Orbáns Blockade: Keine 90 Milliarden für Kiew?

Dauerangriffe auf die Energieversorgung, dazu massiver Druck an der Front im Donbass - die Ukraine braucht dringend Geld. Doch Ungarn wird nun die Zustimmung zu einem geplanten EU-Darlehen in Höhe von 90 Milliarden Euro für die Ukraine verweigern, meinte jetzt Viktor Orbán.

screenshot X/ Viktor Orbán PL

Ministerpräsident Viktor Orbán und Außenminister Péter Szijjártó knüpfen nun ihre Zustimmung zu diesem Milliarden-Darlehen an die Wiederaufnahme des Öltransits über die Druschba-Pipeline, die seit Ende Januar nach Drohnen-Angriffen unterbrochen ist. Diese Drohung gegenüber der Ukraine fällt kurz vor dem vierten Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine und inmitten innenpolitischer Spannungen in Ungarn vor den Parlamentswahlen im April.

Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten im Dezember politisch vereinbart, der Ukraine über zwei Jahre bis zu 90 Milliarden Euro als Darlehen bereitzustellen, um den Haushalt und die Verteidigungsausgaben zu stützen. Davon sind 60 Milliarden Euro für militärische Zwecke vorgesehen, der Rest als direkte Budgethilfe.

Das Europäische Parlament stimmte vergangene Woche zu – die finale Genehmigung im Rat der Mitgliedstaaten galt bislang als reine Formsache, da Einstimmigkeit erforderlich ist. Nun hat Ungarn in einer Sitzung der EU-Botschafter Einspruch erhoben und diesen Prozess gestoppt.

„Solange die Ukraine die Druschba-Pipeline blockiert, wird Ungarn das 90-Milliarden-Euro-Darlehen für die Ukraine blockieren“, schrieb Orbán auf Facebook und X. Und: „Wir lassen uns nicht erpressen.“ Außenminister Szijjártó ergänzte auf X, Ungarn werde „dieser Erpressung nicht nachgeben“. Er warf der Ukraine vor, den Öltransit absichtlich zu behindern, um in Abstimmung mit Brüssel und der ungarischen Opposition die Kraftstoffpreise vor den Wahlen zu treiben und politischen Druck auf Budapest auszuüben.

Die Druschba-Pipeline transportiert russisches Rohöl durch die Ukraine nach Ungarn und in die Slowakei – also in jene Länder, die als einzige in der EU noch von russischem Pipeline-Öl abhängig sind und entsprechende Sanktionsausnahmen besitzen. Seit dem 27. Januar ist der Transit unterbrochen. Die Ukraine nennt dafür einen russischen Drohnenangriff in der Nähe von Brody als Grund. Kiew betont, dass die Reparaturen im Gange seien, warf jedoch Russland die Verantwortung für die Zerstörung zu.

Verzögert die Ukraine die Pipeline-Reparaturen?

Ungarn und die Slowakei hingegen werfen der ukrainischen Seite vor, die Inbetriebnahme bewusst zu verzögern. Die slowakische Wirtschaftsministerin Denisa Saková erklärte, die Wiederaufnahme sei ursprünglich für Samstag geplant gewesen, sei aber nun bis zum 24. Februar verschoben worden.

Die Regierung in Budapest hat bereits angekündigt, strategische Ölreserven in Höhe von 1,8 Millionen Barrel freizugeben, um Engpässe zu überbrücken. Die Slowakei hat den Notstand ausgerufen und ebenfalls Reserven mobilisiert. Beide Länder haben jetzt Diesel-Lieferungen in die Ukraine eingestellt – eine Gegenmaßnahme, die die Spannungen weiter verschärft.

Die Europäische Kommission hat eine Dringlichkeitssitzung der Öl-Koordinierungsgruppe einberufen, um Alternativen zu prüfen, darunter mögliche Transitwege über Kroatien. Aus Sicht der Ukraine trägt der fortgesetzte Bezug russischen Öls durch Ungarn und die Slowakei zur Finanzierung des russischen Krieges bei, und Kiew sieht in der Blockade des EU-Darlehens eine Gefährdung seiner Existenzfähigkeit inmitten des Abwehrkampfs.

Ein Sprecher der EU-Kommission kommentierte den aktuellen Konflikt: „Wir gehen davon aus, dass alle Partner die Vereinbarung respektieren.“ Viktor Orbán sieht das anders – zumindest derzeit. Für die Regierung in Kiew könnte dieser Konflikt eine militärische Niederlage gegen Russland beschleunigen: Die Ukraine benötigt die Mittel dringend, um ihren Haushalt bis Ende 2027 zu sichern.

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Kommentare ( 19 )

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Itzgruendisch
2 Stunden her

Hoffentlich bleibt Orban stark.

JamesBond
2 Stunden her

Die Ukraine wird letztlich die EU zum implodieren bringen und auch die Union in Deutschland mittelbar zerstören. Auf dem Parteitag der CDU in Stuttgart gibt es nur ein „weiter so“ im Umgang mit der Ukraine, was letztlich auch unseren bescheidenen Wohlstand endgültig vernichten wird.

Last edited 2 Stunden her by JamesBond
bkkopp
2 Stunden her

Die Ukrainer können sich leicht ausrechnen dass die Ungarn/Slowaken das EU-Finanzpaket blockieren wenn sie die von den Russen beschädigte Öl-Pipline verzögert reparieren. Eine absichtsvolle Verzögerung wird einfach behauptet, um davor abzulenken, dass die Russen die Aggressoren sind.

Michael Elicker
2 Stunden her

Hoffentlich hält Orban seinen Kurs durch. Wie schon zu Zeiten des Mauerfalls scheint Europas Zukunft erneut von den rational denkenden und handelnden Ungarn abzuhängen. Danke dafür.

PaulKehl
2 Stunden her

Noch einmal: Die EU hat Boycottmaßnahmen gegen RU verhängt, keine Sanktionen. Diese kann nur der UN-Sicherheitsrat beschließen. Die Boycottmaßnahmen sind das letzte Aufbäumen eines untergehenden Gebildes, neben Piraterie und Kaperungen. Eine weitere Lüge, daß die 90 Milliarden ein Darlehen darstellen. Dann würden mich die Vergabebedingungen und die Rückzahlungsfristen interessieren. Niemand gewährt dem Pseudo-Staat Ukraine auch nur eine Puseratze.

humerd
3 Stunden her

Das Geld für das Darlehen soll zu günstigen Konditionen am Kapitalmarkt aufgenommen werden. Die Ukraine soll es nur zurückzahlen müssen, wenn Russland nach einem Ende seines Angriffskriegs Entschädigungszahlungen für die entstandenen Schäden leistet. https://www.tagesschau.de/ausland/europa/eu-darlehen-ukraine-100.html
Die EU macht Gemeinschaftsschulden, Tschechien, die Slowakei und Ungarn machen nicht mit, vergibt dann diese Schulden als Darlehen an die Ukraine und die Ukraine braucht dieses Darlehen nicht zurück zahlen. Russland wird keine Entschädigungszahlungen leisten.
In Deutschland, dem größten Nettozahler zum EU Haushalt, werden Rentenkürzungen, sowie Leistungskürzungen für die Beitragszahler zur gKV diskutiert.

Biskaborn
3 Stunden her

Sicher gibt es auch kritikwürdiges an Orban, trotzdem, wir brauchen noch viel mehr Orbans in dieser EU, ansonsten gehen dieses sinnbefreite Bürokratiemonster, seine Wirtschaft und die Bewohner endgültig den Bach runter!

Klaus D
3 Stunden her

Nun hat Ungarn in einer Sitzung der EU-Botschafter Einspruch erhoben und diesen Prozess gestoppt….ein gutes beispiel warum wir scheitern. Das ein einzelner oder eine kleine gruppe (Ungarn!) das ganze blockieren kann hat zu einem totalen chaos und oder faulen kompromissen geführt. Ich glaube nicht das es herrn Orbán wirklich um die pipeline geht. Entweder will er für sich (Ungarn) mehr bei der EU rausholen sprich einen faulen kompromiss oder aber er will der EU schaden. Ich meine das herr Orbán Ungarn am ende nur schadet.

moselbaer
3 Stunden her

Und Deutschland sollte ebenfalls keinen Cent mehr in die Ukraine schicken, bevor nicht das Nordstream – Attentat aufgeklärt, die Pipeline repariert und Schadenersatz geleistet worden ist. Herr Orbán setzt sich für sein Land und sein Volk ein, was man von unseren Politikern nun wirklich nicht behaupten kann.

BKF
3 Stunden her

Mal so eine Frage am Rande, weil sie im Artikel nicht aufgegriffen wird. Kassiert die Ukraine nicht auch Transitgebüren bei diesen Pipelines und verdient damit ebenso am Export russischer Energierohstoffe mit?
Das Transitproblem durch die Ukraine ist doch schon ein Klassiker und war ja bei Gas auch ein wesentlicher Grund für Nordstream und die Umgehung der Transitländer damit, um sich nicht mehr erpressbar zu machen durch die Transitländer.

Last edited 3 Stunden her by BKF