Die Abstimmung zum neuen Infektionsschutzgesetz steht an. Die Fakten sprechen indes von Tag zu Tag eindeutiger für Öffnungen. Heute trennt sich die Spreu vom Weizen. Sieben Argumente gegen den Bundeslockdown.
IMAGO / Jens Schicke
Am Machtkampf um die Kanzlerfrage in der Union ist besonders eines so entlarvend: Dass es beide Seiten geschafft haben, das vergangene Jahr vollkommen auszublenden – und die anstehende Abstimmung über einen bundesweiten Ultra-Lockdown einfach beiseite zu legen. Nur so ist es möglich, dass ein Markus Söder, der nicht nur die beispiellose Einschränkung der Grundrechte, sondern auch die Entmachtung der Bundesländer vorantreibt, in dieser Partei „konservativer Hoffnungsträger“ genannt werden kann – nur weil er vor ein paar Jahren mal ein paar Kreuze aufhängen ließ. Aber diese entscheidende Abstimmung, sie ist heute. Wenn die Unionsfraktion oder nennenswerte Teile mutig sein und gegen das Parteiestablishment aufstehen wollen, dann nicht für Markus Söder. Sondern heute gegen dieses Gesetz! Gegen den Bundeslockdown.
Für das Gesetz gibt es keine Grundlage. Es ist nicht notwendig, nicht wirksam und damit automatisch nicht verhältnismäßig. Die Argumente:
Inzidenz? Da kann man auch gleich würfeln
Es gibt grundsätzliche Trends, die die Inzidenz systematisch verzerren. Beispielsweise der massenhafte Einsatz von Schnelltests, über den man schlichtweg keine Zahlen hat. Auf TE-Anfrage konnte man beim RKI nicht mal grobe Schätzungen vorlegen. Aus dem Alltag kann man aber wohl vermuten, dass die Zahl der Schnelltests die der PCR-Tests deutlich übersteigt – die Zahl der Gesamttests hat sich in den letzten Wochen dadurch also mindestens verdoppelt, wohl eher noch mehr vervielfacht. Da das RKI aber nur die Zahl der PCR-Tests ermittelt, kommt das in den Statistiken des RKI nicht vor. In den letzten Wochen erleben wir einen plötzlichen Anstieg der Positivenquote der PCR-Tests. Es ist zu vermuten, dass die bestehende Dunkelziffer an Personen, die das Virus in sich tragen, aber nicht weiter schwer erkrankt sind, so aufgelöst wird. Der Infektiologe Peter Kremsner kommt bei BILD zu dem Schluss: „Die vielen Schnelltests verzerren die offiziell angegebene 7-Tage-Inzidenz für Tübingen um 25 bis 50 Prozent nach oben. Je mehr getestet wird, desto mehr wird die offiziell berichtete Inzidenz hinauf getrieben.“
Triage auf den Intensivstationen? Ja, aber nein.
Die Zahl der gemeldeten Corona-Fälle auf den Intensivstationen steigt – allerdings nicht die Zahl der insgesamt belegten Betten. Das hat viele systematische Verzerrungen in der Meldestatistik zur Ursache. Vor allem durch den Pflegeschlüssel wird die Zahl der vorhandenen, einsetzbaren Betten radikal nach unten gefahren – in Wahrheit und im Notfall existieren diese aus der Statistik gestrichenen Betten aber trotzdem. Bedeutet: Im Ernstfall sind weitaus mehr Betten verfügbar, als angegeben wird. Das Personal ist dennoch überlastet. Mehr dazu hier.
Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft Gerald Gaß sagte erst vor kurzem, dass kein Ende der Versorgung drohe und man nicht an der absoluten Belastungsgrenze sei.
Massenhaft Tote – wo denn?
Seit Wochen sind die Corona-Todeszahlen auf einem niedrigen Niveau. Es kommen zudem immer mehr Zweifel auf, wie viele dieser Toten tatsächlich ursächlich an und welche nur mit Corona gestorben sind. Seit Wochen gibt es laut Statistischem Bundesamt in Deutschland eine Untersterblichkeit im Vergleich zu den Vorjahren. Die Toten der zweiten Welle kamen aus den Hochrisikogruppen, ein Großteil (je nach Region bis zu 80 Prozent) aus den Altersheimen. Durch den Schutz der Heime mit Schnelltests wurden diese Infektionsketten gebrochen, Todeszahlen in der Dimension sind nicht abzusehen.
Die tödlichere Mutante? Ein Märchen
Neue Studien, die in „The Lancet Public Health“ bzw. „The Lancet Infectious Diseases“ veröffentlicht wurden, belegen, dass die angeblich so gefährliche Corona-Mutante gar nicht tödlicher als der Wildtyp ist.
„Long Covid“? Neue Studien geben Entwarnung
Eine großangelegte Studie hat Long Covid nun systematisch untersucht. Die in Nature Medicine veröffentliche Analyse, an der britische, amerikanische und französische Wissenschaftler u.a. vom King’s Kollege London und der Harvard Medical School mitwirkten, untersuchte die über eine App gemeldeten Symptome von 4.182 Corona-Fällen. Das Ergebnis: Etwa 13 Prozent der Infizierten haben nach über 28 Tagen noch Symptome, 4,5 Prozent nach über acht Wochen und lediglich 2,3 Prozent nach über drei Monaten. Eine andere bisher nur als Pre-Print veröffentlichte Studie, ebenfalls von Wissenschaftlern u.a. der Harvard Universität, kommt zu ähnlichen Zahlen. Und: Bei anderen viralen Erkrankungen würden Langzeitfolgen nahezu genauso oft auftreten. Der Schluss liegt hier nahe, dass die Wahrscheinlichkeit derartiger längerfristigen Symptome bei Covid-19 nicht wesentlich höher ist als bei der herkömmlichen Grippe, HMPV oder RSV.
Warten auf die Impfung? Sinnlos
Wenn die Impfung wirkt, ist sie eine gute Sache. Dann sind die Hochrisikogruppen bereits heute geschützt – warum man die junge Bevölkerung ebenfalls schützen muss, ist bei bis dato 17 Corona-Toten unter 20 nicht zu erklären. Wenn es Mutanten gibt, die bereits resistent gegen die Impfung sind, offenbart sich der grundsätzliche Fehler der Strategie. Wenn ein mutationsfreudiges Virus auftritt und man einen Lockdown bis zum Impfschutz durchzieht, dürfte das Spiel schnell wieder von vorne losgehen. Das ist eine Endlos-Spirale.
Einfach öffnen? Das Ausland macht es vor
Es gibt zahlreiche Länder die einfach öffnen. Texas hat alle Maßnahmen aufgehoben, die Stadien sind wieder geöffnet – zahlreiche weitere US-Bundesstaaten haben den Lockdown inklusive Maskenpflicht aufgehoben. Überall sind die Zahlen weiterhin auf niedrigem Niveau. In Großbritannien öffnen die Pubs – die Zahlen sinken. Schweden hat erst gar nicht geschlossen – nachdem man die Fehler im Schutz der Altersheime in der ersten Welle ausbesserte, lag man in der zweiten Welle bei den Toten im Verhältnis unter Deutschland.
Die Fakten liegen auf dem Tisch. Der Bundeslockdown bis in den Sommer hinein nützt wenig und schadet viel. Nicht nur den Menschen im Land, sondern auch unserer Demokratie. Wenn man das Grundgesetz so lax und gleichgültig auslegt, zieht man es öffentlichkeitswirksam in den Dreck und erschüttert das Vertrauen der Bürger in die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Heute geht es um alles. Und jeder muss sich entscheiden.


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Deutschand wird abgewickelt. Im Moment geschieht dies noch mehr oder weniger durch die Hintertür, aber die Anzeichen sind ganz offensichtlich da, wenn man sie denn sehen will. Es wird auf ein Groß-Europa hingearbeitet. Alles, was Deutschland dabei klein und machtlos macht, dient diesem Zweck. Das das große Europa wohl mit lauter Nieten nicht funktionieren wird, interessiert die Protagonisten nicht. Da die deutsche Kernbevölkerung sich aber in den letzten Jahrzehnten selbst stark verringert hat, ist es eigentlich auch nur folgerichtig. Ich zitiere mal aus der Statistik: „Die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund ging dagegen im gleichen Zeitraum (2005-2017) von 66,4 Millionen Menschen um… Mehr
Heute ist ein bedeutender Tag für den Fortbestand der Bundesrepublik Deutschland! Es wird sich nämlich zeigen, ob es überhaupt noch vom Volk gewählte Politiker gibt, die bereit sind, für den Rechtsstaat -wie wir ihn seit 70 Jahren kennen – mit ihrer Stimme einzutreten. Ich sage voraus, der Bundestag mit all seinen hochdotierten Dauerpennern wird uns Bürger heute mit überwiegender Mehrheit verraten! Nur ganz wenige unerweckte schräge Vögel werden dagegen stimmen und man wird sie dafür zur Sau machen. Aber wir Bürger sollten uns die Namen derer genauestens merken, die heute zustimmen!
Wer traut sich zu „rebellieren“? Also, gegen den Fraktionszwang, den es nicht gibt?
Na, nur ein paar, denen man das erlaubt hat, bzw. bei denen man es toleriert, nachdem man sich der nötigen Stimmen versichert hat.
Dank der Grünen, die hiermit zur Sargnagelpartei Deutschlands werden, wird dieses „Gesetz“ mit großer Wahrscheinlichkeit durchkommen.
Man muss sich doch nur anhören, mit welcher Gewissheit Laschet und Merkel schon vorher über dieses Gesetz sprechen.
Dieses Land hat fertig und macht fertig.
Es ist zu erwarten, dass die Regierungsparteien zu mehr 90 Prozent dem Regierungsentwurf zustimmen werden. Daraus kann man folgern, dass sie a. die vielfach vorgetragenen juristischen Bedenken nicht gelesen haben und b. reine Abnicker sind. Formal gibt es 4 Oppositionsparteien, von denen die Grünen und die Linken dem Zweck des Ermächtigungsgesetzes, der Ermöglichung des Top-Down-Durchregierens und der Unterdrückung abweichender Meinungen, soll zustimmen. Früher waren die Grünen eine Bürgerrechtspartei, warnten vor und kämpften gegen die Herrschende Obrigkeit, demonstrierten, nutzten alle Rechtsmittel aus, warnten vor dem Überwachungsstaat. Wohl kaum eine andere Partei hat sich so verändert, nachdem sie begann an der Machtdroge… Mehr
konservative rebellieren nicht – sie folgen!
Wer in den letzten 16 Jahren nicht gegen Merkel aufgestanden ist, macht es auch jetzt nicht mehr. Ich hoffe, dass die CDU ihr Ende findet und eine neue konservative Partei, diesmal mit ausreichend innerer Demokratie um jemanden wie Merkel verhindern zu können, den Platz einnimmt. In den Niederlanden sind die Christdemokraten und Sozialdemokraten ja auch schon auf diesem Weg.
CDU ist für mich die FAZ unter den Parteien, unterschiedliche Branchen, gleicher Ausgang.
Vielleicht brauchen wir wirklich noch eine Koalition unter Führung von Baerbock, vielleicht muss es noch schlimmer werden. Massenarbeitslosigkeit, Blackouts mit allen Konsequenzen. Als Katharsis; und, als leidenschaftlicher Europäer tut es mir leid zu sagen, Dexit aus DIESER EU.
Dieses Gesetz ist ein vermeintliches Notpflaster, um über ein Jahr systematisches Staatsversagen zu kaschieren. Wahltag ist Zahltag. Ich freue mich schon über alle CDU-Abgeordneten, die ihre Posten verlieren.
Das Infektionsschutzgesetz nenne ich für mich persönlich ab sofort nur noch „Ermächtigungsgesetz 2.0“.
Herr Türkis….wovon träumen Sie ? Wer wagt heute von der CDU zu rebellieren ? Natürlich keiner. Da wird schön weitergearbeitet wie es das Drehbuch unserer Kanzlerin hergibt. Welche Erwartungshaltung man bzgl. dieser CDU haben kann, das haben wir doch aktuell in den letzten Tagen bei der Nachfolgeregelung gesehen.
Immerhin muss ich der CDU attestieren, sie arbeitet wirklich mit großem Eifer zielgerichtet an ihrer kompletten Bedeutungslosigkeit.
Es ist ein rabenschwarzer Tag für Deutschland, der in die Geschichte eingehen wird. Wir gehen jetzt auf ganz dunkle Zeiten zu.
Herr Brinkhaus spricht mehrmals von einem „Notstandsgesetz“.
Hier ist die gesamte Rede von Herrn Brinkhaus von Phoenix live:
Ralph Brinkhaus (CDU/CSU) zum Infektionsschutzgesetz am 21.04.21 – YouTube
Das Bundeskanzleramt bzw. Frau Merkel soll also mit Hilfe von Notverordnungen über alle Bundesländer Dauerlockdownmaßnahmen und massive Grundrechtseinschränkungen verhängen dürfen.
Für mich ist das ein Ermächtigungsgesetz zur Errichtung einer Diktatur in Deutschland.