Grundsatzrede von US-Finanzminister Scott Bessent vor dem Economic Club of New York

Wirtschaftliche Sicherheit ist die Grundlage nationaler Handlungsfähigkeit. Scott Bessent erklärt die Trump-Strategie. Offener Handel, aber nur auf Grundlage von Gegenseitigkeit und amerikanischen Interessen.

IMAGO / Anadolu Agency

US-Finanzminister Scott Bessent hielt am 23. Juni 2026 beim America-250-Galadinner des Economic Club of New York eine Grundsatzrede zur Wirtschaftsstrategie der Regierung von Präsident Donald Trump.

Bessent erklärt, die USA stünden unmittelbar vor dem 250. Jahrestag ihrer Gründung. Dieses Jubiläum solle nicht nur Anlass zum Feiern sein, sondern zur Überprüfung des Zustands des Landes und seiner wirtschaftlichen Grundlagen. Unter Präsident Trump arbeite das Finanzministerium daran, wirtschaftliche Sicherheit als Grundlage nationaler Handlungsfähigkeit wiederherzustellen. Dabei verweist Bessent auf frühere Reden vor dem Economic Club of Dallas und der Reagan Library, in denen er strukturelle wirtschaftliche Schwächen und die daraus entstandenen Abhängigkeiten beschrieben habe.

Er stellt die Strategie der Regierung als „economic statecraft“ vor, also den gezielten Einsatz wirtschaftlicher Macht zur Sicherung der amerikanischen Souveränität. Nach seiner Darstellung hätten die USA nach dem Zweiten Weltkrieg den Aufbau eines offenen globalen Wirtschaftssystems ermöglicht, Verbündete beim Wiederaufbau unterstützt, den Welthandel ausgeweitet, den Lebensstandard erhöht und eine weltweit einzigartige wirtschaftliche Führungsrolle erreicht. Viele damalige Entscheidungen – Marktöffnung, wirtschaftliche Asymmetrien und Handelsungleichgewichte – seien jedoch von strategischen Instrumenten zu dauerhaften Gewohnheiten geworden. Daraus seien Verwundbarkeiten entstanden.

Nach Bessent hätten sich mehrere Annahmen als falsch erwiesen wie uneingeschränkter Zugang zum amerikanischen Markt bliebe folgenlos, wirtschaftliche Integration schaffe automatisch gemeinsame Interessen, Lieferketten hielten jeder Krise stand, niedrige Preise vkönnten erlorene Produktionskapazitäten ausgleichen und andere Staaten behandelten amerikanische Unternehmen ebenso fair wie die USA ausländische Firmen. Stattdessen seien strategische Industrien ins Ausland verlagert worden, kritische Lieferketten in Staaten konzentriert worden, die amerikanische Interessen nicht teilten, und amerikanische Unternehmen mit Subventionen, Technologietransferzwang, diskriminierenden Steuern und anderen nicht marktwirtschaftlichen Praktiken konfrontiert worden.

Bessent erläutert fünf Grundprinzipien der Wirtschaftspolitik der Trump-Regierung:

Erstens: Wirtschaftliche Sicherheit beginne mit nationaler Produktionsfähigkeit. Unter Bezug auf Alexander Hamilton fordert er, die USA müssten die wesentlichen Güter selbst herstellen können. Er nennt insbesondere Halbleiter, künstliche Intelligenz, Quantencomputing, moderne Fertigung, Schiffbau, kritische Mineralien und Pharmazeutika. Lieferketten müssten nicht vollständig inländisch sein, müssten aber krisenfest werden, Risiken kennen, Abhängigkeiten reduzieren und genügend heimische Kapazitäten schaffen. Lieferketten sollten Pandemien, Cyberangriffen, Kriegen und Finanzkrisen standhalten und nicht von Staaten abhängen, die wirtschaftlichen Druck ausüben oder geistiges Eigentum gefährden könnten.

Zweitens: Die Offenheit der USA solle künftig auf Gegenseitigkeit beruhen. Staaten sollten keinen Zugang zum amerikanischen Markt erhalten, wenn sie ihren eigenen Markt verschlössen oder amerikanische Unternehmen diskriminierten. Bessent nennt diskriminierende Steuern, Investitionsauflagen, Zwang zur Lokalisierung geistigen Eigentums, Technologietransfer, Vorgaben für lokale Inhalte, Bevorzugung heimischer Anbieter und nationale Innovationsprogramme. Ebenso dürften Staaten nicht vom dollarbasierten Finanzsystem profitieren und gleichzeitig Sanktionen umgehen oder illegale Finanzströme ermöglichen. Die USA verfügten über zahlreiche Instrumente gegen solche Praktiken und würden diese bei Bedarf einsetzen.

Drittens: Die USA müssten die Regeln der nächsten Weltwirtschaft mitgestalten. Künftiger Wettbewerb werde nicht mehr nur über Warenhandel, sondern über Plattformen, Standards und Protokolle geführt. Bessent nennt digitale Vermögenswerte, Stablecoins, Tokenisierung und neue Zahlungssysteme. Innovationen sollten den Dollar stärken, Effizienz und Zugang verbessern sowie Transparenz, Sicherheit, Verbraucherschutz und den Zugang der Strafverfolgungsbehörden gewährleisten.

Viertens: Finanzielle Führungsrolle sei ein zentrales außenpolitisches Instrument. Die Stellung des Dollars beruhe auf tiefen Kapitalmärkten, Rechtsstaatlichkeit, glaubwürdigen Institutionen und der Größe der amerikanischen Wirtschaft. Daraus ergäben sich Vorteile wie niedrigere Finanzierungskosten, tiefere Kapitalmärkte, wirksamere Sanktionen und großer Einfluss auf das globale Finanzsystem. Gleichzeitig müssten Sanktionsumgehung, Terrorismusfinanzierung, Proliferationsfinanzierung, Cyberkriminalität, Drogenhandel und Korruption bekämpft werden. Sanktionen müssten gezielt, durchsetzbar und Teil einer übergeordneten Strategie sein.

Fünftens: Die Wirtschaftspolitik müsse den amerikanischen Bürgern dienen. Ziel sei eine Wirtschaft, in der Arbeitnehmer nicht nur Konsumenten seien, sondern an der Produktion teilhätten. Keine Region solle dauerhaften Niedergang als Preis globaler Effizienz akzeptieren müssen. Nationale Stärke solle Familien und Gemeinden ebenso zugutekommen wie Unternehmen und Finanzmärkten. Bessent betont die Bedeutung von Unternehmern, Arbeitnehmern und Institutionen sowie die Wiederherstellung des Vertrauens der Bevölkerung.

Zum Schluss erklärt Bessent, Partnerstaaten sollten mit klaren Erwartungen rechnen: Die USA blieben für starke Allianzen, fairen Wettbewerb, Investitionen und offenen Handel, würden aber künftig stärker auf Gegenseitigkeit bestehen, amerikanische Unternehmen vor Diskriminierung schützen, kritische Lieferketten sichern, Sanktionen durchsetzen und Wirtschaftspolitik eng mit der nationalen Strategie verbinden. Gegner müssten damit rechnen, dass Versuche, Lieferketten als Druckmittel einzusetzen, Technologie zu stehlen, Sanktionen zu umgehen, Märkte zu manipulieren oder Partner unter Druck zu setzen, beantwortet würden.

Den amerikanischen Bürgern verspricht Bessent eine Politik zugunsten von Arbeit, Investitionen, Produktion und Innovation. Abschließend bezeichnet er diese Strategie als amerikanische Wirtschaftspolitik des 21. Jahrhunderts: offen gegenüber der Welt, aber im eigenen Land verankert, selbstbewusst hinsichtlich der eigenen Stärken und auf Sicherheit, Wohlstand und Freiheit der amerikanischen Bevölkerung für die nächsten 250 Jahre ausgerichtet.

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Kommentare ( 28 )

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Marcel Seiler
21 Tage her

Die Einzelheiten dieser Liste von Bessent kann ich nicht beurteilen. Richtig ist aber der Kerngedanke: Die bisherige Offenheit der westlichen Volkswirtschaften bzgl. Handel, Technologieaustausch/Patentsystem, Information, Lieferketten, transnationale Investitionen u.ä. sind dann (aber auch nur dann) wohlstandssteigerend, wenn alle Teilnehmer in gutem Glauben handeln und das wirtschaftliche Wohl der Bevölkerung im Auge haben. Das ist nicht mehr der Fall.

Diese westlichen Freiheiten werden für politische Machtkämpfe von den Feinden des Westens missbraucht: China, Russland, islamische Welt. Dagegen muss sich der Westen wappnen. Deutschlands Politiker sind da bisher komplett naiv, wenn nicht schlichtweg dumm.

Mausi
21 Tage her

Solche Sätze werden niemals aus einem Land kommen, das von Politikern regiert wird, die dem Ziel folgen „Hauptsache, das Geld haben Andere“.
Entweder damit der Euro nicht auseinanderbricht oder weil das der Preis für die Wiedervereinigung ist oder weil man „D verrecke“ folgt.
Wie sagen Diplomaten: Sie kennen kein Land, das so wenig eigene Interessen vertritt wie D.

Nibelung
21 Tage her

Wer wünscht sich das nicht, wirtschaftliche Sicherheit, was aber aus der Sicht der US-Amerikaner eine Einbahnstraße ist und das wird mit aller Macht verteidigt und führt somit zum Mißklang, weil man die gleichen Bedürfnisse anderer nicht sehen will und sich dadurch überhöht um damit Disharmonien zu erzeugen, wo die USA wahre Meister darin sind, bis sie unterliegen werden und andere wirtschaftliche Hoheiten erringen, weil sie im Grundprinzip als Retter in der Not auftauchen und ihnen damit die guten Gefühle zufliegen, was man durch die Amerikaner in ihrer alten Art und Weise immer mehr abstoßend empfindet. Die gegenseitige Begegnung in allen… Mehr

Kassandra
21 Tage her

Hier Bessents Rede im Transkript: https://home.treasury.gov/news/press-releases/sb0539

Johannes S. Herbst
22 Tage her

Bessent ist in meinen Augen ein Krimineller. Er hat offen damit geprahlt, durch Finanz-Manipulationen zum Absturz der iranischen Wahrung um 40% beigetragen zu haben, die Anfangs dieses Jahren im Iran zu Protestaktionen und durch Mitwirkung von Mossad, CIA und US Waffenlieferungen zu Unruhen mit vielen Todesopfern führte.

Das US Imperium ist im Niedergang und versucht mit Mafia- und Gangster-Methoden seine Macht weltweit zu erhalten.

Mausi
21 Tage her
Antworten an  Johannes S. Herbst

Glauben Sie, dass nur die USA solche Mittel anwendet? Und wenn Sie das nicht glauben, wieso benennen Sie nicht namentlich andere Staaten und Unternehmen bzw. Menschen mit genügend Geld und verurteilen diese dann ebenfalls?

Biskaborn
21 Tage her
Antworten an  Johannes S. Herbst

Im Untergang begriffen ist nicht das US Imperium sondern das EU Imperium,glauben Sie nicht was Ihnen ÖRR und Systempresse vorlügen!

Shipoffools
22 Tage her

Und jetzt stellen wir uns das intellektuell herausgeforderte Quarkteilchen Lars vor. Ihm die genannten Begriffe begreiflich zu machen würde bis zum Ende der regulären Legislatur dauern. Schlechtesten Auswahl zum Schaden des Landes. We are lost.

Biskaborn
22 Tage her

Etwas Ähnliches werden wir von den aktuell hierzulande Regierenden, nie zu hören bekommen. Insbesondere der Punkt 5 und den letzten Absatz sollte man Merz zur Nachahmung ins Stammbuch schreiben. Natürlich würde das sofort im Papierkorb landen. Der Anspruch, Politik fürs eigene Land zu machen ist für diese Claqueure sicher schon Rassistisch vielleicht sogar eher faschistisch!

Peter Gramm
22 Tage her

…“Wirtschaftliche Sicherheit ist die Grundlage nationaler Handlungsfähigkeit.“…aber nur wenn gilt:“America first“. Unsere Politiker unterstützen dies ja momentan zufriedenstellend. Nur nicht für die eigene Bevölkerung.

wegmitdenaltparteien
22 Tage her

“ Die Wirtschaftspolitik müsse den amerikanischen Bürgern dienen. “

Da können sich die US-Amerikanern gegenüber ihren europäischen Verwandten aber glücklich schätzen, in der EUDSSR hätte man Bessent medial gekreuzigt.

Das geht ja gar nicht – dem Wohl der indigenen Bevölkerung dienen —

Last edited 22 Tage her by wegmitdenaltparteien
Johannes S. Herbst
22 Tage her
Antworten an  wegmitdenaltparteien

Sobald aber Netanjahu pfeift, hüpft die USRegierung und bricht einen Krieg vom Zaum, der nicht nur die USA, sondern die ganze Weltwirtschaft schädigt.

Kassandra
21 Tage her
Antworten an  Johannes S. Herbst

Gut, dass wir hier schon in vorauseilendem Gehorsam die Säulen unserer Wirtschaft selbst zertrümmert haben – seit Merkel offensichtlich.

Haba Orwell
22 Tage her

> … Sanktionen durchsetzen und Wirtschaftspolitik eng mit der nationalen Strategie verbinden. Gegner müssten damit rechnen, dass Versuche, Lieferketten als Druckmittel einzusetzen, Technologie zu stehlen, Sanktionen zu umgehen, Märkte zu manipulieren oder Partner unter Druck zu setzen, beantwortet würden.

Grotesker geht es kaum – der Herr schwärmt für „Sanktionen“ und beschwert sich, wenn andere Länder ähnlich antworten?
Meiner Frau ist kürzlich aufgefallen, dass Trump über „Überlegenheit“ der USA sprach – gleich kam ihr gewisser österreichischer Maler in den Sinn.

Biskaborn
22 Tage her
Antworten an  Haba Orwell

Sie und Ihre Frau scheinen ja nun recht wenig zu verstehen, klar wenn ich hier den ganzen Tag texte kann man schon schwer durcheinander kommen und nichts mehr wirklich einordnen und bewerten können! Nichts für ungut, natürlich sind Ihre Einlassungen immer wieder lesenswert!

Johannes S. Herbst
22 Tage her
Antworten an  Haba Orwell

Sie haben Recht, lieber Orwell. Es scheint hier aber immer noch viele hier zu geben, die von der Güte und der Friedfertigkeit dieser Vorreiter für unsere „Demokratie und Freiheit“ (eingetragenes Warenzeichen) glauben.

Denen scheint immer noch nicht aufgefallen zu sein, dass die Ermordung von ausländischen Politikern, Wissenschaftlern, Fischer-Bootsführern und Zivilisten und Militärische Überfalle nicht mit dem internationalen Und dem Menschrecht übereinstimmen – oder sie pfeifen auf sowas.

Biskaborn
21 Tage her
Antworten an  Johannes S. Herbst

Was schreiben Sie denn für einen Unsinn, lassen Sie sich nicht von Orwell und seinen wirren Einlassungen anstecken!

Mausi
21 Tage her
Antworten an  Haba Orwell

Meiner Frau ist kürzlich aufgefallen, dass Trump über „Überlegenheit“ der USA sprach – gleich kam ihr gewisser österreichischer Maler in den Sinn: Gut erzogen. Überlegenheit = Nazi. Deswegen werden bei uns auch alle auf ein einheitliches Bildungsniveau gebracht, damit niemand mehr überlegen ist. Förderung von Überlegenheit in unseremBildungssystem ist verdächtig. Abitur und Uni kann schließlich jeder. Und Politiker sind nicht überlegen, sie gehören nur zur Elite. Auch Sie glauben, dass andere Staaten, Unternehmen, Unternehmer anders vorgehen. Anscheinend glauben Sie auch an freien Handel. Natürlich reguliert durch Zölle, Vorgaben für die Waren, die verkauft werden dürfen oder gestützt durch Subventionen. Stellen… Mehr

Last edited 21 Tage her by Mausi