Mario Voigts Doktortitel ist aberkannt, seine Regierung besitzt keine eigene Mehrheit. Die Thüringer CDU zieht ihre Konsequenz: Sie wählt Voigt ohne Gegenkandidaten erneut zum Landeschef. Das System CDU. Wer noch Zweifel hat, mit wem man es zu tun hat, blicke in Gesichter von Parteifunktionären.
picture alliance/dpa | Jacob Schröter
Die CDU Thüringen hat entschieden, welche Konsequenzen sie aus der Affäre ihres Vorsitzenden Mario Voigt zieht: keine. Auf dem Landesparteitag in Eisenach wurde der stark angeschlagene Ministerpräsident erneut zum Landesvorsitzenden gewählt. Einen Gegenkandidaten gab es nicht. 122 Delegierte stimmten für ihn, 23 gegen ihn, drei enthielten sich. Damit ist der Mann, dessen Doktorgrad die TU Chemnitz nach einem langen Prüfverfahren aberkannt hat und dessen Widerspruch anschließend ebenfalls zurückgewiesen wurde, für die Thüringer Union weiterhin die beste verfügbare Besetzung an ihrer Spitze.
Voigt erklärte in Eisenach, er befinde sich in einem „innerlichen Dilemma“. Er wolle seine wissenschaftliche Arbeit verteidigen und müsse zugleich erleben, wie politische Gegner die Affäre gegen ihn verwendeten. Viel hilfloser lässt sich eine politische selbstverschuldete Krise kaum beschreiben. Das Problem sind natürlich diejenigen, die darüber reden.
Voigt präsentierte seinen Delegierten anschließend die Brombeer-Koalition als Erfolgsmodell. Seine Regierung stehe für „Lösungen statt für Lärm“ und habe geliefert. Als Belege nannte er Milliardeninvestitionen in die Kommunen und zusätzliche Unterstützung des Ehrenamts. Das übliche müde Eigenlob eines Staates, der erst Geld seiner Bürger unter Zwang einzieht und anschließend dessen Ausgabe und Umverteilung als besondere Großtat seiner politischen Führung verkauft.
Die parlamentarische Wirklichkeit fällt weniger prächtig aus. CDU, BSW und SPD kommen gemeinsam auf 44 der 88 Sitze im Thüringer Landtag. Voigt wurde 2024 mit 51 Stimmen zum Ministerpräsidenten gewählt, nachdem die Linke ihre Unterstützung angekündigt hatte. Seine Regierung lebt seither davon, für entscheidende Vorhaben zusätzliche Stimmen zu organisieren. Ausgerechnet diese Konstruktion verkauft die CDU als Ausdruck besonderer Stabilität.
Der Hintergrund bleibt der eigentliche politische Skandal Thüringens. Bei der Landtagswahl 2024 wurde die AfD mit 32 Sitzen stärkste Kraft, die CDU kam auf 23. Voigt gelangte anschließend mit SPD und BSW in die Staatskanzlei, flankiert von einer Verständigung mit der Linken über zentrale Vorhaben. Der Wahlsieger sitzt draußen, der Zweitplatzierte regiert mit einem Bündnis, das sich seine Mehrheiten jeweils zusammenholen muss. Genau dieses Modell bildet inzwischen den Kern des politischen Selbstverständnisses der Thüringer CDU.
Jetzt gerät auch der schwierigste Partner ins Rutschen. Der BSW-Bundesvorstand forderte nach der Aberkennung des Doktorgrades, Voigt die Unterstützung zu entziehen und einen parteiunabhängigen Ministerpräsidenten zu suchen. Die Thüringer Fraktion widersetzte sich. Zwei ihrer Abgeordneten stellen Voigt dennoch offen infrage. Damit hat seine persönliche Affäre längst den Koalitionsvertrag erreicht.
Am kommenden Freitag folgt das konstruktive Misstrauensvotum der AfD. Für eine Abwahl wären 45 Stimmen nötig, die AfD verfügt über 32. Nach der bisherigen Lage dürfte Voigt weiter im Amt bleiben und das Ansehen seiner korrumpierten Partei noch weiter beschädigen. Schon das reicht der CDU inzwischen als Erfolgsnachweis.
Einen zusätzlichen Beigeschmack bekommt das Festhalten am Amt durch den Kalender: Am 12. Dezember 2026 ist Voigt zwei Jahre Ministerpräsident. Nach dem Thüringer Ministergesetz entsteht nach mindestens zwei Jahren Regierungszugehörigkeit grundsätzlich ein späterer Ruhegehaltsanspruch. Seine CDU hat ihm gerade weitere Rückendeckung verschafft.
In Eisenach hätte die Thüringer CDU zeigen können, dass politische Verantwortung noch etwas mit persönlichen Konsequenzen zu tun hat. Herausgekommen ist Mario Voigt mit weiteren zwei Jahren Parteivorsitz. Genau das beschreibt den Zustand dieser Partei inzwischen am besten: Eine Partei, die längst keine überzeugende Antwort mehr auf irgendwas hat, erklärt deren Fortsetzung zum Zeichen von Geschlossenheit.
Zum Schluß gibt es aus der Parteizentrale Glückwünsche und Grüße. Man ist unter seinesgleichen und hält sich gegenseitig in Posten und Ämtern den Hintern trocken, während man den Steuerzahler ausnimmt bis auf die Knochen. Wie abstoßend, wie unglaublich abstoßend.



Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
Das Problem ist ja nicht, ob man einen Doktortitel hat oder auch nicht.
Die Art und Weise machts, und das, ist nichts weniger als CDU pur.
Man erinnert sich noch ab die 10min-Klatschhasen bei Merkel. Als Dank wird Sie heute noch mit Orden behängt.
Ist das die spätrömische Dekadenz, von der einst G. Westerwelle sprach? Auf alle Fälle, nicht meine Politik.
Wo bitteschön bleiben da die sogenannten christlichen Werte in dieser CDU? Unfassbar was sich da für Gestalten in der CDU tummeln. Charakterlose Gesellen so weit das Auge sieht, pfui Teufel möchte man ausrufen, das sich da keiner schämt und noch im Spiegel anschauen kann, für mich unfassbar.
Ich warte auf den Sonderparteitag des BSW. Dort wird dann hoffentlich diese radikal-feministische Opportunistin namens Wolf abserviert (kann am besten zu den Grünen, den Schwarzen oder den Dunkelroten wechseln). Und wenn das passiert, dann hat hoffentlich auch diese Voigt-Regierung ein Ende!! Nach Sachsen-Anhalt und nach Mecklenburg-Vorpommern dann irgendwann auch Thüringen bitte!!!
Mario Voigt gleicht einem ausgekauten und ausgespuckten Kaugummi. Der Geschmack ist weg, man will es loswerden aber es klebt noch ekelig am Schuh von anderen.
Die CDU testet täglich und für alle sichtbar die Tiefpunkte der Integrität. Ob Sachsen-Anhalt, Berlin oder Thüringen, jeder Protagonist gibt sein Bestes um sich weiter unter die fast am Boden befindliche Niveaulimbostange zu winden.
Ich schäme mich, dieser Partei 20 Jahre meine Stimme gegeben zu haben. Sie muss untergehen!
Weiter so CDU 🙂
War nicht anders zu erwarten, dass die CHRISTLICHE Union zu ihrem Betrüger steht.
Hat er inzwischen den Ehrendoktortitel erhalten und darf sich Dr. h.c. Plag nennen?
Das Wahlergebnis bestätigt den Zustand der CDU. Diese Partei hat sich zu einer Sekte reformiert! In ihr folgt man den Weg in den gemeinsamen Untergang.
Wagenburgmentalität in auswegsloser Situation hat aber meines Wissens nur sehr selten zum Überleben verholfen.Das wird die CDU lernen müssen.
Aber einen schönen „Gruss“ zeigt der MP da auf der Bühne,andere hätten deswegen schon eine Anzeige am Hals….
Ein dreifach Hoch dem Dr. met. Voigt, seines Zeichens Plagiator, Ehrenmann und Stütze der Gesellschaft. Wieviel Minuten Standig Ovation hat er bekommen, oder stehen sie immer noch, die Klatschhasen.