Die Grünen als Rote allein zuhaus‘

Die veröffentlichte Meinung erschöpft sich wie üblich in der Betrachtung der Benutzeroberfläche: bis zur Hessenwahl unvermeidlich und danach bis zum CDU-Parteitag. In der Festplatte darunter sind tektonische Verschiebungen im Gange. In Europa zu beiden Seiten des Antlantiks.

Odd Andersen/AFP/Getty Images

Konrad Adenauer sagte mal zu Spitzenpolitikern der SPD: Warum wollen Sie denn in die Bundesregierung? Sie haben doch die großen Städte. Dass die SPD dort stark war, lag daran, dass in und um die Städte die Arbeiterschaft, bald Arbeiter und Angestellte, in Massen arbeiteten und lebten. Im Verlauf der Jahrzehnte verlor die SPD die Städte parallel zum Rückgang der Arbeiterzahlen durch die Automatisierung der Industrie. Weil Heiner Geißler den Kanzlerwahlverein in eine gut organisierte Partei verwandelte, gewann diese auch Boden in der Facharbeiterschaft.

Mittlerweile etablieren sich die Grünen perspektivisch in den größeren Städten und ersetzen im Westen die SPD Stück für Stück ganz. Für viele, nicht nur junge Leute, sind die Grünen die urbanen Bürgerlichen, die zu den gut bis hoch Verdienenden zählen, denen es materiell an nichts mangelt. Don Alphonso wies darauf im noch nicht abgeschlossenen Auszählverfahren in Bayern hin. Die Grünen in den urbanen städtischen Zonen, die Nichtgrünen in den urbanen ländlichen – denn wirkliches Land gibt es ja nur noch in eher zufällig übrig gebliebenen Reservaten der Natur, von denen nicht nur Grüne nicht wissen, dass es sich um Kulturlandschaften handelt.

Parteipolitisch und nach alten Lagermustern haben die Grünen zusammen mit den anderen in ihrem Lager nicht gewonnen, sondern leicht verloren.

Die politische Richtungsrechnung für Bayern in Prozentpunkten sieht bei Lichte so aus: 61,5 gegen 33,0. 61,5 als Summe von CSU, FW, AfD und der kleineren Hälfte der FDP. 33,0 die Summe von Grüne, SPD, Linke und der größeren Hälfte der FDP. Diese Parteien- und Lagerbetrachtung alter Art wird noch eine Weile mental und medial eine Rolle spielen. Auch wenn sie im Kern überholt ist.

Die Zahlen in Bayern signalisieren die Umschichtung der Anhänger der SPD im Westen zu den Grünen. Die SPD im roten Berlin von 27 Prozentpunkten Ende 2014 auf nun demoskopisch 16, die Linke damals bei 13 und nun 22: das signalisiert die Umschichtung der Anhänger der SPD im Osten zur Linken. Der gemeinsame Nenner ist die Auflösung der SPD durch Umschichtung zu den Grünen und zur Linken.

Heute rief wieder mal ein alter Bekannter an, der in der DDR keine unprominente Rolle gespielt hat. Er teilt meine Beobachtung und konstatiert kühl: Die Grünen glauben, sie werden jetzt die neue Partei, die immer recht hat, dabei wickeln sie nur die alte SPD ab. Abbruchunternehmen sind – auf Zeit – auch ein gutes Geschäft. Meinte er noch, er wüsste es aus der Zeit nach 1990.

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Kommentare ( 82 )

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Die Grünen sind weniger die Partei der ganz oder ziemlich Reichen, sondern der Gebildet-Ungebildeten, d. h. derjenigen, die zwar ein Studium haben oder zumindest angefangen haben, aber typischerweise ein Studium der weichen Bla-Bla-Fächer, der Germanistik, der Sozialpädagogik oder Theologie und ähnlicher Fächer. Da fühlt man sich als „Akademiker“ und „Intellektueller“, hat aber tatsächlich so wenig Ahnung von echter Wissenschaft wie vom echten Leben, ist aber voll von Ideologie, von Gutmenschentum und der Einbildung von Bildung. Die Welt dieser Gebildet-Ungebildeten ist einfach: Der Strom kommt aus der Steckdose, das Gehalt von Staat und für alles Böse ist Donald Trump verantwortlich.

Weswegen Grüne immer als Gutverdiener dargestellt werden, ist mir nicht ganz klar. Gut, Lehrer verdienen nicht schlecht, aber sogenannte Alleinerzieherinnen, typische Grünwählerinnen, leben zu 70% von Hartz, dann der öffentliche Dienst mit seinen Sozialarbeitern ist auch kein Gutverdiener. Ingenieure kann es bei den Grünen nicht geben, sonst würden sie den Verbrennungsmotor bis 2025 nicht abschaffen und dafür tonnenschwere Batterieautos erzwingen wollen, die beim deutschen Strommix, demnächst ohne Atom noch mehr CO2 emittieren werden.

Für mich ist der Zuwachs der Grünen ein Zeichen von Wohlstandsverwahrlosung!

Die Grünen sind die Lifestyle-Partei der jungen. gebildeten, urbanen Städter, die einen perfekten ÖPNV, Ärzte, Theater, Kino, Konzerthäuser haben, die sich keine neuen Straßen wünschen, die ein Tier mit einem Kuscheltier verwechseln, sich Bio leisten (können) und sich in ihrer Steinwüste mehr grün wünschen. Das Potential dieser Wählerschicht haben die Grünen vermutlich noch nicht einmal ausgeschöpft. Sozial sind die Grünen nicht, ganz im Gegenteil sie gehören genauso wie die SPD zu denen, die den Sozialstaat schleifen wollen. Ganz offensichtlich spielen in Bayern weder Renten- noch Hartz4-Fragen eine Rolle. Das zeigt der dramatische Einbruch der SPD, aber auch die Tatsache, dass… Mehr

Auf Bundesebene wäre es wünschenswert, es gäbe eine „unabhängige CDU“ – „Konrads Erben“/WerteUnion bitte aufwachen. Habt Mut zu diesem Schritt!

So groß ist das Wählerpotenzial auch für die Grünen nicht. Im Endeffekt wurde die SPD-Wähler abgegrast. Das Potenzial ist erschöpft.
Und die Posten im öffentlichen Dienst (exklusive Polizei, Müllabfuhr und Kanalreinigung) sind beschränkt. Auch kann nicht jeder als Sozialarbeiter oder in „Projekten“ Unterschlupf finden. Und irgendwann ist auch das Erbe der Eltern ausgegeben. Das Erwachen wird brutal werden, wenn das Geld alle aber die Merkelchen Probleme immer noch da sind…

Die SPD war einst die Interessenvertretung der werktätigen Mittelschicht: nicht nur Arbeiter, auch Angestellte, öffentlicher Dienst, selbständige Handwerker usw. Aber diese meist hart arbeitenden Menschen können nichts mehr anfangen mit einer Partei, die – sie mit Steuern und Zwangsabgaben ausplündert, um EU und die Welt zu retten, während die heimische Infrastruktur verrottet – massenhaft Migranten in die Sozialsysteme einlädt, was besonders in Ballungsräumen auch zu Wohnraumverknappung und -verteuerung führt – sie zwingt, ihre dringend benötigten Pkws der Klimaideologie zu opfern – mit idiotischer Energie- und Wirtschaftspolitik ihre Arbeitsplätze vernichtet – ihre Kinder in Schulen schickt, in denen (neben Frühsexualisierung) der… Mehr

Die grünen Jungwähler schaffen sich jetzt die Voraussetzungen für ein arbeitsreiches Erwachsenenleben und wie nach den Weltkriegen werden sie die romantische Sitte aufnehmen, mit den Fahrrädern aufs Land zu fahren, um bei den Bauern bei der Ernte gegen Bezahlung durch Kartoffeln zu helfen.
Abends bei stimmungsvollen Kerzenschein (igitt Höchstwerte Stickoxyd) erzählen sie, wie ihre Eltern sie mit dem SUV (4×4 betriebenes Auto mit Dieselmotor) zu kostenlosen Konzerten gefahren haben und sie zusammen mit vielen Menschen mit Kopftüchern und Bärten feierten, die allerdings haben mit Opas SUV das Land verlassen, als es kein HartzV mehr gab. Nachdenkliche Pause.

Herrlich – und nur möglich,
so die Fahrräder nicht schon vorher im SUV Richtung Süden mitgenommen wurden…
Und als Tauschware was aus dem 1 Euro Shop mitzunehmen, wird nicht genügen.
Dass es genau so ausgeht ist auch meine Vision.

Die Grünen sind auf jeden Fall nicht die neue SPD. Ihre Wähler wählen sie nicht aus den gleichen Motiven, die ehemals die Grundlagen für sie waren, die SPD zu wählen. Für viele Bürger ist die Grüne einfach die „Wohlfühlpartei“, eine Partei, die sie vor den vielen Gefahren schützt, sei es Umweltberschmutzung, Klimakatastrophe, böse Wirtschaftskonzerne, Rechtsradikalen, dem bösen Internet, …. Auch das außergewöhnlich herrliche Sommerwetter 2018, von den Grünen als Klimakatastrophe bezeichnet, hat den Grünen weitere Sympathien gebracht, bei jung und alt. Hier ein Beispiel eines grünen Fans von gestern aus meiner Nachbarschaft, von mir freudestrahlend angesprochen auf das zurzeit andauernde… Mehr
Die Grünen sind nicht nur ein hermetisches Großstadtmilieu, das sich für allwissend und unfehlbar hält, jugendlich -präpotent halt, es zeichnet sie auch ein völliges Unwissen über die Notwendigkeit staatlicher Organisation und deren zwingende Manifestation in Strukturen aus sowie die Zusammenhänge von Sozialprodukt, Ersparnis, Investition und Konsum. Es ist doch alles da, es ist alles selbstverständlich. Wir sind ein reiches Land. Da soll doch jeder kommen und das auch mitgenießen. Volksgesundheit ? Haben wir doch eh. Öffentliche Hygiene – egal, “ unser Viertel bleibt dreckig“ ( Aufkleber gegen Gentrifizierung, gerne in studentischen Vierteln zu finden). Energiewende – der Strom kommt doch… Mehr

Trotz genereller Übereinstimmung – der Stimmenanteil der Grünen in Bayern ist 18%. Weder die verbliebenen SPD-Wähler, noch die paar Fans der Linken sollten mit den grünen Traumtänzern in einen Topf geworfen werden.

Ich wäre mit dem Abgesang auf die Grünen als Abbruchunternehmen der SPD nicht so schnell, denn das impliziert, dass nach dem Wegfall der SPD auch die Grünen überflüssig werden. Das glaube ich nicht, dafür sind viele Protagonisten zu jung. Politik lebt von Überzeugungstätern. Während die Überzeugungstäter bei Union und noch mehr bei der SPD von den Karrieristen abgelöst wurden (bis auf die nicht mehr so aktive Generation 65+), ist das bei den Grünen noch nicht der Fall. Hier sind wirklich noch Heerscharen von jüngeren Überzeugungstätern aktiv, prozentual fast so viele wie in der AFD (wenn auch mit anderer Gesinnung). Für… Mehr

Beim mittlerweilen herrschenden Niveau an Aggressivität auf beiden Rändern riecht das nach Weimar bzw. Bürgerkrieg. Hamburg und Frankfurt Blockupy zeigen, was da kommt.

Mit der Weimarer Zeit würde ich es nicht vergleichen. Diese fragliche Zeit war geprägt von Not und Elend, zumindest in den Städten. Zudem agitierten die Kommunisten seit 1918. Es waren ja auch bezeichnenderweise in Bayern die Oberländer und Waldler, die dem roten Spuk in München ein Ende bereiteten, analog den Gegenden, in denen die AfD heute viel Zuspruch erfährt. Die heutige Zeit hat m.M. mehr Ähnlichkeit mit der Vorkriegszeit zum WK1. Es ging vielen relativ gut, der Glaube, dass Not und Elend wiederkehren könnte, weit weg. Es zankten sich die Sozialisten mit dem bürgerlichen Lager, aber alle waren der Meinung,… Mehr

Ja, sicher nicht falsch. Aber Linke und Rechte prügeln aufeinander ein. Und die Meinungsfreiheit wird Stück für Stück abgeschafft, Durch Antifa mit Gewalt, aber auch durch Gesetze. Schon ähnlich wie Weimar in der Spätphase.

Wobei ich die „Aggressivität“ an dem einen Rand mehr als herbei geschrieben empfinde…

Unsere grüne Zukunft wird sehr rostig werden. Von allen unsere Zukunft kaum beachtenden Parteien, sind die Grünen am wenigsten zukunftsorientiert. Schöne grüne Welt und die Menschen zurück auf die Bäume. Im Hambacher Wald wurde das schon geübt. Wer in Deutschland glaubt, mit dem Rückbau des technischen Fortschritts und zusätzlichen vielen Bildungsarmen, die Zukunft zu sichern, muss wohl in einer virtuellen Scheinwelt. leben. Selbst mit der Vergangenheit beschäftigen wir uns dabei mehr, als mit der Zukunft. Unsere globalen Konkurrenten jedenfalls freut unsere kleinbürgerliche Sucht und unsere Träume nach angeblichen Gutssein und eine grüne Zukunft. Sie dagegen sind hell wach und schon… Mehr