Die dramatischen psychischen Folgen des Lockdowns

In Deutschland gibt es kaum genaue Zahlen über Suizide im Zusammenhang mit dem Lockdown. Doch es gibt allerhand andere Daten, die darauf schließen lassen, dass uns eine böse Überraschung droht.

imago Images/Bildgehege

Schon zu Beginn der Krise warnten zahlreiche Experten – Ärzte, Psychologen und Psychiater – vor den psychischen Auswirkungen der Corona-Maßnahmen und befürchteten einen starken Anstieg der Suizidrate. Trotz dieses Appells liegen bis heute keine offiziellen oder zumindest für den Normalbürger einsehbare Zahlen des statistischen Bundesamtes vor, die diese Befürchtungen für Deutschland bestätigen oder entkräften könnten. Die Augsburger Allgemeine titelte im Mai zwar, dass sich der Anstieg laut ihrer Nachfrage für Bayern, Nordrhein-Westphalen, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Berlin, Saarland und Bremen bisher nicht bewahrheiten konnte, konkrete Zahlen werden aber nicht genannt. Und auch wenn das Ärzteblatt Anfang Oktober sogar einen Rückgang der Suizidzahlen in Frankfurt am Main beschrieb, gibt es inzwischen einige Hinweise darauf, dass uns noch ein böses Erwachen blühen könnte.

In Deutschland sterben jedes Jahr rund 10.000 Menschen durch Suizide, etwa 100.000 weitere begehen einen Suizidversuch. Nach aktuellem Forschungsstand stehen 90 Prozent dieser versuchten oder tatsächlichen Selbsttötungen in direktem Zusammenhang mit Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen – und eben die scheinen durch die Corona-Krise erheblich zuzunehmen. Die Kaufmännische Krankenkasse KKH veröffentlichte im August ein Statement zu „rekordverdächtig“ vielen Jobausfällen auf ihrer Internetseite. Demnach ließen sich im ersten Halbjahr 2020 neben zahlreichen Fällen von Erkältungssymptomen rund 26.700 Menschen wegen psychischer Leiden krankschreiben – ein Plus von sage und schreibe 80 Prozent zum Vorjahr. Die Zahl der Krankschreibungen wegen einer Corona-Erkrankung oder dem Verdacht auf eine Infektion ist mit 523 Fällen vergleichsweise gering.

Ernsthafter Anlass zur Sorge

Die steigende Zahl an psychischen Erkrankungen ist für mich vor allem vor dem Hintergrund besorgniserregend, dass es schon lange vor Corona einen erheblichen Mangel an Therapieplätzen gab. Die Betroffenen warten Monate oder sogar Jahre darauf, endlich einen der heiß umkämpften Plätze bei Kassentherapeuten zu bekommen, und ernten nichts als eine Absage nach der anderen. Seit ich die Telefonsprechstunde einer Psychotherapiepraxis mache, erlebe ich die Verzweiflung und Resignation dieser Menschen hautnah mit – genau, wie die Dankbarkeit, wenn sie überhaupt mal einen echten Menschen an die Strippe bekommen. So sympathisch wie mir manche Anrufer sind und so leid wie sie mir tun, bleibt mir nichts anderes übrig als ihr Schweigen, ihre Wut und ihre Tränen auszuhalten, wenn ich ihnen die x-te Absage geben muss. Und die Nachfrage steigt merklich immer weiter. Mein Diensthandy klingelt den ganzen Tag, von morgens um sieben Uhr bis nachts um zwei Uhr. Besonders auffällig ist außerdem, dass etwa 70 Prozent aller Anrufer angeben, seit etwa einem halben Jahr erfolglos auf der Suche nach einem Therapieplatz zu sein – sie haben also kurz nach dem Corona-Ausbruch angefangen. Zufall? Ich glaube nicht.

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Wenn man zu diesem Thema mehr erfahren und sich konkrete Zahlen und Berichte von Betroffenen anschauen will, wird man in deutschen Medien leider kaum fündig. Im englisch-sprachigen Raum ist das zum Glück noch anders – es gibt zahlreiche und wesentlich detailliertere Berichte aus anderen Ländern, die auch für uns nichts Gutes hoffen lassen. Insbesondere aus den USA wurden schon früh zahlreiche kritische Stimmen laut. Ärzte und Krankenschwestern des John Muir Medical Center in Kalifornien berichteten zum Beispiel, dass sie während des Lockdowns mehr Tote durch Suizid als durch das Coronavirus zählten. Dr. Mike deBoisblanc, der Leiter der Notaufnahme des Krankenhauses, sagte dem Sender KGO-TV: „Wir haben in vier Wochen so viele Suizidversuche wie sonst in einem ganzen Jahr.” Die Krankenschwester Katy Hansen ergänzte, dass sie in ihren 33 Jahren Berufserfahrung noch nie so viele selbstzugefügte Verletzungen gesehen und sich deshalb entschieden habe, in die Öffentlichkeit zu gehen. Laut Ihrer Aussage könnte man auch nicht so viele Menschen retten, weil die meisten Suizidversuche keine Hilfeschreie seien, sondern mit Ernst und Entschlossenheit verübt werden – „Sie wollen einfach sterben.“

Neben solchen „Front-Berichten“ geben inzwischen auch einige Studien ernsthaft Anlass zur Sorge. Eine Studie des „Centers for Disease Control an Prevention“ (CDC) zeigte, dass sich schon jetzt gravierende Folgen der Corona-Maßnahmen abzeichnen. Sie stellte fest, dass sich die Symptome von Angststörungen im Juni 2020 im Vergleich zur selben Zeit 2019 verdreifacht und von depressiven Störungen sogar vervierfacht haben. Zusätzlich gaben 13,3 % der 5.470 befragten US-Amerikaner einen erhöhten oder erstmaligen Substanzkonsum an – also jeder zehnte Befragte. Der Prozentsatz der Befragten, die angaben, in den 30 Tagen vor Abschluss der Umfrage ernsthaft über Selbstmord nachgedacht zu haben lag bei ganzen 10,7 % – im Jahr 2018 waren es noch 4,3 %. Was den Anstieg an depressiven Störungsbildern angeht, fand ein deutsches Forschungsprojekt der Privaten Hochschule Göttingen übrigens ähnliche Zahlen: Bei den bis dato rund 2.000 Testpersonen verfünffachte sich die Symptombelastung für Depressivität im Vergleich zur Normstichprobe.

Dass an den Ergebnissen solcher Studien etwas dran seien muss, legt auch ein Bericht der „European Emergency Number Association“ nahe, in dem teilweise von explosionsartig angestiegenen Anruferzahlen in den Hilfehotlines verschiedener Länder und Städte gesprochen wird. In Nashville soll es laut Kongressmann Patrick J. Kennedy einen Anstieg von 800 % bei den örtlichen Hilfehotlines gegeben haben – erschreckend, im Vergleich zu Kalifornien aber noch nichts. Dort verzeichnete das „Didi Hirsch’s Suicide Prevention Center“ nämlich einen Anstieg von unfassbaren 8.000 % von Februar zu März. Die US-weite „Disaster Distress Helpline“ stellte für denselben Zeitraum eine Zunahme von „immerhin“ 338 % fest, was im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Anstieg von 891 % bedeutet. Für Deutschland gibt es in dem Bericht nur Aussagen zu der Berliner Senioren-Hilfehotline „Silbernetz“, bei der sich die Anruferzahlen verfünffachten, und zu einer Würzburger Beratungshotline, die während des Lockdowns einen Anstieg von 32 auf 50 Anrufern pro Tag verzeichnete.

Nur in Deutschland soll die Selbstmordrate nicht gestiegen sein? Das glaube ich kaum 

Die Menschen leiden offensichtlich ganz erheblich unter der sozialen Isolation und der fortschreitenden Wirtschaftskrise – und dass ist nicht überraschend. Im historischen Vergleich zeigt sich nämlich, dass bei schweren Krisen schon immer eine deutliche Zunahme an suizidalen Tendenzen sichtbar wurde. Es gibt Hinweise darauf, dass die Selbstmordtoten während der Spanischen Grippe von 1918 und des SARS-Ausbruchs von 2003 zunahmen, genau wie bei der „Great Depression“ in den 1930ern und bei der Finanzkrise von 2008. Die Selbstmordrate stieg während der großen Depression um satte 22 % und in den ersten Jahren der globalen Finanzkrise in 18 amerikanischen Staaten um immerhin 6,4 %. Die Anstiege sind laut Wissenschaftlern darauf zurückzuführen, dass Millionen von Amerikanern plötzlich mit neuen finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert waren. Der deutsche Professor für Psychiatrie und Psychotherapie, Hauke Wiegand, sagte dazu außerdem: „In den USA ging jeder Anstieg der Arbeitslosenquote um ein Prozent mit einem Anstieg der Selbstmordrate um ein Prozent einher.“

TE unter NGO-Beschuss
Der Kampf um die Pressefreiheit geht in die nächste Runde
Der „International Monetary Fund“ prognostiziert unserer Weltwirtschaft bereits jetzt die schlimmste Rezession seit der Weltwirtschaftskrise. Der „Great Lockdown“ könnte demnach noch viele Menschen das Leben kosten – vielleicht sogar mehr als das Virus selbst. Schon jetzt wird nicht nur in den USA, sondern weltweit von rapide ansteigenden Suizidzahlen gesprochen. In Südkorea stieg die Zahl der Selbstverletzungen im ersten Halbjahr 2020 um 36 %. Es wurden 5,8 % mehr Menschen wegen Depressionen behandelt und auch die Selbstmordrate stieg bei Frauen (die etwa 60 % aller Suizide in Südkorea begehen) zeitweise um 17,6 %. In Thailand stieg die Suizidrate in den ersten sechs Monaten des Corona-Ausbruches um ganze 22 % und in Japan um 15,4 %. Man findet solche und schlimmere Meldungen aus Nepal (+25%), Neu-Delhi, Finnland (+15%) und den Philippinen. In Malawi, einem – zumindest bis vor Corona – wirtschaftlich aufstrebenden Ostafrikanischen Staat wurde ein Anstieg von ganzen 57% festgestellt. Kalkutta ist mit einem Anstieg von 100% aber der traurige Spitzenreiter.

Angesichts dieser Zahlen kann ich nicht glauben, dass die Suizidrate in Deutschland nicht angestiegen sein soll. Dass das zumindest für Berlin auch faktisch nicht stimmen kann, zeigten die Feuerwehr-Daten bereits im Juni: Bis April gab es in Berlin so viele Todessprünge wie im gesamten Jahr 2019. Die Feuerwehr rückte dieses Jahr bis Oktober 294 Mal unter dem Stichwort „Beinahe Strangulierung/ Erhängen“ aus. Im Vorjahr gab es drei solcher Einsätze, im Jahr 2018 sieben, das ging aus einer Antwort der Senatsverwaltung für Inneres und Sport auf Anfrage des Berliner Abgeordneten Marcel Luthe hervor. Die absichtliche Einnahme von Medikamenten-Überdosen mit ausgelösten Atembeschwerden stieg um 31 Prozent und auch die Kombination von akuter Suizidgefährdung in Verbindung mit gewalttätigem Verhalten nahm gegenüber dem Vorjahreszeitraum um ganze 15 Prozent zu – das wird aber überhaupt nicht thematisiert. Man findet in deutschsprachigen Medien fast nichts zu diesem Thema, weshalb ich langsam den Verdacht habe, dass absichtlich über die schweren psychologischen Folgen der Corona-Maßnahmen geschwiegen wird und absichtlich keine Suizidzahlen veröffentlicht werden. Denn mal ehrlich: Wieso sollte ein Dritte-Welt-Land wie Malawi es schaffen, konkrete Zahlen bereitzustellen, und ein hochbürokratisiertes und wirtschaftsstarkes Land wie Deutschland nicht?


Sollten Sie das Gefühl haben, dass Sie Hilfe benötigen, kontaktieren Sie unbedingt die Telefonseelsorge. Unter der kostenfreien Rufnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222 bekommen Sie Hilfe von Beratern, die Ihnen Hilfe bei den nächsten Schritten anbieten können. Hilfsangebote gibt es außerdem bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention. Im Netz gibt es – Beispielsweise bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe – auch ein Forum, in dem sich Betroffene austauschen können.

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Kommentare ( 106 )

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106 Comments
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Paul Brusselmans
9 Tage her

Ein Gedenken an Alysson Jadin aus Lüttich, 24. https://m.facebook.com/alalicorne

Sie hatte die Eröffnung ihres Barbershops auf August verschoben, bekam aber Null Hilfe im neuen Lockdown in Belgien, da das Unternehmen zu neu war. Da sie das Unternehmen erhalten wollte, ihre ganzen Ersparnisse waren investiert, hat sie gehungert und nicht geheizt. Dazu kommt die Vorschrift in Belgien, nur noch eine Person treffen zu dürfen…..

K.O.Estler
15 Tage her

In der nicht allzu langen Glosse wird gleich dreimal das Wort „glaube“ verwendet, im Sinne „Ich glaube nicht, dass X“. Beim ersten Auftreten dieses Glaubensbekenntnisses dachte ich: ein Lapsus kann jedem passieren. Beim zweiten: nun denn, geschenkt. Beim dritten: Stopp, wir sind hier nicht in der Kirche.
Die Autorin versucht den Text fachlich zu untermauern. Was sie durch den steten „Glauben“ sofort wieder kassiert.

Fuerstibuersti
15 Tage her

Das Gefühl bzw. die Erkenntniss, daß man nichts mehr zu verlieren hat, kann aber auch ungeahnte Kräfte im Menschen freisetzen und große Not kann eine massive Umstrukturierung der eigenen , nicht mehr angemessenen Gesellschaftswerte und Verhaltensnormen bewirken. Und das ist gut so. Die Natur hat jedem von uns auch ein Survivalkit für Extremsituationen mit eingepackt.. Es ist soweit. Nutzen Sie dieses wertvolle Geschenk der Natur. Haben Sie keine Skrupel. Die sind bei solchen Feinden komplett unangebracht.. Wir und unsere Liebsten oder dieses Lumpenpack – die Antwort muß glasklar sein!

Fuerstibuersti
15 Tage her

…“ Man findet in deutschsprachigen Medien fast nichts zu diesem Thema, weshalb ich langsam den Verdacht habe, dass absichtlich über die schweren psychologischen Folgen der Corona-Maßnahmen geschwiegen wird und absichtlich keine Suizidzahlen veröffentlicht werden.“
LOL – der war gut✌🏻

RA.Dobke
15 Tage her

Ich lese sehr gern TE, die Kommentare und kommentiere selbst auch. Auch ich befürchte mit einem befreundeten Psychiater schon seit Beginn der Coronakrise und deren Handhabung durch unsere Politik und den Mainstream der Medien eine gesellschaftliche Entwicklung, dass dadurch viele ernstzunehmende psychische „Verstimmungen“ erleiden werden. Dieser Artikel erscheint mir aber zu reißerisch. Ihm fehlt trotz aller Sympathie die sachliche Distanz!

CIVIS
16 Tage her

So Frau Schwarz, …jetzt haben Sie aber mit Ihrer Frage
>“Denn mal ehrlich: Wieso sollte ein Dritte-Welt-Land wie Malawi es schaffen, konkrete Zahlen bereitzustellen, und ein hochbürokratisiertes und wirtschaftsstarkes Land wie Deutschland nicht?“<
den Bogen überspannt !
Ab in die „rechte Ecke“ zu den „Covioten“ und „Verschwörungstheoretikern“ !
So eine Verdachts-Äußerung ist ja fast so schlimm wie die Teilnahme an einer Querdenker-Demo; …und „Kontaktschuld“, wenn auch nur mit Opfern, unterstelle ich bei Ihnen allemal.
Und bitte nie wieder einen solchen provozierenden Artikel; verstanden !?
[ Satire aus! ]

Ralf Poehling
16 Tage her

Ich habe es schon vor Monaten gesagt: Man kann diese Situation nicht ewig in die Länge ziehen. Es pressiert, sonst geht das grausam schief.

moorwald
16 Tage her

Wenn man sich verlaufen oder verstiegen hat, gibt es immer den einen Punkt, an dem man noch sinnvollerweise umkehren könnte. Verpaßt man ihn, so kann es nur noch vorwärts ins Ungewisse gehen – mit Absturzgefahr. Diese Regierung hat mit ihren Anti-Corona-Maßnahmen den point of no return bereits seit langem hinter sich. Nun kann es nur noch vorwärtsgehen – wobei es sich im Grunde um ein Im-Kreise-gehen handelt. Sie versucht einfach „mehr desselben“, was bekanntlich auf eine gewisse geistige Blockade oder Deformation hinweist. Da Politiker vom Schlage der Berliner Truppe Fehler vielleicht erkennen, aber niemals zugeben können, kann eben nur die… Mehr

Kara Ben Nemsi
16 Tage her

Weshalb es wohl keine aktuellen offiziellen Statistiken zu diesem Thema gibt, kann man im Kommentar der Generalmüllhalde zum Film „Das Leben der Anderen“ nachlesen: „Der Dramatiker schreibt darauf, motiviert durch den Suizid seines Freundes Jerska, einen Bericht über die außergewöhnlich hohe, seit 1977 von den Behörden nicht mehr veröffentlichte Selbstmordrate in der DDR. Der Spiegel druckt den Text anonym ab. Die Westveröffentlichung erzürnt die Stasi-Führung.“

Peter Mueller
15 Tage her
Antworten an  Kara Ben Nemsi

Die Suizidrate in Mitteldeutschland war schon zu Kaisers Zeiten deutlich höher als in Westdeutschland. Wer hier also einen Zusammenhang zur DDR konstruiert, handelt unredlich. Sozialwissenschaftler konstatieren statt dessen eine Kausalität zu den verschiedenen Konfessionen. Zukunftsangst habe ich übrigens das erste Mal 1990 als 25jähriger erlebt, als plötzlich nicht mehr klar war, wie es weitergehen soll, wir beide auf Schlag arbeitslos wurden und zum Sozialamt mußten, um unsere Kinder zu ernähren. Schon damals stieg die Suizidrate plötzlich drastisch an. Das war übrigens auch die Zeit, als ich das erste Mal einen Obdachlosen sah. Kannte ich vorher nicht. Und ich hatte bis… Mehr

K.O.Estler
15 Tage her
Antworten an  Kara Ben Nemsi

Das einzige Land des damaligen Ostblocks, welches die Zahlen zur Suizidrate veröffentlichte und international zur Verfügung stellte, war Ungarn – welches auch jahrelang in der weltweiten, tragischen Statistik mit Abstand den Platz 1 einnahm. Noch vor Japan, wo Suizid doch einen anderen Stellenwert hat als in Mitteleuropa.

Rosa Wissmann
16 Tage her

Vielen Dank für Ihre gründlichen Recherche, das sind wichtige Fakten, an die man im Alltag nicht so schnell kommt, ebenso für Ihren erneuten Einsatz für psychisch kranke Menschen, für die ernsthafte Hilfe zur Verfügung stehen müsste.