keinen Hinweis darauf zu finden, dass die Amadeu Antonio Stiftung als Veranstalter der Fachtagung verantwortlich zeichnet. Lediglich die Anmeldung erfolgt über die Stiftung, nur ist eine Anmeldung wegen plötzlicher Überfüllung ohnehin unmöglich. Auf meine Anfrage erhielt ich nur folgende automatisierte Nachricht: „Vielen Dank für Ihre Nachricht, deren Eingang wir hiermit bestätigen möchten. Darüber hinaus möchten wir Sie auf die damit zusammenhängende Verarbeitung Ihrer personenbezogenen Daten hinweisen. Die Datenverarbeitung geschieht im Einklang mit der am 25. Mai 2018 in Kraft getretenen Datenschutzgrundverordnung (DS-GVO). Alle Informationen zur Datenverarbeitung gemäß Art. 12 ff. DS-GVO finden Sie unter https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/datenschutzerklaerung/pflichtinformationen. Wir werden uns bezüglich Ihrer Nachricht bei Ihnen zurückmelden. Mit freundlichen Grüßen Ihre Amadeu Antonio Stiftung“

Die Nachricht bekam ich am 4.2.2019, der Anmeldeschluss war am 7.2., bis heute habe ich nichts weiter von der Stiftung gehört. Man sollte meinen, dass ich mit dem Artikel über den Anfang 2018 im SPIEGEL erschienenen Text, auf den die Einladung explizit hinweist, und mit den Essays in der Neuen Zürcher Zeitung: „Der Tag, an dem ich Ostdeutscher wurde“ und „Herkunft ist der Anfang von allem“ als kompetenter Diskussionspartner erwünscht gewesen wäre, wenn eine faire und offene Diskussion geplant ist.

Sollte die Fachtagung konspirativ, im Geheimen stattfinden mit dem Ziel, die Aufarbeitung des Unrechts und der Verbrechen des kommunistischen Regimes endgültig zu beenden? Zum Zweck der Fachtagung heißt es in der Einladung: „Es gilt also, Inventur zu machen, zu diskutieren, inwieweit die bisherige Anlage der Aufarbeitung möglicherweise Fehlentwicklungen befördert hat, welchen Umfang diese gegebenenfalls haben und wie sich diese eventuell beenden und künftig ausschließen lassen.“ Es soll Inventur gemacht werden, Fehlentwicklungen der Aufarbeitung aufgedeckt werden, um so mit dem Totschlagargument des „Kampfes gegen rechts“ die Aufarbeitung zu beenden? Ist Annetta Kahane die richtige Person, um „Inventur zu machen“?

Der Redaktion liegt ein Brief der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) an die Berliner Landeszentrale für politische Bildung vor, in dem die Opferbände schreiben: „Nach jetzigem Stand müssen wir davon ausgehen, dass mit dieser Veranstaltung gegen die Richtlinien der Landeszentrale verstoßen wird. Dies trifft zu durch: 1. Die Institutionen, über die hier „Gericht“ gehalten wird, wurden nicht eingeladen. 2. Bei dennoch erfolgten Anmeldungen von wissenschaftlichen Mitarbeitern der in Kritik stehenden Institutionen erfolgte keine Zusage zur Teilnahme, was einem Ausschluss gleich kommt. Diese Veranstaltung ist somit nur für Kritiker der betroffenen Institutionen zugänglich. Damit wird gegen den Neutralitätsgrundsatz der Landeszentrale verstoßen. Ich bitte Sie unverzüglich zu handeln. Anderenfalls werden wir diese Arbeitsweise im Parlament thematisieren lassen.“

Sowohl die Landeszentrale als auch die Amadeu Antonio Stiftung stehen in der Pflicht, über die geplante Fachtagung sich der Öffentlichkeit gegenüber zu äußern, erstens darüber, wer sie veranstaltet und zweitens, ob das Neutralitäts- und drittens das Transparenzgebot eingehalten wurde.

Fragen richten sich auch an den Kultursenator des Landes Berlin, Klaus Lederer, ob Annetta Kahane, Enrico Heitzer, Klaus Bästlein als Privatpersonen oder die Amadeu Antonio Stiftung berechtigt sind, das Urteil über die Aufarbeitung des DDR-Unrechts durch die rechtsfähige Stiftung des öffentlichen Rechts „Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen“ zu fällen und eventuell Änderungen bis hin zum berühmt berüchtigten Schlussstrich vorzunehmen, was im Nachhinein die Vermutung nahelegen könnte, dass mit der Entlassung von Hubertus Knabe genau das erreicht werden sollte.

Gerade ein Kultursenator, der von der Partei der Linken kommt, die in Teilen aus der SED hervorgegangen ist, sollte auch nur den Anschein, eine Geschichtsrevision zu unterstützen, vermeiden.

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Kommentare ( 18 )

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18 Kommentare auf "Fachtagung oder Geheimtreffen? Aufarbeitung oder Schlussstrich?"

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Besten Dank an Herrn Mai und natürlich das TE-Team dafür, dass dieser Sache konsequent nachgegangen wird. Es ist unglaublich und auch unheimlich, was in diesem Land vor sich geht. Die alten DDR-Kader wollen in trautem Einvernehmen mit ihren westdeutschen Gesinnungsgenossen, selbst den Schlussstrich unter ihre höchst unerfreuliche DDR-Vergangenheit ziehen. Geht gar nicht! Wo bleibt eigentlich der #aufschrei wenigstens von CDU und FDP? Ach ja, die gehören ja inzwischen auch vollumfänglich zum linksgrün-sozialistischen System.

Es heißt, dass die Geschichte immer von den Siegern geschrieben wird. In diesem Fall scheint es nur vordergründig anders zu sein. In Wirklichkeit aber haben die vermeintlichen Verlierer alle relevanten Stellen unterwandert und schreiben gerade den Sieg des Sozialismus (und der Diktatur) über die Demokratie.

Keine Frage: So ist es. Allerdings war der Nährboden für den Sozialismus im Westen (auch personell) schon lange vor 1989 gelegt und er gärte auch schon aus allen Poren des alten BRD-Systems. Nach der Wende kam es dann zum „Schulterschluss“ der west- und ostdeutschen Sozialisten, Kommunisten, Stalinisten und Maoisten. Das wiedervereinigte Deutschland geriet zunehmend in deren (international-) sozialistischen Würgegriff, der mit Merkel an der Spitze über die letzten 13 Jahre erst richtig zugepackt hat. Kein Wunder also, dass diese Klientel nun, wo sie alle Institutionen unterwandert hat, auf ihre Art und Weise versteht sich, mit der Aufarbeitung des DDR-Sozialismus abschließen… Mehr
In der Tat erschließt sich dem Beobachter nicht, wer denn eigentlich die Veranstaltung veranstaltet. Annetta Kahane: AAS, Enrico Heitzer ist m. W. wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte und des Museum Sachsenhausen/Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Klaus Bästlein arbeitet seit 2008 als Referent für politische-historische Aufarbeitung beim Berliner Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (jetzt: Berliner Beauftragter für die Aufarbeitung der SED-Diktatur). Sind alle drei Institutionen Mit-Veranstalter? Alle drei Personen sind jedenfalls Mit-Autoren der Publikation „Nach Auschwitz: Schwieriges Erbe DDR. Plädoyer für einen Paradigmenwechsel in der DDR-Zeitgeschichtsforschung, 2018 im Wochenschau Verlag erschienen. Herausgegeben im Auftrag der Amadeu Antonio Stiftung sowie der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen (Stiftung… Mehr

Ist da nicht der Tatbestand der Untreue gegeben, wenn Gelder bewilligt werden, ohne dass man weiß wofür?

Auf der Veranstaltung soll es u. a. um das „Geschichtsbild der UOKG“gehen, mithin ein „rechtes“. Starker Tobak, vertritt doch eben diese UOKG über 30 Einzelverbände von Opfern der DDR- und kommunistischer Diktatur. Ausgerechnet eine Stiftung mit einer ausgewiesenen inoffiziellen Mitarbeiterin der Staatssicherheit will hier diesen Menschen eigenes Urteilsvermögen absprechen, diese als „rechts“ stigmatisieren und wie zu Diktaturzeiten festlegen, was politisch richtig ist? Unerträglich. Es sollten vernehmbare Proteste vor dem Tagungsgebäude , in den Medien, bei verantwortlichen Politikern stattfinden!

Es scheint etwas Neues um sich zu greifen.
Jemand, der gerne bei einer Tagung, Besprechung, Versammlung oder ähnlichem dabei wäre und nicht eingeladen wurde fühlt sich persönlich ausgeschlossen.
Nur, es werden knapp 83 Millionen zu allen Tagungen, Besprechungen und Diskussionen nicht eingeladen, 99,99% nehmen das nicht persönlich.

Man kann und muss sicherlich darüber recherchieren, warum, und ob zu Recht, der Staat so ein Meeting mit Steuergeldern finanziert, aber sich darüber aufzuregen, dass man selbst nicht dabei sein darf – sorry, für mich ist das nicht nachvollziehbar.

Gut, es kann nicht jeder kommen. Für die UOKG hätte man aber fairerweise ein Plätzchen reservieren können, da sie ja in der Ankündigung der Veranstaltung heftig kritisiert wird. Sie weist in ihrer Pressemitteilung vom 7. Februar auch darauf hin, in Leipzig habe Ende Januar eine ähnliche Veranstaltung stattgefunden unter dem Titel „Wie muss der Paradigmenwechsel in der ostdeutschen Geschichtsaufarbeitung jetzt aussehen?“ Die Einlader der Veranstaltung (wohl vor allem eine Buchvorstellung?) waren hier laut Leipziger Internet Zeitung die Gedenkstätte Zwangsarbeit Leipzig und die Rosa Luxemburg Stiftung in Sachsen.

Es ist unglaublich, ich verliere jeden Tag mehr Vertrauen in „diesen Staat“. Wenn das mittlerweile überhaupt noch möglich ist.
Danke an den Autor für sein demokratisches Beharren.

Ich habe mittlerweile gar kein Vertrauen mehr, glaube nichts mehr was von Politikern oder der gleichgeschalteten Presse kommt und halte jeden Sachverhalt für möglich, den ich früher als unmöglich erachtet habe.

Ich finde es gut, dass Sie das ansprechen. Sie gelten vermutlich selbst in linken Mainstream-Kreisen noch als seriös. Würde die AfD das machen, müsste man nicht regieren. Denn „Rechtspopulisten erhalten keine Antwort.“

diese Antonio Amadeu Stiftung hat so ein Hauch der Stasi in sich..Und deren Chefin,diese
Anette Kahane war ja jahrelang als Stasi-Spitzel tätig mit dem Decknamen“IM-Victoria“

Wie wollen so Leute mit so einer dubiosen Vergangenheit eigentlich das Unrecht in der DDR aufklären?
Diese waren doch Teil des Unrechtssystems und dienten diesem ohne Hemmschwelle!

Ich finde es sehr naiv zu denken das SED geklonte Linke sich an die Regel eines demokratischen Gemeinwesen halten würden. Da zu zähle ich auch weite Teiles der SPD.
Eher wird ein Kamel durch ein Nadelöhr gehen, als die Linken einen freiheitlich, demokratischen Weg zulassen.

Aus gegeben Anlass möchte noch noch einmal auf das Schicksal des Journalisten Billy Six hinweisen, der einem venezolanischen Knast vor sich hin modert. Dessen Schicksal so gut wie keine Aufmerksamkeit wieder fahren ist. Vielleicht weil er es gewagt hat ein paar Artikel für die „Junge Freiheit“ zu schreiben.

Free Billy Six !