Spanien steht unter Schock: Bei der Kollision zweier Hochgeschwindigkeitszüge im Süden des Landes sind nach offiziellen Angaben bislang 40 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 170 weitere wurden verletzt. Unter den Opfern befinden sich nach Angaben des Auswärtigen Amtes auch deutsche Staatsangehörige. Die Identifizierung der Toten dauert noch an.
IMAGO / Europa Press
Die Tragödie ereignete sich am Sonntagabend nahe der Gemeinde Adamuz in der Provinz Córdoba – Tichys Einblick berichtete: Gegen 19.40 Uhr entgleisten bei hoher Geschwindigkeit die hinteren Waggons eines Hochgeschwindigkeitszuges des Betreibers Iryo, einer Tochter der italienischen Trenitalia.
Die entgleisten Wagen gerieten auf das Nachbargleis just in dem Moment, als ein entgegenkommender Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe mit ähnlichem Tempo heranfuhr. Der Zusammenstoß hatte verheerende Folgen: Mehrere Waggons wurden aus den Schienen gerissen, zwei stürzten eine vier Meter hohe Böschung hinab und wurden nahezu vollständig zerstört.
Nach Angaben von Spaniens Verkehrsminister Óscar Puente war die Wucht des Aufpralls enorm. Rettungskräfte sprachen von einem Trümmerfeld aus Metall, das die Bergungsarbeiten extrem erschwerte. Der andalusische Regionalpräsident Juanma Moreno schloss zunächst nicht aus, dass weitere Todesopfer unter den zerstörten Waggons gefunden werden könnten. Am Montagabend meinte er dann jedoch, dass die Zahl der bestätigten Todesopfer mit den Vermisstenmeldungen übereinstimme.
Sechsjähriges Mädchen verlor Eltern und Geschwister
Besonders erschütternd sind die Schicksale einzelner Familien. Medien berichten von fünf Todesopfern aus einer Familie aus Punta Umbría, darunter beide Eltern, ein Sohn, eine Tochter und ein Neffe. Einzig ein sechsjähriges Mädchen überlebte das Unglück – sie verlor Eltern und Geschwister.
Von den mehr als 170 Verletzten wurden am Dienstagmorgen noch 39 Menschen in Krankenhäusern behandelt, zwölf davon auf Intensivstationen. Nach Angaben des andalusischen Notdienstes befinden sich inzwischen alle außer Lebensgefahr. Augenzeugen schilderten erschütternde Szenen. Eine junge Frau berichtete im spanischen Fernsehen von Dunkelheit, Schreien und umherfliegendem Gepäck. Ein anderer Passagier beschrieb den Aufprall als „Erdbeben“.
Ministerpräsident Pedro Sánchez reagierte mit der Ausrufung einer dreitägigen Staatstrauer. Auch das spanische Königshaus zeigte sich tief betroffen. König Felipe VI. und Königin Letizia sprachen den Angehörigen ihr Beileid aus und kündigten an, rasch in die Heimat zurückzukehren, um persönlich Anteil zu nehmen.
Internationale Beileidsbekundungen trafen aus aller Welt ein, darunter von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowie von der deutschen Bundesregierung. Die Bahnstrecke zwischen Madrid und Andalusien bleibt auf unbestimmte Zeit gesperrt. Experten rechnen damit, dass die Untersuchung der Unfallursache Wochen oder sogar Monate in Anspruch nehmen wird. Über einen ersten Verdacht zur Unglücksursache wird bereits in einigen Medien berichtet: Eine Schweißnaht bei einer Weiche könnte gebrochen sein.


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