Journalist berichtet von gezielten Brandanschlägen auf jüdische Geschäfte

Nach den verheerenden Ausschreitungen in Frankreich berichtet der Journalist Paul Amar: Extremisten hätten gezielt jüdische Geschäfte angezündet. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeindevertretung in Marseille fordert den Ausnahmezustand.

Der Journalist Paul Amar bei seinem Statement auf CNews. Screenshot CNews
Der Journalist Paul Amar bei seinem Statement auf CNews.

Die schweren Ausschreitungen in Frankreich vom Samstag, dem 17. Oktober, bekommen eine weitere, besonders beunruhigende Dimension. Der bekannte französische Journalist Paul Amar hat im Fernsehsender CNews erklärt, dass Gewalttäter bei ihren Angriffen offenbar systematisch gegen jüdische Geschäftsinhaber vorgegangen seien. Die Täter hätten sich vorbereitet und nicht allein die Adressen staatlicher Einrichtungen gekannt, sondern auch die jüdischer Kaufleute. In einer Straße von Marseille seien sämtliche Geschäfte jüdischer Eigentümer angezündet worden, während die Geschäfte muslimischer Inhaber unversehrt geblieben seien. Über diese Aussagen berichtet am Sonntag das französischsprachige jüdische Nachrichtenportal IsraJ.

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Amar erklärte in der Fernsehsendung, der Vorbereitung der Ausschreitungen sei eine erhebliche Bedeutung beizumessen. „Sie hatten die Adressen der Präfekturen. Sie hatten die Adressen etlicher jüdischer Geschäftsleute“, sagte er. Sein schwerwiegendster Vorwurf betrifft Marseille: „In einer Straße von Marseille wurden sämtliche Geschäfte in jüdischem Besitz angezündet. Die von Muslimen geführten Geschäfte wurden nicht angezündet.“ Sollte sich diese Darstellung bestätigen, hätten die Gewalttäter, die sich aus dem linksextremen und migrantischen Milieu speisen, Geschäfte gezielt nach der Religionszugehörigkeit ihrer Besitzer ausgewählt. Aus den ohnehin verheerenden Ausschreitungen würde damit eine weitere Form organisierter antisemitischer Gewalt, bei der jüdische Bürger gerade wegen ihrer jüdischen Identität ins Visier gerieten.

Antisemitische Parolen mitten in der Gewaltorgie

Dass bei den Ausschreitungen auch unverhohlen antisemitische Botschaften verbreitet wurden, dokumentiert IsraJ anhand weiterer Vorfälle. In Paris trug ein vermummter Teilnehmer ein Schild mit der Aufschrift: „Hört auf, uns mit Gas anzugreifen, wir sind keine Juden.“ Eine Parole von bemerkenswerter Menschenverachtung, die den Polizeieinsatz gegen Demonstranten mit der nationalsozialistischen Judenvernichtung in Verbindung setzt. In Grenoble wurde ein zerstörtes Carrefour-Geschäft mit den Parolen „Komplize des Völkermords“, „Mörder“ und „Gaza“ beschmiert. Die Supermarktkette betreibt auch Geschäfte in Israel. Der Hass auf den jüdischen Staat wurde damit unmittelbar in die französischen Innenstädte getragen, während vermummte Gewalttäter öffentliche Einrichtungen attackierten und Geschäfte ausplünderten.

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In Marseille bietet sich inzwischen ein Bild der Verwüstung. Große Teile des innerstädtischen Einzelhandels wurden schwer getroffen, Geschäfte von Luxusanbietern ebenso wie gewöhnliche Bekleidungs-, Lebensmittel- und Elektronikläden. In den Straßen zwischen der Präfektur und dem Alten Hafen wurden zahllose Schaufenster zertrümmert, Verkaufsräume verwüstet und Warenbestände gestohlen. Nach Berichten der Nachrichtenagentur AFP waren Geschäfte unterschiedlichster Branchen betroffen. Ob sich darunter tatsächlich eine systematische Auswahl jüdischer Eigentümer nachweisen lässt, ist bislang nicht unabhängig bestätigt. Doch gerade deshalb wiegt Amars konkrete Behauptung schwer: Sie betrifft einen möglichen zusätzlichen Tatbestand, der über die ohnehin massenhafte Zerstörung fremden Eigentums hinausgeht.

Die Frage nach dem antisemitischen Charakter einzelner Angriffe gewinnt zusätzliche Bedeutung angesichts der Rolle, die palästinensische Fahnen und Parolen bei den Protesten spielten. In Paris und anderen Städten waren zahlreiche entsprechende Symbole zu sehen. Aus der politischen Solidarität mit den Palästinensern folgt selbstverständlich kein Angriff auf jüdische Franzosen. Wo jedoch jüdische Geschäftsinhaber wegen ihrer Herkunft oder Religion angegriffen werden, ist eine Grenze überschritten, die sich durch keinen politischen Protest und keine Berufung auf den Krieg im Nahen Osten rechtfertigen lässt. Gerade diese Unterscheidung wird entscheidend sein, wenn die französischen Ermittlungsbehörden die Ereignisse des Wochenendes aufarbeiten.

Jüdischer Gemeindevorsitzender fordert Ausnahmezustand

Wie dramatisch die Lage inzwischen wahrgenommen wird, zeigt eine weitere Stellungnahme aus Marseille. Bruno Benjamin, Präsident des Regionalverbandes Marseille-Provence des jüdischen Dachverbandes CRIF, fordert eine Antwort des Staates, die weit über die üblichen politischen Verurteilungen hinausgeht. Gegenüber der Jewish News Syndicate erklärte er am Sonntag, Frankreich müsse den Ausnahmezustand verhängen, die Armee einsetzen, die Polizeikräfte massiv verstärken und mit allen rechtlichen Mitteln gegen die Randalierer vorgehen. Benjamin macht vor allem die radikale Linke für die Eskalation verantwortlich und wirft politischen Kräften um Jean-Luc Mélenchon vor, die Unruhen anzuheizen.

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Besonders schwer wiegt dabei der Vertrauensverlust in die Sicherheitsbehörden. Benjamin erklärte, er habe bis zum Vortag darauf vertraut, dass der französische Staat die öffentliche Ordnung gewährleisten könne. Angesichts der Überforderung der Polizei müsse man inzwischen jedoch infrage stellen, ob die Behörden noch imstande seien, die Sicherheit aller Bürger zu garantieren. Nach seinen Angaben gab es in Marseille am Samstag keine Angriffe auf Synagogen oder unmittelbar auf jüdische Personen. Das schließt mögliche Angriffe auf jüdische Geschäftsinhaber keineswegs aus. Gerade bei den von Amar beschriebenen Fällen wäre deshalb zu klären, welche Geschäfte betroffen waren, ob Brandstiftung nachgewiesen wurde und ob Hinweise auf antisemitische Motive vorliegen.

Die historische Tragweite eines solchen Verdachts ist kaum zu überschätzen. Frankreich ist die Heimat einer der größten jüdischen Gemeinschaften Europas, Marseille beherbergt nach Paris eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden des Landes. Gerade in dieser Stadt reicht das jüdische Leben über viele Jahrhunderte zurück. Französische Juden haben Handel, Wissenschaft, Kultur und das öffentliche Leben ihres Landes mitgeprägt. Dass Geschäftsleute heute erneut fürchten müssen, aufgrund ihrer jüdischen Identität zur Zielscheibe zu werden, berührt deshalb eine der empfindlichsten Fragen der französischen Republik: Ist sie noch imstande, ihren jüdischen Bürgern die Sicherheit zu garantieren, die ihnen als Staatsbürgern uneingeschränkt zusteht?

Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 warnen jüdische Organisationen in Frankreich vor einem zunehmend enthemmten Antisemitismus. Immer wieder wurden jüdische Einrichtungen bedroht, Menschen auf offener Straße beschimpft und antisemitische Parolen unter dem Vorwand der Kritik an Israel verbreitet. Der französische Staat hat diese Entwicklung wiederholt verurteilt und zusätzliche Schutzmaßnahmen für jüdische Einrichtungen angeordnet. Doch eine Republik, deren jüdische Bürger auf besondere Sicherheitsvorkehrungen angewiesen sind, steht vor einer Frage, die sich durch immer neue Verurteilungen allein nicht beantworten lässt: Wie kann eine Gesellschaft gewährleisten, dass Juden ohne Angst vor Übergriffen am öffentlichen Leben teilnehmen können?

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Der Vorwurf von Paul Amar verlangt deshalb eine umfassende Aufklärung. Sollten Randalierer tatsächlich mit Listen jüdischer Geschäftsinhaber durch Marseille gezogen sein, wäre das ein Hinweis auf eine gezielte Vorbereitung antisemitischer Angriffe. Die französischen Behörden müssten dann beantworten, woher diese Informationen stammten, wer sie zusammenstellte und welche Gruppen die Brandanschläge ausführten. Für die betroffenen Geschäftsinhaber geht es schließlich um weit mehr als die materielle Existenz. Es ginge um die Frage, ob sie in ihrem eigenen Land aufgrund ihrer jüdischen Identität systematisch verfolgt wurden.

Das Wochenende hat ohnehin einen erschreckenden Kontrollverlust des französischen Staates sichtbar gemacht. Historische Rathäuser wurden angegriffen, öffentliche Einrichtungen gestürmt, ganze Einkaufsstraßen geplündert. Die Aussagen von Paul Amar werfen nun die Frage auf, ob innerhalb dieser Gewaltorgie zusätzlich organisierte antisemitische Tätergruppen am Werk waren. Ein solcher Befund würde den Ereignissen eine weitere Dimension verleihen, die Frankreichs politische Führung nicht mit allgemeinen Erklärungen über soziale Spannungen und den Unmut der Jugend abhandeln könnte.

Die französische Republik hat ihre jüdischen Bürger über Generationen hinweg als selbstverständlichen Teil ihrer Nation verstanden. Sollte sich nun herausstellen, dass ausgerechnet in ihren historischen Innenstädten Geschäfte nach der Religion ihrer Besitzer zur Zerstörung ausgewählt wurden, wäre das ein erschütternder Angriff auf dieses republikanische Versprechen. Paul Amars Aussagen stehen im Raum. Ihre Überprüfung ist von erheblicher Bedeutung. Denn die französischen Juden haben Anspruch darauf, dass ihr Staat ihnen uneingeschränkt Schutz gewährt und antisemitische Täter konsequent verfolgt.

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Kommentare ( 4 )

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4 Comments
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Lotus
36 Minuten her

Passt genau zu dem, was gerade in Berlin passiert. Die Pläne der Rotfront hinsichtlich Zuwanderung und Wahlrecht zeigen, wohin die Reise gehen soll. Und wird. Man kann natürlich sagen, dass die Berliner bekommen, was se gewählt haben. Aber der desaströse Linksruck wird Konsequenzen für ganz Deutschland haben. Protest dagegen hört man kaum, auch die Kirchenfürsten schweigen.

Deutschland hat fertig.

Nibelung
39 Minuten her

Die ich rief die Geister, werd ich nicht mehr los und das gilt für Juden ebenso wie für Christen, sofern es sich nicht um Linksradikale handelt und wenn sie sich nicht aufmachen, diesem Zustand Einhalt zu gebieten, wird uns das Unheil überkommen und es könnte geregelt werden, wenn man sich darauf besinnt, wer noch Herr im eigenen Haus ist um darüber die richtigen Entscheidungen zu treffen.

WIING
49 Minuten her

Ich bin gerade in Asien und – oh Wunder – weder in Hongkong noch in Shanghai oder jetzt gerade in Japan sehe ich die bekannten Schülerprotrstler oder sonstige Zugewanderte.
Ein paar Touristen schon. Aber nicht mehr. Und das bei dieser unglaublichen Menschenmenge!
Alles sicher. Alles sauber und nett. Alles so menschlich und übt so viel nostalgischen Druck aus!!!
Da waren wir schon. Da sollen wir wieder hin.

Endlich Frei
53 Minuten her

Also die selbe Klientel wie die Linke in Berlin.
Da glaubt man ja, das Problem sei mit einer Unterschrift aus der Welt. So naiv ist nicht mal meine 2-jährige Nachbarstochter.

Last edited 52 Minuten her by Endlich Frei