Vereiste Windräder: In Finnland erfriert die Energie-Zukunft

Höherer Strombedarf in der Kälte, aber die Produktion sinkt - die Preise steigen: Eine anhaltende Kältewelle hat in Finnland zu massiven Ausfällen bei der Windenergieerzeugung geführt.

screenshot X/ @LiskoTouko

Eisbildung an den Rotorblättern vieler Turbinen zwang die Betreiber zur Abschaltung, um Schäden zu vermeiden, besonders betroffen ist Westfinnland, wo der Großteil der installierten Windkapazität konzentriert ist: Die Produktion fiel zeitweise auf einen Bruchteil der Normalwerte, was den Strompreis stark in die Höhe trieb und den Netzbetreiber Fingrid zu verstärkten Importen zwang.

Seit Ende Januar sanken die Temperaturen in Regionen wie Österbotten auf bis zu minus 20 °C, begleitet von bodennahen Nebelwolken in Rotorhöhe. Diese Bedingungen begünstigen die Vereisung: Selbst eine dünne Eisschicht verändert die Aerodynamik der Blätter, reduziert den Ertrag und führt zu Unwuchten. Laut Ilmatieteen laitos (Finnisches Meteorologisches Institut) ist die derzeitige Situation eine der schwersten in den vergangenen Jahren. Experten schätzen, dass die Produktion in den betroffenen Tagen auf 0 bis 5 % der Kapazität sank.

Die Daten von Fingrid zeigen Phasen, in denen die Windkraft sogar negativ wurde – die Anlagen verbrauchten mehr Strom für Heizsysteme, als sie erzeugten.

Der finnische Windpark umfasst derzeit 9.000–9.500 MW installierte Leistung. In Spitzenzeiten lieferte er bis zu 7.000 MW, doch während der Kältewelle brach die Einspeisung dramatisch ein. Bloomberg berichtet, dass die Erzeugung fast zum Stillstand kam und voraussichtlich bis Mitte Februar extrem niedrig bleibt – bis zu 20 % unter dem Normalwert im nordischen Raum. Viele Anlagen verfügen nicht über ausreichende Anti-Icing-Systeme wie elektrische Blattheizungen, die in arktischeren Klimazonen üblich sind.

„Die Jäätyminen on tällä hetkellä yksi pahimmista“ – die Vereisung ist derzeit eines der schlimmsten Probleme, kommentierte das Finnische Meteorologische Institut in einer Pressemitteilung.

Die Folgen sind spürbar: Spotpreise stiegen zeitweise auf über 35 bis 40 Cent pro kWh, in Extremfällen sogar höher. Fingrid importierte Strom aus Schweden „so viel, wie die Leitungen hergeben“, wie eine Sprecherin erklärte.

Während Kernkraftwerke wie Olkiluoto und Gasturbinen die Lücke schlossen, stieg die Abhängigkeit von Importen. Experten sehen hier ein systematisches Risiko für kalte Klimazonen. Viele Turbinen wurden für mildere Bedingungen optimiert; die wachsende Kapazität macht Vereisungseffekte sichtbarer. Langfristig fordern Fachleute verpflichtende Heizsysteme und robustere Designs. Dennoch betonen Behörden, dass dies ein temporäres Phänomen sei: Finnland setzt weiter auf Diversifikation durch Wind, Bioenergie und Kernkraft auf dem Weg zur Klimaneutralität. Die Opposition warnt aber: „Die Kälte treibt die Nachfrage hoch, während die Turbinen ausfallen – eine perfekte Abwärtsspirale“, warnt Antti Mäkitalo, Energiesprecher der Oppositionspartei Perussuomalaiset, in einer Stellungnahme zu Suomen Uutiset. Er kritisiert die Regierung: „Tuulivoima on haavoittuvaista – lavat jäässä ja hinta pilvissä.“ (Windkraft ist vulnerabel – Blätter vereist und Preise in den Wolken.)

Deutliche Warnung vor wetterabhängiger Energieerzeugung

Der bekannte deutsche Wirtschafts-Blogger Emanuel Boeminghaus kommentierte die Strom-Krise in Finnland auf X: „Finnlands Windkraft bricht in der Kälte komplett zusammen. Vereiste Rotoren legen ein ganzes Energiesystem lahm. Teurer Ersatzstrom belastet nun die Verbraucher: Während die Windproduktion zeitweise nur einen Bruchteil der installierten Leistung erreichte, mussten teure Reservekraftwerke und Importe einspringen. Die Großhandelspreise stiegen auf ein Zwei Jahres Hoch und Prognosen erwarten noch Wochen deutlich unterdurchschnittliche Erzeugung im gesamten Norden. Wer glaubt, wetterabhängige Energie könne jederzeit Versorgungssicherheit garantieren, ignoriert die physikalische Realität.“

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