Nach Sachsen-Anhalt: Kirchen und jüdische Funktionäre treiben den eigenen Untergang voran

Nach der AfD-Mehrheit in Sachsen-Anhalt wollen auch jüdische Funktionäre zur „Zivilgesellschaft“ gehören und handeln damit besonders geschichtsvergessen. Frankreich zeigt, wo das hinführt: Jüdische Feiertage stehen dort unter dem Schutz der Armee. Die Auswanderung wird für viele zum letzten Ausweg.

IMAGO / BREUEL-BILD

Die „Zivilgesellschaft“ hat ein neues Ziel: eine Koalition unter Einschluss der AfD muss verhindert werden, die rot-güne Mauer, hinter der auch die Union steckt, soll halten. Mit dabei sind natürlich Flüchtlingsräte und andere Exponenten des Asyl-NGO-Komplexes. Doch zu dieser Anti-Koalition gehören eben auch die großen Kirchen und der Zentralrat der Juden. Das zeugt von besonderer Geschichtsblindheit. Denn wer sich – wie Tilo Jung – in eine babylonische Gefangenschaft der Vergangenheit begibt, kommt darin sicher um. Dass die Probleme der Gegenwart ganz andere sind, kann er kaum noch erkennen. Das hat nicht zuletzt die viral gegangene Replik von Ulrich Siegmund bewiesen.

Der Patron der deutschen Zivilgesellschaft – Antifa-Lars Klingbeil – schwankt im Deutschen Bundestag zwischen einem Auftritt als Pechmariechen der deutschen Wirtschaft („von Krise zu Krise“, „wo eine Tür sich schließt, geht eine andere auf“) und dem stolzen Präsentator staatlicher Mehrausgaben und Subventionen plus Maßnahmen zur deutsch-autonomen Klimaneutralität. Und natürlich leistet er sich in dieser Haushaltsrede schon bald ein Einsprengsel zum Wert der ins Unendliche weitergehenden Asyl-Invasion. Die illegalen Zuwanderer – überwältigend viele davon Muslime – brauche man dringend für die beschriebene Endloskrise.

Kaum waren die Ergebnisse der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bekannt, meldeten sich auch die Repräsentanten der jüdischen Gemeinden in Deutschland zu Wort. Parallel zu den großen staatserhaltenden, altparteiennahen Amtskirchen äußerte sich auch Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden, zum Wahlergebnis: Er sei „persönlich entsetzt“. Und weiter: „Über die letzten Monate war klar ersichtlich, welche Ziele die AfD verfolgt. Wer sie heute gewählt hat – trotz oder wegen dieser Ziele – trägt die Verantwortung für dieses Ergebnis.“ Alles richtig, nur gilt dasselbe auch für die Unterstützer jeder anderen Partei. Auch Schuster gehört in die Fraktion Tilo Jung, die sich von einer 80 Jahre alten Geschichte gedanklich nicht lösen kann – oder Ähnliches vorgibt und dadurch ziemlich verkalkt erscheint.

Josef Schuster ist gegen die Konsensstörer

Schusters Hauptargument: Die AfD wolle „eine Abkehr vom bundesrepublikanischen Konsens“. Doch das ist eines dieser unscharfen Wieselwörter, das Schuster erst einmal vernünftig definieren müsste. Denn Konsensstörung im politischen Sinn kann man jeder neu gegründeten Partei nachsagen. So waren die Sozialdemokraten gegen den Konsens des Kaiserreichs und die Grünen gegen den der Schmidt- und Kohl-Jahre. Man müsste keine neue Partei gründen, wenn man nicht den „Konsens“ der anderen – den es bei vielen Themen gar nicht gibt – stören will.

Was für einen Konsens meint Schuster also konkret? Es kann fast nur noch das gemeinsame Bekenntnis zur NGO-Zivilgesellschaft sein, die Verwachsenheit von Parteien mit diesen Partikularinteressen von Großverbänden und kleineren Vereinen, die bisher viele Linien der Politik (Migration, Sozialpolitik, staatliche Unterstützung von Vereinen, Verbänden, Kirchen usw.) bestimmen. Und das ist auch so, weil sie mit der politischen Führung und der medial-kulturellen Kaste des Landes eng verwoben sind.

Natürlich spielt Schuster hier neben diesem äußerlichen und dem anderen tieferen „Konsens“ auf mehr an, doch eben darin irrt er: Die demokratischen Fundamente der Bundesrepublik greift die AfD eben nicht an, sondern will sie stärken.

Knobloch 2015: Flüchtlinge können nichts für ihren Judenhass

Vor allem in der Bildungspolitik befürchtet Schuster Schlimmes von einer AfD-Regierung. Denn Bildung sei „der wichtigste Grundstein für den Erhalt unserer offenen Gesellschaft und den Kampf gegen Antisemitismus“. Aha. Und die AfD möchte also nicht, dass Bildung vermittelt und Antisemitismus bekämpft wird? Wie schon üblich, bedient sich der Zentralrats-Funktionär Schuster hier der Unterstellung, um der AfD am Zeug flicken zu können. Denn eine Forderung der AfD, etwas an beiden Dingen zu ändern, findet sich wohl nirgends. Vielleicht meint er schlicht die Einführung elterlicher Wahlfreiheit in Sachen Schulbesuch, die staatlich angestellten Lehrkräften nicht recht sein wird. Wem fühlt sich Schuster verpflichtet?

Bekannt ist dagegen ein deutliches und eindeutiges Bekenntnis von Alice Weidel zum jüdischen Leben in Deutschland, das letztlich nur die AfD schütze. Seit Langem warnen AfD-Politiker vor dem durch Angela Merkels Politik importierten Antisemitismus. Vorausgesetzt werden kann daneben, dass eine Partei, die sich aus konservativer Richtung kommend den Erfolg des eigenen Landes wünscht, für die Vermittlung von Bildung sein wird. Und es gibt natürlich die Gruppe „Juden in der AfD“, die wohl um die 20 offizielle Mitglieder hat. Daneben gibt es weitere jüdische Parteimitglieder.

Und natürlich ist auch Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, nicht weit, wenn es um derlei Unterstellungen geht. Sie spricht von einigen ihrer „Albträume“, die nun wahr geworden seien. Ganz ähnlich sprechen Kirchenleute – von einem „Riss durch die Gesellschaft“ oder „nationalistischem Ungeist“. Knobloch empfand das Deutschland des Sommers 2015 als „Synonym für Hoffnung und Sicherheit“, und das Erlebnis der millionenfachen Asylzuwanderung nannte sie damals „wohltuend“. Für den von ihnen mitgebrachten Judenhass aus der alten Heimat könnten die „Flüchtlinge“ nichts.

Vielleicht hat aber all das damit zu tun, was Tino Chrupalla auch am Wahlabend noch einmal klarstellte: dass Vereine oder Organisationen, „die nicht wertschöpfend in diesem Land arbeiten“ und nur eine „indoktrinierte Politik betreiben“, keine staatlichen Fördergelder mehr bekommen sollen. Die Kirchen stecken jedenfalls tief in diesem Fördersumpf mit drin. Klar ist, dass auch der Zentralrat zum selben gesellschaftlichen Establishment gehört und es sich mit dem „zivilgesellschaftlichen“ Milieu nicht verderben will. Dass muslimischer Antisemitismus für viele Juden in Deutschland zunehmend das große Thema ist, interessiert die Funktionäre der jüdischen Gemeinden hingegen wenig.

Frankreich: Jüdische Feiertage unter militärischem Schutz

Ein kurzer Blick nach Frankreich sollte die jüdischen Verbände von ihrer Aufregung kurieren. Denn auch dort stehen ab dem 11. September die wichtigsten jüdischen Feiertage – Rosch ha-Schana, Jom Kippur und Sukkot – an. Und aus diesem Anlass hat das französische Innenministerium kommunale Behörden dazu aufgefordert, die Sicherheitsstufe für alle Synagogen landesweit deutlich zu erhöhen. Für solche Aufgaben steht seit den dschihadistischen Anschlägen vom Januar 2015 (unter anderem auf die Redaktion von Charlie Hebdo) die „Opération Sentinelle“ der Armee bereit. Polizeipatrouillen während der Gottesdienste sind längst Standard. Daneben will man gegebenenfalls Personen- und Fahrzeugkontrollen veranstalten.

Die Überschriften geben eine Idee von der Schwere der Vorgänge:

  • „Wie der Staat die Synagogen schützen will, ohne die terroristische Bedrohung in Frankreich zu verharmlosen“
  • „Frankreich verstärkt vor den hohen Feiertagen die Sicherheitsmaßnahmen rund um jüdische Kultstätten“
  • „Die bevorstehenden jüdischen Feiertage stehen unter strenger Überwachung“

Warum dies, und warum in diesem Jahr? Eigentlich waren die antisemitischen Taten ja im ersten Halbjahr 2026 um 20 Prozent zurückgegangen, auf 532 in sechs Monaten. Doch das Niveau der Taten gilt immer noch als erhöht seit einer Zunahme nach dem Terrorangriff auf Israel vom 7. Oktober 2023. 1320 antisemitische Taten gab es letztes Jahr in Frankreich. Das waren zugleich rund die Hälfte aller Taten, die sich gegen eine Religionsgemeinschaft richten. Inzwischen sind drei von vier Taten direkte körperliche Angriffe, also nicht irgendwelche Schmierereien.

Erst am vergangenen Freitag hat die nationale Antiterror-Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen „drei Männer“ eröffnet, die mutmaßlich einen „Plan für gewalttätige Aktionen gegen die jüdische Gemeinschaft“ ausheckten, wie der Figaro berichtet. Es waren, so wird dann doch noch präzisiert, Dschihadisten, die sich auch „Soldaten Allahs“ nennen. Die Partnerin eines der Männer war in den USA vom FBI festgenommen worden, weil sie im Namen des IS einen Anschlag auf das Parlament des Staates New York geplant habe.

Durch Repräsentanten wie den neu gewählten Bürgermeister von La Courneuve bei Paris, Aly Diouara, wird ein radikaler, sich hip gebender Islam immer stärker. Klar sagt er, dass die Ganzkörperverhüllung zu seinem Verständnis von „Freiheit“ gehöre. Und das ist, wie bekannt, nur die äußere Erscheinungsform des radikalen Islams, der an vielen Stellen Rechte einfordert, während er die von anderen Bürgern beschneidet. Aly Diouara wirbt für die „Fahne des Islam“ (Alice Schwarzer).

Gewaltiges Versagen mit einer sublimen Ironie

Nicht anders sieht es übrigens in Großbritannien aus. Im vergangenen Jahr gab es Anschläge auf eine Synagoge in Manchester und zuletzt auf jüdische Passanten im Viertel Golders Green. Juden, die als solche erkennbar sind, riskieren an immer mehr Orten ihre Sicherheit und Unversehrtheit. Längst stellt sich für Juden in Frankreich und in Britannien die Frage der Auswanderung, einfach um wieder ein normales Leben führen zu können. Allein 3.300 französische Juden emigrierten im letzten Jahr nach Israel. Ähnliche Zustände nehmen längst auch in Deutschland Formen an: Erinnerlich ist der Angriff mit einem Gürtel in Berlins Mitte, und erst letztes Jahr, 2025, verübte ein 19-jähriger Syrer einen Messerangriff auf einen Touristen am Denkmal für die ermordeten Juden in Berlin.

Im selben Jahr gab es – offenbar nach anderen Kriterien als in Frankreich gezählt – alles in allem 8.725 antisemitische Vorfälle, also 24 am Tag, so der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS), dreimal so viele wie vor dem 7. Oktober. Aber das Bundeskriminalamt zählte auch 6.548 antisemitische Delikte, also mehr als fünfmal so viele wie angeblich in Frankreich. Es ist klar, dass auch in Deutschland islamisch motivierte Taten die Treiber der neueren Entwicklung sind.

Daraus folgt: Die ungehinderte weitere Zuwanderung aus dem islamischen Kulturkreis wird diese Zustände verschärfen. Nur dem Zentralratsvorsitzenden und anderen Funktionären scheint das gleichgültig zu sein. Schuster und Knobloch ordnen sich brav in die Brandmauer ein und fördern so den mittelfristigen Untergang der jüdischen Gemeinden in Deutschland. Wird das Schicksal der Kirchen langfristig ein anderes sein? Kaum. Sublime Ironie eines gewaltigen institutionellen Versagens.

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