Freedom.gov – die neue Freiheit im Web kommt aus den USA

Die Pläne der US-Regierung für das Online-Portal freedom.gov, mit dem Netzsperren und Inhaltsbeschränkungen in Europa umgangen werden sollen, wird in Brüssel für Aufregung sorgen. Das Projekt soll die digitale Freiheit gegen Zensur-Angriffe verteidigen.

picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Alex Brandon

Auch diese Initiative zeigt die tiefe kulturelle Kluft. Auf der einen Seite ein Verständnis der US-Regierung von nahezu unbegrenzter Meinungsäußerung, auf der anderen eine EU, die mit Schutz vor Hass, Desinformation und illegalen Inhalten enge Regulierungen begründet, die Regierungen vor dem Volk schützen sollen und nicht die Bürger.

Das US-Außenministerium unter der Leitung von Unterstaatssekretärin Sarah B. Rogers plant laut Insiderberichten eine Plattform, die VPN-ähnliche Funktionen bietet, um die digitale Herkunft zu verschleiern und Zugriff auf in Europa blockierte Inhalte zu ermöglichen – einschließlich solcher, die EU-seits als Hassrede oder Terrorpropaganda klassifiziert werden.

freedom.gov sollte bereits in München präsentiert werden

Obwohl das Ministerium offiziell ein spezifisches Programm zur Umgehung der EU-Zensur dementiert und betont, digitale Freiheit sei eine Priorität – inklusive der Förderung von VPN-Technologien – halten sich die Gerüchte über freedom.gov hartnäckig. Eine geplante Vorstellung auf der Münchner Sicherheitskonferenz wurde jetzt verschoben, was Spekulationen über interne Bedenken – auch juristischer Art – nährt.

Aus Sicht der EU-Führung ist dieses Vorhaben hochproblematisch: Es würde Bürger faktisch dazu ermutigen, geltende nationale und unionsrechtliche Vorschriften zu umgehen, darunter den Digital Services Act (DSA), der seit 2024 voll wirksam ist. Der DSA verpflichtet große Plattformen, illegale Inhalte rasch zu entfernen, Transparenz zu schaffen und systemische Risiken für die Demokratie zu mindern – von Desinformation bis hin zu Bedrohungen des Wahlprozesses.

Kritiker in den USA werten dies als globale Zensur, die EU als notwendigern Schutz vor Hasskampagnen, Terrorpropaganda und koordinierten Desinformationswellen, die in der Vergangenheit Wahlen beeinflusst und gesellschaftliche Spaltungen vertieft hätten. Die EU-Kommission meint damit nicht die von ihr beeinflussten Wahlen in Mitgliedsländern.

Alarmierend ist die jüngste Eskalation: Im Dezember 2025 verhängte die EU-Kommission die erste DSA-Strafe in Höhe von 120 Millionen Euro gegen X (ehemals Twitter). Der angegebene Grund: Verstöße gegen Transparenzpflichten, darunter irreführende „Blue Checkmarks“, mangelhafte Werbearchive und fehlender Datenzugang für Forscher. US-Politiker und Tech-Vertreter werteten dies als politisch motivierte Vergeltung gegen eine Plattform, die sich für freie Rede einsetzt. Die Strafe – weit unter dem möglichen Maximum von sechs Prozent des globalen Umsatzes – signalisiert dennoch: Die EU meint es ernst mit der Durchsetzung.

Weitere Untersuchungen gegen X, Meta und andere Plattformen laufen, etwa in Spanien und Frankreich wegen mutmaßlicher Verbreitung von KI-generiertem Missbrauchsmaterial oder Holocaust-Leugnung. Kenner sagen: Propaganda.

Der transatlantische Streit hat sich seit 2025 jedenfalls massiv verschärft. US-Kongressberichte des Judiciary Committee sprechen von einer jahrzehntelangen Zensurkampagne der EU, die politische Rede, Satire und Memes als „Hassrede“ oder „Desinformation“ unterdrücke. Berichte werfen der EU-Kommission vor, Plattformen zu globalen Moderationsänderungen zu zwingen, was auch US-Bürger betrifft – ein „Brüsseler Effekt“, der amerikanische First-Amendment-Rechte untergrabe.

US-Regierung sieht autoritäre Zensur durch die EU

Vizepräsident J.D. Vance bezeichnete die europäische Maßnahmen als autoritäre Zensur, es gab Visa-Sanktionen gegen den ehemalige EU-Kommissar Thierry Breton. US-Präsident Donald Trump sieht darin eine Bedrohung für jede Innovation und freie Meinungsäußerung.

Laut EU-Spitzen würde der DSA nicht die Unterdrückung legitimer Debatten sein, sondern demokratische Prozesse schützen. In Deutschland allein wurden 2024 Hunderte Löschverfügungen erlassen, die Tausende terroristischer Inhalte entfernten – Maßnahmen, die Brüssel essenziell nennt, um Radikalisierung einzudämmen. Die vagen Begriffe „Hassrede“ oder „Desinformation“ bergen zwar Missbrauchsrisiken, doch der Act enthalte Rechtsbehelfe, Transparenzvorgaben und gerichtliche Kontrolle.

Das geplante US-Portal würde in EU-Europa geltende Regeln umgehbar machen. freedom.gov wäre somit ein Frontalangriff auf die EU-Regeldurchsetzung.

EU-Staats- und Regierungschefs, darunter Frankreichs Präsident Macron, bleiben weiter auf Konfrontationskurs: „Free speech ist pure bullshit, wenn niemand weiß, wie die Algorithmen lenken.“

Die EU-Kommission setzt weiter auf regulierten Schutz, die USA auf minimalen Staatseingriff. Das freedom.gov-Projekt wird auf die EU-Kommission wie eine Einladung zur Gesetzesumgehung wirken. Allerdings: Wann freedom.gov startet, ist noch unklar.

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Kommentare ( 6 )

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Heptamer
1 Stunde her

Ich hoffe sehr, dass es kommt. Andererseits, wie will die kommunistische EU-Politik verhindern, dass Deutsche aus Deutschland heraus US-Webseiten aufrufen? Das Internet wie Nordkorea und der Iran abriegeln und filtern? Intelligente Bürger werden immer einen Weg haben, die Wahrheit zu finden. Vom ÖRR mental sedierte, die die Fake-News des ZDF glauben und Hayali und Genossen für professionelle Journalisten halten, einmal abgesehen.

AmpelFluechtling
2 Stunden her

Die Amerikaner sind viel zu freundlich mit der EU. Den Bürokraten in Brüssel mal eine Woche lang alle amerikanische Software abdrehen. Der Apparat würde zusammenbrechen.

Wenigstens kümmern sich die USA noch um die Redefreiheit, Freiheit des Individuums und Freiheit vor übergriffigen Staaten.

Klaus Uhltzscht
2 Stunden her

VPN-Software gibt es bereits für jedermann für wenig Geld. Damit löst man mit wenig Aufwand die meisten Probleme, die man mit der Stasi so hat.
Anbieter sollten kommerzielle Werbung in Form von technischen Erklär-Artikeln auf TE und anderen freien Medien schalten, zu VPN-Software, Funktionsweise und Installation auf dem heimischen Social-Media-Gerät.
Damals beim Arabischen Frühling haben ja auch die Brigaden von Außenminister Steinmeier der Opposition Hilfestellung bei VPN gegeben.

Michael Palusch
2 Stunden her

Eine Möglichkeit die Zensurregeln zu umgehen, ist dringendst geboten. Inzwischen ist der Fritze nämlich nicht nur für das Social Media Verbot für unter 16-jährige, sondern auch für die Klarnamenpflicht. „Ich möchte Klarnamen im Internet sehen!“, tönte er am politischen Aschermittwoch der CDU. Wüst und Günther sind für das Verbot für Minderjährige. Merz ziert sich. Söder ist für eine Klarnamenpflicht. Merz hält sich bedeckt. Wüst und Günther sind für das Verbot für Minderjährige und Söder ist für die Klarnamenpflicht. Merz ist begeistert. In der DDR lief das was die Union hier aufführt unter dem Motto „Getrennt marschieren, vereint zuschlagen!“. „Man wird… Mehr

Last edited 2 Stunden her by Michael Palusch
Danton
2 Stunden her

Freedom ist ok, aber mich stört das .gov dahinter. Man kann Freedom nicht administrieren. Auch Amerika hat Freiheit, Redefreiheit und Unabhängikeit unter dieser Endung jahrelang zensiert. Gebrannte Kinder scheuen das Feuer.

Haba Orwell
2 Stunden her

Leider betrachten die Amis wieder mal Freiheit nicht universell, sondern bloß als ein Mittel, geopolitische Gegner zu schwächen. Aber OK – bei Bedarf ausnutzen und nicht zu viel Erhoffen.