Die spinnen, die Klimamodelle

Das IPCC wird wahrscheinlich nicht Prognosen von allen Modellen gleich gewichten. Die Ergebnisse sollen anhand der Glaubwürdigkeit der einzelnen Modelle abgewogen werden. Sprich: Das, was besser ins Alarm-Konzept passt, wird genommen.

© Getty / ESA

Alarmstufe rot für Klima-Alarmisten Schellnhuber, Rahmstorf & Co. Sie müssen zu Hochtouren auflaufen, sämtliche Schüler streiken, nicht nur freitags, sondern die gesamte Woche über, und ab sofort müsste jeglicher Verkehr stillstehen, kein Auto, kein Zug, kein Flugzeug – nichts dürfte mehr fahren und CO2 ausstoßen.

Denn die Erde wird wärmer und Lena, Luisa und Greta haben es in der Hand zu stoppen. Das Erschreckende: Sie wird nicht nur um zwei Grad wärmer, sondern um ganze fünf Grad. Die Menschheit wird sich wie der Frosch im Wasserkessel auf der heißen Herdplatte fühlen, der sagen kann, noch gehts ja von der Temperatur.

Phänomenale fünf Grad Erwärmung berechnen die neuesten Klimamodelle und sagen sogar noch mehr vorher. Science, neben Nature das weltweit führende Wissenschaftsmagazin, veröffentlicht jetzt einen Bericht über die neuesten Klimamodelle und ihre Ergebnisse. Die sollen als Grundlage bei der Vorbereitung des nächsten Berichtes des IPCC, »Weltklimarat«, dienen. Diese nächste große Bewertung, wie schrecklich es um das »Weltklima« bestellt sein soll, wird für das Jahr 2021 geplant.

Doch jetzt haben die aktualisierten Klimamodelle ergeben, dass sich die Erde um fünf Grad und teilweise noch mehr erwärmen soll. Wenn in den Modellen der Anteil an CO2 in der Atmosphäre verdoppelt wurde, kam bisher rechnerisch eine Erwärmung zwischen 2 und 4,5 Grad aus. Bei den neuen ergänzten Modellen soll sich die Erde wundersamerweise um 5 Grad oder mehr erwärmen. Soweit die schlechte Nachricht.

Die Gute: Die Klimamodelle sind wie unreifer Käse. Selbst ihre Entwickler glauben nicht an die Ergebnisse. »Irgendwas muss falsch sein!«

Die Klimamodellierer sind sich zwar darüber einig, dass sie bei ihren neuen Modellen ziemlich gute Arbeit geleistet haben. Für die Vergangenheit hätten die Klimamodelle auch ein einigermaßen einheitliches Bild geliefert, wie ein CO2 Anstieg das Erdenrund erwärmen solle.

Doch jetzt würden mindestens acht neue Versionen der Klimamodelle mit ihren Erwärmungs-Prognosen »davonrennen«. Die werden immerhin von führenden Zentren in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Kanada und Frankreich erstellt. Die Modellierer konnten bisher nicht die entscheidenden Faktoren für dieses merkwürdige Verhalten herausfinden.

Daher sind viele Wissenschaftler skeptisch und weisen darauf hin, dass vergangene Klimaveränderungen, wie sie etwa in Eiskernen dokumentiert wurden, die These vom großen Einfluß des CO2 auf die Erdtemperatur nicht unterstützen würden – und auch nicht auf das Tempo einer Erwärmung passen. Die bisherigen Ergebnisse sind »nicht geeignet, mich zu überzeugen«, sagt laut Science Kate Marvel, eine Klimawissenschaftlerin am Goddard Institute for Space Studies der NASA in New York City.

Wissenschaftler des Geophysical Fluid Dynamics Laboratory (GFDL) der National Oceanic and Atmospheric Administration in Princeton, New Jersey, hätten, so der Bericht bei Science weiter, eine Vielzahl von Verbesserungen in ihr »next-generation«-Modell eingebaut. Es ahme die Ozeane mit vielen Details nach, könne die Wirbel direkt simulieren und auch wärmetransportierende Strömungen wie den Golfstrom besser darstellen. Ebenso würden die Klimamodelle den El Niño-Zyklus genauer abbilden, jene periodische Erwärmung des äquatorialen Pazifischen Ozeans. Das sehe »genau richtig« aus, zitiert Science den Ozeanographen Michael Winton. Doch aus irgendeinem Grund erwärmt sich die Welt mit diesen Verbesserungen schneller. Warum weiß im Augenblick niemand. »Wir sind irgendwie verwirrt«, sagt Winton.

Es scheint, als könnten die neuen Klimamodelle ebensowenig wie bisher Bildung und Verhalten von Wolken und Wassertröpfchen in der Atmosphäre darstellen. Das aber sind entscheidende Elemente in der Atmosphäre. Vor allem das Verhalten der Aerosole in der Atmosphäre ist kaum verstanden, geschweige denn, dass es einigermaßen richtig in den Modellen wiedergegeben werden kann.

So überkommen auch die Entwickler eines weiteren Modells der »next-generation« vom National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Boulder, Colorado, Zweifel an ihren Modellen. Dieses NCAR-Team hatte, wie andere Modellbauer auch, anhaltende Probleme bei der Simulation des unterkühlten Wassers in Wolken, die sich über dem Ozean um die Antarktis bilden. Diese Wolken reflektierten in den Modellen nicht ausreichend Strahlung, so dass die Region zu viel Sonnenlicht absorbierte, sich also zu sehr erwärmte.

Die NCAR-Gruppe baute in ihre Klimamodelle daher noch einen aktualisierten Datensatz über die Emissionen von Aerosolen ein, jene feinen Partikel aus Industrie und natürlichen Prozessen, die sowohl Sonnenlicht abweisen als auch die Entwicklung von Wolken beeinflussen können. Diese neuen Aerosoldaten wiederum warfen alles über den Haufen: Als das Modell das Klima des 20. Jahrhunderts simulieren sollte, zeigte es fälschlicherweise kaum eine Erwärmung. »Es hat etwa ein Jahr gedauert, bis wir das geklärt hatten«, sagt Andrew Gettelman von NCAR gegenüber Science.

Die Klimamodellierer wollen alle Modelle in einem »Coupled Model Intercomparison Project« (CMIP) vergleichen, indem sie eine Reihe von Standardsimulationen parallel laufen lassen und zusehen, was dabei herauskommt. Die Ergebnisse sollten bereits vor einem Jahr feststehen. Doch in dieser insgesamt sechsten Vergleichsrunde sind die Klimamodellierer zu spät dran. Der erste Entwurf war eigentlich für Anfang April geplant, aber nur eine Handvoll Teams hatten Modellierungsläufe von Zukunftsprojektionen veröffentlicht, berichtet ein weiterer Autor und sagt: »Es ist verrückt, weil es sich anfühlt, als würde man eine Science-Fiction Geschichte schreiben.«

Im Klartext: Die Klimafachleute tappen vollkommen im Dunkeln. Angeblich genauere Klimamodelle liefern vollkommen unrealistische Ergebnisse.

Das kommt auch dem IPCC nicht mehr ganz geheuer vor. Eine Folge scheint bereits jetzt absehbar: Der nächste IPCC-Bericht werde sich wahrscheinlich nicht so stark auf Klimamodelle stützen wie frühere Berichte. Das sagt jedenfalls laut Science Thorsten Mauritsen, Klimawissenschaftler an der Universität Stockholm und ebenfalls IPCC-Autor.

Das IPCC wird auch auf andere Indizien zurückgreifen und wahrscheinlich nicht Prognosen von allen Modellen gleich gewichten, fügt John Fyfe hinzu, Klimawissenschaftler am Canadian Centre for Climate Modeling and Analysis in Victoria. Die Ergebnisse sollen anhand der Glaubwürdigkeit der einzelnen Modelle abgewogen werden.

Sprich: Das, was besser ins Alarm-Konzept passt, wird genommen.

Klimamodelle nehmen in Anspruch, das Klima der Erde und seine Entwicklung zu simulieren. Sie sollen Temperaturen in den verschiedenen Winkeln der Erde vorhersagen, dazu auch Winde, Feuchtigkeit, Bewölkung, die Zirkulation in der Atmosphäre und der Ozeane – und das alles für nicht weniger als die nächsten Tausende von Jahren. Sie sind die Grundlage für den derzeitigen Klima-Alarmismus und die daraus resultierende Politik. Als Stellschraube wurde das CO2 gewählt, das versteht niemand, damit lässt sich schön Panik verbreiten, und es lässt sich so schön besteuern.

Hinter den Modellen stehen nichtlineare gekoppelte Differentialgleichungen. Sie alle kranken daran, dass es auf die Parameter ankommt, die »vorne« eingegeben werden. Diese Parameter beruhen häufig auf Abschätzungen und sind in der Regel nicht genau bekannt. Außerdem hängen die Ergebnisse dramatisch von den Anfangsbedingungen ab, die ebensowenig genau bekannt sind. Meist gilt: Garbage in – garbage out. Müll rein – Müll raus.

Über die Aussagekraft von Klimamodellen gibt es seit langem intensive Diskussionen. Entscheidend: Solange ein Klimamodell die vergangene Entwicklung des Erdklimas nicht richtig wiedergeben kann, solange ist das Modell unbrauchbar für Prognosen. Genau daran kranken alle Modelle bisher. Außerdem hat keines der Modelle die Entwicklung der vergangenen 30 Jahre auf dem Schirm. Hier sind die Temperaturen etwa gleich geblieben, während die Modelle eine Erwärmung prognostizierten.

Dass damit die Grundlage für jenes CO2-Märchen und dem Klima-Alarmismus fehlt, interessiert Lisa, Lena und Greta nicht. Wenn es das überhaupt je tat.


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Kommentare ( 62 )

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Ideogie braucht keine Wissenschaft.

** Neuere Modelle zeichnen ein noch schlimmeres Bild als die bestehende, also wird daraus geschlossen dass an dem ganzen wohl eher nichts ist… Das ist ja die Welt verdreht! Und zuletzt: der Autor scheint nicht verstanden zu haben dass das Klima ein inhärent chaotisches System ist. Ein Merkmal ist das es Kipppunkte und stabile Bereiche hat. Es ist sehr klar dass es solche Kipppunkte gibt aber sehr schwer vorher zu sagen bei welche Grenzwerte genau die auftreten. Das ist ein Bisschen wie mit Erdbeben und Vulkane. Dass man die schwer vorhersagen kann heißt doch nicht dass es sie nicht gibt… Mehr
Die Klimahysterie ist, ähnlich wie die Flagellantenbewegung im Mittelalter, eine versteckte Dekadenzkritik, Ausdruck der Selbstödnis einer gelangweilten, überreifen Wohlstandsgesellschaft. Daher benötigt sie auch keine funktionierenden Klimamodelle, zumal jeder Mensch nur das Klima seiner Lebenszeit kennt und andere nicht abmessen kann. Kaum ein heute noch lebender Erwachsener erinnert sich der monströs kalten Winter der 1940er Jahre, die auch damals deswegen nicht so dramatisch empfunden wurden (trotz des Mangels an Heizmitteln und Wohnungen in den späten Kriegsjahren und vor der Währungsreform) weil die Menschen insgesamt anspruchsloser und belastbarer waren und der Krieg eine viel größere Bedrohung darstellte. Es zeigt sich erneut, dass… Mehr

Nein, ganz falsch.
Klimaschutz ist typisch linke Politik, im Name einer guten Utopie versteckte böse Ziele umzusetzen. Das ist nichts anderes als Marketing mit irreführenden Etiketten.

Super Nebeneffekt, wenn Völker wegen imaginärer Probleme hysterisch werden, während sie gerade ganz real angeschafft werden, aber dies vor lauter Klimaangst gar nicht mitkriegen.

Mich würde ja mal interessieren, ob eigentlich die aufgestellten Windenergieanlagen in den Klimamodellen berücksichtigt sind. Das ist jetzt vielleicht auf den ersten Blick eine etwas naive Frage, aber man muss es sich nur umgekehrt vorstellen: Wie würden die Windkraftanlagen als Ventilatoren das Klima hier in Deutschland beeinflussen, wenn diese dem Wind nicht die Energie nehmen würden, sondern die gleiche Menge an Energie über den gleichen Zeitraum verwendet würde, um mit diesen Anlagen Wind zu machen. Das ist ja nicht banal, wenn ein nordeuropäisches Industrieland wie Deutschland nicht nur die bisher benötigte Leistung ohne Atom, Kohle und gezwungenermaßen ohne Solar bereitstellen… Mehr

Hauptsache die ☀️ scheint.
Mal mehr, mal weniger. Das ist alles, was man für ein realistisches Klimamodell braucht.

Nachdem ich den Bericht und einen Teil der 42 Kommentare gelesen habe, komme ich nur zu einer Erkenntnis: alle sind fleißig beschäftigt und streiten um …nichts. Oder glaubt jemand im Ernst eine Gesellachaft von ca 8 Mrd Menschen könnte den ‘Lauf der Welt’ ändern?

Wem aber nutzt es, daß alle fleißig mit NICHTS beschäftigt, also abgelenkt sind?

Antworten, die schlüssig wären, habe ich nicht. Ich stelle nur Fragen. Und dann mögen sie sich weiter geißeln und durch die Landen ziehen.

Irgendwie tuen mir diese Klimamodellierer leid. Ich kann es ihnen sogar nachfühlen, immer wieder für den Papierkorb arbeiten zu müssen. In einer Entwicklungsabteilung war ich in den 1980er Jahren an Entwürfen für Chemieanlagen für die Sowjetunion beteiligt. Es wurden immer neue Vorgaben gemacht, sodass der jeweilig vorherige Entwurf im Müll landete. Nach dem 5. oder 6. mal habe ich mir einen anderen Job gesucht. Problem: Klimamodellierer können vielleicht gar nichts anderes, als nicht funktionierende Klimamodelle entwerfen. Ist natürlich in Bewerbungen keine Empfehlung. Aber am Ende des Erwerbslebens vielleicht sagen zu müssen, ich habe immer nur Quatsch produziert, wäre mir ein… Mehr

Ich finde es erstaunlich, wie sich Wissenschaftler dermaßen von jeglichen wissenschaftlichen Methoden entfernen und vor einen Karren spannen lassen können. Prognosen alleine anhand von „Modellen“, an denen so gut wie nichts wissenschaftlich ist – beginnend bei der Auswahl der Werte (es werden nur die gemessenen Temperaturen genommen, die in den Kram passen) bis hin zu den Grundlagen (CO2 als Verursacher). Für mich hat sich zum Beispiel ein Harald Lesch mit seinem Fanatismus und seiner Arroganz aus dem Kreis seriöser Wissenschaftler verabschiedet.

Ich habe Herrn Lesch in einer email in schärfstem Ton aufgefordert auf den Boden wissenschaftlicher Ethik zurückzukehren: Reaktion: NULL. Könnte man abtun als normale Reaktion eines Klimagläubigen. Es gibt sie aber, die auf emails antworten, nicht voller Einsicht, Reue und Besserungsgelöbnissen, aber sie antworten: der Generaldirektor des Humboldtmuseums in Berlin hat mehrfach geantwortet auf meine Kritik an seinem Mitwirken bei „fridays for yesterday, ähh… sorry, future“. Lesch ist ein Fanatiker, nur warum? Soviel kann ihm das Qualitätsfernsehen in Deutschland doch gar nicht zahlen, oder? Für 50 Millionen würde ich auch vor der Kamera behaupten, dass es 30° wärmer wird und… Mehr

Physik: sehr gut
Philosophie: gut
Politik: mangelhaft
Das Problem hatte auch Einstein.

Zum Kontext dieser „verwirrenden Studien“: Vom Klimaforscher Scafetta stammt eine Übersicht über den Trend der Klimaprognosen während der 15 Jahre zwischen 2000 und 2015. Entscheidende Kennzahl ist hier die „Klimasensitivität“, also der Temperaturanstieg bei einer Verdoppelung der Treibhausgase. Und die sank immer weiter ab. Im Klartext: Jüngere Studien legen nahe, dass der Temperaturanstieg durch CO2 bei weitem nicht so dramatisch ist, wie angenommen. Bitte googeln nach „Recent CO2 ‘Climate Sensitivity’ Estimates Headed Towards Zero“. Der Weltklimarat wollte offenbar „zum Ausgleich“ ein paar hochdramatische Klimaprognosen, um beim nächsten Bericht 2021 den Alarmismus aufrecht erhalten zu können. So wie ich den Artikel… Mehr
Wissenschaft sollte (im strengeren Sinne) aus einer erfahrungsfreien Erkenntnis bestehen, streng unviersell gelten, also frei von Meinungen und Glauben gelten. Die Pyhsik ist eine empirsche Wissenschaft, die von Beobachtungen auf physikalische Gesetze schließt. In sofern ist es fraglich, ob Computermodelle überhaupt wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Wenn die Computermodellen den aus den Beobachtungen abgleiteten physikalischen Gesetzen zuwiderlaufen, müßte die Ursache-Wirkungsbeziehung zwichen CO2 und Erderwärmung logisch erklärt werden. (Gott würfelt nicht, so Einstein) Eine „demokratische“ Abstimmung, was anderes ist dieser Konsens nicht, ist für den Wissenschaftsbegriff nicht ausreichend, denn Meinen ist nicht Wissen, es sei denn, man bezeichnet diese Wissenschaft als das was… Mehr