In Quedlinburg war am Sonntag die letzte von vier Wahlkampfveranstaltungen zur kommenden Wahl in Sachsen-Anhalt – AfD-Politiker Ulrich Siegmund nutzte diese Simson-Ausfahrt bestmöglich: Die Stimmung unter den tausenden Besuchern war großartig.
picture alliance/dpa | Matthias Bein
Mitten im historischen Harz-Städtchen, auf der Festwiese Kleers an den Fischteichen, erinnerte am Sonntagvormittag ein Wahlkampf-Fest an die Aufbruchsjahre nach der deutschen Einheit. Reporter Gregor Leip, der für Alexander-Wallasch.de vor Ort mit dabei war, schildert dazu seine Eindrücke: „Bereits geraume Zeit vorher waren schon 5.000 Besucher da, möglicherweise bis zu 1.000 davon mit Simson-Mofas und Motorrädern. Dazu eine große Anzahl nostalgischer Wartburg- und Trabant-Fahrzeuge.“
Gegenüber, getrennt durch eine Straße und eine knappe Hundertschaft Polizei, standen lediglich etwa hundert Gegendemonstranten aus Antifa-, linken und grünen Kreisen. „Diese machten jedoch keinerlei Anstalten, die Veranstaltung zu stören – das Übergewicht der AfD-Anhänger, der Nostalgiker und der Anwohner war einfach zu groß“, berichtet Leip.
Ulrich Siegmund in Quedlinburg: Das ist die Wende 2.0.
5.000 Anhänger, 1.000 Simsons und jede Menge Spaß. Aufbruchstimmung wie zum Mauerfall.
Deutschland ist auf dem Weg.@LeipGregor81263 für uns… pic.twitter.com/MOIDb23ueI
— Alexander Wallasch (@AlexWallasch) August 23, 2026
Kurz vor elf Uhr erschien Ulrich Siegmund selbst – nicht in einer dunklen Limousine oder einem SUV, sondern am Lenker einer hellblauen Simson, den weißen Helm auf dem Kopf. Er ließ seinen Fahrer vorausfahren und steuerte persönlich auf das Gelände zur Bühne. Dort widmete er sich zunächst den anwesenden Journalisten, darunter holländische und britische Reporter, Teams vom NDR und anderen Sendern sowie Blogger. Leip: „Allen schenkte er die gewünschte Aufmerksamkeit.“
Nach einer knappen fünfminütigen Ansprache Siegmunds betraten weitere Redner die Bühne: der Landesvorsitzende Martin Reichardt, stellvertretender Landesvorsitzender sowie der Direktkandidat aus Quedlinburg, Dennis Möhring. Währenddessen stand Siegmund selbst mindestens eineinhalb Stunden in einer Menschenschlange von etwa einhundert Metern Länge. Jeder, der es wünschte, bekam ein Selfie, ein Foto oder eine Unterschrift.
„Ein neuer Mauerfall!“
Als der Tross schließlich startet, schildert Leip Szenen, die ihn 37 Jahre zurückversetzen: „Dann setzte sich der Tross in Bewegung – unter einem Gestank und einem Lärm, wie ich ihn persönlich das letzte Mal nach der Wende erlebt habe, als DDR-Bürger mit ihren Trabis in die westlichen Großstädte fuhren, um ihr Begrüßungsgeld abzuholen und umzusetzen. So kam mir das heute vom Geruch, von der Lautstärke und von diesem dröhnenden Ton der Simson-Mofas vor. Es fühlte sich an wie 37 Jahre nach der Wende – ein neuer Mauerfall!“
Besonders beeindruckt den Reporter der Gemeinschaftssinn der mitteldeutschen Teilnehmer. „Die mitteldeutschen Bürger, die dort vor Ort waren, zeigten einen Gemeinschaftssinn, wie ich ihn hier in Westdeutschland lange nicht mehr oder noch nie erlebt habe. Höflich, freundlich, keine bösen Worte. Jeder macht Platz, jeder lacht und freut sich mit dem anderen.“ Dieses Klima sei an allen Ecken spürbar gewesen – an der Bockwurstbude, der NVA-Gulaschkanone und im Umgang mit einem Behinderten im Rollstuhl. „Ein rundum gemeinschaftliches Denken“, so Leip. „Und ich glaube, diese positive Stimmung ist mehr als nur eine Momentaufnahme. Hier ist etwas entstanden, das eine ganz eigene Dynamik entwickelt hat. Die Basis, die Siegmund hinter sich versammelt hat, ist in der gegenwärtigen politischen Landschaft einzigartig – für die anderen Parteien wäre es aktuell unvorstellbar, eine derartige Stimmung des Aufbruchs zu erzeugen.“
Die Veranstaltung fügt sich in eine Serie von vier Simson-Touren ein, mit denen Siegmund im Wahlkampf zur Landtagswahl am 6. September 2026 gezielt an die ostdeutsche Nostalgie und den Wunsch nach Bodenständigkeit anknüpfte. Frühere Ausfahrten in Tangermünde, Jeßnitz und Weißenfels hatten bereits hunderte Teilnehmer begeistert.
Aktuelle Umfragen sehen die AfD in Sachsen-Anhalt bei 41 bis 43 Prozent und damit klar vor der CDU. Siegmund selbst wird von Anhängern als volksnaher „Einer von uns“ wahrgenommen – ein Bild, das er als „Volkstribun“ mit dem Auftritt auf dem Kult-Moped bewusst pflegt.
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„Viele Westdeutsche haben mittlerweile die Nase voll“
(von diesem Ossi-Affentheater)
Hier noch eine eher gemäßigte Stimme:
https://www.deutschlandfunk.de/vize-direktor-des-instituts-fuer-zeitgeschichte-brechtken-viele-westdeutsche-haben-mittlerweile-die–104.html
Es gibt viele die sich deutlich DRASTISCHER ausdrücken,
die nicht mehr bereit sind den ostdeutschen Putinmist mitzufinanzieren.
Das Bemerkenswerte an Siegmunds Wahlkamp ist, dass er eigentlich kaum Inhalte braucht sondern nur eine Botschaft hat: Wie wollen wieder in einem normalen Land leben. Und das reicht.
Der Blick ins Publikum erstaunt – scheint doch die Masse vollkommen frei von Eingereisten. Was die Frage aufwirft: machen die tatsächlich ihr ganz eigen Ding?
Es war wohl Peter Hahne, der auf ein ganz besonderes CDU-Wahlplakat hinwies.
Auf dem Foto links das große Plakat, rechts daneben und im Hintergrund ein Bestatter, bereit, die Reste der CDU abzuräumen und davor eine hellblaue Simson-Schwalbe….
Das war einfach köstlich!
Der Osten ist der Punk.
Damals in der DDR wollte ich auch eine Simson, hatte aber nicht das Geld dafür und heute will ich keine mehr!
Was mich nur wundert, dass ganz viele 15 und 16 Jährige in Größeren Gruppen in Luckenwalde und Jüterbog unterwegs sind. Woher haben sie die Mopeds, von ihren Eltern? Ich sehe das fast jedesmal wenn ich mit meinen Söhnen 12 und 15 Jahre unterwegs zum Freibad Luckenwalde oder Jüterbog bin.
wer sein Moped(gleich welcher Sorte) pfleglich behandelt,kann es über drei Generationen weiter geben und die Dinger sind jedesmal Kult…hier fahren auch viele noch die Puchs/Sachs/Zündapps aus den siebzigern
Ich halte nichts von der Ostalgie und dem alten DDR-Patriotismus, die die AfD im Osten bedient, um Stimmen zu angeln. Letztlich ist die AfD eine wirtschaftsliberale und westlich orientierte Partei und sollte auch dementsprechend ehrlich auftreten. Ich kann mich irren, aber ich behaupte, dass die Hälfte der AfD-Wähler im Osten bis heute der DDR nachhängt und in der AfD eher ihre alte, immer noch auf SED-Propaganda basierende Abneigung gegen den Westen kanalisiert, als konstruktiv Deutschland und Europa mitgestalten zu wollen. Dennoch wünsche ich Ulrich Siegmund und der AfD durchschlagenden Erfolg und die absolute Mehrheit in Sachsen-Anhalt. Ich hoffe nur, dass… Mehr
Für die Tage nach der Wahl:
Ich bin jetzt schon gespannt, wie uns das Parteienkartell und die Systemmedien die merkwürdige Diskrepanz zwischen Briefwahl- und Wahlurnenergebnissen erklären werden…..
Ein neues Problem für die CDU: Ihre Wähler könnten zum Schluss kommen, dass es der Partei aktuell überhaupt nicht hilft, wenn man sie wählt. Dieser Effekt kann, völlig berechtigt, der CDU in Sa-Anhalt weitere Prozente kosten. Und eine 17%-CDU kann die CDU nicht stehen lassen; da nützen auch Merzens Durchhalteparolen rein gar nichts mehr.
Ich traue dem Braten nicht, das ist mir alles viel zu sehr Hollywood. Und wenn ich mir die Teilnehmer so anschaue, weiß ich, dass niemand von denen eine Ahnung hat, was im Parteiprogramm der AfD steht. Auch denen kann man erst mal alles erzählen an der Bratwurstbude. Ich rate da deutlich zur Vorsicht. Gute Politiker erkennt man nicht daran, dass sie gut Moped fahren können.
Ja, das dachte ich mir, dass das hier Punktabzug gibt, wenn man den ganzen Rummel mal hinterfragt. Und nur am Rande bemerkt, sollte die AfD jemals in Regierungsverantwortung kommen, dann wird auch der Kopf dieser Partei an der berühmten Klagemauer stehen. Falls Sie wissen, was ich meine…
Die erkennt man dann wohl daran, dass sie vor der Autotür mal kurz mit aufgesetzten Lächeln winken, um dann sogleich im Fond der schweren Limousine hinter abgedunkelten Scheiben zu verschwinden. Ob die Teilnehmer, von denen Sie natürlich genau wissen das sie es nicht haben, das Parteiprogramm gelesen haben ist zweitrangig. Denn nach Jahrzehnten wohlklingender Parteiprogramme, die das Papier nicht wert waren/sind auf denen sie geschrieben stehen, ist es für viele eben jetzt an der Zeit, mal dem eigenen Bauchgefühl zu vertrauen.
Was aus dem Programm der AfD gefällt Ihnen denn besonders – oder kennen Sie das etwa auch nicht?
Weil Massen jetzt in für sie lebenserhaltende Richtungen tendieren, vollkommen ohne genudged zu werden (den „Apparat“ hält die andere Seite der Brandmauer immer noch fest in Händen), gefällt Ihnen etwas nicht?
Das ist aber sehr schade!
Zu Ihrem letzten Satz: Wenn Sie in den letzten Wochen von US nur mitgekriegt haben, dass er „gut Moped fahren“ kann, dann leben Sie wohl tatsächlich unter dem so oft zitierten Stein. Allerdings gebe ich Ihnen bei Ihren ersten Sätzen recht – wobei das für Wahlveranstaltungen *aller* Parteien gilt und nicht an den Parteien, sonden den Bürgern liegt.
Da sind Sie gut beraten, dem Braten nicht zu trauen.
In den USA knutscht man Babys, wenn man sich beim Pöbel beliebt machen will.
In Mitteldeutschland fährt man SIMSON, wenn man sich beim pö…..
Sondern daran, daß sie lachen, während andere Menschen Angehörige und Hab und Gut verloren haben, nicht wahr?
schlechter als die letzen 20 Jahre kann es nicht mehr werden.