„Virtuelle Gewalt“ gegen Frauen – der politisch nützliche Fall Fernandes

Ein mutmaßlicher Deepfake-Skandal wird orchestriert, um die Klarnamenpflicht durchzupeitschen. Die üblichen, meist staatlich alimentierten Aktivisten, Promis und Parteien fordern neue Gesetze - unter dem Vorwand des Opferschutzes, für den man sich ansonsten so gar nicht interessiert, soll es künftig noch mehr staatliche Kontrolle geben. Die Absicht dahinter ist nicht einmal schlecht camoufliert.

picture alliance / ABBfoto
Katrin Goering-Eckardt, Lisa Paus, (beide Grüne) Derya Tuerk - Nachbaur und Saskia Esken (beide SPD) bei der Demonstration am Brandenburger Tor am 22.03.2026 in Berlin

Collien Fernandes ist eine ehemalige Viva-Moderatorin und Schauspielerin. Zuletzt machte sie 2023 öffentlich, dass über fast zehn Jahre hinweg gefälschte Inhalte über sie verbreitet wurden, sogenannte Deepfakes. Fernandes bezeichnet das als „virtuelle Vergewaltigung“. Gemeint sind damit künstlich erzeugte, explizite Darstellungen. Reihenweise wurden Männer aus ihrem beruflichen Umfeld von Fake-Accounts kontaktiert, die vorgaben, Fernandes zu sein. An diese Männer wurden die Darstellungen verschickt, zudem kam es zu eindeutigen Chats, um Fernandes zu kompromittieren. Nun machte sie öffentlich, dass sie ihren Ex-Ehemann Christian Ulmen beschuldigt, für die Verbreitung der Inhalte verantwortlich zu sein. Dazu erstattete sie in Spanien Anzeige. Darüber berichtete zuerst der Spiegel, gegen dessen Berichterstattung Ulmen nun juristisch vorgehen will. Beweise liegen bislang nicht vor. Zahlreiche Prominente solidarisieren sich mit Fernandes, die sich auf Instagram für die Welle der Unterstützung bedankt. Nun werden Forderungen nach harten Strafen, nach einer Klarnamenpflicht im Netz sowie nach einer Digital ID laut.

Klimaaktivisten machen mobil

Am Sonntag meldete eine Klimaaktivistin von „Fridays for Future“ eine Demonstration vor dem Brandenburger Tor an. Laut Polizei kamen mehr als 6000 Demonstranten zusammen, um sich gegen sexualisierte Gewalt im Internet und gegen das Patriarchat zu positionieren. Im Publikum fanden sich Grüne wie Ricarda Lang oder Franziska Brantner, von der SPD wurde Saskia Esken gesichtet.

Starker Anstieg innerhalb von zehn Jahren
Vergewaltigung: EU-weiter Anstieg um 141 Prozent
Auch HateAid war vor Ort, Josephine Ballon war eine der Rednerinnen. Sie wurde kürzlich von den USA sanktioniert, weil sie mit HateAid daran mitwirke, amerikanische Standpunkte zur Redefreiheit zu beschneiden, so die Begründung der US-Behörden. In der US-Dokumentation „60 Minutes“ von CBS erklärte Ballon, dass die Redefreiheit begrenzt gehöre. Diese Aussage sorgte insbesondere in den USA für Aufsehen.

Die Rolle der HateAid-Aktivistinnen

Während ihrer Rede erklärte Ballon, dass sie bereits im Oktober 2023 gemeinsam mit Fernandes eine Petition an Volker Wissing, den ehemaligen Minister für Digitales und Verkehr, habe überreichen wollen. Gestern Abend sagte die Gründerin von HateAid, Anna von Hodenberg, bei RTL, dass sie den Fall Fernandes seit einigen Monaten kenne. Erstaunlich ist, dass von Hodenberg der Fall Fernandes erst deutlich später bekannt wurde. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete die Schauspielerin Collin Fernandes bereits seit einigen Jahren mit ihrer Kollegin Josephine Ballon zusammen.

Während ihrer Rede betonte Ballon, dass sie es für unerhört halte, dass die Erstellung von Deepfakes nicht strafbar sei. Zudem begrüße sie die Ambitionen der Justizministerin Stefanie Hubig (SPD), in Kürze einen neuen Gesetzesvorschlag gegen „digitale Gewalt“ vorlegen zu wollen.

Die Klima-Feministin for Future

Prominente Unterstützung kam von der Klimaaktivistin Luisa Neubauer, die eine Rede hielt. Zuletzt beklagte sie im Deutschlandfunk, dass das Interesse am Klimaaktivismus schwinde. Danach trat Neubauer erneut in Erscheinung, als Empörung über die Stadtbild-Aussage von Merz laut wurde. Es wirkt, als setze Neubauer inzwischen auf Themen, die die Sicherheit von Frauen betreffen. So leitete sie auch ihren Redebeitrag ein. Eigentlich wolle sie sich um Klimaaktivismus kümmern, doch die hiesigen Zustände ließen das nicht zu. Sie müsse mit Personenschützern zu Veranstaltungen begleitet werden, auch die Auswahl ihrer Kleidung für Auftritte gestalte sich sehr kompliziert. All das habe das Patriarchat zu verantworten, doch dafür habe offenbar niemand Zeit. Neubauers Worte wirken abgehoben, da die meisten Frauen, die beispielsweise nachts auf den ÖPNV angewiesen sind, von einem Personenschützer nur träumen können.

Ungeheuere Eskalation der Kriminalität
980 Messerangriffe in Zügen und auf Bahnhöfen in 365 Tagen
Eine weitere Sprecherin war Marie Nasemann, eine Schauspielerin, die durch „Germany’s Next Topmodel“ bekannt wurde. Sie kritisierte, dass übergriffiges Verhalten von Männern in der Film- und Medienbranche an der Tagesordnung sei. Zunächst widmete sie sich den Zahlen, die die Gewalt gegen Frauen beschreiben. Wer die Polizeiliche Kriminalstatistik kennt oder wem die Zahlen zu Verurteilungen aus dem Phänomenbereich geläufig sind, weiß, dass Ausländer bei derartigen Gewaltdelikten massiv überrepräsentiert sind. Hinzu kommt das hohe Dunkelfeld, das besorgniserregend ist, da Studien belegen, dass die meisten Fälle nicht zur Anzeige gebracht werden. Offenbar hat sich Nasemann nicht genauer mit den Tätergruppen beschäftigt, denn sie erklärte, Männer seien das Problem, und das habe mit Nationalität oder Herkunft nichts zu tun.

Eine Kampagne für die Klarnamenpflicht

Im Netz ist eine Debatte darüber entbrannt, inwiefern es sich bei der Causa Fernandes um eine orchestrierte Aktion oder Kampagne handeln könnte. Wie auf Knopfdruck berichtete vor allem der Boulevard mit hoher Schlagzahl. Sogar der öffentlich-rechtliche Rundfunk widmete dem Thema in den Tagesthemen mehrere Minuten Sendezeit. Hinzu kommt eine inflationäre Flut an Beiträgen auf den digitalen Kanälen von ARD und ZDF. Die Vermutung lautet, dass eine Klarnamenpflicht, schärfere Gesetze und die Digital ID vorangetrieben werden sollen. Mit Fernandes und Ulmen erhält das Thema zusätzliche Aufmerksamkeit, weil sich die Promiwelt kollektiv echauffiert und solidarisiert.

Fernandes ist nicht die erste Geschädigte, über die sogenannte Deepfakes verbreitet wurden. Immer wieder gaben Influencer bekannt, dass ihre Inhalte gestohlen und mit sexualisierten Inhalten verändert wurden. Auch der Diebstahl von Identitäten ist nicht neu. Bislang interessierte das die Politik herzlich wenig. Doch mit dem Aufkommen von KI, die die Herstellung vereinfacht, entdecken Politiker das Thema für sich. Es wirkt, als wollten sie der Gefahr mit aller Härte begegnen, dass gefälschte Inhalte über sie selbst in Umlauf geraten könnten. Wieso wird in Windeseile ein neuer Gesetzesvorschlag aus dem Hut gezaubert, wenn es um „virtuelle Vergewaltigung“ geht?

Schließlich wurden reale Vergewaltigungen bislang eher unter unangenehmen Meldungen aus der Kriminalecke verbucht. Für die Tagesschau waren diese Fälle nicht berichtenswert, da es sich um „regionale Beziehungsdelikte“ handele, so erklärte die ARD. Sexualisierte Gewalt schien bislang ein unbequemes Thema zu sein, ebenso die entsprechenden Urteile. In den vergangenen Jahren wurden Täter sexueller Übergriffe oder Gruppenvergewaltigungen teils sehr milde bestraft, was immer wieder für Verwunderung sorgte.

Diese zahlreichen Fälle brachten Neubauer, Nasemann und Ballon jedenfalls nicht auf die Straße, um gegen die erodierende Sicherheit im öffentlichen Raum zu demonstrieren. Auch der spürbare Rückzug von Frauen aus der Öffentlichkeit, etwa an Silvester in Großstädten, interessiert die Teilnehmer der heutigen Veranstaltung offenbar nicht. Bleibt die Frage, wie viele Übergriffe künftig vermieden werden, falls eine Klarnamenpflicht im Internet beschlossen wird.

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Kommentare ( 36 )

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Michaelis
38 Minuten her

„Virtuelle Gewalt gegen Frauen“ wird wahrscheinlich bald als nächster Straftatbestand in die Gesetzbücher geschrieben. Der Wahnsinn geht munter weiter.

mediainfo
41 Minuten her

„Fernandes bezeichnet das als „virtuelle Vergewaltigung“

Es geht natürlich mittels solcher Wortschöpfungen darum, mit Worten zu eskalieren, und darüber der Öffentlichkeit Strafbarkeitslücken zu suggerieren, die, was für ein Zufall, neue und strengere Gesetze „erfordern“. Die vermutlich bereits in der Schublade liegen.

imapact
41 Minuten her

Die Linken brauchen Haß-und Hetzkampagnen wie normale Menschen die Luft zum Atmen.

Lotus
43 Minuten her

Eine linke Kampagne. Wie jede Kampagne von links läuft sie unter der Flagge von Moral, Demokratie- und Frauenschutz. Auf der Demo am Brandenburger Tor durfte „Nazi raus!“-Gebrüll natürlich nicht fehlen. Und wie immer sind die „Qualitätsmedien“ die Türöffner. Ich befürchte, dass die Linken bzgl. Klarnamenpflicht und Digital ID auch diesmal ihren Willen bekommen werden. Von der Union wird es keinen Widerstand geben.
Die Empörung über die „digitale Vergewaltigung“ wird eindrucksvoll konterkariert von der SPD-Europaabgeordneten Birgit Sippel: Es gibt keine Gruppenvergewaltigungen! Die selektive Empörung unter Linksgrünen ist zweifellos eine Frage der Haltung, des Standpunkts und der Herkunft des Täters/der Täter.

Ohanse
50 Minuten her

Ist immer okay, wenn die Linken einen der Ihren vernichten. Sollte sich jeder Linke – von Grönemeyer bis Lindenberg – gut merken. Irgendwie kommt irgendwann alles raus.

Last edited 47 Minuten her by Ohanse
flo
54 Minuten her

In einer Gesellschaft, in der im Jahr 2024 bundesweit insgesamt 5.837.445 Straftaten registriert wurden (PKS), ist die sogenannte virtuelle Gewalt gegen Frauen nur die Spitze des Eisbergs. Schauderhaft, dass all die Promi-Damen den Fall Fernandes, der noch gar nicht juristisch ausgeleuchtet wurde, zum Anlass nehmen, die Anonymität des Internets zu zerstören und letztlich eine Art Männer-Hass zu fördern. Wie fühlen sich eigentlich die Partner der Demonstrant*innen, wenn hier das Theaterstück Frauen gegen Männer aufgeführt wird. Gibt es in der Politik keine als männlich gelesene Personen, denen die orchestrierte Solidarität der links-grünen Damenwelt einseitig und pauschalisiert vorkommt, die mal darüber nachdenken,… Mehr

imapact
38 Minuten her
Antworten an  flo

Funfact: im ZON- Forum versuchten sich einige männliche, besonders „progressive“ Kommentatoren als „weiße Ritter“, doch auch die traf umgehend der Bannstrahl fer keifenden Megären.

h.milde
57 Minuten her

Eine möglicherweise in Geldnot befindliche D-Promineuse -ua. wohl auch als „Modell“ in „Fachmagazinen für aufgeschlossene Menschen“ bekannt?- gibt an, angeblich „VIRTUELL“ vergewaltigt worden zu sein.
DAS finden natürlich linksGRÜNvers…-Pardon!- inspirierte Polit€liten & wohlstandsverwahrloste Gören skandlös & fordern zT. öffentliches(sic!) Aufhängen & Kastrieren von Männern.
Wenn aber zigtsde. schutzbefohhlene, wehrlose deutsche Mädchen & Frauen aus rassistischen, bzw. religoiden Motiven von islamisch geprägten „jungen Männern“ REAL VERGEWALTIGT & ERMORDET werden, dann juckt es keine linksgRÜNE S…..

xweertz
1 Stunde her

Wo sind denn diese ganzen woken links-grünen Würstchen, wenn ganz real jeden Tag zwei Mädchen/Frauen gruppenvergewaltigt werden, wo? Dreckige Heuchler, absolut lächerlich, was für armselige Figuren!

mediainfo
1 Stunde her

Ein mutmaßlicher Deepfake-Skandal wird orchestriert, um die Klarnamenpflicht durchzupeitschen.

Danke, der Sinn dahinter war mir nicht klar, nur das mehr als dumpfe Gefühl vorhanden, dass das Ganze orchestriert ist. Und dann die ganzen Nichtsversteher, die wie auf Befehl zur „Demo“ aufmarschieren! Merken diese Leute gar nichts mehr?!

Raus gehen und das schöne Wetter genießen, das ist meine Devise!

alter weisser Mann
1 Stunde her

Jetzt haben die ganzen Abgewirtschaftetinnen mal wieder was gefunden, um sich und ihre Forderungen mal wieder aufzuführen.
Leider kommt das ja immer VOR jeder Sachverhaltsklärung.

Last edited 1 Stunde her by alter weisser Mann