Mario Voigt verliert den Doktortitel – will aber weiter Doktor bleiben

Die TU Chemnitz weist den Widerspruch von Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt gegen den Entzug seines Doktorgrades zurück. Doch der Streit ist damit nicht beendet. Voigts Anwälte kündigen Klage an – und verweisen auf ein Gutachten, das zu einem anderen Ergebnis gekommen sein soll als die Universität.

picture alliance/dpa | Martin Schutt

Für Mario Voigt ist der Kampf um seinen Doktortitel an der Technischen Universität Chemnitz vorerst verloren. Der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät hat den Widerspruch des Thüringer Ministerpräsidenten gegen die Aberkennung seines Doktorgrades zurückgewiesen. Das bestätigte die Universität am Dienstag. Damit hält die TU Chemnitz an ihrer im Januar getroffenen Entscheidung fest.

Voigt will sich damit allerdings nicht abfinden. Sein Anwalt kündigte bereits den Gang vor Gericht an. Nach rechtlicher Prüfung werde man Klage erheben. Damit verlagert sich eine Auseinandersetzung, die inzwischen seit zwei Jahren schwelt, endgültig von der Universität auf die juristische Ebene.

Neue Vorwürfe
Noch mehr Plagiate: „Wissenschaftssimulant“ Mario Voigt?
Im Mittelpunkt steht Voigts Dissertation aus dem Jahr 2008 mit dem Titel „Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf: George W. Bush gegen John F. Kerry“. Kurz vor der Thüringer Landtagswahl 2024 waren Plagiatsvorwürfe gegen die Arbeit öffentlich geworden. Die CDU sprach damals von einer Schmutzkampagne gegen ihren Spitzenkandidaten. Die TU Chemnitz leitete nach einer Plagiatsanzeige im August 2024 ein Prüfverfahren ein. Im Januar 2026 entzog sie Voigt nach längerer Prüfung schließlich den Doktorgrad.

Brisant ist dabei vor allem ein Punkt, den Voigts Anwälte jetzt erneut hervorheben: Ein von der Universität eingeschalteter externer Gutachter soll nach ihrer Darstellung gerade nicht zu dem Ergebnis gekommen sein, dass die Voraussetzungen für einen Entzug des Doktorgrades erfüllt seien.

Voigts Anwalt bezeichnet es deshalb als einen außergewöhnlichen Vorgang, dass die Universität dennoch am Entzug festhält. Die Entscheidung werfe erhebliche rechtliche Fragen auf, insbesondere hinsichtlich des Bewertungsmaßstabs und der Verhältnismäßigkeit.

Daran dürfte sich das bevorstehende Gerichtsverfahren entzünden. Denn damit geht es nicht mehr allein um die Frage, ob Voigt in seiner Dissertation wissenschaftlich unsauber gearbeitet hat. Entscheidend wird sein, ob die festgestellten Verstöße rechtlich schwer genug wiegen, um die schärfste akademische Sanktion zu rechtfertigen: den Entzug des bereits vor vielen Jahren verliehenen Doktorgrades.

Die TU Chemnitz hatte ihre Entscheidung Anfang des Jahres entschieden verteidigt. Die Philosophische Fakultät erklärte damals, der Fakultätsrat habe nach sorgfältiger Prüfung entschieden. In ihrem eigenen Medienspiegel verweist die Universität zudem auf Berichte, wonach die Entscheidung einstimmig gefallen sei.

Für Voigt ist der Fall längst nicht mehr nur eine akademische Angelegenheit. Der CDU-Politiker regiert Thüringen seit Ende 2024 an der Spitze der sogenannten Brombeer-Koalition aus CDU, BSW und SPD. Die AfD und ihr Landeschef Björn Höcke nutzen die Doktortitel-Affäre seit Monaten für Angriffe auf den Ministerpräsidenten. Anfang Februar versuchte die AfD sogar, Voigt durch ein konstruktives Misstrauensvotum zu stürzen; Höcke kandidierte selbst für das Amt des Ministerpräsidenten und scheiterte.

Im Mai legte die AfD-Fraktion nach. Sie präsentierte ein von ihr bezahltes Gutachten des österreichischen Plagiatsprüfers Stefan Weber, das weitere problematische Stellen in Voigts Dissertation aufzeigen sollte. Hinzu kamen später Vorwürfe wegen nicht gekennzeichneter Verwendung Künstlicher Intelligenz in Reden und Gastbeiträgen Voigts.

Unterstützung erhält Voigt nur aus der eigenen Regierung. Thüringens Infrastrukturminister Steffen Schütz vom BSW erklärte nach Bekanntwerden der jüngsten Entscheidung, Voigt habe ein Recht auf eine juristisch fundierte Prüfung. Er sehe nicht, dass die Entscheidung der Universität eine solche gerichtliche Prüfung ersetzen könne, und vertraue auf den Rechtsstaat.

Damit beginnt nun die nächste und möglicherweise entscheidende Runde.

Die TU Chemnitz hat gesprochen. Innerhalb der Universität ist Voigt mit seinem Versuch gescheitert, die Aberkennung rückgängig zu machen. Nun werden Verwaltungsrichter prüfen müssen, ob die Universität bei ihrer Entscheidung korrekt vorgegangen ist und ob die festgestellten Verstöße tatsächlich den Entzug des Doktorgrades rechtfertigen. Dabei kann das Gericht wohl nur den Vorgang, nicht den Inhalt prüfen. Also ist die Universität berechtigt, den Titel zu entziehen? Es wäre gewagt, wenn die Richter sich auf den Inhalt einlassen sollten. Aber wir sprechen von Thüringen – einem Land fest im Griff der Linken.

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Kommentare ( 62 )

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Montgelas
3 Minuten her

Zuständig für eine Überprüfung des Prüfungsergebnisses sind immer die Prüfungsorgane der Hochschule, an der die Prüfung abgelegt wurde. Diese entscheiden in allen Prüfungsangelegenheiten. Das zuständige Verwaltungsgericht kann diese Entscheidungen überprüfen, ob sie z.B. fehlerhaft zustande gekommen sind, es untersucht von Amts wegen. Gegengutachten des Prüflings gibt es im Prüfungsrecht nicht.

Britsch
22 Minuten her

Man sollte mal schauen was diese „Figuren“ Studiert haben und sich überlegen ob daes fachlich bezogen überhaupt erinen Wert hat.
Ob dqa jemand einen Dr. Titel hat oder nicht istn dochb so ertwas von egal.
Nicht egal ist aber natürlich weNN auf Dr. Titel wert gelegt wird ist schon wichtig wie der erlangt wurde:
Wer bei so etwas betrügt, betrügt bei Anderem noch eher

Dr. Meersteiner
26 Minuten her

Bekommt er wenigstens den Ehrendoktortitel für das Plagiat des Jahres?

Klaus Uhltzscht
36 Minuten her

Der kann ja seinen Abschluß bei den Young Global Talents nachholen.
Wer hat den überhaupt gewählt?

Adlershofer
40 Minuten her

Von diesem … würde ich nicht einmal ein Mettbrötchen kaufen, geschweige denn einen Gbrauchtwagen. Der Thüringer Sumpf muss sehr tief sein, wenn sich dieses Mettwürstchen immer noch hält.

JamesBond
41 Minuten her

Ob mit oder ohne Dr. mir ist Herr Höcke lieber, denn der ist wenigstens ehrlich!

Kassandra
49 Minuten her

Der Vorgang gibt interessante Einblicke in Mario Voigts innerste Erlebniswelt preis. Weiter so.
Was kann man übrigens darüber berichten, was er zum Wohle der Thüringer Bürger als MP bereits in die Wege geleitet hat?
Ich fürchte, damit kommt er so ganz und gar nicht in die Schlagzeilen?
Wer zählt auf?

Laurenz
56 Minuten her

Der Plagiats-Mario…. ein krimineller Betrüger ist Ministerpräsident.

Punti
38 Minuten her
Antworten an  Laurenz

Das ist inzwischen Voraussetzung für gehobene Positionen.

Sydslesvig
57 Minuten her

Wann wird dieses elende Thüringer Mettbrötchen endlich abserviert – wirklich unappetitlich was sich da für eine Figur eingenistet hat, immerhin ein Land wo einst Koryphäen wie Johann Sebastian Bach gewirkt haben. Wenn man diesen akademischen Hochstapler so anschaut, erinnert es mich immer an die Minions aus dem gleichnamigen Animationsfilm. Minions bedeutet übrigens aus dem angelsächsischen übersetzt „Lakai“. Das passt doch prima zu diesem Mario und ist offensichtlich eines der wenigen Attribute, die an ihm nicht gefaked sind.

P.Schoeffel
57 Minuten her

Wenn er damit durchdringt, heißt das nichts anderes, als daß künftig über eine Promotion nicht mehr die universitäre Prüfungskommission entscheidet, sondern ein Verwaltungsgericht. Wenn meine Dissertation abgelehnt wird, klage ich eben.

Das war´s dannl endgültig mit „Wissenschaft“.

Kassandra
45 Minuten her
Antworten an  P.Schoeffel

Seit Klima wie Corona eh nur noch politisch genutzt. Kann man mit Fördergeldern an die Unis wunderbar lenken – wenn nur noch genehme Forschung bezuschusst wird – und andere kein Steuergeld erhalten.
Und alleweil dazu, dem Bürger Angst einzutreiben.
„Die Grausamkeiten der Pandemiepolitik wurden durch Gehorsamkeit ermöglicht.“ Erich Fromm über das Milgram-Experiment:https://x.com/propaganda_nerd/status/1939359447568023894
Sie nutzen den bekannten Konformitätsdruck gegen den Einzelnen gnadenlos – und dafür wird eingesetzt, was sich als „Experte“ nutzen lassen will – angstfrei, das Gesicht zu verlieren – hoch dotiert in allen Fällen zudem.

Last edited 31 Minuten her by Kassandra