In der „Todesfabrik Hürtgenwald“ sucht Merz den Schulterschluß mit den Grünen

Der finstere Hürtgenwald ist ein Stück deutscher Mythos. Merz versucht ihn für den Klimawandel zu instrumentalisieren um so den Ausfall der Schrumpf-SPD durch Nähe zu den Grünen wettzumachen. Der Herbst wird politisch grün für die CDU und ihre Zukunft finster.

picture alliance / Flashpic | Jens Krick

Der Hürtgenwald trennt Deutschland von seinen westlichen Nachbarn, er ist eines der Symbole des wilden Germaniens: Ein hoher, finsterer Wald, enge Wege, verschlammt, undurchdringlich, bedrohlich. Bei den jüngsten Waldbränden waren die Rauchschwaden bis Köln zu sehen, 1.800 Bewohner mussten zeitweise evakuiert werden.

Merz greift Kritiker der Klimapolitik direkt an

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der Sommerpause versuchte Friedrich Merz, den Vorgang für Klimapolitik zu instrumentalisieren: „Das ist Klimawandel.“ Und, an Kritiker der radikalen Klimapolitik gerichtet: „Ich will allen Leugnern des Klimawandels sagen: Schauen Sie sich das ​genau an, was hier passiert ist!“ Dazu ergänzte er: „Wir müssen auch mit dem Klimawandel leben.“

Merz versucht sich damit als Klimakanzler zu positionieren; er geht wohl davon aus, dass angesichts der still vor sich hinschrumpfenden SPD seine persönliche Rettung im Amt nurmehr mit den Grünen machbar sei. Katharina Dröge, Co-Fraktionsvorsitzende der Grünen, hatte in den Tagen vorher den Ton gesetzt – nur geringfügig schriller als Merz: „Brutale Hitze, tausende Tote – der Kanzler schweigt. Brennende Wälder – der Kanzler informiert sich und tut ansonsten nichts“,  formulierte sie. Und: Die Bundesregierung „feuert“ die Klimakrise an, das Bremsen des Ausbaus erneuerbarer Energien sei „fatal und verantwortungslos“.

Nun kann man sich ja wundern, wie man eine Klimakrise „anfeuern“ kann; da steckt wohl etwas Selbstüberschätzung verbunden mit jeglicher Unkenntnis dahinter wie auch bei der Zuschreibung der Todesursache „Erdüberhitzung“; diese Art zurechtgezimmerter Argumentation und aufgeblasener wie falsch interpretierter Statistik erinnert fatal an die „Coronatoten“, die es in dieser Summe nicht gab.

Grüne sogar weniger plump

Im Unterschied zum Kanzler, der Klimapanik wohl erst noch üben muss, war Dröge differenzierter: Sie räumte ausdrücklich ein, dass „eine große Zahl an Bränden menschengemacht“ sei. Sie verband aber die Gefahr einer stärkeren Ausbreitung und künftig häufigerer Waldbrände mit der Klimakrise.

Merz vermischt dagegen zwei Ebenen: der konkrete Auslöser des Feuers in der Eifel ist unbekannt und sehr wahrscheinlich menschlicher Natur. Der Klimawandel kann dagegen die Bedingungen begünstigen, unter denen ein einmal gelegtes oder fahrlässig entstandenes Feuer, eine weggeworfene Zigarette etc. sehr viel schneller zum Großbrand wird. Selbst das Umweltbundesamt bezeichnet menschliches Handeln als wichtigste ermittelbare Brandursache. Klima und Witterung beeinflussen vor allem Entzündlichkeit und Ausbreitung, die auch dadurch wesentlich erleichtert wird, dass vielfach Totholz im Wald belassen wird – aus angeblich ökologischer Rücksichtnahme. Feuer holt nach und erledigt dann, worauf der Mensch neuerdings verzichtet: Waldarbeit, die den Bewuchs verjüngt.

Todesfabrik Hürtgenwald

Erschwert wurden die Löscharbeit durch im Boden verborgene Munition. Blindgänger und Sprengmittel aus dem Weltkrieg, die offensichtlich die Brände buchstäblich befeuert haben sollen. Brennende Munition explodierte, Teile des Waldes konnten von Feuerwehrleuten nicht betreten werden. Sie stammen aus einer der schrecklichsten und erbittertsten Schlachten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Aus Frankreich und Belgien kommend, wollte die US Army nach Westen vorstoßen und traf auf erbitterten Widerstand der Wehrmacht. Die verteidigte das schwer zugängliche Waldgebiet mit Bunkern, Minen, Artillerie und gut getarnten Stellungen.

Der dichte Wald, Schlamm, Kälte und sogenannte Baumkrepierer – Artilleriegeschosse, die in den Baumkronen explodierten und wie Geschosse wirkende Holzsplitter – machten die Kämpfe außerordentlich verlustreich. Die Angaben zu diesen Verlusten schwanken stark, sicher ist nur, dass auf beiden Seiten mehr als 60.000 Soldaten getötet, verwundet, vermisst oder kampfunfähig wurden. Ganze amerikanische Verbände wurden in kürzester Zeit aufgerieben. Unter US-Soldaten galt der Wald als „Death Factory“ – Todesfabrik. Seither ist der Hürtgenwald auch ein Synonym für eine düstere deutsche Waldlandschaft, die schon den Römischen Legionen in der Varus-Schlacht zur Todesfalle geriet.

Komplexe Brandursachen, konkrete Blockaden der Löscharbeiten durch historische Munition und Erinnerungen an eine extrem verlustreiche Schlacht – alles diese Faktoren fehlen in der knappen und oberflächlichen Darstellung des Kanzlers. Was bleibt, ist der Versuch der Annäherung an die Grünen. Damit hat auch Merz den Ton für eine Kursänderung der CDU aufgenommen:

CDU-Politiker Dennis Radtke bedeutete bei Lanz, die Deutschen sollten sich gefälligst damit abfinden, dass Merkels Massenmigration die deutsche Kultur und Lebensweise unwiderruflich verändert und á la long zerstört habe, Schleswig-Holsteins CDU-Ministerpräsident Daniel Günther will mit der umbenannten SED koalieren und Merz rechtfertigt nun auch noch die grüne Klimapolitik.

Nur eine Frage bleibt offen: Warum soll man noch die CDU wählen, anstatt der originalen Grünen oder Linken?

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Kommentare ( 122 )

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epigone
17 Tage her

Es wäre schön, wenn man sich einmal bei Tichys Einblick auch angewöhnen würde, den sogenannten „Klimawandel“ (gab es schon einmal in der Erdgeschichte eine Periode, in der sich ein Klimawandel nicht vollzogen hätte, mal rasch, mal extrem rasch mal sehr langsam?), nicht immer wie eine unumstößliche Monstranz aufzurichten! Damit befeuert man nur die Dummen und Grün-Gläubigen, liefert aber keine sinnvolle inhaltliche Aussage. Ohne jeden Zweifel hat es auch in zwischenzeitlich Kaltphasen, zum Beispiel dem Little Ice Age (LIA) von circa 1400-1850 Phasen großer Trockenheit und sommerlicher Hitze gegeben. Und in einem einzigen trockenen und heißen Sommer kann selbstverständlich ein schrecklicher… Mehr

Privat
17 Tage her

Ein Fass ohne jeden Boden die elendige kriminelle Ukraine.

Privat
17 Tage her

Es gibt eine neue Meldung, wonach die russische Armee im Gebiet Sumy ungefähr 1400 Ukrainer ausschalten konnte und als Besonderheit wieder einen Leopard Panzer aus deutsche Prodution restlos zerstören konnte
Das ist doch für den BlackRock Mann von der CDU/CSU ein neuer Grund, weitere Ersatzpanzer in die elendige Ukraine zu verschicken.
Wir, die dummen Deutschen Steuerzahler haben es doch, um die eledige Ukraine zu bereichern – Ein Fass ohne jeden .

VM
17 Tage her

Wenn es auf normalem Weg nicht geht, verbindet man sich notfalls mit dem Teufel (siehe Goethes Faust)!

yeager
17 Tage her

Dann soll Merz doch mal erklären, wie viel Unterschied die gesamte deutsche Klimapolitik für Klima und Waldbrandgefahr machen.
Der große Leugner ist nämlich er, denn er leugnet die Wirkungslosigkeit der unsäglich teuren deutschen und europäischen Klimapolitik.
Wenn der Klimawandel ja eine unleugbare Tatsache ist, egal wie groß der Anteil der Menschheit daran ist, dann werden wir uns damit arrangieren müssen, und das kann ein reiches Land besser als ein armes.
Und mal so nebenbei: Wer Kernkraftwerke abschaltet, der meint das mit der CO2-Vermeidung eh nicht ernst.

horrex
17 Tage her

Zutreffend analysiert!
Meine Kurzfassung: Er K A N N es einfach nicht !!!

VM
17 Tage her
Antworten an  horrex

Widerwillig muss ich hier Frau Merkel recht geben.

na sowas
17 Tage her

Würde man die Idiotie, in den Gesichtern, links der Brandmauer vergleichen, kann man genügend Gemeinsamkeiten feststellen

Kontra
17 Tage her

Es sind also 14.000 Hitzetote zu beklagen. Nicht 13.748 oder 14.204, nein genau 14.000. Wer ist denn das 14tsd Opfer? Wenn man so genau zählt, müßte diese Person ja bekannt sein. Gibt es dazu einen Staatsakt mit Bundespräsident oder gar dem Kanzler himself? Wenn eine Personenanzahl wie die Stadt Montabaur in Rheinland-Pfalz mal so verschwindet, entspannt das denn auch den Wohnungsmarkt und die Sozialkassen? Fragen über Fragen.

ThomasP1965
17 Tage her

Fakt ist, trotz vielfältiger Schwurbelei: Der menschengemachte Klimawandel begünstigt Großfeuer wie das im Hürtgenwald, genauso wie die in Brandenburg, genauso wie Starkwetterereignisse, die zu Katastrophen wie im Ahrtal führen. Das die lokalen Umstände eines Feuers mit der jeweiligen lokalen Geschichte zusammehängen, ist eine BINSE. Natürlich sind auf Truppenübungsplätzen oder Orten an denen Schlachten stattfanden die Brandbekämpfung erschwerende Munition zu finden. Hat aber genausowenig mit dem Thema Klimawandel zu tun, wie z.B. der Torfboden. Das zu einem Brand auch immer ein Auslöser gehört, ob jetzt natürlich (Blitz) oder menschlich ist auch eine BINSE. Genauso wie das aktuelle Wetter (Wind). Solche Ereignisse… Mehr

JuergenR
17 Tage her
Antworten an  ThomasP1965

Der Klimawandel ist eben nur zu einem verschwindend geringen Teil menschengemacht, denn der Hauptakteur sind Zyklusschwankungen der Sonne. Wenn Sie allerdings mit menschengemacht unverantwortliche Eingriffe wie mittels HAARP und weiterer derartiger Anlagen und dazu die lokale Ùberhitzung durch Photovoltaikfelder und Trockenheit durch Windkraftanlagen meinen, stimme ich Ihnen zu. Jedem Menschen mit einem Funken Restverstand müßte klar sein, dass die Abholzung großer Waldflächen für Windkraftanlagen und die Wärmeerzeugung durch Photovoltaikfelder starke Auswirkungen haben.

Zhenmei Zutun
17 Tage her
Antworten an  ThomasP1965

Was für ein Unsinn. Der so genannte Mensch gemachte Klimawandel ist lediglich ein weltweites Umverteilungprogramm..

ceterum censeo
17 Tage her
Antworten an  ThomasP1965

Bei „menschengemachter Klimawandel“ war ich raus. ÖRR-verseucht.

andreas
17 Tage her

Soweit ich weiß, sollte man auch heute im Hürtgenwald nicht die Wege verlassen, es besteht immer noch Explosionsgefahr. Unterholz und Büsche werden da liegen bleiben. Ideal für ein Waldfeuer. Merz kann da ruhig mal reingehen und sich umschauen.