CDU, SPD, Grüne, FDP, Linke: Die neue Volksfront gegen die AfD in Magdeburg

Wenn der Wähler stört, werden die Regeln von "UnserenDemokraten" ganz schnell geändert. Die neue Volksfront in Sachsen-Anhalt nennt es Parlamentsreform – gemeint ist Machtversicherung. Richterwahl umbiegen, Blockaden umgehen, Staatsverträge nur noch mit Parlamentssegen kündbar: Hauptsache, die AfD kann mit Sperrminorität nicht dazwischenfunken.

picture alliance/dpa | Hendrik Schmidt

Seit einem Jahr arbeiten also schon CDU, Linke, SPD, Grüne und FDP an einer Parlamentsreform. Es ist nicht ja nicht so, dass die CDU in den vielen Jahren, in denen sie schon in Sachsen-Anhalt die Regierung stellt, unzufrieden gewesen wäre mit der Landesverfassung und den Gesetzen, doch jetzt fürchtet sie um den Verlust der Macht. Allein die Vorstellung, dass die AfD stärkste Partei werden oder eine Sperrminorität erreichen könnte, mindert doch sehr die Freude der CDU an den Gesetzen, die ihr bis jetzt gefielen. Also kramt man die Blockflöte aus und musiziert in Hinterzimmern.

Die WELT zitiert „eine eng mit den Verhandlungen vertraute Person, die anonym bleiben möchte“ mit den Worten: „Es wurde sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet“. Olaf Meister von den Grünen, die in Sachsen-Anhalt eigentlich nur noch existieren aufgrund der Landesuniversitäten mit kräftigem Westzuzug, und die nach heutigem Stand im nächsten Landtag wohl nicht mehr vertreten sein werden, erklärte: „Unsere Verfassungsorgane dürfen nicht durch böswillige Blockaden in ihrer Arbeit behindert werden.“ Damit meinte Meister natürlich nicht die partisanenartige Besetzung von Funktionen, wie sie die Grünen so sehr lieben. Die Mitteldeutsche Zeitung in Halle, die in den Jargon der Vorwendezeit zurückfällt, titelte gar: „Sorge vor wachsendem AfD-Einfluss: So wollen die Parteien in Sachsen-Anhalt die Demokratie krisenfest machen“ und plaudert ungewollt aus, worum es eigentlich geht: „Was, wenn die rechtsextreme AfD bei der Landtagswahl so stark wird, dass sie demokratische Abläufe blockieren kann? Mit diesem Reformpaket wollen die Parteien von CDU bis Linke gemeinsam vorbauen.“ Vorbauen gegen den Wählerwillen? In der Mitteldeutschen Zeitung und in Magdeburgs neuer Volksfront aus CDU, Linke, SPD, Grüne und FDP scheint das Wort Wählerwille ein Fremdwort zu sein. Könnte es eventuell sein, dass CDU, Linke, SPD, Grüne und FDP ihre Wähler aus den Augen verloren haben und lieber Gesetze ändern, anstatt die Bürger zu überzeugen oder ihre Politik zu verändern?

Im Moment werden die Richter des Landesverfassungsgerichts noch mit Zweidrittelmehrheit vom Landtag gewählt. Doch mit dem Erreichen einer Sperrminorität könnte die AfD Einfluss auf die Wahl der Richter nehmen. Um das zu umgehen, verfällt man dem abenteuerlichen Gedanken, dass im Falle die Wahl eines Verfassungsrichters scheitert im Landtag, nun das Landesverfassungsgericht die Kandidaten selbst vorschlagen dürfen, die dann nur noch mit einfacher Mehrheit vom Parlament gewählt werden müssen: „Die Mitglieder und die stellvertretenden Mitglieder des Landesverfassungsgerichts werden vom Landtag ohne Aussprache mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der anwesenden Mitglieder des Landtages, mindestens mit der Mehrheit der Mitglieder des Landtages gewählt. Kommt innerhalb von sechs Monaten nach dem Ende der Amtszeit oder nach dem vorzeitigen Ausscheiden eines Mitglieds des Landesverfassungsgerichts eine Wahl seines Nachfolgers nicht zustande, unterbreitet das Landesverfassungsgericht dem Landtag einen Vorschlag. Ein vom Landesverfassungsgericht vorgeschlagenes Mitglied des Landesverfassungsgerichts wird ohne Aussprache mit der Mehrheit der Mitglieder des Landtages gewählt“, heißt es im Gesetz.

Das kann man sich in unserer Demokratie hübsch possierlich vorstellen, wenn die Verfassungsrichter befinden, dass die Karla oder der Karl doch ganz gut ins Kollektiv passen und den Karl oder die Karla ohne Aussprache wählen, denn weshalb soll der schnöde Bürger noch etwas über die Karla oder den Karl erfahren? Wenn es im Gesetz dann noch heißt: „Dies stärkt die Unabhängigkeit der Verfassungsgerichtsbarkeit sowie die souveräne Autonomie dieses Verfassungsorgans in der gewaltengeteilten Verfassungsordnung Sachsen-Anhalts“, kann das nur noch als der kalte Hohn der Macht aufgefasst werden. Denn eine Wahl im Hinterzimmer vom Hinterzimmer vom Hinterzimmer beraubt den künftigen Richter und dem Verfassungsgericht der demokratischen Legitimation und mithin der rechtsstaatlichen Akzeptanz. Auch so kann man Verfassungsorgane ruinieren. Das könnte dazu führen, dass Beschlüsse und Urteile des Landesverfassungsgerichtes nicht mehr über allen Zweifel erhaben sind, weil der Wählerwille von über einem Drittel der Wähler im Prinzip hintergangen wurde. Rechtsdurchsetzung fände dann nicht mehr auf der Grundlage der Autorität, sondern der Macht statt.

In Sachsen-Anhalt haben Ministerpräsidenten das Recht, Staatsverträge zu kündigen. Diese Kündigung soll nur mit Zustimmung des Parlaments möglich sein. Was man dabei im Auge hat, ist völlig klar, den Rundfunkstaatsvertrag. Die Sorge bei Grünen und Roten und bei der CDU scheint hoch zu sein, dass ihnen durch die Kündigung des Rundfunkstaatsvertrages ein so wichtiges Propagandainstrument verloren geht.

Schaut man also genau auf den Entwurf eines Gesetzes zur Parlamentsreform 2026 ist er eine Lex AfD – und darin liegt genau das demokratische und das rechtsstaatliche Problem dieses Entwurfs, der auch einzelne vernünftige Regelungen enthalten mag. Denn ein Gesetz, das eigens dazu gemacht ist, den Wählerwillen zu ignorieren, das nur dem eigenen Machterhalt dienen soll, steht im Widerspruch zur Landesverfassung, in der es heißt: „Das Volk ist der Souverän. Vom Volk geht alle Staatsgewalt aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und in Abstimmungen sowie durch die Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.“ Ein solches Gesetz missachtet das Grundgesetz, in dem es heißt, dass die Parteien an der politischen Willensbildung mitwirken, nicht aber sie übernehmen.

Der eigentliche Skandal ist jedoch, dass die CDU in Magdeburg den Unvereinbarkeitsbeschluss ihrer Partei missachtet, dass sie hinter der Brandmauer als brave Blockpartei eine informelle Koalition mit den Linken eingeht. Grüne und FDP dürfte nach den aktuellen Zahlen nicht mehr in den Landtag kommen. Legt man also die aktuellen Zahlen zugrunde, kann man davon ausgehen, dass, wer CDU wählt, die Linken wählt, nämlich eine schwarz-tiefrote-rote Regierung. Möglich, dass man sich, um billig den Schein zu wahren, an das Magdeburger Modell erinnert, die Linke aus taktischen Erwägungen nicht „koaliert“, sondern nur „toleriert“, was aber auf das gleich rauskommt.

Der Erfinder des Begriffs „unsere Demokratie“ war übrigens Erich Honecker, in seinem Buch „Aus meinem Leben.“

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Kommentare ( 12 )

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Klaus D
17 Minuten her

CDU, SPD, Grüne, FDP, Linke: Die neue Volksfront gegen die AfD….man nennt es auch demokratie! Es ist nun mal so das um die 70% „links“ wählen und nur 25% rechts und das parteien dann geschnitten werden ist „nromal“ siehe anfänge der grünen. Es gibt jetzt 2 möglichkeiten: 1 die AfD bleibt wie sie ist und wird nie mitregieren bzw müsste über 50% kommen was so gut wie ausgeschlossen ist oder 2 die AfD wird kompromisse finden müssen. Dann wird sie wie die grünen auch in die mitte rutschen (nach „links“). Die grünen waren/sind ja keine linke partei im klassischen sinne… Mehr

Micci
17 Minuten her

Wäre Wahlen abzuschaffen, damit der Souverän, dieser alte Lümmel, nicht dauernd dazwischenfunken kann, nicht viel einfacher? Vor irgendetwas scheinen sie da Angst zu haben – denn sonst gehen sie doch auch immer den leichteren Weg. Oder es ist so eine Art Fetisch: schließlich wollte ‚Erich der Einzige‘ (M. Klonovsky) ja auch immer seine 98-99%. Und die Kims lassen ja auch immer ihren Untertanen die Wahl: entweder Zahlen bei 100 Prozent oder lebenslang Lager, einschließlich der Sippe. Die einfachste Erklärung für all das, einschließlich der Beobachtung, dass 80 Sozialismus-Versuche IMMER ins Unglück führten, aber trotzdem Millionen unbedingt den 81. Versuch wollen:… Mehr

Ich bin RECHTS
23 Minuten her

Für alle diejenigen, die es bis jetzt noch nicht gemerkt haben:

DEUTSCHLAND HAT EIN ZWEI-PARTEIEN-SYSTEM:
1. AFD
2. CDU/CSU/SPD/GRÜNE/LINKE

Nur so lässt sich z.B. der undemokratische Staatsstreich zum Sondervermögen erklären.

Kraichgau
32 Minuten her

Diese „republik“ist Beute einer 1% Minderheit,die in den alten Parteien organisiert ist. Ehrlich,mehr Bürger sind es nicht,die die Parteibücher tragen!
Und dieses eine Prozent regiert wie der alte Adel,geradeso wie es ihnen gefällt.Die „demokratische Front“,abgekupfert von der alten DDR, ergibt sich eben aus der Beutegemeinschaft der Parteimitglieder,die ausser dieser Mitgliedschaft nichts wertschaffendes vorweisen können.
Eigentlich absurd,das sich 99% der Menschen im Land durch so eine Vorspielung eines Systems veralbern lassen und knechten lassen.
wer schwarz wählt,bekommt rot,wer rot wählt grün und wer grün wählt, gelb….

Klaus D
16 Minuten her
Antworten an  Kraichgau

Man nennt sie auch die oberen 1%…die armut ist gestiegen – die mittelschicht wird immer mehr geschröpft – die oberschicht wird immer vermögender.

DrMabuse
32 Minuten her

„UnsereDemokraten“ bei der inzwischen täglichen
„Delegitimierung des Staates“.
„L’état, c’est moi“, nur im Plural.

OJ
57 Minuten her

In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gibt es ca. 3 Millionen Wahlberechtigte.
Aktueller Stimmenanteil AFD in beiden Bundesländern je um die 40%.
Wenn die AFD in beiden Ländern nicht mit regieren oder gar den Ministerpräsidenten stellen sollte, werden 1,2 Millionen Menschen einfach ignoriert, gab es nie❗
Werden die Menschen in den neuen Bundesländern es einfach nur hinnehmen, still und klaglos, ich bin außerordentlich gespannt❓

Wilhelm Roepke
57 Minuten her

Schuld sind die Wähler, die ums Verrecken nicht verstehen wollen, dass sie eine Holschuld bei politischen Informationen haben und stattdessen bequem Mainstreammedien konsumieren.

eifelerjong
1 Stunde her

Daß ihnen überhaupt noch das Wort „Demokratie“, gleich, ob „UnsereDemokratie“ oder anders, über die Lippen kommt ist bereits eine Verhöhnung des Souveräns.

Klaus D
11 Minuten her
Antworten an  eifelerjong

Die demokratie ist am ende! War eine schöne zeit mit ihr.

Juri St.
1 Stunde her

Wenn das Wahlvolk nicht zu knapp 2/3 so dumm wäre und trotz aller (geheimen) Absprachen, Lügen und Machenschaften der Systemparteien immer noch ihr Kreuzchen bei diesen Parteien machen würde, dann könnte sich auch endlich etwas ändern, Nur viel zu langsam begreifen mehr Menschen dass es den Systemparteien nur um den eigenen Machterhalt und den Erhalt ihrer Pfründe geht. Wenn gesagt wird, die Parteien haben sich den Staat zur Beute gemacht, dann ist das so verkehrt nicht.

Klaus D
10 Minuten her
Antworten an  Juri St.

und den Erhalt ihrer Pfründe geht….so ist es siehe diäten der MdB´s die ALLE parteien/politiker voll abgreifen.