Huthi-Rebellen greifen Frachter an – USA reagieren

Wieder griffen die aus dem Iran unterstützten Huthi-Rebellen westliche Handelsschiffe an. Wegen der Bedrohungslage meiden europäische Reedereien vorerst den Suezkanal, was erhebliche Mehrkosten verursacht. Immer klarer wird das eigentliche Ziel der Terroristen: die Hamas in Gaza zu unterstützen. Von Samuel Faber

IMAGO / Jürgen Schwenkenbecher
Der Suezkanal, schnellster Seeweg zwischen Asien und Europa und damit einer der wichtigsten Handelswege, Aufnahme vom 31.10.2022

Der Jemen-Krieg ist ein Konflikt, über den kaum jemand spricht. Und obwohl nach UN-Angaben bereits mehr als 380.000 getötet wurden, findet der Konflikt in den Medien und der Politik wenig Beachtung. Nun doch, denn die Auseinandersetzung beeinträchtigt den internationalen Handel.

Nach mehreren Angriffen auf Schiffe im Roten Meer verzichten jetzt große Reedereien darauf, den Suezkanal für ihre Routen zu nutzen. Der Kanal gilt als eine der wichtigsten Adern des Welthandels. Stattdessen fahren sie im Asien-Europa-Verkehr bis auf weiteres über das Kap der Guten Hoffnung. „Dass Reedereien den Umweg von mehr als 6.000 Kilometern um Afrika in Kauf nehmen, zeugt von der außerordentlichen Gefahrenlage im Roten Meer“, sagte der Welthandelsexperte Vincent Stamer vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Dieser Umweg bedeutet hohe Verluste für alle Teile der Lieferkette und dürfte am Ende zu Mehrkosten beim Verbraucher führen. Es kann auch zu längeren Lieferzeiten kommen. „Es kann durchaus sein, dass vereinzelte Waren aus Asien mit einer Verspätung von bis zu zwei Wochen bei uns ankommen“, so Stamer laut dts. Auch die Frachtraten dürften aufgrund der längeren Fahrzeit leicht ansteigen.

Auch die Sanktionen gegen Russland erschweren die Logistik

Der Suezkanal ist deshalb so wichtig, weil er das Mittelmeer mit dem Roten Meer verbindet. Damit ist dies die kürzeste Verbindung auf dem Seeweg zwischen Asien und Europa. Etwa zehn Prozent des gesamten Welthandels laufen über das Rote Meer. „Der lange Weg über Afrika verlängert die Reise um eine Woche, und das führt dann aber auch zu höheren Spritkosten. Es ist also ökonomisch eine Herausforderung für viele Reedereien“, betonte der Ökonom Gabriel Felbermayr gegenüber der Wirtschaftswoche. Neben dem Seeweg gibt es noch die Möglichkeit, die Waren vom Fernen Osten per Flugzeug nach Europa zu bringen. Aber auch dieser Weg ist teurer, und die verfügbaren Kapazitäten reichen nicht aus. „Für die eine oder andere Lieferung wäre es vielleicht vorstellbar, aber ein wirklicher Ersatz ist es nicht”, fügte Felbermayr hinzu.

Hinzu kommt, dass aufgrund der Sanktionen gegen Russland Wege über die Schiene nicht mehr in Frage kommen. „Vor dem russischen Angriff auf die Ukraine sind viele Züge beispielsweise aus China bis nach Duisburg gefahren. Durch die aktuelle Situation ist das aber ebenfalls sehr schwierig. Es gibt also Alternativen, aber die sind nicht gut“, resümierte der Experte.

Der Iran unterstützt die Huthi-Rebellen

Die Hamburger Containerreederei Hapag-Lloyd meidet bis auf weiteres den Suezkanal und setzt ganz auf die Route über das Kap der Guten Hoffnung. „Dies wird so lange geschehen, bis die Passage durch den Suezkanal und das Rote Meer für Schiffe und ihre Besatzungen wieder sicher ist,“ betonte am Montag ein Sprecher von Hapag-Lloyd. Gleiches gilt für den Konkurrenten MSC. In einer Mitteilung an die Kunden teilte die Reederei mit, dass ihre Schiffe den Suezkanal in Richtung Osten und Westen nicht befahren werden. Auch hier ist die einzige Alternative die Route über das Kap der Guten Hoffnung.

Auch das Nachrichtenportal Visegrad24 berichtet von großen Veränderungen im Schiffsverkehr um den Suezkanal und bezieht sich auf Satellitenbilder. „Die Kettenreaktion hat begonnen. Fast jedes Schiff, das von Asien aus den Suezkanal ansteuert, hat nun beschlossen, nach Süden zu segeln und stattdessen Afrika zu umrunden. Riesige Kosten durch die Huthi-Angriffe auf den internationalen Seehandel“, schreibt der Kanal auf X (früher Twitter).

Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen greifen Israel seit Ausbruch des Gaza-Krieges immer wieder verstärkt an. Darunter sind Attacken mit Drohnen und Raketen auf Schiffe im Roten Meer. Ziel ist es, dass diese an einer Durchfahrt Richtung Israel gehindert werden. Bereits am Freitag waren die Containerfrachter „Al Jasrah“ von Hapag-Lloyd und die „MSC Palatium III“ bei Angriffen beschädigt worden.

Die USA reagieren empfindlich

Die Huthi-Rebellen bekannten sich auf X, ehemals Twitter, zu einem Angriff auf einen mit Chemikalien beladenen Tanker „Swan Atlantic“ aus Norwegen. Der Sprecher der Milizen, Jahja Sarea, meldete laut Tagesschau.de Angriffe auf zwei weitere Schiffe – die „Swan Atlantic“ und die „MSC Clara“. Die Rebellen würden weiterhin alle Schiffe an der Fahrt zu israelischen Häfen hindern, solange die Frachter keine Hilfsgüter für die Bevölkerung im Gazastreifen lieferten.

US-Regierungskreise hatten die Huthi-Rebellen indes für den Beschuss der „Swan Atlantic“ verantwortlich gemacht. Der Abschuss sei aus dem Jemen erfolgt. Ein Zerstörer der US-Marine, die „USS Carney“, habe auf den Notruf des norwegischen Frachters reagiert und Kurs aufgenommen.

Während die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen vom Iran unterstützt werden, kämpft die Internationale Intervention unter Führung Saudi-Arabiens gegen die Rebellen, da diese sich seit der Machtergreifung bedroht fühlen. Unterstützt werden sie unter anderem von den USA.

Die Situation um den Suezkanal spiegelt die komplexe Weltlage wider. Während westliche Staaten die Handelswege schützen möchten, damit westliche Länder, unter anderem Deutschland mit bezahlbaren Gütern versorgt werden, haben die Huthi-Rebellen vor allem eines im Sinn: den Terror in Gaza weiter zu unterstützen. Währenddessen sterben im Jemen-Krieg weiter Zivilisten.

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Kommentare ( 36 )

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horrex
2 Monate her

Tja … so „schlimm“ das wäre …
ohne die Elimiminierung der „maßgeblichen (religiösen) Köpfe“ in einigen Ländern wird es nicht sehe ich auch keine Lösung.
Wo aber sind DIE Köpfe, die das umsetzen könnten???
Vielleicht sogar „halbwegs“ friedlich???
Noch immer „kastriert“ sich fortwährend der Westen SELBST!!!

ChrK
2 Monate her

Nun doch, denn die Auseinandersetzung beeinträchtigt den internationalen Handel.

Irgendwie eine „lustige“ und ironische historische Parallelität (?): Columbus suchte den Westweg nach Asien, weil der Ostweg vom Islam blockiert war im 15. Jhdt.

Damon71
2 Monate her

Ich frage mich warum die Ägypter nicht aktiv werden, die müssen durch die Angriffe doch die höchsten Verluste haben, haben die denn keine Kriegsschiffe im roten Meer?

HansKarl70
2 Monate her

Verstehe ich nicht. Wenn ein unter amerikanischer Flagge fahrendes Schiff behindert würde, wäre die Weltpolizei bestimmt schnellstens da und würde das Problem auf Ihre unnachahmliche Art lösen.

Haeretiker
2 Monate her

„…  haben die Huthi-Rebellen vor allem eines im Sinn: den Terror in Gaza weiter zu unterstützen.“ Die Huthi haben gar nichts im Sinn. Den wird gesagt, mach Dschihad, dann machen die Dschihad. Egal wo. Der Kampf gegen Israel ist doch, genauso wie in der Ukraine, ein Proxykrieg. Nur eben von der anderen Seite. Man kann nicht 3 Jahrzehnte die Zerstörung von Staaten betreiben und erwarten, dass diese Statten dann die Trümmer ihrer Häuser als erstrebenswertes Kulturgut betrachten. Die 3. Welt erhebt sich gegen den Westen nicht wegen seiner Kolonialpolitik in der Geschichte, sondern gegen die vermeintlichen Werte die im Grunde… Mehr

BK
2 Monate her

Der Westen blamiert sich wieder. Afghanistan, Syrien, Mali, Ukraine, Israel, jede Auseinandersetzung eine Katastrophe und kein siegreiches Ende. Dass so ein Elend selbst keine rebellischen Hinterwäldler mehr abschreckt, wundert mich nicht.

Clownwelt
2 Monate her

Operation Atalanta läuft doch nach wie vor in ebendiesen Gewässern!? Wenn jeder Staat, der Interesse an sicherer Passage hat, nur EIN modernes Kriegsschiff mit Luftabwehrbewaffnung und EloKa-Kapazität dafür abstellt müsste es doch möglich sein, die knapp 600 Km jemenitischer Küste von Aden bis zur Saudi-Grenze abzuriegeln? Verstehe das Problem nicht, bin aber auch kein Seekriegsexperte…

Damon71
2 Monate her
Antworten an  Clownwelt

Atalanta richtet sich gegen Piraterie von Somalia aus, mit dem Jemen hat das nichts zu tun.

Clownwelt
2 Monate her
Antworten an  Damon71

Das ist korrekt, Atalanta hat damit erstmal nichts zu tun (die für diesen Fall neu beschlossene Operation ist „Prosperity Guardian“), mir ging es darum, dass wir ohnehin schon Kriegsschiffe im Golf von Aden vor Ort haben die genau für Geleitschutzaufgeben vorgesehen sind, und sich mir die Logik von „wir dürfen Schiffe vor Piraten schützen aber nicht vor Drohenangriffen“ nicht ganz erschließt.

Danton
2 Monate her

Aus dem Gaza heraus beschießen, massakrieren und foltern Islamisten die Bürger der freien Welt. Im Jemen schlachten sich Moslems gegenseitig ab. An Suez beschiessen Moslems die Schiffe des Westens um den Terror im Gaza zu unterstützen. In Afgahnistan herrschen ‚Kopf ab‘ Islamiste und die Opiummafia. Marroko, Tunesien, Libanon schicken ihre Soldaten als Schläfer nach Europa. Moslemische Bandenkriege in Schweden und Stuttgard. In Köln wird die größte Hassprediger und gehirnwäsche Moschee gebaut ausserhalb der islamischen Welt. Wann wird sich die säkulare Welt endlich dazu aufraffen den Gesamtislam, und alle Moslems als das anzuerkennen was sie laut Koran sind? Sie sind das… Mehr

Haeretiker
2 Monate her
Antworten an  Danton

Die „säkulare Welt“ will sich doch gar nicht aufraffen. So wie es ist, so ist es gewollt. Der Wohlstand in Europa muss abgebaut werden. Solange in Europa kein Krieg ausbricht, muss eben etwas anderes versucht werden. Wie soll an den Börsen verdient werden, wenn nur Katzenvideos gehandelt werden.

schwarzseher
2 Monate her
Antworten an  Danton

Meines Erachtens leiden die Muslime nicht unter Selbsthaß ( der ist den Deutschen vorbehalten ) sondern unter einem Minderwertigkeitskomplex, da sie erkennen müssen, daß sie selber nichts zu den von Ihnen genannten zivilisatorischen Fortschritten beigetragen haben..

HansKarl70
2 Monate her
Antworten an  Danton

Die säkuläre Welt ist gerade eingeschlafen. Bitte nicht stören!

Werner Geiselhart
2 Monate her
Antworten an  Danton

Super Zusammenfassung von dem, was unter den Augen des westlichen Gutmenschentums so abgeht.
Aber solange unsere Funktionäre das Köpfen von Krippenfiguren durch Angehörige der Religion des Friedens „mit Humor nehmen“, wird sich da nichts ändern.

horrex
2 Monate her
Antworten an  Danton

Die „elementaren Wurzeln“ des Problems sind: A) Religion wird als „Waffe“ verwendet. Diese wird „genährt“ von B), der mangelnde „Aufklärung“ (siehe „Kant“, was wohl höchst beabsichtigt ist). Eine weiteres Fundamen ist C) die hohe Geburtenrate die das „Kriegsmaterial“ (unaufgeklärte Menschen) so gut wie kostenlos bereitstellt. Keine Ahnung, wie das Problem – auch nur längerfristig – mal gelöst werden könnte. – Ohne „Aufklärung“ kein Frieden! – Man lässt den im Grunde „kulturellen“ Feind (den Westen), der sich selbst so systematisch aus „dekadent-kulturellem Übermut“ schwächt finanziell „ausbluten“. – Das ist die Strategie. – Das eigene Blut kostet ja praktisch nichts. – Alles… Mehr

RMPetersen
2 Monate her

Ein weiterer Schuss ins eigene Knie.
Der Westen hat unter der Leitung der USA abgewirtschaftet.

Wuehlmaus
2 Monate her

Wer erinnert sich noch an den letzten vernünftigen Bundespräsidenten?

„Die Angriffe auf mich im Zusammenhang mit meinen Äußerungen über sicherheitspolitische Interessen Deutschlands waren ungeheuerlich und durch nichts gerechtfertigt.“
Köhler war im Vorfeld seines Rücktritts wegen seiner Äußerungen zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr scharf kritisiert worden. Auf dem Rückflug von einem Besuch in Afghanistan hatte das Staatsoberhaupt ein Hörfunk-Interview gegeben und darin gesagt, im Notfall sei auch „militärischer Einsatz notwendig (…), um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege“. Dies hatte zu diesem Zeitpunkt einen Sturm der Entrüstung in Berlin ausgelöst: Köhler habe Bundeswehreinsätze in Zusammenhang mit wirtschaftlichen Interessen gebracht, bemängelten Kritiker.