Fahrt doch E-Auto: Schneiders Spritpreis-Spott in Linie mit „Was haben die denn für Sorgen und Nöte?“

SPD-Verkehrsminister Carsten Schneider grinst, während Benzinpreise explodieren, und rät den Bürgern süffisant, sich halt ein E-Auto zuzulegen. Der Staat kassiert derweil an jeder Zapfsäule mit Steuern, Abgaben, CO2-Gedöns. Entlastung? Fehlanzeige! SPD heißt: fern vom Bürger - außer, wenn es um dessen Geld geht. Deine SPD: Schamlos, Plündernd, Dekadent.

IMAGO, Screenshot ZDF und SWR - Collage: TE

Carsten Schneider sitzt als Bundesumweltminister im warmen Regierungsstuhl, draußen explodieren die Spritpreise, weil ein Krieg im Iran die Märkte aufscheucht. Und dann grinst er den Bürgern ins Gesicht und liefert den Satz, der alles zusammenfasst: „Grundsätzlich ist es am besten, Sie fahren ein batterieelektrisches Auto. Dann sind Sie nicht davon abhängig, wie der Benzinpreis ist.“

Man ist von der SPD in den letzten Jahren ja einiges an Wählerverachtung gewohnt, aber jeden Tag steht ein anderer Politiker dieser Partei der Wählerferne auf und haut einen neuen weltfremden und Bürger verachtenden Spruch raus. Wer die Tankfüllung nicht mehr bezahlen kann, soll eben ein neues Auto kaufen. Wer nicht weiß, wie er den Arbeitsweg stemmen soll, soll eben seine Lebensrealität umschrauben.

Schneider beantwortet damit nicht die Frage, die in jeder Küche, jeder Werkstatt, jedem Pflegeheim gestellt wird. Die Frage lautet nicht „Welche Antriebsform ist langfristig klimafreundlicher?“ Die Frage lautet: Warum kassiert der Staat an jeder Zapfsäule so gierig mit, während er den Menschen gleichzeitig predigt, sie müssten „den Gürtel enger schnallen“? (Und während sich diese Kaste schamlos immer weiter selbst die Bezüge erhöht.)

Deutschlands Bürger sind beim Spritpreis nicht Täter, sie sind Opfer schamloser Politiker. Der Preis an der Säule besteht längst nicht mehr nur aus Öl, Logistik, Marge. Er besteht aus einem dicken staatlichen Block, der mit jeder Preissteigerung mitverdient. Allein die Energiesteuer liegt bei Benzin bei 65,45 Cent je Liter, dazu kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer, die auch noch auf die Energiesteuer erhoben wird, und obendrauf die CO₂-Abgabe, die den Sprit zusätzlich verteuert. Und weil diese Konstruktion so gebaut ist, ist der Staat immer auf der Gewinnerseite: Steigt der Basispreis, steigt automatisch die Mehrwertsteuer, das ist Abzocke als System.

Selbst große Medien benennen inzwischen, was jeder sieht: Staatliche Abgaben machen DEN enormen Anteil am Tankstellenpreis aus, Größenordnungen von 50 bis 60 Prozent sind je nach Preisniveau keine exotische Rechnung, sondern Alltag.

Und was macht die Koalition, wenn der Iran-Krieg die Preise hochjagt, Diesel über zwei Euro schiebt und Pendler, Handwerker, Lieferdienste und Familien zugleich trifft? Sie denkt nicht ernsthaft darüber nach, kurzfristig zu entlasten, obwohl genau das technisch und sofort möglich wäre: Energiesteuer runter, CO2-Preis aussetzen, Mehrwertsteuer temporär senken. Stattdessen wird geprüft, ob Konzerne „abzocken“, und Taskforces werden angekündigt. Das ist politisches Placebo: Es beruhigt die Pressekonferenz, aber nicht den Kontostand.

Der Vergleich mit dem Ausland wird dann besonders unerquicklich. In Großbritannien wurde die temporäre Senkung der Kraftstoffsteuer um 5 Pence pro Liter erneut verlängert, offiziell dokumentiert, mit klarem Enddatum. Man kann das für unzureichend halten, aber es ist wenigstens ein Reflex: Bei Preisschocks wird nicht nur moralisierend gepredigt, sondern an der Steuer gedreht. In Deutschland dagegen gilt: Der Staat bleibt hart, der Bürger soll „umsteigen“. Und wenn er das nicht kann, ist es eben sein Problem.

Genau hier liegt der Kern der Schneider-Aussage. Sie ist nicht einfach unglücklich formuliert. Sie ist das Offenlegen einer Haltung: Wer nicht in das gewünschte Modell passt, soll verschwinden, und wer nicht zahlen kann, soll sich anders organisieren. Das ist nicht „sozial“, das ist sozialtechnokratisch.

Und weil es die SPD ist, die das vorträgt, trifft es doppelt. Denn diese Partei hat sich jahrzehntelang als Anwalt der kleinen Leute verkauft. Heute wirkt sie wie eine Verwaltungseinheit für Lebensstilvorgaben, finanziert aus den Taschen jener, die sie gerade belehrt.

Wer wissen will, wie weit diese Partei inzwischen von der Wirklichkeit weggerutscht ist, muss nur nach Baden-Württemberg schauen. Dort liefert gerade eben erst SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch das passende Bild zur Schneider-Formel. Erst der Besuch im Tafelladen, der Pflichttermin für Kameras und Betroffenheitsmimik – und kurz darauf im selben SWR-TV-Porträt der Satz an den Fahrer: Er möge doch bitte in Frankreich Delikatessen besorgen, „eine schöne Entenpastete“, „gute Wurstwaren“, Baguette. Stoch erklärt sogar, man mache das „manchmal“, wenn Termine nahe der Grenze liegen.

Das ist das gleiche Muster wie bei Schneider, nur in einer anderen Szene: Die einen sollen den Sprit bezahlen, die anderen schicken den Chauffeur in einem Wagen, dessen Füllung ebenfalls der Steuerzahler berappt. Die einen sollen „umsteigen“, die anderen lassen fahren. Die einen sollen sparen, die anderen bestellen Pastete beim Fahrer. Und wenn es Kritik gibt, heißt es hinterher: war missverständlich, war irritierend, war am Ende gar nicht passiert. Nur ist der Schaden nicht die Pastete. Der Schaden ist die Selbstverständlichkeit, mit der solche Leute glauben, das sei normal.

Wer das alles für Einzelfälle hält, irrt. Es ist eine Linie, die man bei der SPD seit Jahren besichtigen kann. Ein Satz aus dem Jahr 2019 steht dafür wie eine eingerahmte Selbstentlarvung. Damals sagte eine SPD-Funktionärin im ZDF sinngemäß, sie finde es nicht richtig, „dass man immer die Sorgen und Nöte der Bevölkerung ernst nehmen muss“, und setzte noch einen drauf: „Was haben die denn für Sorgen und Nöte?“

Mehr muss man über die innere Entfernung dieser Partei kaum wissen. Da sitzt eine Funktionärin geschniegelt vor der Kamera und erklärt genervt, es sei nicht nötig, die Sorgen ernst zu nehmen. Das war 2019. Heute ist 2026, der Staat greift tiefer denn je zu, die Preise steigen, die Abgaben bleiben, und ein Bundesminister setzt die Tradition fort: Wenn es teuer wird, kauf dir eben ein anderes Auto. Die Partei hat ihren Marie-Antoinette-Moment nicht einmal, sondern als Routine.

Die SPD steht inzwischen exemplarisch für eine Politik, die mit dem Alltag der Menschen nur noch in Ritualen Berührung hat. Einmal Tafelbesuch, einmal Fototermin, einmal Satzbaustein über „Respekt“. Und dann zurück in die Welt, in der man glaubt, ein E-Auto sei die naheliegende Antwort auf steigende Spritpreise, als läge bei jedem im Flur ein zweiter Neuwagenkatalog.

Die Wahrheit ist einfacher und brutaler: Wer heute auf Sprit angewiesen ist, macht es sich oft nicht bequem, sondern kann nicht nicht anders. Der Krankenpfleger im Schichtdienst, die Alleinerziehende mit zwei Wegen am Tag, der Handwerker mit Werkzeug und Material, der Pendler aus Regionen, in denen „ÖPNV“ eine theoretische Übung ist. Diese Menschen werden nicht entlastet, sie werden gedrillt. Erst über die Preise, dann über den Ton. Und genau deshalb ist Schneiders grinsender Satz so toxisch. Weil er aus einer Regierungsposition kommt, die gleichzeitig an jeder Säule mitverdient. Energiesteuer, Mehrwertsteuer, CO₂-Aufschlag, alles läuft weiter, und jeder Tag ohne Entlastung ist ein Tag, an dem der Staat zusätzlich kassiert.

Am Ende ist es gar keine Kommunikationspanne mehr, sondern das Leitbild: Der Bürger ist Kostenfaktor und Einnahmequelle, und wenn er jammert, wird er belehrt. Die SPD hat den Kontakt zu den Menschen nicht „verloren“. Sie hat ihn abgelegt, wie ein altes Parteibuch im Archiv.

Eine Partei, die bei explodierenden Preisen grinsend den Kauf eines neuen Autos empfiehlt, die nach dem Tafelbesuch Pastete ordert und die „Sorgen und Nöte“ der Bevölkerung für lästig erklärt, ist schon lange nicht mehr Arbeiterpartei. Sie ist eine dekadente, wohlstandsverwahrloste Verwaltungskaste. Und wer so regiert, bekommt die Quittung: nicht an der Zapfsäule, sondern an der Wahlurne.

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Kommentare ( 32 )

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Tomtargi
58 Minuten her

Tja, es wurden Leute an die Macht gelassen, die nicht nur keinerlei lebensrelevante Kompetenz besitzen, sondern außerdem auch noch nie die Folgen ihrer fehlenden Sozialisierung am eigenen Leib erfahren haben.

yeager
1 Stunde her

Die Empfehlung eines Elektroautos ist auch deswegen absurd, weil erstens niemand lang- oder auch nur mittelfristig Garantien für Strompreise gewährleistet, und zweitens absehbar ist, dass auch der Strom für’s E-Auto spätestens dann kräftig versteuert wird, wenn der Anteil der E-Autos groß genug ist.
Mit der Steuer auf Benzin besteuert der Staat individuelle Mobilität, die für viele unverzichtbar ist. Es ist eine Steuereinnahme mit der der Staat fest rechnen kann, und diese konstante Einnahme wird der Staat nicht aufgeben weil Leute auf E-Autos umsatteln.

Alf
1 Stunde her

Am besten, die SPD scheidet aus der Regierung, aus den Parlamenten, dann ist sie nicht mehr genötigt, der Bevölkerung zu erklären, warum sie vom Steuerzahler alimentiert wird.
Und wenn die üppige Besoldung durch den blöden Wähler wegfällt, kann der Gürtel ohne weiteres enger geschnallt werden.
Die halten uns alle für blöd.

Dietrich
1 Stunde her

In der Welt, in der Karsten Schneider und ich leben, könnte ich mir niemals ein E-Auto leisten. Welche Menschenverachtung liegt in seinen Worten, welche Hybris und welche Dummheit. Diese SPD-Politiker wissen nicht im mindesten, wie es vielen Menschen in Deutschland finanziell geht. Sie kennen sie nur als willfährige Melkkühe für ihre „weltweiten Ambitionen und ihre ideologisch vergiftete Energieidiotie. Kein Wunder, dass kaum ein Arbeiter sie noch wählt. Brand und Schmidt drehen sich im Grabe um. Das Zitat von Marie Antoinette ist nicht gesichert. Es gibt auch Quellen, die besagen, es wurde ihr von ihren Henkern angeheftet. Henkern, die kurz darauf… Mehr

verblichene Rose
1 Stunde her
Antworten an  Dietrich

Es ist nicht entscheidend, was Marie Antoinette sagte. Sie hat die damals für gerecht empfundene Strafe bekommen…!


alter weisser Mann
1 Stunde her

Und falls der Strom teuer wird … „Am besten Sie fahren Fahrrad, laufen oder bleiben als Couch-Held daheim und schauen ÖRR!“
Diese Polit-Typen (vulgo: Bonzen) sind gar nicht bereit, oder auch geistig nicht in der Lage, für den Normalbürger tätig zu sein. Nur noch für versponnene rot-grüne Visionen.

Last edited 1 Stunde her by alter weisser Mann
Ho.mann
1 Stunde her

Der von diesem SPD-Verkehrsminister versprühte Hohn mündet bei ihm offenbar in boshafter Schadenfreude. Aber offensichtlich lässt die Hitze vor der Brandmauer keinen Funken Vernunft mehr zu. So jedenfalls kann Überheblichkeit und Unvernunft, gepaart mit glänzender Gehässigkeit, wie Schneider sie zum Besten gab, trotz Brandmauer schnell zu einem Flächenbrand führen.

List
2 Stunden her

Aus Selbstschutz und gesundheitlichen Erwägungen darf ich den Artikel nur quer lesen! ESS PEE DEE= Sie Plündern Dich. Diese unglaublich abgehobene und durch NICHTS getrechtfertigte Arroganz sucht ihresgleichen. Das ich mal mit einem „taz“-Redakteur einer Meinung sein würde:
„Mit Schneider als Bundesumweltminister setze die SPD eine Unart ihrer Politik fort:
„fachlich weitgehend ahnungslose Parteifreunde übernehmen fachlich sehr anspruchsvolle Ministerien.“
Q.e.d
Habe fertig mit diesem Land.

ratio substituo habitus
2 Stunden her

Und trotzdem werden sie gewählt und bestimmen maßgeblich die Bundespolitik. Ein Volk, das sich so etwas gefallen lässt, hat es nicht besser verdient.

haqus b.
2 Stunden her

Ihr müden und beladenen Proletarier: Esst doch Kuchen, wenn ihr Euch kein Brot leisten könnt. Oder fahrt ein teures E-Auto, wenn euch durch staatliche Steuern das Benzin/Diesel teuerer wird. Übrigens in den Nachbarländern zockt man die arbeitende Bevölkerung nicht so viel an der Zapfsäule ab.

Jack
2 Stunden her

Wenn ich mich noch richtig erinnere, wurde in der Schule vermittelt, „es gibt keine dummen Fragen, es gibt nur dumme Antworten“. Irgendwie ist mir dieser Spruch in diesem Zusammenhang wieder in den Sinn gekommen. Wie lassen sich diese hohen Abgaben auf Kraftstoffe sachlich begründen, wenn die durch Deutschland hervorgerufene Co2 Emmision ca. 3 % von der weltweiten Co2 Emmision beträgt? Dazu der Ölverbrauch in Deutschland bei ca. 2 % des weltweiten Ölverbrauchs liegt. Geht es hier um die Sache? Interessant ist noch, dass dieser Minister, bei dieser Frage noch auf die Subventionen der E-Mobiltät hingewiesen hat. Wer muss diese Subvention… Mehr

Last edited 2 Stunden her by Jack
CasusKnaxus
51 Minuten her
Antworten an  Jack

Sozen brauchen immer Geld von Anderen