Merz predigt Dankbarkeit – nachdem die CDU Deutschland 20 Jahre lang heruntergewirtschaftet hat

Ein irrlichternder Friedrich Merz predigt Dankbarkeit dafür in Deutschland zu leben. So ein Spruch kommt ausgerechnet von der CDU, die dieses Land in zwanzig Jahren heruntergewirtschaftet, ausgenommen und seiner Substanz beraubt hat - und die jetzt noch Applaus für diesen Scherbenhaufen einfordert.

picture alliance/dpa | Hannes P. Albert
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht auf dem "FAZ"-Kongress

Der glück- wie instinktlose Friedrich Merz hat in den Sesselchen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung – quasi unter Freunden – wieder mal einen Satz rausgehauen, der den ganzen Hochmut dieser Kaste in sich trägt. „Mensch, wir können doch alle dem Herrgott dankbar sein, dass wir in einem solchen Land leben wie der Bundesrepublik Deutschland.“ und „Sagen Sie mir mal spontan zwei, drei, vier, fünf andere Länder, wo es besser ist als in unserem Land hier in der Bundesrepublik Deutschland …“ Genau so redet eine politische Klasse, die jeden Kontakt zur Wirklichkeit verloren hat. Genau so redet eine CDU, die dieses Land über zwei Jahrzehnte verschlissen und hauptverantwortlich ruiniert hat und nun so tut, als sei der Bürger bloß zu doof, um das Glück seiner Lage noch zu erkennen.

Wofür soll man denn ganz genau dankbar sein, Herr Merz? Für ein Land, das die Union unter Angela Merkel und mit ihren langen Schatten bis heute systematisch entkernt und in seinen Grundfesten zerstört hat. Für eine Republik, deren Reserven durch eine kriminelle oder unfähige oder beides Politik geplündert, deren Ordnung aufgeweicht, deren Leistungsfähigkeit ausgehöhlt und deren Zukunft auf Kredit verfrühstückt wurde. Die CDU hat von der Substanz gelebt wie ein fettes Erbenkind, der das Haus der Eltern Stück für Stück versetzt und sich am Ende darüber wundert, dass es hereinregnet und nichts mehr im Kühlschrank ist.

Man kann den Abstieg Punkt für Punkt in allen Stationen besichtigen. In der Energiepolitik etwa, diesem Monument der politischen Feigheit. Der Atomausstieg war kein Naturereignis. Er war ein unionsgetriebener Beschluss – und ein historisches Verbrechen an dem Land, für das sich noch Gerichte werden finden müssen. Er basierte auf Panik, Opportunismus und dem Willen, sich dem hysterischen grünen Zeitgeist zu unterwerfen. Heute nennt Merz das einen schweren Fehler, erklärt aber zugleich, da kann man leider nix machen, die alten Kraftwerke seien verloren, und das Land müsse nun Gaskraftwerke hochziehen und womöglich Kohle länger laufen lassen. Erst hat die CDU die verlässliche Strombasis zerstört, dann verlangt ihr heutiger Kanzler Dankbarkeit – wohl für den ruinös teuren Notbetrieb. Das ist das Eingeständnis eines selbst verschuldeten Verwüstungsschadens.

Dann der abgeräumte und vernichtete Industriestandort. Deutschland war einmal ein Land, das sich auf seine Ingenieure, seine Fertigung, seine Energieversorgung und seine Verlässlichkeit verlassen konnte. Unter unionsgeführten Jahren mit den Lippen am Gesäß der Grünen wurde daraus Schritt für Schritt ein Land der Kostenexplosion, der Unsicherheit und der Abwanderung. EY meldete für 2025 weiter sinkende Industrieumsätze und weiter schrumpfende Beschäftigung. Seit 2019 sind in der Industrie rund eine Viertelmillion Stellen verschwunden. In der Autoindustrie fiel die Beschäftigung auf den niedrigsten Stand seit vierzehn Jahren. Das ist kein Betriebsunfall. Das ist die Bilanz einer Politik, die mit Klimaideologie, Abgabenlast, Energieirrsinn und Bürokratiepanzer den produktiven Kern dieses Landes beschädigt hat. Und die CDU war dabei nicht Zuschauer, sondern Hauptakteur.

Dasselbe Bild beim Staat. Der Apparat wächst, die Leistung schrumpft. 2024 arbeiteten rund 5,4 Millionen Menschen im öffentlichen Dienst, fast zwölf Prozent aller Erwerbstätigen. Der Staat wird von Jahr zu Jahr schwerer, teurer und selbstbezogener, und dabei wird er immer inneffizienter und verheerender mit erwürgender Bürokratie. Er kann Grenzen nicht schützen, Verfahren nicht beschleunigen, Abschiebungen nicht durchsetzen, Schulen nicht stabilisieren, Großprojekte nicht ordentlich bauen und Infrastruktur nicht instand halten. Die CDU hat diesen Staat nicht gebremst, sondern mit aufgebläht und vernichtet ihn mit jedem Tag weiter. Sie hat ihn als Machtmaschine benutzt und gleichzeitig seine Kernfunktionen verkommen lassen. Aus einem (vergleichsweise) schlanken Ordnungsstaat wurde ein immer fetterer Umverteilungs- und Moralapparat, der an seinem eigenen Gewicht zugrunde gehen wird.

Am sichtbarsten ist der Verfall bei der Infrastruktur. Bei der Bahn, bei den Brücken, auf den Straßen. Der Zustand der Eisenbahn ist inzwischen so unerquicklich, dass selbst der Bundesverkehrsminister von einer demokratiegefährdenden Entwicklung sprach. 2025 lag die Pünktlichkeit im Fernverkehr nur bei 60,1 Prozent. Die große Sanierung der Hochleistungskorridore soll sich bis 2036 ziehen. In Berlin allein müssen 175 marode Brücken neu gebaut und weitere 125 grundlegend saniert werden. Das ist die reale Erzählung dieses Landes: Sperrungen, Ausfälle, Schienenersatzverkehr, Bröselbeton. Die CDU hat über Jahre von Investitionen geredet und zugleich den Verschleiß verwaltet. Sie hat die Substanz des Landes ausgeraubt und nennt den Ruinenbetrieb heute Reformaufgabe.

Noch härter trifft der Verfall die soziale Ordnung. Die innere Sicherheit ist so brüchig geworden wie die Brücken in diesem Land. Öffentliche Plätze und Orte werden von Menschen anderer Kulturen bevölkert und beansprucht, Einheimische im eigenen Land verdrängt, deutsche Kinder in den Schulen mit Migrationsüberschuss von muslimischen Schülern drangsaliert, verprügelt, erniedrigt. Mädchen und Frauen werden belästigt, vergewaltigt, ermordet. Jungen und Männer verprügelt, ermordet. Die Kriminalitätsstatistiken sprechen Enzyklopädien.

Die Kommunen stehen unter Dauerdruck. Alle Sozialkassen werden geplündert, um politische Fehler zu kaschieren. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung spricht der GKV-Spitzenverband inzwischen offen von rund zehn Milliarden Euro pro Jahr, die Beitragszahler zusätzlich schultern, weil der Bund die Gesundheitskosten für Bürgergeldbeziehende nicht ausreichend finanziert. Diese Lücke fällt nicht vom Himmel. Sie ist das Ergebnis einer Politik, die Massenzuwanderung duldete und beförderte und das weiterhin tut, Fehlanreize verfestigte und die Kosten anschließend den arbeitenden Bürgern auflud. Die CDU hat daran DEN zentralen Anteil. Sie hat die Grenzen geöffnet, den Kontrollverlust verwaltet und den Preis dann den Krankenkassen, Kommunen und Steuerzahlern aufgebürdet.

Dazu kommen Rentensystem, wachsende Steuerlast und Sozialabgaben, Wohnungsdruck, Bildungsverfall, Bürokratiewucher und die allgegenwärtige Erfahrung eines Staates, der sehr viel fordert und gar nichts mehr dafür liefert. In Deutschland wird immer nur alles teurer, langsamer, unsicherer und schwerfälliger. Aber die politische Klasse verlangt nicht etwa Rechenschaft von sich selbst, NEIN – Merz fordert Dankbarkeit vom Bürger. Diese unglaubliche Unverfrorenheit, die aus diesem Satz spricht.

Merz fordert Dankbarkeit und erklärt den Bürgern, die Zeit der Wünsche sei vorbei. Auch in diesem Moment zerreißen die Zentrifugalkräfte beider Aussagen den Kanzler der zweiten Wahl entzwei. Denn vorbei sind diese „paradiesische“ Zeiten offenkundig nur für die anderen. Während der Steuerzahler höhere Lasten, längere Arbeitszeiten und immer neue Zumutungen schlucken soll, lief im Kanzleramt für Merz’ persönliche Erscheinung der Ausnahmebetrieb weiter. Nicht seine dem Steuerzahler aufgebürdete Friseurrechnung allein ist der Skandal, nicht der belehrende Satz allein. Skandalös ist die Verbindung beider Dinge. Unten soll der Bürger dankbar sein, dass er sich seinen Alltag überhaupt noch leisten kann. Oben greift derselbe Staat für den Feinschliff des Kanzlers in genau dessen Tasche.

Natürlich ist Deutschland noch immer ein Land mit gewaltiger historischer, wirtschaftlicher und kultureller Substanz. Genau deshalb ist die Zerstörung so gut sichtbar. Es könnte noch eine Art großer Historienpark für chinesische Touristen sein – wenn nicht immer mehr Länder Touristen vor einer Reise in dieses Shithole mit erodierter innerer Sicherheit abraten würden.

Merz’ Satz ist der pure Hohn. Die Menschen sehen jeden Tag, was aus ihrem Land geworden ist. Sie sehen die teuerste Energie, die Industrie am Boden oder die nun aus Ungarn herüber winkt, die maroden Netze, die ausgehöhlte Infrastruktur, die explodierenden Beiträge allerorten, die sinkende Ordnung, die ideologisch verwüstete Migrationspolitik und den immer unersättlicheren aufgeblähten Staat. Sie sehen nicht nur Probleme. Sie sehen Täter. Und zu diesen Tätern gehört die CDU und Friedrich Merz.

Diese Partei hat Deutschland nicht bewahrt. Sie hat das Land auf Verschleiß gefahren. Sie hat Reserven verfrühstückt, Strukturen zersetzt, Sicherheiten verspielt und sich dabei stets als letzte Bastion der Vernunft inszeniert. Jetzt steht ihr Vorsitzender da und fordert Grundoptimismus. Das ist die letzte Unverschämtheit einer Partei, die nach zwanzig Jahren des Herunterwirtschaftens noch immer so tut, als sei sie der natürliche Sachwalter dieses Landes.

Dankbarkeit schulden die Bürger dieser CDU nicht. Im Gegenteil. Diese Partei schuldet dem Land eine schonungslose Bilanz, ein Eingeständnis ihrer Schuld und endlich eine Umkehr, die mehr ist als Rhetorik. Solange das nicht geschieht, klingt jeder Dankbarkeitsappell aus ihrem Mund nicht staatsmännisch, sondern zynisch.

Und weil sich die ausgeraubten und um ihre Zukunft gebrachten Bürger sich dann auch noch frech weigern, der CDU für zwanzig Jahre Plünderung, Niedergang und Wortbruch auch noch dankbar zu applaudieren, zeigt Merz nun sein eigentliches Gesicht. Wer ihm die verpfändete Zukunft dieses Landes, die zerstörte Energiepolitik, den ausgehöhlten Industriestandort, die gesprengten Sozialkassen und den verrottenden Staat nicht als Fortschritt abkauft, wird für ihn zum Problemfall.

Genau deshalb greift er jetzt nach dem freien Netz. Kaum ist die Chatkontrolle in Brüssel gescheitert, soll eben Deutschland zum Versuchslabor des nächsten Zugriffs werden. Nicht weil Kinder geschützt werden müssten, sondern weil diese Regierung die offene Rede fürchtet wie nichts sonst. Dort draußen, im freien Wort, sitzt ihr eigentlicher Gegner: der Bürger, der sich nicht mehr belügen lässt.

Damit ist über Merz alles gesagt. Erst hat die CDU dieses Land ausgenommen und will auf seinen Knochen noch ein letztes Tänzchen wagen, dann sollte der Bürger für den Scherbenhaufen Dankbarkeit aufbringen, und weil diese Dankbarkeit ausbleibt, will der Kanzler nun Einschüchterung, Kontrolle und digitalen Zugriff.

Das ist autoritäre Vergeltungspolitik gegen ein Volk, das seine Täter erkannt hat.

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