Die Migration auf der Mittelmeerroute nimmt wieder zu

Die Mittlmeerroute hat seit dem Abgang von Innenminister Matteo Salvini wieder an Bedeutung gewonnen. Die Gründe dafür sind auch im mangelnden Engagement der Draghi-Regierung in Libyen zu suchen.

IMAGO / ZUMA Wire
Migranten setzen von Tunesien über das Mittelmeer nach Europa über. Aufnahme vom 21. Mai 2022.

Am Wochenende sind innerhalb weniger Stunden mehr als 1.000 Migranten in Süditalien angekommen. Am Samstag hatten ein Handelsschiff und die Küstenwache 674 Menschen nach Kalabrien gebracht. Am Samstagabend erreichten 522 Personen die Insel Lampedusa. Nach Angaben von NGOs warten hunderte weitere Personen darauf, an Land gehen zu können. Die für 300 Menschen ausgelegte Erstaufnahmeeinrichtung in Lampedusa ist mit derzeit 1.200 Migranten völlig überfordert.

Laut dem italienischen Innenministerium sind in diesem Jahr bereits 34.000 Menschen über die Mittelmeerroute nach Italien gelangt. Seit zwei Jahren ist wieder ein konstanter Anstieg zu beobachten. Im Jahr 2020 waren es noch 10.900 Personen, 2021 schon 25.500. Rund 1.000 Menschen sind seit Jahresbeginn bei der Überfahrt ums Leben gekommen. 2021 haben über 3.000 Menschen bei der gefährlichen Überfahrt das Leben verloren. Zum Vergleich: 2019 waren es im Gesamtjahr 1.300.

Die Zahlen auf der Mittelmeerroute haben sich in den letzten beiden Jahren verdreifacht

Von den Parteien und Medien des politisch konservativen Spektrums wurde das Thema im beginnenden Wahlkampf aufgenommen. Die Tageszeitung Il Giornale machte die geschäftsführende Innenministerin Luciana Lamorgese für die Situation verantwortlich. Sie steht bereits seit ihrem Amtsantritt unter ständigem Beschuss. Als Nachfolgerin des Lega-Chefs Matteo Salvini (2018-2019) war sie bereits im zweiten Kabinett von Premier Giuseppe Conte im Amt und wurde darin zum Unmut des rechten Parteienspektrums auch belassen.

Seit ihrem Amtsantritt habe sich die Migrationsfrage in Italien wieder verschärft, so die Zeitung. Seit 2020 habe sich die Zahl der illegal einreisenden Migranten verdreifacht. Unter den Ankommenden seien mehrheitlich Tunesier (6.209), Ägypter (5.991) und Bengalen (5.860). Anders als bei der Ukraine kämen statt Frauen und Kinder mehrheitlich Männer. Und anders als in der Ukraine bestünde in allen drei Ländern kein Krieg bzw. Kriegsgefahr.

Die meisten kommen aus Tunesien, Ägypten und Bangladesch

Das Blatt warf der Regierung zudem vor, sich kaum noch für die Belange im für Migrationsfragen strategisch wichtigen Libyen zu interessieren. Rom habe Libyen gewissermaßen „allein gelassen“. „Kein Minister leistet mehr seinen Besuch ab und die [libysche] Küstenwache benutzt veraltete italienische Modelle“, zitiert die Zeitung eine Stimme aus Tripolis. Stattdessen würde die Türkei die Lage im Land bestimmen. Wegen der unübersichtlichen Lage vor Ort nähmen die Überfahrten wieder zu.

Ex-Innenminister Salvini kündigte seinen Besuch auf der Insel Lampedusa für den 4. und 5. August an. Man habe ihn dazu eingeladen. Er habe sich mit dem Vize-Bürgermeister über den bevorstehenden „Kollaps“ angesichts der überfüllten Migrantenlager besprochen. Der „künftige Innenminister“ werde die Ankünfte wieder aufhalten, so wie es die Lega früher gemacht habe, sagte Salvini auf Twitter. Angesichts des Umfragehochs der „Fratelli d’Italia“ könnte es sein, dass Salvini unter einer Ministerpräsidentin Giorgia Meloni wieder in seinen alten Posten zurückkehrt, sollte seine Partei die Konkurrentin nicht im Wahlkampf aufholen.

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Kommentare ( 46 )

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Wiener
2 Jahre her

Was gerne ignoriert wird: auch die legale Immigration in die EU hat gewaltige Auswirkungen.
Wir reden von weit über einer Million Menschen pro Jahr

Julischka
2 Jahre her

Aber auch DAS muß man sich inzwischen leisten können, denn sie lassen uns nicht einfach so gehen! Die DDR hat ihren Bürgern die Ausreise auch mehr als erschwert, ist also typisch für Diktaturen! Erst letztes Jahr wurde die „Wegzugssteuer“ entsprechend erhöht!

K. Sander
2 Jahre her

Ungefähr 2007 kam bei Arte TV eine Sendung der Serie „Mit offenen Karten“. In einer Ausgabe ging es um weltweite Flüchtlinge. Dort wurde erklärt, dass auf diese Weise sich die Armut in den Herkunftsländern verschärft. Die UNO wollte in den 1980er Jahren die Flüchtlinge auch stoppen, damit in den Ländern Wirtschaft aufgebaut wird und so der Wasser- und Ernährungsmangel verhindert wird. Das hat sich später gedreht. Aber wie soll das funktionieren? Es wird immer dem weltweiten Bevölkerungswachstum zugeschoben. Das stimmt aber auch nicht. Es gibt nur wenige Länder mit hoher Geburtenrate. In den afrikanischen Ländern, in denen Industrie erfolgreich aufgebaut… Mehr

Julischka
2 Jahre her

Das sind die „minderjährigen traumatisierten geflüchteten“ Grundschüler, auch „Goldschätze“ genannt, die WIR dringend brauchen um unseren Wohlstand zu sichern, die in den Städten hin und wieder einen „Abstecher“ machen, sich gerne in der Gruppe um unsere Mädels „kümmern“ und abends auf den Straßen, auch als „Partyszene“ bekannt, ein bißchen spielen! WAS für eine Bereicherung!

Schwabenwilli
2 Jahre her

Wie auf dem Bild oben deutlich zu erkennen, das Boot ist noch nicht voll( genug).

RS
2 Jahre her

„Tunesien, Ägypten und Bangladesch“. Schauen Sie sich für die beiden letzteren mal die Bevölkerungsstärke an und setzen Sie die in Beziehung zur bewohnbaren Fläche! Bsp.: Ägypten, 102 Mio. auf einer bewohnbaren Fläche der ungefähren Größe von Baden-Württemberg, Tendenz ungebremst steigend. Gnade uns Gott, wenn das nicht gestoppt wird, daß Leute von dort illegal zu uns migrieren. Dann müssen irgenwann wir migrieren.

Schwabenwilli
2 Jahre her
Antworten an  RS

 Dann müssen irgenwann wir migrieren.

Wohin sollen wir gehen?

Nein, wir ( und hier gilt das zur Zeit von unseren Politdarstellern zum Unwort verkommene WIR wirklich mal) müssen uns, unsere Heimat, unsere Kinder und Nachfahren verteidigen oder wollen wir uns Schuldig machen wenn unsere Kinder zu Nomaden werden weil WIR es zugelassen haben das Barbaren uns die Heimat gestohlen haben?

Last edited 2 Jahre her by Schwabenwilli
RS
2 Jahre her
Antworten an  Schwabenwilli

Eine Mehrheit wählt immer wieder Regierungen, die nichts gegen die illegale Migration tun, eher im Gegenteil. Man beachte hierzu die Pläne der unsäglichen Innenministerin. „Wir“, die wir das ablehnen, sind in der Minderheit. „Wir“ werden eines Tages migrieren müssen, wenn wir nicht in einer islamisch-orientalischen Mehrheitskultur leben möchten.

zweisteinke
2 Jahre her
Antworten an  Schwabenwilli

„Wir“ haben ja auch zugelassen, das „unsere“ Kinder Freitags den Mob auf den Straßen geben und „uns“ als Umweltsäue schimpfen. Wo bleibt da die „Forderung“ der sog. Regierung, diesen Kids zu zeigen, wo Schluss mit lustig ist? Nein, da würden lieber die Anführer dieser Kinder zur GröKaZ eingeladen und denen noch Mut gemacht.

eschenbach
2 Jahre her

Die Italiener haben die „Schnauze voll“. Wir nicht! Frau Fazier kann derzeit ihreVolksverachtung im Windschatten der Ukraine-Krise vorantreiben. (Obwohl: Ich glaube, dass sie die Sozis eher Stimmen kostet! Einen Symphatiebonus vermute ich jedenfalls nicht bei ihr). Aber warten wir es ab. Sollten die Fratelli tatsächlich die Wahl gewinnen, würde sich die italienische Migrationspolitik, mit Auswirkungen auf ganz Europa, drastisch verändern.

Wiener
2 Jahre her

Die entscheidende Frage ist: Wer will das? Und aus welchen Gründen geschieht das? Hier ein paar Hypothesen: 1. Die Zerstörung der europäischen Nationalstaaten ist gewünscht. Massenzuwanderung ist ein Instrument zur Zersetzung der nationalen Identitäten. 2. Massenzuwanderung hilft, die Löhne zu drucken 3. Interesse an dieser Entwicklung hat seit jeher die USA. Die Zerstörung Deutschlands ist seit erklärtes Ziel der US Imperialisten und ihrer britischen Lakaien. Statt mit Hunger Blockaden und Bomben Terror wird jetzt mit subtileren Methoden gearbeitet 4. Auch andere Großmächte wie Türkei und Russland haben Interesse an einer Destabilisierung Europas 5. Für die Herkunftsländer ist es ein Geschäftsmodell.… Mehr

Innere Unruhe
2 Jahre her
Antworten an  Wiener

Wer gewinnt davon, das die deutsche oder französche Identität zerstörrt werden?
Werden Türken, Kurden, afrikanische Stämme ihre ethnischen Identitäten aufgeben? Wohl kaum.
Wer profitiert also davon, dass die europäischen Identitäten durch afrikanische und nahöstliche ersetzt werden?

Kassandra
2 Jahre her
Antworten an  Innere Unruhe

Was sie eint, egal woher sie kommen, ist vielfach die Ideologie, der sie anhängen. Und Saudi Arabien hatte sich ja schon 2015 bereit erklärt, 200 neue Moscheen in Islamerwartungsland zu bauen.
Wie weit sind sie damit bislang gekommen?

Schlaubauer
2 Jahre her

Der nächste Akt beginnt. Nach Zerstörung der Energiesicherheit, der Industrie, demnächst auch Landwirtschaft, der Inflation, auf die wir in keiner Weise vorbereitet sind, folgt nun die Massenwinwanderung. Alles nur zum Wohle derer, die schon länger hier leben.

Ante
2 Jahre her

Migration ist das größte globale Problem, nicht der Klimawandel. Letzterer ist auch ein Problem.

Thorsten
2 Jahre her
Antworten an  Ante

Das Kernproblem ist das Bevölkerungswachstum, dass treibt die Migration und auch den Klimawandel.