Ein Kanzler von Format würde jetzt ein Programm vorlegen, um Deutschland aus der Krise zu reißen. Ein Kanzler von Format würde alle um sich sammeln, Freund und Feind, die sich diesem Ziel verschreiben wollen. Friedrich Merz ist kein Kanzler von Format.
picture alliance / Andreas Gora | Lenny Karpe
Jeder Mensch verfügt über besondere Begabungen. Wenn man kein Talent zum Politiker, geschweige denn zum Bundeskanzler hat, muss man es nicht werden. Es mag zwar nicht ohne Eitelkeit gehen, aber nur mit Eitelkeit geht es eben auch nicht.
Was also müsste und würde ein Bundeskanzler der Union jetzt tun, der Standhaftigkeit, Chuzpe, Willen, Kaltblütigkeit, Mut und vor allem Gespür für die Situation, für das Momentum besitzt, ein Mann wie Winston Churchill oder wie Gerhard Schröder, wie Helmut Schmidt, wie Franz-Josef Strauß, wie Helmut Kohl, der in einer Situation, in der die einzig richtige und einzig mögliche Handlungsweise darin besteht, alles auf eine Karte zu setzen, nicht als Hasard oder Augenblicksgrille, sondern nach durchgerechnetem Kalkül?
Er würde als Bundeskanzler mit seiner Richtlinienkompetenz ohne Gespräch und Beratung mit dem Koalitionspartner im Kreise verschwiegener Fachleute einen Aktionsplan für Deutschland, den er „Acht-Punkte-Plan für Deutschland“ nennen könnte, entwickeln und in einer großen Rede, die deshalb groß ist und überzeugt, weil sie aus Wirklichkeit und nicht aus Phrasen und Leerformeln gemacht ist, veröffentlichen.
Jeder, der einigermaßen die Wirklichkeit in Deutschland und in der Welt zur Kenntnis nimmt, weiß, was grundsätzlich geschehen muss. Was wir erleben, ist, dass Merz nichts von dem, was drängt, anpackt und stattdessen mit Klingbeil und Bas und Frei und Warken am System herumpfuscht – was letztlich nicht funktioniert – und den Pfusch dann auch noch Reform nennt. Aber ob man in Sandalen oder hohen Schuhen, ob in Sportschuhen oder Stiefeln in den Untergang rast, bleibt letztlich egal, denn Untergang ist Untergang. Worin die acht Punkte bestehen, wird man gleich sehen.
Diesen Acht-Punkte Plan für Deutschland würde der Bundeskanzler in einer großen Rede der Öffentlichkeit als den Weg aus der deutschen Krise vorstellen. Und er würde erstens sein Schicksal mit dem Plan verbinden und zweitens alle Abgeordneten, die guten Willens und bereit sind, über Ideologie und kleinliche Parteiegoismen hinweg für Deutschland, für die deutschen Bürger, die Väter und Mütter, die Kinder zu arbeiten und Verantwortung für Deutschland zu übernehmen, einladen, an der Verwirklichung des Plans, an Deutschlands Zukunft mitzuarbeiten.
Aller Voraussicht nach würde die SPD nicht die Größe aufbringen, sich an Deutschlands Zukunfts-Plan zu beteiligen. Wenn sie die Koalition verlässt, wenn sie kneift, um so schlimmer für sie. Wichtig ist, dass die SPD auch das Gegenteil machen könnte, doch müsste sie sich vor dem Volk, vor den Bürgern entscheiden.
Es liegt nicht in der Macht des Kanzlers, die AfD daran zu hindern, an der Zukunft Deutschlands mitzuarbeiten, wie übrigens auch nicht die Grünen oder die Linke oder die SPD abzuweisen. Wer guten Willens ist, wer es gut mit Deutschland meint, macht mit. Der Bundeskanzler hat Führungsstärke zu beweisen. Sein Reden sei Ja, Ja und Nein, Nein und Nein bleibt Nein und Ja bleibt Ja.
Es ist wichtig, dass der Bürger die Erfahrung macht, dass der Bundeskanzler zu seinem Wort steht und dass er sich auf das Wort des Bundeskanzlers verlassen, kann der sich, auch wenn es schwierig wird, nicht in die Phrasenbüsche schlägt.
Denn es wird verdammt schwierig: Kostgänger des Staates, Zivilgesellschaft genannt, werden Aufmarsch für Aufmarsch organisieren, die Öffentlich-Rechtlichen würden nicht wieder regierungskritisch werden, sondern regierungsdiffamierend.
Auch die Destruktion von Behörden, wie sie im früheren Baerbock-Ministerium stattfinden könnte, wäre mitzubedenken.
Einen anderen Weg dürfte es indes nicht mehr geben, mit Halbheiten und faulen Kompromissen wäre nichts mehr getan, die Möglichkeiten sind ausgeschöpft und erschöpft. Wie schon ein weit besserer Friedrich, der schlesische Dichter Friedrich von Logau, wusste: „In Gefahr und grosser Noth / Bringt der Mittel-Weg den Tod.“
Es geht nicht mehr darum, gemäß des Politikbetriebs, der sich verselbständigt hat, zu handeln, sondern darum, den Politikbetrieb zu bestimmen.
Worin bestehen die acht Punkte?
- Wende von der Energiewende. Energie muss billiger und verlässlich werden. Alle Arten von Energieerzeugung müssen zugelassen und steuerbefreit werden. Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) wird mit einer Restlaufzeit versehen. Sogenannte Erneuerbare Energien werden mittelfristig nicht mehr subventioniert und bevorrechtet. Kohlekraftwerke sind zu nutzen, Gaskraftwerke ohne Wasserstoff-Vorbehalt zu bauen, ebenfalls Kernkraftwerke. Um Erdgas- und Erdöllieferungen wirklich zu diversifizieren, setzt sich Deutschland für einen Frieden zwischen Russland und der Ukraine ein und normalisiert sukzessive die Beziehungen zu Russland, gleichzeitig geht Deutschland eine Rohstoff-Kooperation mit Kasachstan ein.
- Die Turbo-Migration in die Sozialsysteme muss gestoppt, Familiennachzug konsequent ausgesetzt und Rückführungen ernsthaft durchgeführt werden. Gleichzeitig haben Strafverfolgung und Verurteilung von Tätern konsequent durchgeführt und nicht aufgrund des Asyl- oder Migrationshintergrundes rabbatiert zu werden. Clan-Kriminalität ist mit einem Null-Toleranz-Programm begegnen.
- Das Haushaltsvolumen wird reduziert und die Kreditaufnahmen sukzessive, aber energisch auf Null heruntergefahren. Hierzu existiert ein riesiges Einsparpotential, das von der Reduktion der Ukraine-Hilfe über die Streichung der sogenannten Entwicklungshilfe und die Auflösung des BMZ bis hin zur Streichung der NGO-Finanzierung und Subvention der Erneuerbaren Energien reicht. Sechzehn Ministerien könnten durch Streichung bzw. Zusammenlegung auf sieben reduziert werden.
- Kompetenzen der EU-Bürokratie und die EU-Finanzierung sind zurückzufahren. Der Bürokratie-Abbau hat von oben nach unten zu erfolgen: EU, Bund und schließlich Länder. Steuern wie die CO-2 Abgabe, Vorgaben wie das Verbrenner-Aus sind zu streichen. Roland Tichy hat folgenden, klugen Vorschlag unterbreitet: „Es werden keine neuen Gesetze verabschiedet. Der Deutsche Bundestag wird in den kommenden vier Jahren nur Gesetze abschaffen, keine neuen erfinden. Bei unumgänglichen Notfällen erhält der Normenkontrollrat ein Veto. Wir brauchen keinen Bundestag, der sich zur Selbstbeschäftigung immer neue Bürokratie einfallen lässt, die Bürger und Wirtschaft dann finanzieren müssen. Der Bundestag wird sich ausschließlich damit beschäftigen, sinnlose Regelungen abzuschaffen. Übergriffige und sinnlose EU-Regelungen werden nicht mehr in die nationale Gesetzgebung überführt.“
- Deutschland benötigt eine Bildungsreform, die das Leistungsprinzip und die Wissensvermittlung und -anwendung in den Mittelpunkt stellt. Sogenannte „Team-Arbeit“ ist weitgehend einzuschränken, die Verantwortung für die eigene Leistung in den Mittelpunkt zu stellen. Lehrinhalte und Lehrpläne müssen entideologisiert werden. Es geht um Wissen, nicht um Gesinnung. Das Motto der Erziehung lautet: Lust auf Leistung. Wild auf Wissen.
- Deutschlands Außenpolitik muss weg vom grünen Bullerbü, weg von den grünen Phantasmen, die Deutschland in der Welt lächerlich gemacht und dem Land Ansehen gekostet hat. Mittelpunkt deutscher Außenpolitik haben – auch geopolitisch gedacht – deutsche Interessen und nicht Planeten-Beglückungs-Ideen zu sein. Wohin das führt, zeigt der GIZ-Skandal im Jemen.
- Deutschland muss nicht die Ukraine aufrüsten, sondern sich selbst. Das Land muss in der Lage sein, sich und wirklich sich zu verteidigen. Moderne Rüstung wird getragen von technologischer Entwicklung, die auch zivilen Nutzen haben kann.
- Die Sozialstaatsreform muss als gesamte Reform in Angriff genommen werden, nicht separiert als Renten-, Steuer-, Gesundheits- und Arbeitsmarktreform, sondern in der Sozialstaatsreform wird alles aufeinander abgestimmt. Steuern und Abgaben müssen drastisch gesenkt werden, Hilfe zur Selbsthilfe konzipiert werden. Im Mittelpunkt der Reformen müssen der Arbeitsmarkt und Arbeit stehen.
Roland Tichy schrieb: „Die CDU steht damit vor einer klaren Entscheidung. Sie kann sich für dieses Programm Partner suchen. Sie wird Mitglieder verlieren; sollen sie ihr Heil bei Grünen und LINKEN suchen. Erinnern wir uns kurz: Die Sozialreformen von Gerhard Schröder haben die SPD gespalten; der linke Flügel um Oskar Lafontaine hat sich mit der WASG der SED-PDS angeschlossen. Das hat dem Land gut getan und so viel Mittel verschafft, dass Merkel ein Dutzend Jahre aus dem Vollen schöpfen konnte. So etwas braucht politischen Mut und Entschlossenheit. Bei allen Beteiligten.“
Was ein Bundeskanzler für Deutschland tun müsste, ist klar. Dass Friedrich Merz dafür nicht das Format besitzt, dürfte inzwischen genauso klar sein. Die CDU steht an dem Punkt, diese Frau oder diesen Mann für diesen Job in ihrer Mitte zu finden, oder als Partei auseinanderzufallen. Findet sie diesen Politiker nicht in ihrer Mitte, hat sie auch kein Leben mehr, keine Zukunft, nur noch eine Vergangenheit.
„Hic Rhodus, hic salta“ oder wie G.W.F. Hegel schrieb: „Hier ist die Rose, hier tanze.“ Denn die Vernunft, die in der deutschen Politik verfemt ist, ist „die Rose im Kreuze der Gegenwart“.



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Erstens ist M. kein Kanzler von Format.
Zweitens ist selbst der genialste Plan von M. keinen einzigen Pfifferling wert, solange die SPD ihn torpediert … und sei es auch nur, weil ein einziger Rentner den sie irgendwo ausgraben und in der Tagesschau unter Tränen präsentieren, drei Tage länger arbeiten muss. –
PS:
Leider – fürchte ich – werden wir erst noch „ganz unten durch“ müssen.
Bevor es – irgendwann einmal – wieder besser werden kann. –
Zunächst müssen die beiden Titelbetrüger aus der CDU geworfen werden. Dann muss Merz sich selbst zurückziehen und es Leuten überlassen, die es können.
Neuwahlen jett!
Er wurde nicht engagiert um uns aus dem Merkel`schen Sumpf heraus zu holen, sondern das Gegenteil dürfte der Fall sein und damit ist die Frage seines merkwürdigen Verhaltens geklärt, denn alles was er unternimmt ist vermutlich nur den Interessen bestimmter Auftraggeber untergeordnet, wobei das Land und seine Bevölkerung zu kurz kommt und der alte Traum geht in Erfüllung, einen Agrarstaat aus uns zu machen, denn damit stirbt der ganze westeuropäische Kontinent und ist reif zur Übernahme, nach eigenen Vorstellungen. Wer nichts mehr ist, ist damit bedeutungslos und in dieser Frage gehen sie über Leichen und das ist doch seit vielen… Mehr
Vielen Dank für den sehr auschlussteichen Beitrag , den ich mit voller Überzeugung nur zustimmen kann. Da ich nicht über das Talent von Klaus Rüdiger Mai verfüge und diese Gedankennicht so perfekt in Worte fassen kann freut es mich sehr diese Zeilen zu lesen, es ist dem auch nichts hinzuzufügen , ausßer daß es bedauerlich ist , daß der Kanzler , wie Herr Mai schreibt , dieses Format nicht hat und man auch weit und breit keine Person erkennen kann , die hier das Ruder herum reißen könnte. Man kann es nur bedauern , ändern kann man daran leider nichts.… Mehr
Ach herrje, im Hamburger Hafen wurde bereits 2022 eine Yacht vom Hamburger Senat an die Kette gelegt. Konnte man täglich auf der Fähre 62 als öffentlicher Nahverkehr für Berufstätige sehen, eingepackt wie zu Christos besten Zeiten. Die Yacht gehörte einer Schwester eines vermögenden russischen Mannes und sollte bei „Blohm und Voss“ generalüberholt werden. Witzig, wo Deutschland heute mit seinen Sanktionen steht und all den „Ukrainern“ in Badelatschen im „Mundsburg-Tower“ bei Vollverpflegung samt Sicherheitsdienst obskurer Herkunft. Niedlich auch die neue unmittelbare Nachbarschaft aus Kiosk mit Wasserpfeifen, Kneipe, Friseur, Billig-Fleisch-Döner etc. Merz mit aufgeblähtem Berliner Puppenhaus schaut nur zu. Schade, Helmut Schmidt… Mehr
Meinen Sie wie Özdemir als Landwirtschaftsminister, Fleisch müsse unbedingt extrem teuer sein? Ich finde billig gut.
Merz war als Oppositionsführer in der Ampel schon ein Totalausfall.
Es ist keine große Überraschung, dass er jetzt als Kanzler versagt.
Er hat eine große Klappe, das ist dann auch schon alles. Und das reicht nicht.
Dies scheint mir ein ausgezeichneter Entwurf für eine Ruckrede und ein konstruktives Mißtrauensvotum zu sein. Ziele und die Wege dort hin müssen alle wesentlichen Bevölkerungsgruppen inspirieren und die Welt vom Stuhl reißen mit Kommentaren, dass Deutschland doch noch Deutschland sein will und kann.
Das Dilemma von Merz ist, dass er offensichtlich die politischen Notwendigkeiten einsieht, ansonsten hätte er keinen Wahlkampf mit AfD-Inhalten gemacht. Jedoch fehlte und fehlt ihm das Stehvermögen (oder die Charakterstärke), dies seiner vermerkelten Partei abzuverlangen. Das führte zum Makel der Verlogenheit. Obendrein strategierte er sich in die Sackgasse der „Brandmauer“, die ihn zum Vizekanzler von Klingbeil und der SPD machte. Gefangen in diesem selbstverschuldeten Gefängnis bleiben ihm zum Machterhalt noch die „Grünen“, denen er schon mal SPD-konform in demokratiediffamierender Weise nach dem Maul redet, indem er die Anwendung und Durchsetzung geltender, parlamentarisch beschlossener deutscher Gesetze in der Asyl- und Ausländerpolitik… Mehr
Ein Kanzler von Format würde sofort die leckgeschossene Koalition versenken und sich eine konservative Mehrheit verschaffen, die ja längst vorhanden ist. Und er würde das größte Hindernis dazu beseitigen: Nämlich sich selber und seine Regierungsgang. Falls es, wie mir scheint, in der CDU/CSU keinen wirklich begabten geeigneten Kanzlerkandidaten gibt, braucht es eben Neuwahlen mit der Aussicht auf ein Ergebnis, das dann auch die Brüsseler EU zerstört und Platz schafft für einen Neubeginn a la alter EWG oder auch Putins „Haus Europa“ von 2001.
Bei einem ‚Kanzler mit Format‘ hätten wir nach der letzten BTW einen Politikwechsel. Ein Kanzler mit Format wäre jetzt in einer ganz anderen Position. Dieser Kanzler müsste neu Formatiert werden.