Russland nun doch keine akute Bedrohung – das sagt Mark Rutte

Mit viel Dramatik warnen Europas Politiker bereits seit Monaten vor einem möglichen russischen Angriff auf NATO-Staaten, hunderte Milliarden Euro werden in die Aufrüstung investiert. Doch ausgerechnet NATO-Generalsekretär Mark Rutte meint nun: Es existiert derzeit keine unmittelbare Gefahr eines russischen Angriffs auf NATO-Territorium.

Nato-Generalsekretär Mark Rutte. IMAGO / Anadolu Agency
Nato-Generalsekretär Mark Rutte.

Das Statement von Mark Rutte ist bereits die zweite derartige Aussage innerhalb von zwei Wochen: Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem estnischen Ministerpräsidenten Kristen Michal erklärte NATO-Generalsekretär Mark Rutte am Mittwoch in Tallinn, dass das Bündnis derzeit keine Anzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden russischen Angriff erkenne.

Auf die Frage eines Journalisten, ob Russland tatsächlich einen Angriff auf ein NATO-Mitglied wagen könnte, antwortete Rutte unmissverständlich: „Wir glauben das nicht, und wir sehen keine unmittelbare Bedrohung für NATO-Territorium.“ Sollte Russland größere Truppenverbände für einen Angriff zusammenziehen, werde die NATO dies erkennen und entsprechend reagieren, versicherte der Generalsekretär. Der Video-Clip mit dieser Aussage wird bereits tausendfach auf Social-Media-Kanälen wie X geteilt und kommentiert. So meint dazu etwa der norwegische Politikwissenschaftler, Autor und geopolitische Analyst Glenn Diesen auf X: „Plötzlich ist Russland keine unmittelbare Bedrohung mehr? Hat „Daddy“ ein paar Anrufe bei seinen Tochtergesellschaften getätigt und ihnen gesagt, sie sollen den Angstschürerei ein bisschen zurückschrauben?“

Rutte relativiert die Kriegsgefahr deutlich

Mit seinem Statement widerspricht Rutte zwar nicht der grundsätzlichen Einschätzung Russlands als sicherheitspolitische Bedrohung, relativiert aber doch deutlich die Vorstellung, dass ein militärischer Angriff unmittelbar bevorstehen könnte.

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Und der NATO-Chef sagt das keineswegs zum ersten Mal: Bereits am 30. September hatte Rutte bei einer Veranstaltung des Nachrichtensenders Euronews in Brüssel erklärt, es gebe keine unmittelbare Bedrohung für das Bündnisgebiet. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete damals, Rutte habe ausdrücklich betont, dass sich die Einschätzung der russischen Bedrohung gegenüber den vergangenen Wochen und Monaten nicht verändert habe.

Rutte reagierte so auf russische Warnungen im Zusammenhang mit der Exklave Kaliningrad. Moskau hatte mit einem möglichen Einsatz von Atomwaffen gedroht, sollte die NATO versuchen, das Gebiet zwischen Polen und Litauen abzuriegeln. Der NATO-Generalsekretär betonte: Die NATO sei ein Verteidigungsbündnis und werde sich nicht durch nukleare Drohungen einschüchtern lassen. Seine Botschaft: Ruhe bewahren, statt sich von jeder neuen Drohung in Alarmstimmung versetzen zu lassen.

Zugleich betonte er, dass größere russische Angriffsoperationen gegen Polen, Finnland oder die baltischen Staaten militärische Vorbereitungen erfordern würden, die den NATO-Geheimdiensten kaum verborgen bleiben könnten.

Russische Provokationen

Rutte kommentierte bei der Pressekonferenz in Tallinn auch mögliche russische Cyberangriffe, Sabotageakte und andere Formen hybrider Kriegsführung: Derartige Aktivitäten seien keineswegs ein Zeichen russischer Stärke, argumentierte der NATO-Chef. Vielmehr befinde sich Russland in einer schwierigen Lage, die hybriden Angriffe seien ein Ausdruck von Schwäche. Moskau wolle erreichen, dass sich die westlichen Staaten ständig mit russischen Provokationen beschäftigten und dadurch verunsichern ließen.

Die aktuellen Aussagen Ruttes werfen auch Fragen zur politischen Kommunikation in Europa auf: Zahlreiche Regierungen begründen ihre milliardenschweren Rüstungsprogramme bekanntlich mit der wachsenden Bedrohung durch Russland, die NATO-Staaten haben sich auf erheblich höhere Verteidigungsausgaben verständigt.

Wenn aber selbst die NATO-Führung keinen unmittelbar bevorstehenden Angriff Russlands erkennt, sollten politische Warnungen vor einem baldigen Krieg entsprechend präzise begründet werden. Eine sachliche Sicherheitspolitik müsste zwischen realen militärischen Fähigkeiten, möglichen künftigen Absichten und aktuell nachweisbaren Angriffsvorbereitungen klar unterscheiden.

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Kommentare ( 5 )

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Der Michel
29 Minuten her

„Moskau hatte mit einem möglichen Einsatz von Atomwaffen gedroht“. Nein. „Moskau“ hat darauf hingewiesen, dass ein Angriff auf Kaliningrad (den, wenn ich mich richtig entsinne, ein polnischer Politiker implizit in Aussicht gestellt hatte) es Russland erlauben würde, *alle* Mittel zur Verteidigung des eigenen Staatsgebietes einzusetzen, auch – gemäß der russischen Nukleardoktrin – Kernwaffen. Das halte zumindest ich nicht für eine Drohung, sondern allenfalls für eine Warnung – eher noch für einen Hinweis an die europäischen Betonköpfe, dass man solche Idiotien am besten nicht ausprobieren sollte.

Metric
34 Minuten her

Der NATO-Angriffskrieg liegt auf Wiedervorlage bis zum schon öfter erwähnten Jahr 2029. Die US-Rüstungsfirmen kriegen bis dahin noch ordentlich Geld aus Europa, und die EU-Scharfmacher hoffen auf einen Sieg der Democrats Ende 2028.

Der Michel
39 Minuten her

„„Wir glauben das nicht, und wir sehen keine unmittelbare Bedrohung für NATO-Territorium.“ Wenn er jetzt noch das Wort „unmittelbar“ streicht und daraus die Konsequenz zieht, dass umgekehrt die NATO nicht andauernd rumzündeln sollte, dann ist er ziemlich dicht bei der Realität.

Guzzi_Cali_2
51 Minuten her

Wir können jetzt darauf warten, daß sich Joe Merz ab sofort darauf versteigt, daß die USA der neue Kriegsgegner sind, nachdem Rutte die Russen als weniger gefährlich eingestuft hat.

Der Michel
36 Minuten her
Antworten an  Guzzi_Cali_2

Merz? Der ist so „entschlossen“, die UA bis zum letzten – Sie wissen schon – zu „verteidigen“, dass er davon ganz sicher nicht ablässt. Aber viel Feind, viel Ehr‘, wie’s so schön heißt: Warum also nicht zusätzlich die Amis provozieren? Die EU machte es ja jüngst wieder vor mit diesem netten „Kunstwerk“ in Straßburg.
Herr lass‘ … – nein, besser nicht, sonst gibt’s eine neue Steuer auf „Niederschlagshirn“.