Mit Heribert Prantl auf der Barrikade für die Grundrechte

Wenn es um Grundrechte geht, stehen Leute auf einer Seite, die sonst nie einer Meinung sind: so wie Heribert Prantl und unsere Kolumnistin.

Screenprint Servus TV / Talk im Hangar-7

Ich kann mich nicht daran erinnern, mit Heribert Prantl in den vergangenen dreißig Jahren je einer Meinung gewesen zu sein. Doch seit einigen Wochen stehen wir gemeinsam auf der Barrikade der Freiheitskämpfer gegen das Alternativlosregime der Kanzlerin. Spätestens seit unserem gemeinsamen Auftritt beim „Talk in Hangar 7“ am 21. Januar bilden wir das, was böswillige Menschen eine Querfront nennen würden. Ich nenne es das dringend nötige Bündnis aller, die das Wahrnehmen von Grundrechten nicht für ein „Privileg“ halten und allen misstrauen, denen die jeweils ausgerufenen Krisen und Katastrophen als Trittbrett für allerhand autoritäre Pläne zur Systemveränderung dienen.

Bei Prantl schrillen mittlerweile die Alarmglocken mindestens so laut wie bei mir. Etwas als alternativlos zu bezeichnen, ist ein Armutszeugnis? In der Tat, das finde ich nicht erst seit der „Eurorettung“ durch Angela Merkel 2010, wie man in meinem Buch „Angela Merkel. Ein Irrtum“ lesen kann.

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Man kann Leben nicht dadurch schützen, dass man Leben totschlägt? Nur zu wahr. Und Prantls Kritik an Entscheidungen am Parlament vorbei, in Kungelrunden von Kanzlerin und Ministerpräsidenten, von denen im Grundgesetz nichts steht? Absolut d’accord. Ebenso seine Kritik an Journalisten, die sich an der Panikpandemie beteiligen und an Juristen, die fein stillehalten, wenn alternativlos verkündete „Maßnahmen“ die Grundrechte verletzen. Und dass er Angst davor hat, dass man sich daran gewöhnen könnte, dass Grundrechte eingeschränkt werden zur Bewältigung von Krisen, obzwar sie gerade in Krisenzeiten zu gelten haben: Das empfinde auch ich als Katastrophe. Jede „Maßnahme“ muss geeignet, erforderlich und angemessen sein und das gilt für die meisten Maßnahmen unserer zügelanziehenden Politiker eben nicht. 

Insbesondere die Moralisierung der Debatte ist ein Debakel. Es wird nicht aufgeklärt, es wird Druck ausgeübt. Wer dieses tut oder jenes lässt, ist nicht „solidarisch“, gefährdet andere, tötet gar Opa und Oma, womit man schon Schulkindern ordentlich Angst macht. Das Individuum ist nichts, die Gemeinschaft ist alles. Hinzu tritt wohlfeile Sentimentalität, gepaart mit Kitsch: Der Bundespräsident lässt Kerzen in die Fenster stellen – Lichterketten sind ja nicht mehr erlaubt –, zum frommen Gedenken an die vielen Covid-Toten. Als ob nicht weit mehr an anderen Krankheiten gestorben würde. 

Die kritische Begleitung all solcher „Maßnahmen“ und Inszenierungen findet man selten bei den öffentlich-rechtlichen und anderen etablierten Medien, da muss man schon bei der Gegenöffentlichkeit vorbeischauen, etwa bei Achgut und Tichy, beim „Westfernsehen“ NZZ und beim privat finanzierten Sender ServusTV, wo Michael Fleischhacker seit Monaten alles säuberlich zerlegt, was im deutschen Fernsehen mit religiöser Inbrunst zelebriert wird: Die union sacrée mit der Regierung und in Deutschland vor allem mit der Kanzlerin. 

ZeroCovid und die Rückkehr des Totalitarismus
Zero Deutschland
Insofern darf man mittlerweile jedem Journalisten dankbar sein, der einfordert, was seine Branche nicht leistet: Kritik und Aufklärung, keine Regierungspropaganda. Kaum einer wagt es zu hinterfragen, ob die Kanzlerin gut beraten war, als sie ihre „politischen“ Entscheidungen zur Bekämpfung einer angeblichen epidemischen Lage von nationaler Tragweite traf. Man umgibt sich halt mit „Experten“, die das sagen, was man hören will, nicht mit anderen Vertretern geballter Kompetenz, die schon lange nicht von einer Pandemie, sondern von einer Panikpandemie ausgehen. 

Die Kanzlerin aber hört lieber auf eine wie die Virologin Melanie Brinkmann, Mitglied einer Initiative namens „ZeroCovid“, deren Anhänger die Infektionen mit dem Virus durch „einen solidarischen europäischen Shutdown“ auf Null drücken wollen. Das Wieselwort „solidarisch“ und die Erstunterzeichner des Aufrufs lassen einiges erwarten. 

„Wir müssen die gesellschaftlich nicht dringend erforderlichen Bereiche der Wirtschaft für eine kurze Zeit stilllegen“, wünscht sich ZeroCovid, „Fabriken, Büros, Betriebe, Baustellen, Schulen müssen geschlossen und die Arbeitspflicht ausgesetzt werden. Diese Pause muss so lange dauern, bis die oben genannten Ziele erreicht sind.“ Geld dafür sei ja da – prompt kommt das vertraute Programm: „Wir verlangen „die Einführung einer europaweiten Covid-Solidaritätsabgabe auf hohe Vermögen, Unternehmensgewinne, Finanztransaktionen und die höchsten Einkommen.“  

Professor Christian Zeller, Wirtschaftsgeograph an der Universität Salzburg, kam als Vertreter von „ZeroCovid“ zum „Talk im Hangar 7“ und sollte dem beharrlich nachfragenden Moderator Michael Fleischhacker erklären, warum die Rettung der Welt nur mit noch schärferen Maßnahmen gelingen kann. Ganz klar wurde das nicht, vor allem nicht, wenn der Professor von „konkreten Maßnahmen“ sprach. Nur ein-, zweimal erkannte man das solidarische und ökosozialistische Paradies auf Erden hinter den mit vor Missionseifer zitternder Stimme vorgetragenen Mahnungen und Warnungen: Man könne doch die Rüstungsindustrie zumachen, die sei im übrigen auf Dauer verzichtbar. Gut gepunktet: Rüstung mag schließlich niemand. So macht man sich populär. Danach geht man dann an die Autoindustrie. Usw. usf. 

Wenn ich mal moralisieren darf: Panik verbreiten und dann die Angst der Bevölkerung für die ersehnte „Systemüberwindung“ funktionalisieren, ist nichts als mies.

Derweil verkündet die WHO am 20. Januar 2021, pünktlich nach der Inauguration von Joe Biden, was man bei den Alternativen zum publizistischen Mainstream schon länger weiß: Die weltweit zum Aufspüren von Infektionen mit Covid 19 verwendeten PCR-Tests sind dazu nicht geeignet. Auf diesen „Zahlen“ (von positiven Tests, nicht aber von Infektionen oder Erkrankungen) aber beruhen sämtliche „Maßnahmen“. „Alle auf der Annahme einer Infektiosität nur wegen irgendeiner positiven PCR-Testung beruhenden Grundrechtsverkürzungen ermangeln einer rechtlichen Grundlage“, kommentiert der Jurist Carlos A. Gebauer. Es gibt in Deutschland demnach keine „epidemische Lage von nationaler Tragweite“. Der Luftballon ist geplatzt. 

Na also: Vorwärts mit Heribert Prantl und mir! Auf die Barrikaden! Wir brauchen keine neue Normalität. Uns genügt die alte, in der die Würde des Menschen unantastbar ist.


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Kommentare ( 110 )

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Schraubenberny
3 Monate her

Heribert Prantl, Speerspitze der noch schreibenden Journalisten,Bei allen sozialistischen, genderisierten, klimarettenden energiewenderistischen Themen immer vornedran.Er schert aus,und wird zum „Querdenker“??? Nicht zu glauben,oder fällt der Mann von dem ideologischen Glaubensmainstream ab??? Allerdings,allen Respekt, wenn Journalisten seines Schlages noch umdenken können. Hoffentlich setzt sich diese neue Denkweise bei möglichst vielen seiner Kollegen fort.

Zebra
3 Monate her

Ich war auch sehr überrascht, Heribert Prantl so agieren zu hören. Volle Zustimmung und weiter so. Aus einem Saulus kann noch ein Paulus werden.

Werner.K
3 Monate her

Vielen Dank Frau Stephan für Ihren hervorragenden Artikel zum Talk im Hangar 7 bei Servus TV in der vergangenen Woche, bei dem Sie selbst mit wunderbaren Anmerkungen und Gedanken sich eingebracht haben. Was ich allerdings niemals für möglich gehalten hätte, waren die exzellenten ,konstruktiven Beiträge von Herrn Prantl von der SZ. Ich bin überzeugt, dass er begriffen hat, was gerade mit unserer Demokratie geschieht, und wer die Verursacher dieses unaufhaltsamen Dramas sind. Allen voran die Kanzlerin. Es werden Lockdowns verordnet, die einen nur geringen Einfluß auf die Coronainfektionszahlen haben. Das größte politische Drama seit 1945 ist das Impfstoff Problem von… Mehr

Herr K.
2 Monate her
Antworten an  Werner.K

P. ist nicht mehr bei der SZ.

gorbi
3 Monate her

Noch ein kleiner Nachtrag , wenn sie erlauben.
Demokratie ist nicht so wichtig für den Bürger. Ein funktionierender Rechtsstaat schützt uns hingegen vor der Willkür der Regierung. Dafür kämpfte Amerika unter General Washington. In der anschließenden Unabhängikeitserklärung steht ganz oben, an erster Stelle::: We te people. Wir das Volk . Wir geben uns unsere Rechte . Nicht die Regierungen erteilen uns gnadenvoll irgenwelche Rechte, so nach Gutsherrenart. Was die Merkelregierung von dieser Sichtweise hält ist zur Zeit live sichtbar.

Zebra
3 Monate her
Antworten an  gorbi

Leider gibt es keinen Rechtsstaat in Deutschland, weil die Staatsanwaltschaften weisungsgebunden sind und die oberen Richter von der Regierung eingesetzt werden (wo ist da die Gewaltenteilung???) Gegen links-grün (oder die vorherrschende Ideologie) zu klagen, ist heute ein Würfelspiel

Last edited 3 Monate her by Zebra
Zebra
3 Monate her
Antworten an  gorbi

… und je mehr in Deutschland von „Demokratie“ geredet wird (Demokratiestärkungsgesetze, Gefahr für die Demokratie durch die AfD, Demokratiefernsehen usw.) je weniger gibt es sie. Nicht umsonst nannte sich die kommunistische Diktatur Mitteldeutschlands Deutsche Demokratische Republik.

gorbi
3 Monate her

Ich war ebenso erstaunt. Bei Hrn Prantl“s Aussagen habe ich früher
Würgreflexe bekommen. Ich habe ihm eine private Email geschickt, um ihm für das Eintreten für den Rechtsstaat zu danken. Verbunden mit einer ,meines Erachten ,notwendigerweise kleinen Entschuldigung. Er hat mir freundlich geantwortet. Respekt sage ich.

voll wach
3 Monate her

Danke liebe Cora Stephan, dass Sie es selbst sind, die dieser letzten im deutschsprachigen Raume stattfindenden TV-Talkrunde, die diesen Namen noch verdient, ein paar erhellende Zeilen widmen. Auch ich war genauso wie Sie über Prantls Position verwundert. Ganz deutlich vernahm ich Ihrem Gesicht die Sprachlosigkeit, ob Ps Ausführungen und Stellungnahmen zur Verteidigung der gesellschaftlichen Freiheit. Die Quasselstrippe (das lässt sich irgendwie nicht gendern hahaha), ließ Sie zwar nicht zu Worte kommen, aber ich glaube, Sie konnten in diesem Falle Nachsicht üben. (Grins). Das Keyword des Abends war allerdings „Profit“ und es kam aus dem Munde des Prof.Zellers. Die Corona-Nulllösung sei… Mehr

Tesla
3 Monate her

Ich hätte nie gedacht, dass ich Herrn Prantl einmal so zustimmen könnte wie bei seinem Auftritt in „Talk in Hangar 7“, und dann auch noch so deutlich.

Back to the roots
3 Monate her

„Wer dieses tut oder jenes lässt, ist nicht „solidarisch“, gefährdet andere, tötet gar Opa und Oma“ Warum sollte ich mich solidarisch zeigen mit einem aus der Bahn geratenen Volk? Mit ca. 80% der Bevölkerung habe ich aus diversen Gründen wenig bis gar nichts gemein, schon gar nicht deren politische und pseudomoralische Ausrichtung. Warum sollte ich Oma und Opa töten? Die sind schon groß und damit sowohl fähig als auch vertrauenswürdig, daß ich guten Gewissens sagen kann, daß sie es selbst beurteilen können, wie sie sich zu schützen haben und wer sie besuchen kann oder nicht. Wenn einer aus der merkelschen… Mehr

Protestwaehler
3 Monate her

Vielleicht will Prantl aber auch nur die einzige Alternative zum Einheitsbrei nicht allein „Den Bösen“ überlassen. Leute wie Prantl setzen sich nicht für andere ein, sondern nur für Ihresgleichen.

schaefw
3 Monate her

Ich war ob des Prantl’schen Umschwungs mehr als überrascht. Bricht die Stunde der Wendehälse an ?

Christa Wallau
3 Monate her
Antworten an  schaefw

Ich glaube, Sie bringen es auf den Punkt:
Prantl hat erkannt, daß in absehbarer Zeit Merkel als „nackte Kaiserin“ dastehen wird, und daß dann er, der sie immer in höchsten Tönen gelobt hat, auch demaskiert wird.
Also tritt er jetzt bereits die Flucht nach vorne an.
Ein früher Wendehals ist er, der hochmoralische Herr Prantl!
Oh, wie ich solche Pharisäer verachte!