Macron und seine 659-Euro-Brille – die beste Nebenrolle in Davos

Groß, verspiegelt und nicht günstig: Mit seinem Sonnenbrillen-Auftritt beim WEF-Theater in der Schweiz sorgt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nun schon seit Stunden für zehntausende mehr oder weniger heitere Postings auf den Social-Media-Plattformen.

picture alliance / SIPA | Raphael Lafargue-Pool

Der französische Präsident hat der bisher eher unbekannten Brillen-Marke Henry Jullien dramatisch viel Aufmerksamkeit verschafft: Als Emmanuel Macron (47) bei seiner Rede mit einer markanten Sonnenbrille am Pult stand, wurde daraus binnen Stunden ein international diskutiertes Symbol. Und der kleine Luxushersteller konnte sich über einen wirtschaftlichen Glücksfall freuen.

Der Präsident trug die Pilotenbrille angeblich aus medizinischen Gründen: Eine Augenentzündung hätte ihn dazu gezwungen, seine Augen auch in Innenräumen zu schützen. Doch der verlautbarte Grund spielte in der öffentlichen Wahrnehmung schnell eine untergeordnete Rolle: Internationale Medien griffen das Bild auf, zahlreiche Zeitungen platzierten Fotos von Macron mit Sonnenbrille prominent auf ihren Titelseiten. In sozialen Netzwerken entwickelte sich der Auftritt rasch zum Gesprächsthema – mit tausenden Scherzen, in denen auch Brigitte Macron (72) eine Rolle spielte.

Es setzte auch bissige Kommentare, besonders deutlich äußerte sich US-Präsident Donald Trump, der Macrons Erscheinung während seiner eigenen Rede in Davos aufgriff. „Ich habe ihn gestern mit dieser schönen Sonnenbrille gesehen. Was zum Teufel ist passiert?“, fragte Trump vor Publikum. In Frankreich selbst witzelten Kommentatoren, Macron habe ausgesehen wie Tom Cruise in „Top Gun“, eine Anspielung, die sich rasch verselbständigte.

Handgefertigte Luxusbrille um 659 Euro

Während Politiker und Kommentatoren diskutierten, erlebte der Hersteller der Brille einen regelrechten Ansturm. Das Modell stammt von der traditionsreichen französischen Marke Henry Jullien, die für handgefertigte Luxusbrillen bekannt ist. Der Online-Shop war zeitweise nicht erreichbar, weil so viele Anfragen eingingen. Kunden aus aller Welt wollten wissen, ob es sich tatsächlich um dieses Modell handelte – und wie man es erwerben könne.

Stefano Fulchir, Geschäftsführer der italienischen Muttergesellschaft iVision Tech, zeigte sich gegenüber dem Sender RTL überrascht von der Dynamik. Freunde und langjährige Kunden hätten ihn nahezu gleichzeitig kontaktiert, um zu bestätigen, dass es „ihre“ Brille sei. Innerhalb kurzer Zeit seien Hunderte E-Mails und Bestellungen eingegangen. Normalerweise produziert das Unternehmen 100 Exemplare des Modells „Pacific“ pro Jahr. Angesichts der plötzlichen Aufmerksamkeit rechne man nun mit bis zu 1.000 Stück. Der Preis von 659 Euro scheint potenzielle Käufer nicht abzuschrecken.

Die Marke selbst nutzte den Moment offensiv. Auf Instagram bewarb Henry Jullien das Modell mit einem Foto, das Macron während seines Auftritts in Davos zeigt. Marketingexperten sprechen bereits von einem klassischen „Promi-Effekt“, bei dem ein einzelnes Bild ausreicht, um ein Nischenprodukt international bekannt zu machen.

Doch nicht alle Reaktionen fielen positiv aus: Die konservative französische Zeitung Le Figaro berichtete ausführlich über das Brillenmodell – und erntete dafür zahlreiche kritische Leserkommentare. Einige warfen dem Präsidenten Eitelkeit vor, andere sprachen von einem unpassenden Auftritt. „Eine Brille macht noch keinen großen Mann“, schrieb ein Leser. Ein anderer fragte, ob Macron versuche, durch Provokation internationale Bedeutung zurückzugewinnen. Und ein Leser meinte, eine Piraten-Augenklappe hätte besser gepasst.

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Kommentare ( 1 )

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Sonny
1 Stunde her

Die Menschen sind doch wirklich total bekloppt.
Eine Brille wird zum wichtigsten Detail in Davos und das wiederum zeigt, wie die Menschen in Wirklichkeit ticken.
Armselig.