Vom Ende der Idee des zivilisierten Krieges und dem Crash of Civilisation

Die europäische Zivilisation selbst ließ den Geist des Terrors aus der Flasche, in die sie diesen nicht mehr zurückbekommt.

Dawid Zawila

Als 1648 der sogenannte Dreißigjährige Krieg, der tatsächlich eine Aneinanderreihung von innerdeutschen Konflikten und Invasionskriegen ausländischer Mächte gewesen war, in einem Zermürbungsfrieden endete, in dem vor allem Franzosen und Schweden den Lohn ihrer Invasion zu Lasten der Deutschen einsammelten, wurde dieses von den Überlebenden erst einmal nur als Ende eines zivilisatorischen Desasters gefeiert. Spätere Generationen von Historikern machten daraus den ersten Vertragsfrieden der Neuzeit, deren Anbeginn damit als manifestiert galt.

Nicht jedoch, dass damit auf europäischem Boden das, was man Krieg nennt, endete. Zahllose kleine und große Konflikte sollten den Kontinent weiterhin erschüttern, Großmächte wie Napoleons Frankreich entstehen und untergehen. 1899 – die Mächte Europas hatten sich zwischenzeitlich einigermaßen zurecht gerüttelt und aus den Trümmern des Dreißigjährigen Krieges war das Deutsche Reich entstanden – einigten sich die Imperien auf ein Vertragswerk, welches den Krieg, der seit Anbeginn der Zeit darauf basierte, dass der letztendliche Sieger diesen seinen Sieg mit tatsächlich allen Mitteln errang, in ein zivilisatorisches Regelwerk gießen sollte. So wurde geregelt, dass Kulturgut von allen Kriegsparteien und Privateigentum von den siegreichen Parteien zu schützen und dass Gefangene menschlich zu behandeln seien, dass Krieg erklärt werden müssten und mit Waffenstillstand vorläufig und über Friedensvertrag abschließend endeten.

Wieder wurde gefeiert – und es schien, als habe die Menschheit einen bedeutsamen Schritt in ihrer zivilisatorischen Entwicklung getan.

Regeln des Krieges standen nur auf dem Papier

Weit her allerdings war es mit diesen Errungenschaften nicht. Keine zehn Jahre nach Inkraftsetzen der sogenannten Haager Landkriegsordnung im Jahr 1907 befanden sich die Mächte Europas wieder in einem Zustand der gegenseitigen Selbstvernichtung – und ob vorsätzlich oder einfach nur deshalb, weil Krieg eben Krieg ist: Wieder wurden Kulturgüter vernichtet, wieder wurde mit unmenschlichen Mitteln gegeneinander gekämpft.

Noch brutaler wurde es, als ab 1939 das totalitär geführte Deutsche Reich die militärische Revision des aufgezwungenen Friedens von Versailles zu erreichen suchte. Weder die Regeln eines vorgeblich zivilisierten Krieges noch jene humanistisch-philosophischen Vorstellungen vom Wert des Lebens eines menschlichen Individuums galten in dieser Auseinandersetzung. Ob deutsche Luftangriffe auf Städte in Polen, Holland oder Großbritannien; ob Flächenbombardements auf Städte im Hoheitsbereich des Reichs – der Schutz von Kulturgütern stand auf der Liste der zu vermeidenden Kriegsfolgen, wenn überhaupt, dann ganz weit unten. Der Schutz der Zivilbevölkerung hatte sich in das Ziel deren vorsätzlicher Tötung verkehrt. Der Schutz von Privateigentum nach der Kapitulation blieb nur allzu häufig nichts als eine Illusion. Der Umgang mit Kriegsgefangenen war nur allzu häufig barbarisch und weit entfernt von den Illusionen der Landkriegsordnung. Vom industriellen Massenmord, den Staatsverbrecher im Namen der Deutschen organisierten, ganz zu schweigen.

Das Festhalten an einer Illusion

Trotzdem und gerade deshalb hielt jene Organisation, die auf der Grundlage eines Kampfbündnisses gegen die späteren Kriegsverlierer gegründet worden war, sowohl an den Regeln der Haager Landkriegsordnung als auch an den Vorstellungen eines universellen Menschenrechts fest. Krieg sollte, so er unvermeidbar schien, menschlich geführt werden. Doch der innere Widerspruch, der in dieser Verknüpfung einer unmenschlichen und dennoch urmenschlichen Handlung beruht, die auf Unterwerfung und Vernichtung des anderen ausgerichtet ist, blieb mit den Philosophien einer zivilisierten Menschheit unvermeidlich. Er sollte auch nach 1945 niemals wirklich gelöst werden.

Kriege, die immer wieder ausbrachen, schienen oftmals human zu beginnen – doch sie endeten zumeist darin, dass das, was nun Kriegsverbrechen genannt wurde, dennoch stattfand. Denn es war, ist und bleibt die Logik des Krieges, ihn entweder unter Einsatz aller denkbaren und möglichen Mittel zu gewinnen – oder ihn zu verlieren.

Der Konflikt zwischen Utopie und Wirklichkeit

Gleichwohl: Einige Regeln gab das Werk, welches 1899 und 1906 vereinbart worden war. Wobei es schon damals nur galt, wenn es um den bewaffneten Umgang der Vertragsstaaten untereinander ging. Vorgänge, die innerhalb ihrer Hoheitsgebiete lagen oder sich gegen Gruppen richteten, denen eine eigene Staatshoheit abgesprochen wurde, blieben davon unberührt. Ob die Kämpfe der Briten gegen Buren, Zulu und anderen, ob der Militäreinsatz der Deutschen gegen die Herero, ob der Feldzug der Italiener gegen die Abessinier, ob die Schlachten der Franzosen gegen die Nordafrikaner – nie galten die Regeln von Den Haag für das, was die Europäer Kolonialkonflikte nannten. Und so musste das hehre Streben, welches maßgeblich aus der Angst geboren war, selbst im Falle eines Krieges Opfer desselben zu werden, eine Utopie bleiben. Was hier vertraglich zu vermeiden gesucht worden war, charakterisierte einmal mehr jenen immerwährenden Konflikt zwischen dem, was der Kopf dem Menschen zu gebieten, und dem, was die Wirklichkeit notwendig zu machen scheint.

Dabei war und blieb die Landkriegsordnung nebst Nachfolgeprotokollen ausschließlich ein Regelwerk, welches souveräne Staaten untereinander ausgehandelt hatten und welches ausschließlich auf Gegenseitigkeit zur Anwendung zu bringen war. Jene, für die es zutraf, waren die zunächst nur 29 souveränen Staaten, die das Regelwerk zeichneten. Es waren zumeist Staaten des europäischen Kulturkreises. Bereits als 1907 eine geringfügig überarbeitete Version vereinbart wurde, verweigerten sich 17 Unterzeichner der Version von 1899.

Wie bedeutend dieses werden würde, vermochten sich die Vertragspartner von 1907 nicht vorzustellen. Schließlich hatten sie damals die Welt weitgehend unter sich aufgeteilt. Das fortschrittliche Europa beherrschte den Globus – einige wenige nicht zum europäischen Kulturkreis gehörende Staaten waren entweder mit sich selbst beschäftigt oder damit, sich des Einflusses der Europäer zu erwehren. Und nach wie vor galt für sie alle: Papier wird spätestens dann geduldig, wenn es um das Überleben geht.

Die Definition von Krieg

Gänzlich ohne Bedeutung waren und sind jene gegenseitigen und gemeinsamen Zusicherungen dennoch nicht. So geben sie beispielsweise Auskunft darüber, was im völkerrechtlichen Sinne als Krieg zu bezeichnen ist. Dieser kann, so will es die Landkriegsordnung, nur zwischen souveränen Staaten geführt werden. Weshalb für bewaffnete, innerstaatliche Konflikte zumeist der fragwürdige Begriff des Bürgerkriegs Anwendung findet selbst dann noch, wenn in ihn – wie im 17. Jahrhundert in Deutschland und aktuell in Syrien – zahlreiche souveräne Staaten von außen direkt oder indirekt involviert sind.

Weiterhin findet der Haager Kriegsbegriff keine Anwendung für Gruppen, die nach der Kapitulation eines Staates oder im Zustand des Waffenstillstandes den Krieg fortzuführen suchen, wie dieses beispielhaft dereinst die französische Resistance oder de Gaulles „Freies Frankreich“ tat.

Widerstandsgruppen werden auch im Sinne der Landkriegsordnung dann zu Terroristen, wenn sie nach einem offiziellen Waffenstillstand oder gar nach der Kapitulation ihres Staates den bewaffneten Widerstand gegen den Gegner fortsetzen. Schon gar nicht können als Kombattanten oder Kriegsgegner jene Gruppen betrachtet werden, die, wie einst die sogenannte „Rote Armee Fraktion“, sich selbst als im Kriegszustand gegen ihren eigenen Staat befindlich definieren. Auch sie fallen unter den modernen Begriff des Terroristen und sind im Sinne des Kriegsrechts nichts anderes als Kriminelle.

Der Versuch, die Welt nach eigenen Vorstellungen zu regeln

Schien insofern das Regelwerk dem Krieg klare Strukturen zu geben, so wurden diese nicht nur in den klassischen Kriegen des 20. Jahrhunderts durch dessen Unterzeichner missachtet. Mehr noch zeigte sich die hehre Idee vom zivilisierten Krieg als bloßes Wunschdenken, als immer mehr, nicht dem europäischen Kulturkreis angehörende Völker in die postkoloniale Selbstständigkeit entlassen wurden. So ist allein schon die Kairoer Menschenrechtserklärung der islamischen Staaten existenter Beweis für die Tatsache, dass die europäische Menschenrechtsidee keine globale ist. Auch ist Helmut Schmidt mit seinem zutreffenden Hinweis, dass die Einforderung von Menschenrecht gegenüber China ein sinnloses Unterfangen sei, unvergessen.

Tatsächlich, das gilt es unmissverständlich festzustellen, waren die Deklarationen von Kriegsordnung und Menschenrecht nichts anderes als der Versuch der europäischen Kultur, die Welt nach ihren Vorstellungen zu regeln, vielleicht sogar zu ordnen. Ein solcher Versuch aber kann nur dann erfolgreich sein, wenn jene, die ihn unternehmen, bereit sind, ihn mit aller Macht und allen Mitteln durchzusetzen. Möglich schien das noch, als Europäer die Welt beherrschten. Als sie nach 1945 diese Beherrschung nach und nach aufgaben und aufgeben mussten, verloren damit auch die Vorstellungen des europäischen Kulturkreises ihre Bedeutung.

Der Todesstoß durch fremde Kulturprägung

Ihren faktischen Todesstoß bekamen sie in dem Moment, als aus den Reihen der früher dominierten Völker und Länder Personenkreise erwuchsen, die auf der Grundlage gänzlich anderer Kulturprägung einen zumeist ideologisch-mystifizierten Kampf gegen die frühere Dominanz führten. All diese Gruppen kennen wir heute als Terroristen – und sie rekrutieren sich aktuell maßgeblich aus jenen Regionen, in denen die Renaissance des klassischen Islam als kollektivistische Weltbeherrschungsideologie aus dem siebten Jahrhundert wieder zu ihrer ursprünglichen Bedeutung gelangte. Die letztlich als Ergebnis christlicher Vorstellungen mit dem Primat der Vernunft entstandenen Vorstellungen taugten für Europa und den europäischen Kulturkreis. Für große Teile der Welt jedoch taugten sie nicht.

So war es für Saddam Hussein kein Problem, die Kurden seines Hoheitsgebiets mit Giftgas zu disziplinieren. Es ist für Erdogan kein Problem, ganze Städte seiner inneren Gegner zu zerstören. Es ist für China kein Problem, gegen die Uiguren mit Mitteln vorzugehen, die weder von Landkriegsordnung noch Menschenrechtskonvention zu billigen wären.

Wenn bislang der aus Pekinger Sicht längst überfällige, harte Schlag gegen die Hongkonger Rebellen ausgeblieben ist, so ist dieses nicht der Bereitschaft geschuldet, sich den europäischen Weltvorstellungen zu unterwerfen – es ist ausschließlich die Furcht, dass der daraus entstehende ökonomische Schaden deutlich größer sein könnte als der politische Nutzen.

Eine Utopie darf positiv sein

Trotzdem – das soll hier nicht in Abrede gestellt werden – sind die Errungenschaften der bürgerlichen Zivilisation Europas nicht herabzuwürdigen selbst dann, wenn sich ihre Vordenker selbst nicht daran hielten. Denn sie könnten – so ist das mit Utopien – eine bessere Welt bewirken, hätten sie tatsächlich die Kraft, ihre Geltung zur notwendigen Bedeutung zu bringen.

Doch die Welt ist heute, über hundert Jahre nach der Schöpfung dieser Ideen, noch weniger besser als sie seinerzeit gut war. Und es hilft wenig, sich an Visionen des Besseren als vorgebliches Sein festzuklammern, wenn dadurch das Bestehende nicht besser wird und das Ist selbst kontinuierlich darauf hinwirkt, die Basis der Visionen zu zerstören.

Das Ende der Idee vom zivilisierten Krieg

Das Ende der Idee, dass man den Krieg zivilisieren könne, kam mit dem Ende der Dominanz der europäischen Kultur über die Welt. Es sind nicht nur die 15 Personen, die laut einem EU-Ratsbeschluss, der am 8. Januar 2018 unter der Präsidentschaft des Rumänen George Ciamba gefasst worden war, als Terroristen gelten und die durchweg islamische Namen tragen, sowie die ebenfalls dort festgeschriebenen 21 Organisationen und Körperschaften, die diese Vision der Europäer zu Grabe trugen.
Es ist unverkennbare Tatsache, dass Regeln, auf die Länder, die sich als zivilisiert verstanden, sich geeinigt hatten, eben nicht gelten für jene, die nicht zivilisiert sind, einem anderen Kulturkreis angehören. Sie, die in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts dem Druck der Dominanz der Zivilisation entronnen waren und die diese Regeln für sich nicht gelten lassen, sind die finalen Totengräber von der Idee des zivilisierten Krieges.

Die Staatenführer der Zivilisation dezivilisieren sich

Ob rational erkannt oder instinktiv gefühlt, beugen sich dieser Tatsache nun auch immer mehr politisch Verantwortliche jener Länder, die einst Träger der Ideen vom zivilisierten Krieg und vom Menschenrecht gewesen sind.

Ob Russlands Wladimir Putin, der die Regeln, sollten wir sie als Maßgabe für den Umgang in bewaffneten Konflikten auch dann gelten lassen wollen, wenn diese Konflikte keine zwischen souveränen Staaten sind, in seinem Vorgehen gegen die Rebellen Tschetscheniens außer Kraft setzte. Er tat es in der Konsequenz des Handelns auch dann, als er seine Legionen nach Syrien schickte, um dort dem bedrängten Präsidenten zu Hilfe zu eilen und dabei seine russischen Interessen abzusichern.

Ob der türkische Präsident Recep Tayyib Erdogan, für den diese Regeln ebenfalls nur noch Makulatur sind, wenn es darum geht, die Volksgruppe der Kurden zu bekämpfen oder sein Einflussgebiet über die eigenen Staatsgrenzen hinaus auszudehnen.

Sie stehen aus dem Kreise jener Staaten, die einst den Versuch unternahmen, den Krieg zu zivilisieren, an der Spitze jener, die sich um deren Inhalte nicht mehr scheren.

Doch auch die Bannerträger dessen, was wir einschränkend als westeuropäische Zivilisation bezeichnen können, haben sich von jenen Vorstellungen und Ideen mehr als klammheimlich verabschiedet.

Der asymmetrische Krieg des Terrors

Der neue Krieg, der der Haager Landkriegsordnung unvorstellbar schien und der nur allzu oft seine Impulse zieht aus den Ideen eines arabischen Imperialisten der Spätantike, trägt die Bezeichnung asymmetrisch. Er ist asymmetrisch deshalb, weil seine Kontrahenten nicht mehr mit den bürgerlich-zivilisierten Vorstellungen vom Krieg zwischen Staaten zu beschreiben sind. Weshalb jene, die den neuen Krieg führen, von denen, die wir hier als Traditionalisten bezeichnen wollen, als Terroristen qualifiziert werden.

Die Handlungen des Terroristen sind ein permanenter Verstoß gegen die Regeln des zivilisierten Krieges, weil er diese nicht für sich gelten lässt – und sie für sich auch nicht gelten lassen muss, da er als Mitglied nichtstaatlicher Kampfverbände diesen Regeln weder zugestimmt hätte, noch sie für sich gelten lassen kann. Was wiederum auch bedeutet, dass der vom Terroristen Angegriffene nicht verpflichtet sein kann, den Angreifer nach den Regeln einer Ordnung zu behandeln, die dieser für sich selbst nicht gelten lässt.

Der Erkenntnisschlag vom 9/11

Das Bewusstsein der Existenz solcher Kombattanten, die sich keinerlei Regeln der zivilisierten Kriegsführung unterwerfen, kam über die Träger der Zivilisation mit dem Hammerschlag der 9/11-Anschläge. Seitdem gelten diese Regeln auch für jene, die sich offiziell zu ihnen bekennen, bestenfalls dann, wenn sie einen klassischen Krieg unter souveränen Staaten führen. Im Krieg gegen jene von ihnen als Terroristen bezeichneten Personen und Gruppen sind sie längst außer Kraft gesetzt.

Das war – um zwei prominente Beispiele zu benennen, in denen die USA als ursprünglich eine der treibenden Kräfte der Durchsetzung der Vision vom zivilisierten Krieg und von dem, was die europäische Zivilisation als Menschenrechte bezeichnet, involviert sind – so, als US-Präsident Barack Obama den Befehl gab, jenen ganz oben auf der Liste der Terroristen stehenden Verantwortlichen der 9/11-Attentate auf dem Boden des vorgeblich befreundeten Pakistan zu liquidieren. Der Einsatz von US-Militär auf dem Staatsgebiet der Islamischen Republik war durch die Haager Landkriegsordnung nicht gedeckt. Hätte diese Geltung gehabt, so hätte Obama entweder die Staatsführung Pakistans auffordern müssen, selbst entsprechend aktiv zu werden – oder er hätte sich die Erlaubnis des souveränen Staates Pakistan einholen müssen, um seine Militäraktion auf dem Boden eine fremden Staates billigen zu lassen.

Obama tat beides nicht. Er wusste, dass die Staatsführung Pakistans bestenfalls ein reguläres Kommando entsendet hätte, welches am Rückzugsort des Kriminellen Osama bin Ladn unter offiziellem Bedauern nichts als ein leeres Nest vorgefunden hätte, weil die heimlichen Getreuen des Terroristen im pakistanischen Sicherheitsapparat diesen rechtzeitig genug gewarnt hätten. Genau dieses wäre auch zu erwarten gewesen, hätten die USA den Versuch unternommen, ihre Aktion durch Pakistan genehmigen lassen zu wollen: Das Terrornest wäre leer gewesen, der meistgesuchte Verbrecher der damaligen Gegenwart andernorts untergetaucht.

Der schmutzige Kampf gegen den Terror und des Terrors

Im Sinne seiner Ziele und der Effizienz des Kampfes gegen den Terror im asymmetrischen Krieg hat Obama richtig gehandelt. Und dennoch war sein Vorgehen ein fundamentaler Verstoß gegen jene Regeln, die sich die zivilisierten Staaten zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegeben hatten, weshalb dieser Kampf gegen den Terror von den Utopisten einer besseren Welt als „schmutzig“ bezeichnet wird.

Gleiches trifft nun auch auf das Vorgehen der Vereinigten Staaten von Amerika gegen den iranischen General Qasim Sulaimani zu. Dessen Name, der auf der Terroristenliste des Europäischen Rates prominent in neun Schreibweisen genannt wird, galt in den USA wie in der EU offiziell als Chefterrorist. Allein damit schon war er jeglichem Schutz durch die Regeln der Landkriegsordnung entzogen.

Als Führer der iranisch gesteuerten und durch den Iran finanzierten Quds-Brigaden stand er – und das ist eine weitere, neue Qualität der Überwindung der europäischen Zivilisationsidee – einer durch einen souveränen Staat selbst ins Leben gerufenen und finanzierten Kampfeinheit vor, die die einzige Aufgabe hatte, außerhalb des eigenen Hoheitsgebiets jene Gruppen zum Erfolg zu führen, die jenseits staatlicher Anbindung in anderen Ländern für die Durchsetzung der islamisch-schiitischen Ideologie der Führer des Irans ihren Terrorkampf führen. Das Fernziel dieser persischen Kampfeinheit, für die es in dieser Qualität in der Vergangenheit kein adäquates Beispiel gibt, steht bereits in ihrem Namen: Die Eroberung jener Stadt, die von den Moslems AlQuds und von der zivilisierten Welt Jerusalem genannt wird. Der Weg dorthin – auch das hat sich die staatlich organisierte Terroreinheit zur Aufgabe gestellt – soll über die finale Vernichtung des zionistischen Staates Israel führen.

Denn Israel, diese einzige echte Demokratie im Nahen Osten, gilt den Glaubensideologen des Iran nicht nur aufgrund seines europäischen Staatverständnisses als permanente Gefahr für ihre Islamdiktatur. Jene, deren Kultur keine Verbindung zu den Vorstellungen eines universellen Menschenrechts und der daraus folgenden Hoffnung darauf haben, den Krieg zivilisieren zu können, sehen in dem Staat der Juden, die zu vernichten ihnen bereits ihr antiker Vordenker Muhamad aufgegeben hat, auch den Brückenkopf eben jener europäischen Zivilisation, die sie als die eigentliche Bedrohung ihres eigenen Weltbildes verstehen.

Trumps Zivilisationsbruch

Als Donald Trump den Befehl gab, Sulaimani auf irakischem Staatsgebiet zu töten, war auch dieses Zivilisationsbruch. Wie sein Vorgänger agierte er vorsätzlich unter Ausblendung der souveränen Rechte der irakischen Regierung in Erkenntnis der Tatsache, dass der schiitische Sicherheitsapparat Wege finden würde, den Tod des Iraners zu hintertreiben selbst dann, wenn die irakische Regierung der Liquidierung zugestimmt hätte oder durch US-Druck dazu bewogen worden wäre. Durch die Haager Landkriegsordnung war diese Aktion ebenso wenig gedeckt wie jene Obama-Aktion gegen den saudischen Massenmörder. Dabei gilt: Nicht die Tötung eines Chefterroristen ist der eigentliche Bruch dann, wenn der zivilisierte Weg einer Anklage vor einem unabhängigen Gericht nicht möglich ist – das Außerkraftsetzen staatlicher Souveränität stellt den Verstoß gegen die Landkriegsordnung dar.

Die Kritik und Naivität der Illusionisten

In der Folge traten in den Ländern des europäischen Kulturkreises jene auf den Plan, die immer noch in der Illusion einer friedlichen Welt leben, um des US-Präsidenten Vorgehen öffentlich zu geißeln. Dabei erkennen sie nicht, dass jene Regeln, die die europäische Weltdominanz der Menschheit aufzuzwingen suchte, gestorben sind in dem Moment, als diese Dominanz verschwand.

Es ist dabei ein Treppenwitz der Geschichte, dass dieser Rückzug nicht nur aus der Tatsache gespeist worden war, dass die Mächte Europas sich selbst in einem fünfundsiebzigjährigen Krieg von 1914 bis 1989 selbst um ihre Fähigkeit gebracht hatten, ihrer zivilisatorische Dominanz mit dem Einsatz von Gewalt Geltung zu verschaffen. Mehr noch findet sich die Ursache in jenen Regeln selbst, mit denen die europäische Kultur eine neue Welt schaffen wollte. Die Ideen der zivilisierten Kriegsführung ebenso wie jene Vorstellungen eines generell gültigen Menschenrechts ließen es geboten erscheinen, jenen die entsprechenden Mittel in die Hand zu geben, die genau diese Zivilisation niemals wollten.

Manch einer dieser aus europäischer Sicht als Terroristen einzustufenden Kämpfer ging dabei durchaus geschickt vor, lernte, das Denken der Zivilisation im Sinne seiner Barbarei einzusetzen. So wie jener ägyptische Araber mit dem Kampfnamen Arafat, der gelernt hatte, dass die öffentliche Meinung der Europäer am ehesten reagiert, wenn er seinen Kämpfern gegen Israel das Stigma eines unterdrückten Staatsvolkes im Sinne der Haager Konvention einbrennt. So erfand er das Volk der Palästinenser und mit ihnen jene zahllosen Naiven, die glaubten, im Namen von Zivilisation und Menschenrecht dessen Terror unterstützen zu müssen.

Der Geist ist aus der Flasche

Die europäische Zivilisation selbst ließ den Geist des Terrors aus der Flasche, in die sie diesen nicht mehr zurückbekommt. In ihrer Not wandelt sie sich und nähert sich in ihrem Vorgehen immer mehr jenen an, für die die Regeln der Zivilisation keine Geltung haben.

Schon der gefeierte Obama tat es. Trump tat es – und setzte in seiner Bildungsferne noch einen drauf, als er den Paten des Terrors im Iran öffentlich androhte, deren Kulturstätten zu vernichten, sollten sie in ihrer Reaktion auf die Beseitigung des Obersten der staatlich organisierten Auslandsterroristen zu unverhältnismäßigen Mitteln greifen. Auch das wäre ein eklatanter Bruch der Landkriegskonvention gewesen – wie es beispielsweise auch die nicht einmal kriegsnotwendig gebotene Vernichtung der Kulturgüter Dresdens im Februar 1945 gewesen war.

Sie taten es nicht, wissend, dass ein geballter Militärschlag der USA nicht nur ihre Kulturstätten, sondern auch sie selbst von dieser Erde fegen könnte. Stattdessen nahmen auch sie Zuflucht zu den völkerrechtlichen Kriegskonventionen und konstruierten aus dem Anti-Terroreinsatz auf irakischem Hoheitsgebiet einen kriegerischen Angriff auf ihren Staat. Das aber ist die amerikanische Aktion niemals gewesen – nicht gegen den Iran und dessen Souveränität.

Die hundert Jahre alten Regeln verlieren ihre Geltung

Trump relativierte, nachdem die eher symbolische denn tödliche Reaktion des iranischen Staates deutlich wurde, seine Drohung gegen die Kulturstätten, schickte sogar erste, behutsame Friedenstauben über Atlantik und Mittelmeer. Daran, dass die vor über hundert Jahren erdachten Regeln der Zivilisation ihre Geltung verloren haben, ändert das nichts. Die Terroristen, die in diesem Konflikt für die Weltdiktatur Muhamads kämpfen, wird es nicht davon abhalten, ihre Ziele ohne jede Rücksicht auf Krieges- und Menschenrecht weiter mit allen Mitteln zu verfolgen. Das gilt selbst dann, wenn die iranische Führung das Wirken ihrer Terrorarmee der Quds-Brigaden, die das Teheraner Parlament dieser Tage mit weiteren 200 Millionen Euro ausgestattet hat, offiziell einstellen sollte.

Der Geist ist aus der Flasche. Ihn wieder einzufangen, bedeutete, jene Dominanz, die die regelnden Schritte der bürgerlichen Zivilisation erst möglich gemacht hatte, wieder herstellen zu müssen. Da dieses allein schon deshalb nicht geschehen wird, weil die Träumer von der besseren Welt es nicht zulassen werden, geht die reale Welt nun den Weg zurück zu jenen Zeiten, als vor dem ersten Verhandlungsfrieden der Neuzeit das ausschließliche Recht des Stärkeren galt. „Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt“, lautet eine in beiderlei Hinsicht fragwürdige Floskel. Längst erleben wir, dass zumindest der erste Teil wieder selbstverständlich geworden ist.

Wir erleben das Ende der Idee, den Krieg zivilisieren zu können. Auch wenn es vielen noch nicht bewusst ist und sie verzweifelt einer Idee der bürgerlichen Europas hinterher laufen, das sich auf die Fahnen geschrieben hatte, aus der Welt einen besseren, globalen Regeln folgenden Ort zu machen – und die dennoch auch selbst mit ihren Handlungen bewiesen, dass sie den Kern ihrer Ideen nicht verstanden hatten.

Das geschlossene Fenster vom Traum einer besseren Welt

Eine kurze Zeit schien es, als die Tyrannei der nationalen Kollektivisten Deutschlands überwunden war, dass diese Welt tatsächlich eine bessere werden könnte. Wir – und vor allem die Deutschen, träumten von einem Paradies auf Erden, vom ewig währenden Frieden, von einer harmonischen Welt, in der alle Menschen den gleichen Zugang zum persönlichen Glück würden haben können.

Manche träumen diesen Traum immer noch und sie reflektieren ihr Denken fort von der Wirklichkeit des Krieges unter den Menschen hin zur Illusion eines Kampfes für etwas, das sie Klima nennen. Doch sie werden von der Wirklichkeit überrollt. Von einer Wirklichkeit, die sich ihrer Vision versagt, versagen muss, weil sie eben nur und ausschließlich die Idee einer Zivilisation gewesen ist, die in einem marginal kurzen Zeitfenster der menschlichen Geschichte ein Chance zu haben schien, die Welt besser zu machen.

Die menschliche Realität ist die des Rückfalls in die vorzivilisatorische Phase des Faustrechts. Recht hat, wer die Macht hat, sein Recht durchzusetzen. Das haben nicht nur Putin und Trump begriffen – und sie handeln danach. Ob es dem Einzelnen nun gefällt oder nicht: Trump ist einer jener, die den Weg vorangehen in die nachzivilisatorische Epoche. Und der dieses vielleicht dennoch nur deshalb tut, um diese Zivilisation zu retten. Was einen Althippie wie mich zwangsläufig wieder an jenen Pazifistenspruch erinnert, wonach Fighting For Peace Like Fucking For Virginity sei.

Das Zeitalter der Dystopie

Die Regeln des Krieges bestimmen nicht mehr jene, die ihn mit ihren Regeln zu zivilisieren suchten. Krieg ist wieder das, was er von Anbeginn der Menschheitsgeschichte gewesen ist: Der erbarmungs- und in jeder Hinsicht rücksichtslose Kampf ums Überleben. Dem Überleben von Menschen, die sich in ihrem Überleben von anderen bedroht sehen. Vor allem aber dem Überleben von Ideen, die zunehmend weniger von dieser Welt sind, und die außer jenen von ihnen für sich selbst aufgestellten keine Regeln kennen.

The Clash of Civilisations and the Remaking of World Order, den der Philosoph Samuel Phillips Huntington 1996 beschrieb, wird zum Crash of Civilisation. Er hat den europäischen Kulturkreis längst infiziert und ist nicht aufzuhalten. Wir gehen vom Zeitalter der Zivilisation in das Zeitalter der Dystopie. Der Weg ist vorgezeichnet – und er scheint unabänderlich.

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Kommentare ( 82 )

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82 Kommentare auf "Vom Ende der Idee des zivilisierten Krieges und dem Crash of Civilisation"

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Eine überaus interessante und lesenswerte Analyse, allerdings ohne „Happy-End“, wie wir (in erster Linie die, die immer noch nicht verstehen wollen, was wir in unserer Gesellschaft an negativen Entwicklungen bisher schon hinnehmen mussten) es heute eigentlich viel lieber lesen würden!

– Die Handlungen des Terroristen sind ein permanenter Verstoß gegen die Regeln des zivilisierten Krieges, weil er diese nicht für sich gelten lässt – und sie für sich auch nicht gelten lassen muss, da er als Mitglied nichtstaatlicher Kampfverbände diesen Regeln weder zugestimmt hätte, noch sie für sich gelten lassen kann. Was wiederum auch bedeutet, dass der vom Terroristen Angegriffene nicht verpflichtet sein kann, den Angreifer nach den Regeln einer Ordnung zu behandeln, die dieser für sich selbst nicht gelten lässt. –

Das ist für mich der Schlüsselsatz und die Essenz. Und danach werde ich handeln.

Es waren die Lehren aus den verlorenen Kolonialkriegen, welche Frankreich zur führenden Nation in Sachen verdeckter Krieg bzw. Guerilla-Bekämpfung machten. Colonel Roger Trinquier (la guerre moderne) galt in den 60iger Jahren als Clausewitz dieser Art von Krieg, die im Zeitalter der Massenvernichtungswaffen noch praktikabel und damit zukunftsfähig war. Schon im algerischen FLN vermischten sich Terror, Guerilla, Propaganda und hinterlistige Diplomatie.
Fakt ist: In solch einer Kriegsführung ist eine klare Unterscheiung zwischen Frieden und Krieg nicht möglich, alles wird zur Waffe und jeder ist Gegner (auch und gerade die Zivilbevölkerung).

Dass Kulturen irgendwann untergehen ist letztlich nicht zu vermeiden. Im Unterschied zum letzten großen Kollaps, dem Untergang Roms, haben unsere heutigen „Barbaren“ allerdings kein Interesse die Kultur des Westens zu erhalten. Im Gegenteil. Wie im Islam mit fremden Kulturen umgegangen wird zeigt sich an der Zerstörung aller vorhergehenden Kulturgüter, egal ob buddhistische Tempel in Afghanistan oder Kirchen in Europa. Alles vor und nach Mohammed ist eben haram.

Ein langer starker Text. Ich möchte hier nur mal eine Sache aufnehmen, die wohl am größten unsere Epoche prägt. Unsere Eliten leben intellektuell im 19. Jahrhundert und wissen nicht, dass sich bekriegende Gruppen die nationalen Armeen für ihre Fehden zu nutze machen. Stattdessen wird die Anwesenheit der Nation an sich zum Buhmann erkärt. Die ganzen Abkommen und Erklärungen sind auch entsprechend gestrig. Es werden mit UN, EU, OECD und Co. ein Problem gelöst, das evidentermaßen heute kein Problem ist, nämlich das Länder „einfach so“ Krieg führten, weil sie nun mal Nationen sind. Diese Ideologie wird non-stop unhinterfragt wiedergekeut. Was die… Mehr

Wenn wir einen Hauch der Welt, wie wir sie kennen und ganz gut finden, retten wollen, müssen wir uns der Realität stellen. Es wird keinen Frieden zwischen der islamischen Welt und USA/Europa/Japan geben. Bestenfalls einen kalten Krieg. Die Rolle Chinas scheint mir noch ungewiss. Je früher wir uns das eingestehen und entsprechende Vorkehrungen treffen, desto besser. Natürlich geht das in das Hirn einer ADM oder eines Heiko M. nicht hinein. Zur Ablenkung von der Realität zünden unsere Politiker lieber ein Feinstaubfeuerwerk.

China ist doch durch und durch imperialistisch. Die machen doch überhaupt keinen Hehl daraus, daß sie die Weltdominanz anstreben. Auch da wird man voll dagegenhalten müssen, will man nicht zu einer chinesischen Kolonie werden.

China ist wie im Kalten Krieg eine eigene Partei. Die Interessen Chinas an einer Ausgrenzung des Islams und die wirtschaftlichen Interessen machen es zu einem grundsätzlichen Verbündeten für den Westen.

Stimme Ihnen zunächst zu, Thorsten.

Komma, Aber, Doppelpunkt

Die sicher nicht dummen Chinesen könnten sich ja taktisch überlegt haben:
a. den Westen zunächst durch den Islamismus schwächen zu lassen, dabei aber auch die bei seinem Kampf notwendig eintretende Schwächung des Islam (Ressourcen etc.) abzuwarten,
b. gegen die beiden so Geschwächten dann die „Weltherrschaft“ zu übernehmen.

Tja, nix währt für ewig…

Guter Artikel.
Ich nenne das immer „Die Conchita-Wurst-Werdung“ der westl. Zivilisation.
„Ich bin Anastasia“ ist auch so ein herrlich grauenhaftes Beispiel dafür, wie schon weite Teile der westl. Welt den Bezug zur Realität verloren haben. Feminisierung und Verweichlung unserer Kultur wirken auf die harten Jungs dieser Welt (und sie sind sehr zahlreich. Und sie sind mitten unter uns) als geradezu groteskes Zeichen der Schwäche.
Alexander von Humboldt hat mal vortrefflich analysiert: „Die schlimmste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die sich die Welt nie angeschaut haben“.

Verträge hin, Verträge her – einen zivilisierten Krieg zu führen ist an sich schon ein Widerspruch in sich. Krieg und zivilisiert gehören nicht zusammen. Kriege sind immer barbarisch und die Zivilbevölkerung musste und muss IMMER den Preis zahlen, während der Kriegshandlungen und ebenso danach. Ich denke nur an eines: verbrannte Erde. Krieg kann auch nicht zivilisiert geführt werden, weil man dem anderen ja etwas wegnehmen will, was der andere absolut nicht hergeben will. Kriege sind nur in Fantasyfilmen heroisch und nur dort gewinnt der Gute. Verträge werden von Siegern diktiert und wer als Unterlegener ausgeguckt wurde, hatte eben Pech. Der… Mehr
Na ja, die Haager Landkriegsordnung gibt Regeln vor. Und das man sich daran auch halten kann, wurde zB im Afrikafeldzug gezeigt. Und es ist so, wie es im Artikel steht: die „Barbaren“ juckt das nicht weiter. Ihren Kämpfern dürfte das Abkommen ohnehin vollkommen unbekannt sein. Wenn man eine zivilisierte Welt will, dann muß man halt auch zusehen, daß man die Zivilisation global durchsetzt. Durchsetzung gilt aber per se schon als unzivilastorisch. Ein echtes Paradoxon. Für diesen gordischen Knoten gibt es nur eine Lösung: man muß ihn zerschlagen. Tut man es nicht, wird man verlieren. Das zivilisierte Rom hat gegen die… Mehr

Auch Abkommen werden – wenn es hart kommt – nirgends eingehalten. Mir ging es vor allem darum, dass Kriege NIE zivilisiert ablaufen können. In jedem Krieg wurde die Zivilbevölkerung ermordet, als Geisel gehalten, verhungern lassen und vieles mehr. Sicherlich gab es mal vereinzelt Offiziere, die anders handelten, aber letztendlich … Flüchtlinge sprechen eine beredte Sprache und da meine ich wirkliche Flüchtlinge. Oder ich denke an von ganz oben geplante Feuerstürme, Flächenbombardements und nicht zuletzt die Atombombe. Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden.

Zunächst bitte mal klären,
was die Uiguren wollen.
Wie wehrt man sich richtig
gegen die Übernahme
eines Landesteils durch
eine Ideologie,
die als Religion getarnt ist?

Die mögliche Landnahme durch Mohammeds Zwangskollektivierte ist das eine – der Umgang mit Menschen das andere. Die Frage ist, ob man jene, die durch Geburt und Tradition unter dem Islam aufgewachsen sind, mit Mohammeds Methoden bekehren muss. Ich denke, das sollte auch anders gehen. Meine Kritik am chinesischen Vorgehen richtet sich gegen den Umgang mit Menschen – nicht gegen den Umgang mit dem islamischen Imperialismus.

Der Islam ist eine Religion, der Allumfassenheitsanspruch aber kritisch ist.

Krieg ist im Grunde immer: Der andere hat etwas, was ich haben möchte. Wie gut sind meine Chance es zu bekommen, wenn ich ihn angreife? Im Falle des Irans ist es vor allem Macht, was der Iran gerne hätte. Und wenn man eine Idee hat, hinter der sich viele Leute vereinigen und alles für diese Idee geben, umso besser für mich. Dann sind meine Aussichten im Krieg noch besser.