Frauentausch: Einheimische und Migrantinnen

Fachleute wollen herausgefunden haben, dass ein steigender Anteil von Migrantinnen in einer deutschen Region die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass einheimische Frauen mehr arbeiten.

© Sean Gallup/Getty Images

Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist eine Forschungseinrichtung der Bundesanstalt für Arbeit. Aufgabe besteht darin, die Öffentlichkeit über relevante Forschungsergebnisse zu informieren und Politik und Praxis unabhängig Rat zu erteilen.

Nun wollen die Forscher des Instituts in der Analyse „Zuwanderung beeinflusst das Arbeitsangebot der einheimischen Frauen“ herausgefunden haben, dass Zuwanderung (man spricht auch hier nicht mehr von Flucht und Flüchtlingen) dazu beitragen kann, den Entscheidungsdruck von einheimischen deutschen Frauen abzumildern, sich zwischen Karrieren und Kind entscheiden zu müssen. Migrantinnen würden erfahrungsgemäß besonders häufig in der Kinderbetreuung, der häuslichen Altenpflege oder der klassischen Hausarbeit arbeiten und könnten so einheimische Familien entlasten.

Nun scheint das auf den ersten Blick wie eine Vorstufe zu „The Handmaid’s Tale“, der US-Science-Fiction-Serie, in der eine bestimmte geeignete Gruppe gebärfähiger Frauen für besser situierte und besser gestellte Persönlichkeiten des Staates die Kinder bekommen. Eine Art staatlich verordnete, bei Vergehen schärfstens sanktionierte Zwangsleihmutterschaft.

Eine Vorstufe, weil es auch hier bei den Forschungsergebnissen des IAB um ein Splitting eigentlich eng miteinander verwobener Tätigkeiten für ein und die selbe Sache geht: Kinder und Kinderbetreuung beispielsweise. Die Fachleute wollen herausgefunden haben, dass ein steigender Anteil von Migrantinnen in einer deutschen Region die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass einheimische Frauen mehr arbeiten. Jawohl.

Das ist nun in mehrerlei Hinsicht denkwürdig. Zum einem scheint es Klassenunterschiede unter Frauen zementieren zu wollen: Die Arbeiterinnen und die Dienerinnen (Allerdings gesteht es über diesen Umweg endlich auch einmal ein, dass mütterliche Betreuungstätigkeit durchaus Arbeit genannt werden darf und sogar muss). Andererseits unterscheidet sich die so genannte Fertilität, also die Fruchtbarkeit/Kinderzahl zwischen Migrantinnen und einheimischen Frauen deutlich. So bekommen beispielsweise türkischstämmige Frauen mehr Kinder als deutschstämmige.

Wie paradox ist das aber, wenn die mehrfache Mutter der Einzelkindmutter die Kinderbetreuung abnimmt, damit diese dann eine Vollzeittätigkeit nachgehen kann – möglicherweise sogar noch als Erzieherin in einer Kindertagesstätte, in der sich dann die Kinder der bei dieser Erzieherin angestellten Migrantin aufhalten müssen?

Noch denkwürdiger: Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung hatte schon 2105 festgestellt, dass die Kinderzahl bei Migrantinnen mit steigender Bildung sinkt. Bei niedrigen oder keinem Bildungsabschluss bleiben die Unterschiede in der Kinderzahl indes bestehen.

Nun kann man des weiteren darüber nachdenken, was passiert, wenn dann die Kinder der höher gebildeten Frau von geringer ausgebildeten Migrantinnen betreut werden und deren Kinder von eben diesen ausgebildeten einheimischen Frauen. Ein frohlockender Multikulturalismus würde hier Freudenschreie ausstoßen: So  könnte Integration tatsächlich funktionieren. Dann nämlich, wenn deren Ziel die Aufhebung der unterschiedlichen Bildungsniveaus bzw. die Aufhebung kultureller Unterschiede bedeutet .

Die Frankfurter Allgemeine hat besagte IAB-Studie ebenfalls gelesen und fasst zusammen: „Steigt der Anteil der Zuwanderinnen an der Bevölkerung beispielsweise um 10 Prozent, nehme die Wahrscheinlichkeit, dass deutsche Frauen länger als 30 Stunden arbeiten, um 0,9 Prozentpunkte zu – von 53 auf 53,9 Prozent. Es handle sich um einen „positiven und statistisch signifikanten Effekt“, schreiben die Wissenschaftler.“

Auch steige die Wahrscheinlichkeit, dass einheimische Frauen mehr Kinder bekommen. Dabei wenden sie dann sogar weniger Zeit für die Betreuung ihrer Kinder und für Hausarbeit wie Waschen, Kochen und Putzen auf.

Ja, so macht man Frauen zu Gebärmaschinen, die mit ihrem neuen Gebärfleiß allerdings wiederum die Zuwanderung überflüssig machen würden, die ja oft begründet wird mit einer Abnahme einheimischer Geburtenzahlen. Und der kleinen Anna und dem Fritz kann dann später erzählt werden: Du bist auf die Welt gekommen, nicht weil sich Papa und Mama so lieb hatten, sondern weil es genug Migrantinnen gab, die sich um Dich kümmerten, während Deine Mama und dein Papa das Geld verdienen gingen um u.a. dann diese Migrantinnen zu bezahlen, deren eigene Kinderschar von Mama in einer staatlichen Einrichtung betreut und dort selbstverständlich vorbildlich erzogen wurde. Jawohl.

Die IAB-Analyse wurde übrigens erstellt von Emanuele Forlani, Elisabetto Lodigiani, Concetto Mendoliccho und Parvatio Trübswetter. Also offensichtlich in Teilen eine Zusammenarbeit mit italienischen Universitäten. Das Fazit der Wissenschaftler lautet: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Anwesenheit von Zuwanderern sich sowohl auf das Arbeitsangebot als auch auf die Fertilitätsrate insbesondere von mittelqualifizierten einheimischen Frauen positiv auswirkt.“

Vielleicht wäre es zuviel, das alles nun nur frauenfeindlich zu nennen. Vielleicht aber auch nicht. Auf jeden Fall aber sind diese Untersuchungen dann besonders wert-, sinnlos und sogar unsinnig, wenn Kausalitäten und Abhängigkeiten derart durcheinander kommen und missachtet werden wie hier. Wenn, wie das Institut für sich beansprucht, dessen „relevante Forschungsergebnisse“ Politik und Praxis unabhängigen Rat erteilen wollen, dann muss man hoffen, das Politik und Praxis so einen Quark einfach links liegen lassen. Noch dazu besonders dann, wenn es wie hier eine lupenreine Werbeveranstaltung für noch mehr Familiennachzug ist.

Unterstützung
oder

Kommentare ( 91 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

91 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
SandraMandra
1 Jahr her

„Außerdem werden wir in den Industrieländern immer weniger, sogar bei dem steigenden Baby-Tourismus in die günstige Ukraine.“ Wieso „gerade in den Industrieländern“?
Die Entwicklungsländer sind doch die, die das Problem haben, ihre Leute zu ernähren, zu bilden und ihnen ein Auskommen zu bieten!
Selbstverständlich wird in den Industriestaaten ebenfalls nach unten korrigiert; fehlende Wohnungen, fehlende Schulformen, hohe Arbeitslosigkeit, Digitalisierung, etc. führen eben zu mangelnden Geburtenanstieg und das ist gut so!
Denn wenigstens machen sich diese Frauen noch einen Kopf um ihre und die Zukunft ihrer Kinder!

Stellamella
1 Jahr her

Leben wir nicht angeblich in der sozialsten EU seit Menschengedenken?
Scheinbar geht den Wohlstandsparlamentariern der EU, des Bundestages und der Landtage, die „Probleme“ der einfachen Bürger am Ars ch vorbei.
Zum Wohle des Volkes oder in deren Interesse wird sicherlich nicht gearbeitet.
Außerdem werden wir in den Industrieländern immer weniger, sogar bei den steigenden Baby-Tourismus in die günstige Ukraine. In welchem Land bekommen Frauen denn im Schnitt noch mehr als 2,1 Kinder? So viel sind erforderlich um die Population stabil zu halten. Bei durchschnittlich 1,6 Kindern nimmt die Population ab.

BinkiBunki
1 Jahr her

Menschen im Westen haben nicht zu viel, sondern zu wenig Kinder. Das hat – in großen Teilen zumindest – mit einem verkümmerten Kinderwunsch und Erscheinungen von Dekadenz zu tun. Genauso wir bereits zum Trend gewordene Leihmutterschaft in der Ukraine. Aber wenn zu diesem ohnehin schon geringen Kinderwunsch noch wirtschaftliche Hindernisse wie hier oder ideologische Schnapsideen wie dem “ökologischen footprint“ eines Kindes dazukommen, dann werden wir uns bei einer seit 2 Generationen für die einfache Reproduktion zu niedrigen Geburtenquote demografisch selbst auslöschen.

BeeGee
1 Jahr her

Die Frage ist eben wie passt ein Recht auf Mutterschaft mit der Überbevölkerung des Planeten sowie geforderter geringerer Ressourcennutzung zusammen?
Sind nicht weniger Menschen gerade in den Industrieländern wichtig für unseren Planeten und das Überleben der Menschheit?
Sollten wir nicht weniger werden, statt mehr? Wenn jede frau nur 1 Kind hat, werdens immer noch weniger. Und um unseren immer steigenden Fortpflanzungstourismus zu den günstigen ukrainischen Kiwu-Zentren müssen wir uns auch mal kümmern.
Dem einzelnen kann man s nicht verbieten. Noch nicht mal, 4-5 Kinder zu kriegen, sowas gibts auch noch.

Duese
1 Jahr her

Ob sowas wie „Recht auf Mutterschaft“ überhaupt gibt, ist echt diskutabel. Natürlich möchte man das jeder Frau zugestehen, wie auch jedem Mann das Recht auf Vaterschaft, sogar wenn die dabei zu solchen Mitteln greifen wie Leihmutterschaft irgendwo in der Ukraine, was schon zum Trend geworden ist. Aber es gab wohl keine Zeit, in der die praktischen Lebensumstände diesem Recht nicht auch entgegen standen. Für die wirksame Unterstützung von Familien braucht es eine solidarische Gesellschaft. Und davon sind wir noch weit entfernt – auch wenn Vieles durchaus besser geworden ist. Und weniger einen Staat, der (wie gerade in Russland beispielhaft erlebt)… Mehr

Nicholas van Rijn
3 Jahre her

„hatte schon 2105 festgestellt“…
Ein bisschen viel SF..
;-))

Humerd
3 Jahre her

Hier werden einheimische Frauen aufs Gebären und arbeiten gehen reduziert und sie lassen sich das auch noch gefallen. Wo bleibt der # gegen die Gebärmaschinentheorie der Frauen? Entsetzlich, was in unserem Lande möglich ist und was sich Frauen gefallen lassen.
Wäre ich Frau, ich möchte nicht auf meine Gebärfähigkeit reduziert werden und ich würde meine Kinder nicht von anderen Menschen auch aus fremden Kulturkreisen erzogen wissen, nur damit ich arbeite und Steuer + Beiträge zu den Sozialkassen zahle.

Philokteta
3 Jahre her

Hm, wenn es sehr viele Migrantinnen gibt, haben die einheimischen Mütter und Väter ja auch eine riesengroße Auswahl. Sie müssen dann nicht befürchten, für Putzarbeiten niemanden zu finden. Und klappt es mit Krippe/Tagesstätte nicht passend, dann hat man auch einen Riesenpool, aus dem man sich die Betreuerinnen aussuchen kann. Da kann man sich als Einheimische/er dann schon eher für ein weiteres Kind, oder überhaupt für ein Kind entscheiden. Nehme an, die Studie will genau das belegen. Hauptsache, beide Elternteile können arbeiten und Steuern erwirtschaften. Und das paßt ja nun prima, die Flüchtlingspolitik und den Familiennachzug schönzureden. Ist schon merkwürdig, die… Mehr

Frank Kotteck
3 Jahre her

Die Trickserei der IAB-„Forscher“ beginnt wohl schon mit dem Wort „Migrantinnen“. Mitnichten handelt es sich dabei um zugereiste Nordafrikanerinnen oder Damen aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan. Die muss man in Deutschland nämlich weiter mit der Lupe suchen. „Migrantinnen“, die in Deutschland Kinder betreuen oder private Fußböden feudeln, kommen fast ausschließlich aus Osteuropa, in der Regel aus EU-Ländern. Das ist eine Zuwanderung, mit der Deutschland wohl ganz gut zurechtkommt. Hier sind auch durchaus ernsthafte Integrationsbemühungen auf Seiten der Zuwanderinnen erkennbar. Der Eindruck, der allerdings von den unterwürfig nachplappernden Mainstream-Medien vermittelt wird ist der, dass Merkels spezielle Gäste aus den verlotterten… Mehr

Sonja Dengler
3 Jahre her

bis auf die Leihmutterschaft gab es dieses Szenario aber schon mindestens einmal: bei den alten Römern nämlich, die ihre Kinder ja auch von den (besser) gebildeten Sklaven ausbilden ließen – am besten wird sein, wir verschweigen, dass das römische Reich leider untergingen ist oder?