DER SPIEGEL Nr. 52: Sind Väter die besseren Mütter?

Der Titel ein buntes, lehrreiches und anregendes Stück über Väter und Mütter.

Ich gebe zu: Mich hat das Titelthema der aktuellen SPIEGEL-Ausgabe anfangs nicht gereizt. Aber Kerstin Kullmann ist in dieser Woche ein buntes, lehrreiches und anregendes Stück über Väter und Mütter gelungen – über Gelassenheit und Mut machen, über Empathie und Problemlösungsstrategien und über die Erwartungen von Familie und Freunden an die jeweilige Rolle. In manchen Dingen haben es die Väter einfacher: Wie sie ihre Rolle ausfüllen, können sie weitgehend selbst definieren, unberührt von den unzähligen Ratgebern, denen viele Mütter meinen, gerecht werden zu müssen und sich dabei in eine ständige Alarmbereitschaft versetzen. Insgesamt ein Plädoyer für mehr Gelassenheit mit dem Nachwuchs und das Zulassen verschiedener Herangehensweisen. Ich habe es gerne gelesen.

Nach dem verpfuschten SPD-Parteitag streut das Magazin Salz in die Wunden der SPD. Horand Knaup, Gordon Repinski und Michael Sauga erzählen nicht nur die Geschichte über den von der SPD-Basis abgewatschten chancenlosen SPD-Kanzlerkandidaten Sigmar Gabriel. Sie zeigen auch, wie das übrige Führungspersonal in Zeiten einer übermächtig wirkenden Kanzlerin hier zündelt und sich dort feige wegduckt. Ganz ins Bild passt auch die weinerliche Klage von Frank-Walter Steinmeier, zu lesen im Interview „Der Schaden trifft die SPD“.

In seinem wunderbaren Essay „Seid umschlungen, Feinde!“ skizziert René Pfister, wie die Kontrolle der eigenen Emotionen über Aufstieg und Fall eines Politikers entscheidet. Angela Merkel zeichnet er als „emotionale Pazifistin“, die – nach harten Lehrstunden bei Kohl und Schröder – ohne Hass und Hektik ihre Widersacher wegräumt und nicht zuletzt auch Gabriel damit keine Chance lässt.

Das beste Stück ist das SPIEGEL-Gespräch „Wir Briten flüchten in den Humor“ von Thomas Hüetlin mit Neil MacGregor, dem bisherigen Direktor des British Museum, der in Berlin das neue Humboldt-Forum konzipieren und aufbauen soll. Wie der Schotte kurz und prägnant und in wirklich liebenswerter Art und Weise die Meinung der Briten über die Deutschen, die deutsche Kultur und deutsche Ticks formuliert, erspart die Lektüre dickbauchiger Bücher .

Im Heft verteilt, verleiten Kolumnen und kleinere Beiträge zum Lesen über das allgegenwärtige Flüchtlingsthema. Etwa die Geschichten hinter den Menschen, deren Gesichter in gleich sechs Titelbildern die SPIEGEL-Nr. 31 auf das Flüchtlingsthema aufmerksam machen sollten. Oder der Bericht „Die Pausen-Frage“ über die Angst Hamburger Grundschuleltern vor ansteckenden Krankheiten, wenn sich ihre Kinder mit Flüchtlingskindern den Schulhof teilen müssen. Und nicht zuletzt das Stück von Maximilian Popp, Andreas Wassermann und Peter Wensierski über das skandalöse Agieren der Berliner Lageso in „Das Chaosgeschäft“.

Weihnachtlich und beklemmend aktuell ist zum Flüchtlingsthema die „Weltgeschichte der Heimatlosigkeit“ von Johann Claussen, Hauptpastor in Hamburg. Claussen weist auf die römische Christengemeinde hin, deren Gastfreundschaft berühmt war. Aber auch die hatte Grenzen. „Ohne zu arbeiten“, so Claussen, „durfte kein Gastbruder länger als drei Tage bleiben“.

Was sonst noch lesenswert war: Ein interessanter Blick auf das Berliner Polit-Lobbying ist der Beitrag „Das schaut ganz Deutschland“ von Sven Becker darüber, wie eine PR-Truppe um Lothar de Maiziere der Ukrainerin Julija Timoschenko das Image einer Freiheitskämpferin verschaffte.

SPIEGEL-Leser bleiben dank eines Hausbesuchs von Julia Amalia Heyer beim 87-jährigen Jean-Marie Le Pen auf dem Laufenden über die im Front National stattfindende Familienfehde zwischen dem Vater und seiner Tochter Marine.

Ein Genuss wegen diverser kleiner Bosheiten ist Wolfgang Höbels Besprechung „Ich bin dann mal Depp“ über die Verfilmung des Bestsellers von Hape Kerkeling.

Am Rande notiert: An der Louisiana State University wurde aus Sojaschrot und Weizenkeimen endlich veganes Futter für Alligatoren entwickelt.

Dank Marco Evers „Leiser Tod im Topf“ werden wir in Zukunft aus humanitären Gründen, Krebstiere vor dem Kochen mit dem Messer abstechen.

Und zum Schluss: Donald und Kiefer Sutherland drehten endlich einmal zusammen einen Film, was Sohn Kiefer „Total Cool“ fand. Ein passender Ausstieg zur Titelgeschichte.

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