Börsenwoche: US-Rekordschulden, Gold und Bitcoin mit Comeback

40 Billionen Dollar Schulden, steigende Renditen und wachsende Zweifel an der Tragfähigkeit der US-Staatsfinanzen setzen die Märkte unter Druck. Gleichzeitig schwächelt der Konsum, Öl verteuert sich und bei Volkswagen droht der nächste industrielle Kahlschlag.

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Diese Woche hat der Schuldenberg des amerikanischen Staates erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten. Die Nervosität an den Finanzmärkten hat deshalb deutlich zugenommen. In den vergangenen Wochen sind die Zinsen, die das Finanzministerium für die Aufnahme langfristiger Schulden bezahlen muss, auf das höchste Niveau seit 2007 gestiegen.

Zehnjährige Anleihen rentieren inzwischen bei 4,7 Prozent. Die Investoren verlangen eine höhere Risikoprämie, weil sie die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen zunehmend infrage stellen. Sie stellen sich unbequeme Fragen: Können die USA die Billionen von Schulden einfach vor sich herschieben? Wie finanziert der Staat diese gigantische Hypothek? Und kann das auf Dauer gutgehen?

Bei den Quartalsberichten standen die Einkaufswagen im Mittelpunkt. Home Depot, Target, Lowe’s und schließlich Walmart öffneten ihre Bücher – das Ergebnis ist gemischt. Die Menschen geben weiter Geld aus, schauen dabei aber offenbar genauer hin, wofür. Am deutlichsten zeigte sich das bei Walmart. Der weltgrößte Einzelhändler steigerte seinen Quartalsumsatz um knapp sechs Prozent auf fast 188 Milliarden Dollar, das Onlinegeschäft sogar um 23 Prozent. Klingt prima. Die Börse sah trotzdem rot: Die Aktie verlor am Donnerstag fast neun Prozent. Der Grund war vor allem der vorsichtigere Ausblick auf das laufende Quartal und ein nachlassendes Wachstum in den US-Filialen. Das ist insofern interessant, weil Walmart normalerweise zu den Gewinnern gehört, wenn Verbraucher sparen müssen. Wer statt teuer lieber günstig einkauft, landet schnell dort. Wenn selbst Walmart im Ausblick etwas vorsichtiger wird, schrillen bei Börsianern die Alarmglocken. Ein Grund zur Panik sind die Zahlen allerdings nicht. Wer fast 188 Milliarden Dollar in drei Monaten umsetzt, hat andere Sorgen. Aber die Börse hatte sich offenbar etwas mehr versprochen. Die Quittung kam prompt.

Und dann wäre da noch die Politik. Der Ölpreis zog am Donnerstag wieder kräftig an, Brent kostete mehr als 93 Dollar je Barrel. Hintergrund sind die anhaltenden Spannungen mit Iran und neue Drohungen aus Washington. Für Autofahrer unangenehm, für die Notenbanken ebenfalls. Denn teureres Öl kann die Inflation wieder anschieben. Am Ende einer schwachen Woche erholte sich der Dow Jones Industrial immerhin ein Stück weit von seinem Vortages-Rücksetzer. Der Leitindex legte zum Handelsschluss an der Wall Street umknapp ein Prozent auf 53.277 Punkte zu. Am Donnerstag war er auf den tiefsten Stand seit Anfang des Monats gesunken. Auf Wochensicht verbuchte er ein Minus von 0,8 Prozent. Der marktbreite gewann am Freitag 0,4 Prozent auf 7.674 Punkte. Der Nasdaq 100 zog um 0,3 Prozent auf 29.309 Punkte an, es war für den technologielastigen Index der erste Gewinntag der Woche. Der Wochenverlust beläuft sich für den S&P 500 auf 1,4 Prozent und für den Nasdaq 100 auf 2,5 Prozent.

Der auf den höchsten Stand seit Mai gekletterte Goldpreis trieb Aktien von Goldminenbetreibern an. Newmont und Barrick Mining legten jeweils um die drei Prozent zu. Der Goldpreis ist im Aufwind, seit zur Wochenmitte das US-Finanzministerium überraschend angekündigt hatte, verstärkt langlaufende Staatsanleihen zurückzukaufen. Mit der Maßnahme will die US-Regierung die Renditen für Staatspapiere nach unten drücken, um so Kosten für den Schuldendienst zu senken. Kupfer-Aktien verzeichneten noch deutlichere Kursgewinne. Hintergrund ist eine Verknappung des Angebots. Die Titel von Freeport McMoran kletterten auf ein Rekordhoch, jene von Southern Copper standen kurz davor.
Angesichts einer starken Woche für den Bitcoin standen Aktien mit Bezug zu Kryptowährungen auf den Kaufzetteln der Anleger. Strategy und Coinbase verzeichneten Zuwächse von gut sechs, beziehungsweise etwas mehr als acht Prozent. Robinhood Markets sprangen um 13,7 Prozent hoch. Experten führen den plötzlichen Bitcoin-Boom auf eine Kombination aus geldpolitischen Signalen, politischem Rückenwind und einer massiven Liquidierungswelle an den Terminmärkten zurück.

In der Gruppe der Magnificent 7 ragten die Anteile des Elektrofahrzeugbauers Tesla mit einem Plus von über fünf Prozent heraus. Damit fehlte ihnen nicht viel, um die vor einem Monat entstandene Abwärtslücke zu schließen. Nvidia verloren ein Prozent. Als Nachzügler der Berichtssaison veröffentlicht der KI-Chipgigant in der nächsten Woche am Mittwoch seine Quartalszahlen, die weit über den Techsektor hinaus beeinflussen könnten.

Bei den Papieren von Moderna und Merck & Co griffen die Anleger vor dem Wochenende nochmals zu. Zur Wochenmitte hatten die beiden Pharmakonzerne einen wichtigen Erfolg zu einem Melanom-Impfstoff bekanntgegeben, worauf die Aktienkurse nach oben geschnellt waren. Als zweitbester Dow-Wert gewannen Merck & Co am Freitag 2,4 Prozent und bewegen sich in Rekordhöhen. Goldman Sachs stiegen auf dem ersten Platz im Dow um 3,7 Prozent. Für die Moderna-Aktien ging es um 8,9 Prozent hoch. Seit der Meldung vom Mittwoch haben sie sich mehr als verdoppelt.

Zuvor hatte sich schon der Dax nach einer viertägigen Verlustserie etwas erholt. Nach Anlaufschwierigkeiten schaffte es der deutsche Leitindex wieder über die psychologisch wichtige Marke von 26.000 Punkten, die am Vortag erstmals seit Anfang August wieder unterschritten worden war. Was den zuletzt belastenden Anstieg der Renditen an den Anleihemärkten betrifft, beruhigte sich die Lage etwas. Über die Ziellinie ging der Dax schließlich 0,6 Prozent höher bei 26.136,56 Punkten, wodurch er sein Wochenminus auf 1,2 Prozent reduzieren konnte. Weil sich der deutsche Leitindex derzeit über der 21-Tage-Indikatorlinie hält, bleibt der kurzfristige Aufwärtstrend aus technischer Sicht intakt. Der MDax mit den mittelgroßen deutschen Unternehmen verbuchte am Freitag eine Erholung um gut 1,2 Prozent auf 32.110 Punkte.

Laut dem Helaba-Experten Markus Reinwand sind die Anleger derzeit „noch immer damit beschäftigt, ihre Portfolios neu auszurichten“. In einem globalen Industriezyklus, der sich derzeit verbessere, rechnet die hessisch-thüringische Landesbank aber zeitnah mit weiterem Rückenwind am Aktienmarkt. Bis Ende des Jahres sieht sie den Dax nun bei 27.000 Punkten. Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners schränkte am Freitag die Bedeutung der jüngsten Abwärtsbewegung auch mit einem saisonal nur sehr geringen Handelsvolumen ein. Er sprach von einem „Abwarte-Markt“, bei dem zuletzt „sehr wenige Verkäufer auf noch weniger Käufer“ getroffen seien.

Unternehmensseitig standen vor dem Wochenende einige Nachzügler der Berichtssaison im Fokus. Ein getrübter Geschäftsausblick brockte Fielmann einen Kursrutsch von 6,6 Prozent ein. Zeitweise sackten die Aktien auf ein Tief seit dem Frühjahr 2023 ab. Die Optikerkette musste wegen der anhaltend mauen Konsumstimmung in Deutschland ihre Jahresziele nach unten schrauben.

Der Eventvermarkter CTS Eventim sorgte nur anfangs mit seinen Geschäftszahlen für Verstimmung, die Aktien fingen sich am Tief seit Anfang Juli und drehten mit 2,6 Prozent ins Plus. Kritisch gesehen wurde zunächst die Marge im Ticketgeschäft. Lara Simpson von der US-Bank JPMorgan konstatierte aber eine intakte Geschäftsdynamik. Beim Dialyseanbieter FMC sorgte die Meldung, dass der Medizinkonzern Fresenius seinen Anteil weiter reduziert hat, für einen Kursrückgang um 1,8 Prozent. FMC-Aktien im Wert von rund 300 Millionen Euro wurden an ausgewählte institutionelle Investoren verkauft. Fresenius dagegen ging im Plus aus dem Handel.

Impulse aus China halfen europaweit den zuletzt schwächelnden Rohstoffwerten. Die Titel des Kupferkonzerns Aurubis legten vier Prozent zu, aber noch mehr waren Stahlwerte gefragt. Im MDax wurden Thyssenkrupp und Salzgitter mit Kurssprüngen um 5,6 respektive 8,2 Prozent zu einer wichtigen Stütze. Für Thyssenkrupp hob der Citigroup-Experte Ephrem Ravi zudem sein Kursziel deutlich auf 20 Euro an. Aktuell ist unter Analysten keine höhere Zielmarke bekannt.

Der Blick nach vorn

Am Dienstag kommen die detaillierten Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal. Nach der ersten Schätzung ist die deutsche Wirtschaft immerhin um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Kein Wirtschaftswunder, aber nach der langen Flaute nimmt man inzwischen auch kleine Fortschritte gerne mit. Am selben Tag veröffentlicht das ifo Institut sein Geschäftsklima für August. Im Juli war der Index auf 86,6 Punkte gestiegen.

Am Mittwoch wird es dann technologielastig: Neben Nvidia berichten unter anderem CrowdStrike und Synopsys. Einen Tag später folgen weitere Tech-Unternehmen.

Und zum Ende der Woche zieht es die Notenbanker in die Berge. Vom 27. bis 29. August findet das traditionelle Zentralbanktreffen in Jackson Hole in den Rocky Mountains statt. Dieses Jahr geht es offiziell um Finanzinnovationen und ihre Folgen für Zahlungsverkehr und Geldpolitik. An den Märkten wird man allerdings wie immer vor allem auf Zwischentöne zur weiteren Zinspolitik achten.

Wichtig wird die kommende Woche für Volkswagen. Vor den Werksferien hatte der Betriebsrat dem VW-Vorstand ein Ultimatum gesetzt. Die Arbeitnehmer verlangten Details zu den Sparplänen von Konzernchef Oliver Blume (58) – und drohten mit außerordentlichen Betriebsversammlungen. Antworten gab es nicht, und so muss sich der Vorstand jetzt ab Dienstag vor der Belegschaft erklären. Neun Betriebsversammlungen in sieben Tagen. Vor allem ist vom Abbau von 120.000 Stellen die Rede – und der möglichen Schließung von vier Standorten. Im Wolfsburger Stammwerk, in Emden und Zwickau will Blume persönlich vor die Belegschaft treten. In einem Interview im Intranet des Unternehmens bereitete Blume die Mitarbeiter auf schlechte Nachrichten vor: „Die Lage ist mehr als kritisch.“ Der Konzern sei zwar handlungsfähig, habe aber auch akuten Handlungsbedarf, sagte Blume. Zu „BILD“ sagt er: „Auf die nächsten Wochen kommt es an: Alle müssen mitziehen. Wir haben den größten Transformationsplan in der Geschichte des Konzerns aufgesetzt.“ Die nächsten Jahre seien entscheidend, wer im Rennen bleibe und wer an die Spitze fahre.“

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Kommentare ( 2 )

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2 Comments
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Michael Palusch
37 Minuten her

einen wichtigen Erfolg zu einem Melanom-Impfstoff bekanntgegeben

Ist das der „Impfstoff“, von dem es außer der Behauptung des Herstellers weder veröffentlichte Daten noch Peer-Review Gutachten gibt? Hatten die nicht vor einigen Jahren schonnmal einen “ Impfstoff“ gegen Schnupfen, der einen noch viel größeren Hype bei ähnlich dünner Datengrundlage auslöste?

Last edited 36 Minuten her by Michael Palusch
Haba Orwell
39 Minuten her

> 40 Billionen Dollar Schulden, steigende Renditen und wachsende Zweifel an der Tragfähigkeit der US-Staatsfinanzen setzen die Märkte unter Druck. Woanders sieht man das Dollar-System am Taumeln: >>>Das Dollar-System in der Krise: Der wahre Grund für die US-Rettung des Yen<<< > „… Die Intervention zeigt die Risse im Dollarsystem. Die USA müssen inzwischen ihre eigenen Verbündeten retten, damit diese nicht die amerikanischen Schulden abstoßen. Was als „Hilfe für Japan“ verkauft wird, ist in Wahrheit der Versuch, den eigenen Niedergang der Dollar-Dominanz hinauszuzögern. …“ Die Lehre daraus müsste sein, sich möglichst von den untergehenden USA abzusetzen – stattdessen wird Westeuropa immer… Mehr