Die CDU schließt die Wagenburg um Merz

Acht CDU-Ministerpräsidenten stellen sich demonstrativ hinter Friedrich Merz und wollen damit die Personaldebatte nach außen beenden. Unterzeichnet haben Landeschefs mit eigenen Wahldebakeln, schweren Glaubwürdigkeitsaffären und wackelnden Regierungskonstruktionen. Im Ertrinken kettet man sich aneinander. Na denn man tau.

IMAGO

Die CDU hat sich entschieden, wie sie auf ihren Absturz reagieren will: Sie schließt die Reihen und kettet sich beim Ertrinken noch einmal fester aneinander. Daniel Günther, Boris Rhein, Sven Schulze, Kai Wegner, Michael Kretschmer, Gordon Schnieder, Mario Voigt und Hendrik Wüst stellen sich in einer gemeinsamen Erklärung hinter Friedrich Merz. Sie wollen „gemeinsam mit dem Bundeskanzler“ untergehen weiterarbeiten und die Debatte über seine Zukunft beenden. Damit binden sich acht Ministerpräsidenten, die meisten von ihnen Wahlverlierer, an einen Kanzler, dessen Union bundesweit bis auf 18 Prozent gefallen ist und dessen Partei in Sachsen-Anhalt gerade mit 17,2 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis der Landesgeschichte eingefahren hat (ja, auch Sven Schulze hat unterschrieben). Die AfD kam dort auf 43,8 Prozent. Merz steht seitdem unter massivem Druck, die CDU diskutiert offen über seine Zukunft, und die Landeschefs beantworten diese Krise mit einer schriftlichen Loyalitätserklärung.

Die Unterschriftenliste von Merz‘ erlesenen Unterstützern besitzt dabei ihren ganz eigenen Reiz.

Ein Sumpfianer stützt den anderen

Kai Wegner befindet sich seit Monaten in einer Glaubwürdigkeitskrise, die inzwischen bis in das Bundeskanzleramt von Friedrich Merz reicht. Beim großen Berliner Stromausfall nach Terroranschlag auf das Stromnetz spielte der Regierende Bürgermeister lieber Tennis und erklärte später öffentlich, er habe den Vormittag mit dienstlichen Telefonaten verbracht, unter anderem mit der Bundesregierung und dem Kanzleramt. Recherchen des Tagesspiegels zerlegten diese Darstellung Stück um Stück. Besonders heikel wurde die Sache, als das Bundeskanzleramt selbst ins Spiel kam: Es verweigerte über Wochen Auskünfte über angebliche Gespräche zwischen Merz und Wegner und rückte erst nach einem Eilantrag beim Verwaltungsgericht mit der Information heraus, dass sich für die Dauer des Stromausfalls kein persönliches Gespräch zwischen beiden feststellen lasse. Die Berliner Senatskanzlei behauptete anschließend weiterhin, Merz habe Wegner am 4. Januar um 19.57 Uhr zurückgerufen und vier Minuten mit ihm gesprochen. Der Tagesspiegel berichtete später sogar über den Verdacht, Vertreter von Kanzleramt und Senatskanzlei könnten sich bei der öffentlichen Darstellung der Telefonate abgestimmt haben; bewiesen ist eine solche Absprache bislang nicht. Fest steht damit: Aus Wegners Tennis-Lüge wurde eine Affäre, in der zwei CDU-geführte Regierungszentralen widersprüchliche Angaben darüber machten, ob der Regierende Bürgermeister mit dem Bundeskanzler telefoniert hatte. Genau dieser Wegner unterschreibt nun gemeinsam mit Merz eine Erklärung über Vertrauen, Verantwortung und politische Führung. Mehr unfreiwillige Komik muss eine Partei erst einmal zustande bringen.

Dazu kommt der verheerende Cyberangriff auf die Berliner Verwaltung: Die Erpressergruppe Rhysida zog rund 1,44 Millionen Dateien mit knapp 5,8 Terabyte Daten ab; veröffentlicht wurden unter anderem personenbezogene Informationen, Passwörter sowie sicherheitsrelevante Unterlagen zu kritischer Infrastruktur. Der Angriff blieb tagelang unentdeckt und traf ausgerechnet eine Hauptstadtregierung, deren Regierender Bürgermeister sich anschließend wieder als Krisenmanager inszenieren musste.

Bitte mehr Mett

Mario Voigt darf auf dieser illustren Liste natürlich ebenfalls nicht fehlen. Seine CDU verlor die Thüringer Landtagswahl 2024 gegen die AfD mit 23,6 zu 32,8 Prozent. Voigt wurde trotzdem Ministerpräsident und benötigte dafür eine politische Konstruktion, die inzwischen weiter zerbröselt ist. Nach dem Zerfall der BSW-Fraktion führt er eine Minderheitsregierung und ist bei Mehrheiten auf Stimmen außerhalb seines Regierungslagers angewiesen. Parallel entzog ihm die TU Chemnitz wegen der Plagiatsvorwürfe den Doktortitel; sein Widerspruch scheiterte, inzwischen klagt er gegen die Entscheidung. Selbst zwei Misstrauensvoten hat Voigt bereits hinter sich. Ein Ministerpräsident, dessen Regierungsfundament ständig neu und von immer mehr Parteien abgestützt werden muss und der vor Gericht um seinen Doktortitel kämpft, erklärt nun gemeinsam mit Merz, wie politische Stabilität aussehen soll.

Inzwischen ist selbst Voigts ursprüngliche Brombeer-Konstruktion nur noch Erinnerung. Nach dem Zerfall der BSW-Fraktion trägt die neu gegründete Fraktion „Thüringen.Gerecht“ seine Regierung gemeinsam mit CDU und SPD weiter, ein echter Seuchenvogelverein. Dieses Bündnis verfügt gerade noch über 39 von 88 Sitzen und braucht für Mehrheiten regelmäßig die Linke. Genau jene Partei also, mit der die CDU nach ihren eigenen Beschlüssen keine Zusammenarbeit eingehen will, wird zum parlamentarischen Sauerstoffgerät für Voigts Regierung. Aus dem Wahlverlierer von 2024 ist damit ein Ministerpräsident geworden, dessen Amt von immer neuen Hilfskonstruktionen abhängt. Nun unterschreibt er eine Loyalitätserklärung für Friedrich Merz und warnt sinngemäß vor Instabilität. Man muss schon sehr tief im CDU-Machtbetrieb stecken, um darin keinen unfreiwilligen Witz zu erkennen.

Wahlverlierer stützt Merz im Umfragetief

Sven Schulze bereichert den Club um die frischeste Katastrophe. Er übernahm erst Anfang 2026 das Amt des Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt und führte die CDU wenige Monate später zielsicher auf 17,2 Prozent. Die Partei verlor sämtliche Direktmandate und schrumpfte von 40 auf 15 Abgeordnete. Die AfD erreichte ihr bis dahin historisch bestes Ergebnis von 43,8 Prozent. Schulze wechselte nach der Niederlage an die Spitze der CDU-Fraktion, was kostet die Welt, und gehört jetzt zu jenen Männern, die der Bundespartei mit einer gemeinsamen Erklärung signalisieren wollen, wie verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen sei. Man könnte auf die Idee kommen, vor solchen Ratschlägen wenigstens die Auszählung der eigenen Wahlniederlage abzuwarten.

Besonders souverän fiel anschließend nicht einmal Schulzes Rückzug in die Landespolitik aus. Bei der Wahl zum Vorsitzenden der auf 15 Abgeordnete zusammengeschmolzenen CDU-Fraktion setzte er sich in einer Kampfabstimmung mit gerade einmal acht Stimmen durch – der denkbar knappsten Mehrheit. Nun soll er eine Opposition führen, nachdem er noch im Januar mit den Stimmen von CDU, SPD und FDP zum Ministerpräsidenten gewählt worden war. Auch der turnusmäßige Vorsitz Sachsen-Anhalts in der Ministerpräsidentenkonferenz ab Oktober steht wegen der ungeklärten Regierungsbildung plötzlich infrage; Schulze selbst erklärte, eine „sachgerechte“ Wahrnehmung sei unter den gegebenen Umständen kaum möglich. Für die CDU wird das Debakel damit zur vollständigen Machtübergabe in Zeitlupe: Regierung, 25 Mandate und sämtliche Direktmandate verloren, der eigene Spitzenmann nur mit acht Stimmen zum Fraktionschef gerettet. Dieser Sven Schulze gehört nun zu den Landesfürsten, die Friedrich Merz öffentlich Stabilität bescheinigen und die Diskussion über dessen Zukunft beenden möchten.

Zensurfreunde unter sich

Daniel Günther sitzt ebenfalls längst nicht mehr auf den Zahlen, mit denen er einmal glänzen konnte. Eine INSA-Umfrage vom Juli sah seine CDU in Schleswig-Holstein bei 27 Prozent. Anfang 2025 waren es noch 39 Prozent gewesen. Zwölf Punkte Verlust binnen anderthalb Jahren, die AfD inzwischen bei 18 Prozent. Im April 2027 wird gewählt. Günther hat also genügend Anlass, über die Gründe für den eigenen Absturz nachzudenken. Stattdessen beschäftigt er sich seit vielen Monaten immer stärker mit der Frage, wie viel Öffentlichkeit der Staat seinen Bürgern eigentlich noch zumuten sollte. Den Ruf eines Zensurfreundes hat er sich mit seinen eigenen Auftritten eingehandelt. Bei „Markus Lanz“ erklärte er obrigkeitskritische Online-Portale zu „Gegnern und auch Feinden der Demokratie“. Günthers Kontrolllust ist seither eher gewachsen. Er verlangt ein Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige und erklärte erst vor wenigen Tagen vor Schülern der Heinrich-Heine-Schule in Büdelsdorf: „Ich bin vielleicht radikaler als andere, aber am liebsten würde ich die sozialen Medien ganz abschalten lassen.“ Während seine CDU von 39 auf 27 Prozent fällt, beschäftigt sich ihr Ministerpräsident also mit immer neuen Möglichkeiten, digitale Öffentlichkeit einzuhegen. Nun stellt dieser Daniel Günther sich hinter Friedrich Merz, der gerade selbst erklärt hat, mit „Free Speech“ möge ihm keiner kommen. Man findet einander in der Dunkelheit.

Nach Russland offen in einer Ukraine-Combo

Michael Kretschmer sitzt in Sachsen auf einer Minderheitsregierung aus CDU und SPD mit 51 von 120 Sitzen. Bei der Landtagswahl 2024 lag seine CDU mit 31,9 Prozent gerade 1,3 Punkte vor der AfD. Im ersten Wahlgang zur Ministerpräsidentenwahl verfehlte Kretschmer die notwendige Mehrheit; erst im zweiten wurde er mit 69 Stimmen gewählt. Seine Regierung braucht für Gesetzesvorhaben regelmäßig Unterstützung aus anderen Fraktionen. Kretschmer selbst bezeichnete das Ergebnis von Sachsen-Anhalt zuletzt als „Debakel“ und forderte sichtbare Lösungen. Nun unterschreibt er die Erklärung, die Merz genau die politische Zeit verschaffen soll, die seine Kritiker ihm nicht mehr geben wollen.

Für Kretschmer muss diese demonstrative CDU-Familienharmonie fast mal eine schöne Abwechslung sein. Seit Jahren ist er in der Russland- und Ukrainepolitik der Mann, auf den weite Teile der eigenen Partei mit besonderer Lust einschlagen. Er sprach sich früh gegen Taurus-Lieferungen aus, verlangte weniger Militärhilfe für die Ukraine, plädierte für Diplomatie und brachte nach einem Waffenstillstand sogar wieder russische Energielieferungen ins Gespräch. Merz hatte ihm bereits eine „etwas naive Haltung gegenüber Russland“ bescheinigt, der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter nannte Kretschmers Überlegungen zu russischer Energie später schlicht „Unsinn“, und der sächsische CDU-Mann Marco Wanderwitz, der nach links sehr offen ist, verglich den Ministerpräsidenten schon früher mit einem „Geisterfahrer“.

Erst vor wenigen Tagen legte Kretschmer noch einmal nach. Deutschland sei durch seine Unterstützung der Ukraine faktisch längst Kriegspartei geworden, sagte er, und nannte das einen „Riesenfehler“. Gleichzeitig verteidigte er die Ansiedlung von Rüstungsunternehmen in Sachsen und hält militärische Abschreckung für notwendig. Auch das passt schlecht in die einfachen Schubladen, in die ihn seine innerparteilichen Gegner gern stecken. Ausgerechnet dieser Kretschmer steht nun Schulter an Schulter mit Merz, dessen Ukrainekurs erheblich weiter geht als sein eigener. Innerhalb der Union wird der Sachse regelmäßig zurechtgestutzt, wenn er bei Russland ausschert; für die Rettungsaktion des angeschlagenen Kanzlers ist seine Unterschrift plötzlich hochwillkommen. So großzügig kann eine Partei werden, wenn im Kanzleramt die Einschläge näher kommen.

Crispy Weimer-Connection hält zusammen

Boris Rhein aus Hessen bringt seine ganz eigene Hypothek mit in den Merz-Rettungsring: die Merz-Amigo Weimer-Connection. Unter seiner Schirmherrschaft veranstaltete die Weimer Media Group im Oktober 2025 den „Frankfurt Finance & Future Summit“. Aus der hessischen Staatskanzlei sollten dafür ursprünglich bis zu 300.000 Euro fließen; am Ende waren es 30.000 Euro. Interne Akten zeigen, dass die sechsstellige Förderung bereits diskutiert wurde, bevor die rechtlichen Voraussetzungen überhaupt geklärt waren. Eine Ausschreibung oder ein Wettbewerb mit anderen Veranstaltern gab es nach den parlamentarisch bekannt gewordenen Angaben nicht. Gleichzeitig bestanden zwischen Wiesbaden und der Weimer Media Group längst enge Beziehungen: Schon 2022 hatte das Land bei einer Veranstaltung des Unternehmens eine sogenannte „Tischpartnerschaft Gold“ gekauft. Bei den ersten Gesprächen über den Frankfurter Gipfel saß Wolfram Weimer persönlich mit am Tisch; im März 2025 stand Rheins Schirmherrschaft bereits fest, am 28. April ging der Förderantrag bei der Staatskanzlei ein – ausgerechnet an jenem Tag, an dem Weimer offiziell als künftiger Kulturstaatsminister der Merz-Regierung präsentiert wurde. Der Vertrag wurde später im Juli geschlossen. Rhein eröffnete den Gipfel schließlich persönlich und stellte der Veranstaltung das Gewicht seines Amtes zur Verfügung. Seine Landesregierung erklärte auf parlamentarische Nachfrage, eine Absage wegen der später bekannt gewordenen Vorwürfe gegen die Weimer Media Group habe „zu keinem Zeitpunkt“ zur Debatte gestanden.

Wer also wissen möchte, wie eng politische Macht, öffentliche Gelder und das Veranstaltungsunternehmen eines späteren Merz-Ministers ineinandergreifen können, findet in Hessen reichlich Anschauungsmaterial. Dieser Boris Rhein unterschreibt nun selbstverständlich ebenfalls die Erklärung, die Friedrich Merz politische Stabilität und Vertrauen attestieren soll. Der Club weiß, was gegenseitige Unterstützung wert ist.

Abstürzendes Bundesland

Der als Merz-Nachfolger gehandelte Hendrik Wüst torkelt das größte Industrieland Deutschlands durch einen inzwischen messbaren industriellen schweren Substanzverlust. Unternehmer NRW spricht von einer „strukturellen Erosion“: Seit 2018 ist die Industrieproduktion im Land um rund 20 Prozent eingebrochen, inzwischen gehen nach Angaben des Verbandes monatlich etwa 2.800 Industriearbeitsplätze verloren. In der Metall- und Elektroindustrie liegt die Produktion 23 Prozent unter dem Niveau von 2019, die Chemie arbeitet nur noch mit rund 70 Prozent Auslastung. Thyssenkrupp will allein in seiner Stahlsparte Tausende Stellen abbauen, in Gelsenkirchen wurde die Elektrostahlproduktion zeitweise gestoppt.

Wüsts schwarz-grüne Landesregierung hat sich derweil auf einem anderen Feld einen Namen gemacht: Nordrhein-Westfalen nahm unter seiner Regierung vier neue Meldestellen gegen „antimuslimischen Rassismus“, „Queerfeindlichkeit“, „Antiziganismus“ sowie weitere Formen von Rassismus in Betrieb. Erfasst und dokumentiert werden ausdrücklich auch Vorgänge „unterhalb der Strafbarkeitsgrenze“. Für Aufbau und Vorbereitung flossen nach Angaben des zuständigen Ministeriums bereits zwischen 2022 und 2024 rund 1,5 bis 1,8 Millionen Euro an die Träger; anschließend waren weitere jährliche Fördermittel vorgesehen. Das Projekt wurde noch unter der schwarz-gelben Vorgängerregierung angestoßen und unter Wüsts schwarz-grünem Kabinett umgesetzt und ausgebaut. Selbst bei der privaten Anzeigenindustrie tauchte Wüst auf: Als Ministerpräsident wurde er mit einem werbenden Zitat für das Unternehmen „So Done“ präsentiert, das Internetbeiträge automatisiert nach möglichen Beleidigungen durchsucht und deren juristische Verfolgung anbietet. Nach einer Abmahnung gab das Land Nordrhein-Westfalen eine Unterlassungserklärung ab; die Werbung wurde entfernt. In einem Land, dessen industrieller Kern Monat für Monat Arbeitsplätze verliert, ist Wüst damit zugleich zu einem der prominentesten CDU-Regierungschefs beim Ausbau staatlich finanzierter Meldestrukturen für noch nicht einmal strafbare Äußerungen geworden. Auch dieser zunehmend angeschlagene Hendrik Wüst setzt nun seine Unterschrift unter den großen Rettungsaufruf für Friedrich Merz.

Der verprellte Bruder reiht sich ein

Gordon Schnieder fällt aus dieser Runde zunächst heraus: Er hat tatsächlich etwas gewonnen. Im März holte er mit der CDU in Rheinland-Pfalz 31,0 Prozent, wurde stärkste Kraft und beendete nach 35 Jahren die SPD-geführte Landesregierung. Umso bemerkenswerter ist seine Unterschrift unter der Merz-Erklärung. Noch vor wenigen Wochen hatte Schnieder Merz wegen des Umgangs mit seinem eigenen Bruder Patrick frontal scharf angegriffen. Merz wollte den damaligen Bundesverkehrsminister entlassen, sein vorgesehener Nachfolger Fritz Güntzler sagte kurzfristig wieder ab, Patrick Schnieder hing tagelang in der Luft und bat schließlich selbst um seine Entlassung, um den „unwürdigen Zustand“ zu beenden. Gordon Schnieder machte aus seiner Wut keinen Hehl: „Jeder Tumult macht Vertrauen kaputt“, sagte er und sprach von einer „schlecht durchgeführten Regierungsumbildung“. Den Umgang mit seinem Bruder bezeichnete er als nicht gerechtfertigt; die rheinland-pfälzische CDU-Fraktion sagte aus Protest sogar ein geplantes Treffen mit Merz ab und schrieb dem Kanzler, ein persönlicher Austausch setze ein Mindestmaß an gegenseitigem Vertrauen und Wertschätzung voraus – genau das sei derzeit nicht gegeben.

Wenige Wochen später steht Schnieders Name nun unter einer Erklärung, die ausgerechnet diesem Merz Geschlossenheit und Rückhalt demonstrieren soll. Der Mann, dem sein eigener erfolgreicher Landesverband gerade erst schriftlich fehlendes Vertrauen attestiert hatte, bekommt dieses Vertrauen nun öffentlich wieder bescheinigt. Die CDU nennt das Geschlossenheit; die Chronologie spricht für sich.

Im Ertrinken also aneinanderketten

So steht am Ende eine Erklärung, die Merz vor allem Zeit verschafft. Mit dieser Erklärung endet auch die Möglichkeit, Friedrich Merz später als Berliner Betriebsunfall abzuschreiben. Sie haben sich aus freien Stücken in seine politische Bilanz eingeschrieben und an den weiteren Verfall ihrer Partei gekettet. Von diesem Mittwoch an gehört der weitere Kurs des Kanzlers auch ihnen. Jede weitere gebrochene Zusage, jeder weitere Absturz der Union und jede weitere Niederlage trifft damit eine Parteiführung, die ausdrücklich erklärt hat, dass sie genau so weitermachen will. Das hat sie nun auch den Bürgern des Landes sehr eindringlich erklärt. Ein überaus wichtiges Signal vor zwei weiteren wichtigen Landtagswahlen.

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Kommentare ( 12 )

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12 Comments
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AmitO
2 Minuten her

Sie wollen „gemeinsam mit dem Bundeskanzler“ untergehen weiterarbeiten und die Debatte über seine Zukunft beenden.

Wenn man an Merkels „ausgesprochenes Vertrauen“ denkt, ist dies eine absolute Nullaussage und man ist keinen Deut schlauer.
Ich hoffe auf Nibelungentreue! Viele auf einen Streich ist mir lieber als einer nach dem anderen.

mediainfo
3 Minuten her

Gestern oder vorgestern war irgendein Treffen mit ausländischen Politikern, da ist Merz als die anderen schon reingegangen waren, noch mal alleine zu einem Geländer gegangen, hinter dem es in die Tiefe ging, ich glaube unten war Wasser. Er sagte dann irgendetwas wie „Ich werde nicht springen“. Vermutlich dachte er dass das witzig ist.

DrMabuse
5 Minuten her

Muss sich um eine Art Sekte handeln, die den eigenen Untergang zelebriert .
Zur Anbetung dient eine hölzerne Sprechpuppe mit langer Nase.

rainer erich
9 Minuten her

Mit dieser, nur auf den ersten Blick überraschenden, ansonsten aber systemlogisch und charakterlich logischen, Aktion dürfte sich die Merz- Wette fürs Erste erledigt haben. Die Herren haben nach ihrem persönlichen Interesse abgewogen und sich, vielleicht auch „kollektiv“ beeinflusst , entschieden. Bei etwas genauerem Blick mehr als nachvollziehbar, denn selbst hier reicht der Geist noch aus, die Folgen einer anderen Handlung zu erahnen. Es geht darum, solange wie möglich auf dem Sessel zu sitzen und natürlich ändert diese Aktion nichts daran, dass Merz im Feuer steht. Die tapferen 8 „erklärten“ bereits, dass es nun nicht um “ Personalfragen“ gehe, sondern um… Mehr

Kontra
10 Minuten her

Wer sowas von solchen Leuten nötig hat, ist mehr als erledigt!

Dundee
11 Minuten her

Erinnert an die alten Western „High Noon“ oder „Die glorreichen Sieben“. Nur dass die Revolverhelden sich damals auf eben ihre Revolver verlassen konnten. Worauf können sich unsere glorreichen Neun so gut verlassen, dass sie sich dermaßen weit aus dem Fenster lehnen – nach und vor „entscheidenden“ „Wahlen“? Na auf die gefälschten Ergebnisse dieser „Wahlen“… Sie werden – wie immer in den letzten 20 Jahren – verlieren – und dennoch dabei knapp gewinnen. Als ob beim Fußball Mannschaften, die JEDES Spiel verlieren, dass Turnier insgesamt aber IMMER gewinnen. Auch das geht nur wenn im „Rechenzentrum“ was falsch läuft, damit es im… Mehr

Last edited 2 Minuten her by Dundee
Rob Roy
16 Minuten her

Hinter Julius Cäsar hatten sich damals sogar 60 Senatoren gestellt … um ihn hinterrücks zu erdolchen.

NurEinPhilosoph
17 Minuten her

Viel Glück beim politischen Untergang. Er ist hochverdient.

Klaus Decker
17 Minuten her

Zur endgültigen Lösung der Problematik schlage ich vor (Ironie): Russland auch.offiziell den Krieg erklären und sofort den Antrag auf AfD-Vdrbot stellen. Dann hat jeder seinen Seelenfrieden

PulsarOperator
18 Minuten her

Der Bildungsbürger nennt das Nibelungentreue.