Der Reporter der Tageszeitung Il Fatto Quotidiano, Alessandro Parente, reist immer wieder mal mehrere Wochen in die Ukraine und schildert wie in dieser Reportage seine Eindrücke.
picture alliance / ZUMAPRESS.com | Andreas Stroh
Wie es im nicht enden wollenden Krieg zwischen der Ukraine und Russland tatsächlich aussieht, können nur diejenigen sagen, die noch vor Ort ihren Alltag fristen oder als Reporter und Kriegsberichterstatter versuchen, so sachlich wie möglich zu berichten. In diesem Fall befindet sich der italienische Reporter der Tageszeitung Il Fatto Quotidiano, Alessandro Parente, immer wieder mal mehrere Wochen an Ort und Stelle und schildert wie in dieser Reportage seine Eindrücke.
Stromausfälle gehören inzwischen zum Alltag. In Lwiw (Lemberg) dauern sie bis zu zehn Stunden, manchmal länger. Die Tram fährt noch irgendwie, schildert Parente, aber die Stadt schleppt sich durch den Winter wie ein Marathonläufer auf den letzten Metern. Am militärischen Friedhof wehen so viele ukrainische Flaggen, dass der Wind kaum noch weiß, wohin er zuerst greifen soll. In der Reportage kommen natürlich auch Ukrainer zu Wort, wie der alte Volodymyr, er geht zwischen den frischen Gräbern, seinen Hut in der Hand, und murmelt bitter: „Mit diesem Namen hat noch keiner etwas Gutes getan.“
Damit meint er sich selbst – und den Präsidenten. Von Selenskyj hält er nichts mehr, was sich aber auch mit den Aussagen von Ukrainern in Deutschland deckt, wie mir selbst immer frei gesagt wurde. Er, Volodymyr, habe „nicht die ganze Wahrheit“ gesagt, 2022 unnötig Raum gelassen für das russische Vordringen, und überhaupt: „Er hat an seine Leute gedacht, nicht an uns.“ Das Thema Korruption ist seit über zwei Jahren nicht mehr zu verschweigen, da zu offensichtlich. Nur die meisten Medien innerhalb der EU decken Selenskyj, koste es, was es wolle.
Alessandro Parente reist in der Ukraine ohne großes Geleit. Der Zug nach Kiew kommt über eine Stunde zu spät. Der Grund: Ein Doppelangriff auf die Bahn bei Fastiv hat die automatischen Weichen lahmgelegt. Man arbeitet manuell, wie in einer Zeit, die längst vergangen schien.
In Kiew dominiere ein Geruch: verbrannter Diesel. Generatoren stehen alle paar Meter, röhren Tag und Nacht. Strom gibt es nun bis zu 16 Stunden nicht – selbst die besseren Viertel liegen im Dunkeln, die Menschen frieren, harren aus. Tristesse pur, selbst wenn, wie uns Ukrainer in Deutschland berichten, nicht jede Stadt bombardiert werde. Heimatreisen seien durchaus möglich, um daheim, bei den Großeltern, mal wieder nach dem Rechten zu sehn. Oder auch um Dinge ‚zu regeln‘.
Parente lässt auch Serhij, einen jungen Mann, etwas erzählen. Serhij spricht von der „Armee der Verwundeten“, die man inzwischen überall sehe. Kriegsversehrte, von Amputationen Gezeichnete, die Zukunftsfrage im Gesicht. Der junge Serhij sagt: „Wir bräuchten 15 Jahre ohne Revolution. Frieden. Stabilität. Wir müssen uns selbst wieder aufbauen.“
Im Stadtteil Podil trifft Alessandro Parente einen Veteranen: Valery. Er hat in Kupjansk den rechten Arm verloren. Seine Sicht auf Europa ist nüchtern bis bitter: Die Russen hätten „mehr und bessere Waffen“, also müsse Europa die Ukraine „auf das gleiche Niveau bringen – Waffen und Soldaten.“ Er meint es wörtlich: Bodentruppen. Von Verhandlungen hält Veteran Valery wenig: „Ich höre seit einem Jahr, wir seien kurz vor der Einigung. Nichts ist passiert.“
Ausländische Hilfseinheiten sind auch da. Andrea De Domenico zum Beispiel vom UN-Büro OCHA versucht, humanitäre Vernunft in das Chaos zu tragen. Aber selbst er klingt müde: Vereinbarungen funktionierten auf dem Papier, aber „in der Realität kommt kaum etwas an – weder Zugang noch Versorgung.“ Und dann die Angst: Wenn die humanitäre Agenda bei künftigen Verhandlungen wieder von Leuten geführt wird, „die gar nicht vom Fach sind“, dann wird es erneut ein Kapitel voller guter Absichten ohne Wirkung.
Die politische Stimmung? So gemischt, wie der Trödel auf den Kiewer Weihnachtsmärkten, wo zwischen Sowjetorden und Nazi-Medaillen Geschichte wie Ramsch gehandelt wird. Viele Besucher: Hobbyhistoriker – notorisch schonungslos. Über Selenskyj urteilen sie hart: „Die Amerikaner setzen ihn wieder an seinen Platz. Seine Zeit ist vorbei.“ Oder andere meinen, „schau nach Großbritannien: drei Präsidenten. Die USA: zwei. Und er? Immer noch da – und erzählt uns was von Demokratie…“
In Podil zeigt Serhij auf die orthodoxen Kirchen: „Wer hat sie gebaut? Das russische Imperium. Und dort hinten? Wieder sie. Wir sprechen alle Russisch. Die Europäer tun so, als wüssten sie nicht, in welchem Spiel wir stehen. Längst hat sich das Schlachtfeld verschoben. Die Russen drängen im Dezember schneller vor als erwartet. Serhij spricht aus, was viele denken, aber nicht sagen wollen: „Im Januar wird es schlimmer.“
Währenddessen bereitet OCHA Winterhilfen vor, doch jede neue Attacke auf die Energieinfrastruktur macht die Arbeit zunichte. Der Plan ist simpel: am Leben halten, was noch lebt. Und zugleich bei allen Parteien darauf drängen, die humanitären Bedürfnisse in mögliche Abkommen einzubauen – bevor andere darüber verhandeln, die von der Realität der Zivilbevölkerung keine Ahnung haben.
So bleibt am Ende dieses Tages und dieser Reportage ein Land zurück zwischen Blackouts, Frustration und geopolitischen Spielregeln. Ein Land, das sich weiter verteidigt, dessen Menschen aber zunehmend jedes Vertrauen verlieren. Ihr Vertrauen in Moskau, in Brüssel, in Washington, und auch in den eigenen Präsidenten – Selenskyj.
Die Ukraine kämpft – doch die Zuversicht klirrt inzwischen wie das Eis auf den dunklen Straßen von Kiew.

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Putin muss den starken Mann markieren. Das wollen auch die Russen so. Das ist die Norm in der zweiten und dritten Welt.
Also wenn ich mir „Reportagen“ vom öffentlichen Schundfunk ansehe/lese dann heisst es immer die Ukrainer stehen kurz vor dem Endsieg… und Verluste sind sehr sehr gering und überhaupt wird gar nicht richtig effektiv rekrutiert…
Jaja voll auf Fritzchens Niveau, der will ja auch endlich mal Oberbefehlshaber spielen und ein paar Hunderttausend Tote zu verantworten haben so wie seine momentane Politik aussieht!
Also bringen wir es auf den Punkt:
Die Ukraine ist am ENDE! Spätestens nächstes Jahr rollen die Russen bis nach Odessa…. weil es schlicht keine wehrtüchtigen Kämpfer auf ukrainischer Seite mehr gibt!
Ganz ausgezeichnet, dass TE so etwas bringt. Aus eigenen Gesprächen weiß ich, dass man in Italien einen anderen Blick auf diesen sinnlosen (da von vonherein vermeidbaren) Krieg hat. Den Leuten dort steht halt nicht das vererbte doppelte Verlierertrauma im Weg wie vielen Deutschen. Und Merz‘ Pläne von der „stärksten Armee Europas“ werden dort mit klaren Worten quittiert – „nicht schon wieder“!
> In Podil zeigt Serhij auf die orthodoxen Kirchen: „Wer hat sie gebaut? Das russische Imperium. Und dort hinten? Wieder sie. Wir sprechen alle Russisch.
Auf Russisch sprechen Ukro-Popanze sogar auf den NABU-Tapes – während sie in den Medien ständig was vom Heiligen Krieg für banderistisches Apartheid erzählen, in dem den Russen sogar die Sprache verboten wird. Die russischen Regionen gehen lassen, wollen die aber nicht.
Erstaunlich aber, wenn der Michel für so etwas auf die Rente und Finanzsystem-Reste verzichten will.
> also müsse Europa die Ukraine „auf das gleiche Niveau bringen – Waffen und Soldaten.“ Er meint es wörtlich: Bodentruppen.
Strom nur ein paar Stunden täglich und ein richtiger Bandera hat unendlich viel Lust auf Krieg für Neonazis und Korruptokratie. Keine westliche Bodentruppen, dafür müssen östliche Gerans noch ein paar Trafos dekarbonisieren, dann wollen solche Herrschaften den totalen Krieg nicht mehr. Bisher sehe ich kein Umdenken.
„Nur die meisten Medien innerhalb der EU decken Selenskyj, koste es, was es wolle.“
das war auch hier oft der fall, da nicht sein konnte, was nicht sein durfte. jeder, der es wissen wollte, wusste seit langen, wie korrupt und undemokratisch es in der ukraine unter selensky zugeht. geld, waffen und kritische journalisten“verschwinden, der inlandsgeheimdienst verbreitet angst und schrecken, die justiz ist völlig kaputt, aber angeblich werden dort die werte des westens verteidigt. omg.