GdP Berlin geht auf Distanz zu Hüber

Nach NRW, Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt stellt sich auch die GdP Berlin gegen die hochproblematischen Aussagen ihres Bundesvizes Sven Hüber. Der Landesbezirk weist dessen juristischen Thesen zurück und verbittet sich politische Belehrungen über das Wahlverhalten von Polizisten.

IMAGO, Screenprints GdP Berlin und NRW - Collage: TE

In der Gewerkschaft der Polizei wächst der Widerstand gegen den eigenen problematischen stellvertretenden Bundesvorsitzenden Sven Hüber. Die GdP Berlin distanziert sich ausdrücklich von seiner Wortwahl und bewertet die „juristischen und fachlichen Inhalte“ seines Beitrags „in weiten Teilen kritisch“. Besonders deutlich fällt die Antwort auf Hübers Versuch aus, den Diensteid von Polizeibeamten mit deren Wahlentscheidung zu verknüpfen: „Die Meinungsfreiheit und das Recht auf freie Wahlen sind fest in unserer Verfassung verankert. Dieses Recht nimmt uns kein Diensteid der Welt!“

Die DDR ist niemals wirklich untergegangen:
Die Hübers sind unter uns
Sven Hüber ist Erster Polizeihauptkommissar, seit 2022 stellvertretender Bundesvorsitzender der GdP und seit dem Jahr 2000 Vorsitzender des Hauptpersonalrats der Bundespolizei beim Bundesinnenministerium. Dort sitzt ein Mann an einer der wichtigsten personalpolitischen Schaltstellen der Bundespolizei, der bereits seit 1990 Personalratsfunktionen innehat und seit 1994 stellvertretender Vorsitzender des GdP-Bezirks Bundespolizei ist.

Vor seiner bundesdeutschen Karriere war Hüber Politoffizier der DDR-Grenztruppen. Er studierte an der Offiziershochschule „Rosa Luxemburg“, diente im Grenzregiment 33 in Berlin-Treptow und schrieb seine Diplomarbeit über den westdeutschen Bundesgrenzschutz als „Instrument imperialistischer Macht- und Herrschaftssicherung“. Nach dem Ende der DDR wurde er ausgerechnet vom Bundesgrenzschutz übernommen. Aus dem Politoffizier des DDR-Grenzregimes wurde über die folgenden Jahrzehnte einer der einflussreichsten Personal- und Gewerkschaftsfunktionäre der Bundespolizei.

Und genau diese hochproblematische Personalie Sven Hüber veröffentlichte in der August-Ausgabe der GdP-Mitgliederzeitschrift einen Beitrag mit dem Titel „Richtig Nein sagen“. Seine Botschaft an Polizeibeamte lautete: „Wer seinen geleisteten Eid ernst nimmt, kann gar nicht anders: No-Go mit der AfD!“ Polizeibeamte könnten nach seiner Auffassung „kraft ihres abgelegten Eides“ keine verfassungsfeindliche Partei wählen oder unterstützen.

Versagen der politischen Selbstreinigung
Wall of Shame: Sven Hüber – Vom DDR-Politoffizier zum Wächter über den Wähler
Hüber beließ es aber nicht nur dabei. Für einen möglichen Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt verwendete er das Wort „Machtergreifung“, zog die historische Linie zum Jahr 1933 und beschäftigte sich mit dem Widerstandsrecht nach Artikel 20 Absatz 4 sowie dem „inneren Notstand“ nach Artikel 91 Grundgesetz. Polizeiführungen sollten sich auf entsprechende Szenarien vorbereiten. Bereitschaftspolizei und Bundespolizei müssten gegebenenfalls auch in einem anderen Bundesland in der Lage sein, „mit polizeilichen Mitteln die verfassungsmäßige Ordnung wiederherstellen“ zu können.

Damit hatte Hüber seine politische Gegnerschaft zur AfD mit dem Diensteid von Polizeibeamten, deren beruflicher Eignung und schließlich dem möglichen Einsatz staatlicher Polizeikräfte verknüpft. Die Aussagen erhalten durch seine Funktionen erhebliches Gewicht: Hüber spricht als stellvertretender Vorsitzender einer großen Polizeigewerkschaft und als langjähriger Vorsitzender des Hauptpersonalrats der Bundespolizei.

Die GdP Berlin widerspricht diesem Anspruch jetzt ausdrücklich. Der Landesverband war nach eigenen Angaben vor der Hüberschen Veröffentlichung nicht informiert worden. Zahlreiche Mitglieder meldeten sich anschließend mit Kritik. Niemandem stehe es zu, Polizeibeamte über ihr persönliches Wahlverhalten „zu belehren“, heißt es in der Erklärung. Der Landesverband fordert den GdP-Bundesvorstand auf, zu Hübers Vorstoß eine Position zu beschließen, die von der gesamten Mitgliedschaft getragen wird.

Wörtlich heißt es: „Die Meinungsfreiheit und das Recht auf freie Wahlen sind fest in unserer Verfassung verankert. Dieses Recht nimmt uns kein Diensteid der Welt! Wir alle gehen jeden einzelnen Tag für unsere Verfassung und den Rechtsstaat zur Arbeit. Wir stehen mit unserem täglichen Dienst an vorderster Front für die freiheitliche demokratische Grundordnung ein. Gerade deshalb steht es niemandem zu, uns Ratschläge für unser persönliches Wahlverhalten zu erteilen oder uns zu belehren. Selbstverständlich dürfen und müssen wir als Beamtinnen und Beamte eine eigene Meinung haben und uns Gedanken über die politische Situation machen. Auch wir sind Teil der Gesellschaft und eine Stütze unserer Demokratie. Wahlen und Meinungsfreiheit sind auch und gerade für den öffentlichen Dienst ein elementares Grundrecht und ein unveräußerliches Freiheitsrecht.“

Zuvor hatte bereits die GdP Nordrhein-Westfalen Hüber öffentlich zurechtgewiesen. Hübers Aussagen gäben die Haltung des Landesverbandes nicht wieder. Die Gewerkschaft distanzierte sich „ausdrücklich und vollumfänglich“ von Wortwahl, Vergleichen und „juristisch problematischen Schlussfolgerungen“. Hübers Thesen seien sogar teilweise „juristisch falsch“. Der Diensteid nehme Polizeibeamten ihr Wahlrecht nicht.

Auch die GdP Bayern stellte unter der Überschrift „Unsere Uniform hat keine Parteifarbe“ klar, man betreibe „keine parteipolitische Erziehung in Polizeireihen“; Landeschef Florian Leitner warf Hüber vor, mit der Forderung nach politischem „Widerstand“ gegen eine bestimmte Partei eine Grenze zu überschreiten. Auch aus Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt kommen Distanzierungen. Selbst innerhalb des GdP-Bezirks Bundespolizei/Zoll widerspricht die Kreisgruppe Blumberg Hübers Wortwahl, seinen Vergleichen und „juristisch problematischen Schlussfolgerungen“ ausdrücklich und erinnert daran, dass eine Polizeigewerkschaft nicht darüber zu entscheiden habe, welche politischen Positionen Zustimmung oder Ablehnung verdienen.

Hüber hat selbst den Diensteid zum Maßstab politischer Zuverlässigkeit erhoben. Seine eigene Gewerkschaft muss jetzt entscheiden, welchen Maßstab sie an Sven Hüber anlegt. Genaugenommen hat jemand mit einer solchen problematischen Vergangenheit an dieser neuralgischen Position rein gar nichts verloren.

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Kommentare ( 59 )

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Marcus Iunius Brutus
23 Tage her

So einer hätte nie übernommen werden.

Mausi
26 Tage her

GdP ist die Gewerkschaft der Polizei mit den meisten Mitgliedern. Dort kann „man“ noch mit den Füßen abstimmen. Denn es gibt zwei weitere Gewerkschaften, zu denen „man“ wechseln kann. Auf der Seite der GdP beginnt das Leben Herrn Hübners 1990 mit dem Eintritt in die Polizei. Vorher hat er kein Leben, das im Lebenslauf Erwähnung finden sollte. „Meine“ Suchmaschine hat auch keine Wikipediaseite mit seinem Lebenslauf. Bei wikipedia selbst ist etwas zu finden: „Seine Tätigkeit beinhaltete dabei die politische Schulung und Indoktrination der Grenzsoldaten.“ Zu seiner DDR Diplomarbeit gibt er an: Er „habe die Arbeit „allein zum Zwecke der Erlangung… Mehr

Last edited 26 Tage her by Mausi
Sokrates
26 Tage her

Ist dessen Diplomarbeit auffindbar? Kann diese jemand bitte irgendwo hochladen oder verlinken?

Mausi
26 Tage her
Antworten an  Sokrates

Er war inhaltlich nicht überzeugt. Wollte nur sein Diplom.

Siggi
26 Tage her

Nun, Nachdem sehe Vita korrigiert wurde, lobt ihn der Präsident der GdP. Typisch SPD. Lügen, was das Zeug hält.

olive
26 Tage her

Wer hat ihm diese Karriere ermöglicht? Immerhin hat er den Job schon etwa 30 Jahre.

Peter Triller
26 Tage her

Ein weiterer Beleg, dass der BRD-Staat von innen heraus unformierbar ist, wenn solche widerlichen Kreaturen Vorsitzende des Hauptpersonalrats werden können. Der deutsche Souverän, das wertschöpfende und arbeitende Volk, muss wieder auf die Straße und diese neostalinistisch-woke-grün-linksradikale Mischpoke aus ihren unverdienten Ämtern jagen. Friedlich, versteht sich. Erinnern wir uns an die Corona-Demonstrationen. Das waren großartige Tage.

verblichene Rose
26 Tage her
Antworten an  Peter Triller

Friedlich ist ausdrücklich vorbei! Die ganze Bande ist es nämlich selber schon lange nicht mehr!

jensberndt
26 Tage her

Leute wie Hüber sind die wahren Mauermörder, die wahren Schreibtischtäter. Soldaten aus seiner Einheit haben Chris Gueffroy erschossen, aber Hüber mit seiner Klassenkampfrhetorik im allmonatlichen Politunterricht hat eigentlich den Abzug betätigt. Leute wie er haben nie eine Stasi-Verpflichtungserklärung als IM unterschrieben, sie waren integraler Bestandteil der Stasi. Politruks im Allgemeinen konnten uns Wehrdienstleistenden den ohnehin unbeliebten Wehrdienst restlos zur Hölle machen, ein Politoffizier in einer Berliner Grenzbrigade war auserlesen – davon ist auszugehen. Gespräche mit solchen Leuten waren nicht nur völlig nutzlos, sie konnten sehr gefährlich werden: Wenn man bei solchen Leuten einen falschen Zungenschlag reinbekam und möglicherweise die Systemfrage… Mehr

Rico
26 Tage her

Ein Offizier der DDR-Grenztruppen.
Aber klar, so wie im WK2 haben da ja alle nur ihre Pflicht erfüllt – und so auch jetzt, auch jetzt streicht sich der Typ hervor durch willfährige Pflichterfüllung zu seinem aktuellen Regime.
Genau solche Typen machen solche Regimes möglich, tragen sie, schützen sie: damals wie heute.
Und dass so einer an dieser Position ist, sagt viel aus über Deutschland – viel mehr, als es Deutschland recht sein sollte.

Wolfgang Schuckmann
26 Tage her

Warum denn so viel Aufregung? Passt das nicht perfekt zu dem Bestreben Frau Merkel zur Bundespräsidentin zu Puschen. Wenn, dann braucht sie solche Zuhälter, das ist doch verständlich. Und all die versteckten damaligen Abgetauchten können jubeln. Endlich wird Deutschland unter dem Banner von Rotfront vereint. Die Antifa wird den Auftrag bekommen auf der Straßde keine Fragen aufkommen zu lassen und Deutschland ist endlich gesichert kommunistisch.
Von nirgends her kommt Entsatz außer, die Amis lassen sich nicht auf der Nase rumtanzen. Dafür steckt zuviel Wallstreet Kapital in der deutschen Volkswirtschaft. Es könnte so richtig bunt werden, politisch gesehen.

Sonny
26 Tage her

Und genau von solchen ddr-U-Booten ist die Bundesrepublik ganzheitlich unterwandert. In allen Bereichen, in allen Schaltstellen.
Schrecklich.

Siggi
26 Tage her
Antworten an  Sonny

Und gleichzeitig von Linksextremen und Islamisten.