Epstein und die Folgen: Schottischer Labour-Chef fordert Starmer zum Rücktritt auf

Keir Starmer verfängt sich im Gestrüpp der Epstein-Akten. Doch das Hauptproblem ist seine monumental schlechte Politik. Das Königreich scheint unter seinen Händen zu zerfallen – ganz gleich, ob man auf Ökonomie oder Migration schaut, auf NHS oder die Schulen. Nun fordert ihn der schottischer Labour-Chef zum Rücktritt auf

picture alliance / empics | James Manning

Gibt Epstein dem britischen Premier postum den Rest? Um genau zu sein, Epstein und ein ehemaliger Parteigewaltiger namens Peter Mandelson, der die britische Labour-Partei derzeit tief in das Gespinst aus internationalen Finanzgeschäften und Kindersexhandel zieht. Inzwischen ist er aus der Partei ausgetreten. Aber bis vor kurzem konnte oder wollte auch Keir Starmer nicht um Mandelson herumnavigieren.

Wie sich nun herausstellte, wusste der Premier durchaus von Mandelsons langjährigen Epstein-Kontakten, die auch über die Verurteilung von 2008 wegen Mädchenhandels hinaus reichten. Starmer machte Mandelson dennoch zum Botschafter in Washington, nachdem er ihm „verschiedene Fragen“ stellen ließ. Das gab der Premierminister nun im Kreuzverhör von Kemi Badenoch während seiner Fragestunde im Parlament zu.

All das bedeutet noch keine persönliche Nähe Starmers zu Mandelson. Dennoch ist es ein weiterer Stein des Anstoßes rund um den Labour-Premier. Und man kann durchaus fragen, warum nun plötzlich alle panisch das Weite suchen und die internationalen Rücktritte nur so purzeln. Ist es nur der eindeutige moralische Makel, der an Epstein haftet, oder geht es um mehr, um Strukturen und Finanzflüsse, die verhüllt werden sollen im Rauch der Rücktritte?

Jahre voller Interessenkonflikte

Mandelsons späte politische Jahre waren voll von Kontakten mit diversen Wirtschaftsgrößen – amerikanischen, europäischen, russischen – und voller Interessenkonflikte. Namen wie Nathaniel Rothschild, Paul Allen (Microsoft-Mitgründer) oder Oleg Deripaska (russischer Oligarch) künden davon. Diese Kontakte waren lange bekannt und wurden öffentlich kritisiert.

Darüber hinaus war Peter Mandelson einer der engsten Freunde Epsteins. Und er bekam auch finanzielle Zuwendungen von ihm: mindestens 55.000 Pfund irgendwann zwischen 2003 und 2004 plus Studiengebühren für Mandelsons Lebenspartner. Später versorgte der Brite den Finanzmagnaten und Mädchenhändler mit sensiblen Regierungsinformationen und erhielt dennoch immer wieder hohe Staatsämter,. wurde Wirtschaftsminister, stellvertretender Premierminister und EU-Handelskommissar.

Nun bedauern mehrere Labour-Premiers, den lebenslangen Polit-Funktionär überhaupt mit Ämtern bekleidet zu haben – neben Keir Starmer auch Gordon Brown. Aber eher scheint ihnen peinlich, dass die Kontakte und Aktivitäten herausgekommen sind, die sie bisher kritiklos hingenommen und unter gespieltem Nichtwissen begraben haben. Starmer findet es heute „mehr als empörend“, dass Mandelson auf dem Höhepunkt der Finanzkrise mit Regierungsinformationen handelte. Wusste er auch davon nichts? Das werden vielleicht die nächsten Prime Minister’s Questions erbringen.

Labour sitzt es aus

Doch es ist nicht nur Mandelson, der den britischen Premier in Bedrängnis bringt. Schon Anfang des Jahres hörte man aus Starmers Umkreis die Weisheit: „Es ist immer am dunkelsten vor der Morgendämmerung“. Das sollte Hoffnung säen. Aber von Beobachtern wird Starmers Führungsstil als langweilig, uncharismatisch und „politikfrei“ beschrieben. Zudem fehlen greifbare Erfolge oder auch nur Ergebnisse seiner Regierung. Zu den Problemen und Skandalen, die Starmer keiner Lösung zuführen konnte (oder wollte), gehört ohne weiteres die illegale Migration. Die Neuankömmlinge in kleinen Booten waren unter Starmer so zahlreich wie nie zuvor: fast 66.000 in gut anderthalb Jahren.

Die Zustände im Innern des Landes sind nicht weniger heikel, wo sich verschiedene soziale Unruhen die Klinke in die Hand geben. Bald geht das von ethnischen Minderheiten aus, bald von alteingesessenen Briten, die genug von den über Jahre herangezüchteten Zuständen haben. Dabei fällt einem vor allem Starmers hilflos-unwilliges Agieren in Sachen „Grooming-Gangs“ ein, die noch immer in allen Landesteilen existieren. In London versucht ein anderer Labour-Politiker im Auge des Sturms zu bleiben respektive im Boden zu versinken, sobald das heikle Thema angesprochen wird: der Bürgermeister Sadiq Khan.

Es bleibt bei Labour als der Partei, die Probleme nicht löst, sondern sie aussitzt. Man will nicht die schöne Vision der multikulturellen Metropole stören, lieber lässt man alltägliches Unrecht ungefragt zu. Derweil ist ein Drittel der britischen Fünfjährigen nicht bereit für die erste Klasse. Starmer wollte diese Zahl auf 75 Prozent bringen, krebst aber auch bei diesem sozialpolitischen Thema herum. Eigentlich das Feld, auf dem Labour als alte Arbeiterpartei brillieren sollte. Man könnte die Frage stellen, welche Rolle frühkindliche Traumata bei diesen Zahlen spielen.

Ungelöst sind auch die Krise der Lebenshaltungskosten, das nach wie vor lahmende Wachstum, die Wartezeiten im nationalen Gesundheitssystem und der Mangel an erschwinglichen Wohnungen. Bei alldem hat Starmer nichts Erkennbares vorgelegt. Was ihm einfiel, waren exemplarisch harte Strafen für unzufriedene Briten (nach den Mädchenmorden von Southport und in Erinnerung an seine eigene Zeit als Generalstaatsanwalt), zudem die Verfolgung von Online-Posts und ihrer Autoren sowie die geplante Einführung einer „Digital ID“, ohne die künftig keiner mehr im Lande arbeiten darf. Von der BRIT Card wird inzwischen behauptet, dass ihr Name kurz für „Biometric Registration Identity Tracking Card“ stehe. Aber das bleiben Gerüchte.

Ein Herausforderer aus dem Norden

Starmers Stabschef Morgan McSweeney erklärte zum Jahreswechsel, 2026 werde das „Jahr des Lieferns“. Die Regierung habe die Wende geschafft. Wenig später wurde der aufstrebende McSweeney zum ersten Bauernopfer im Epstein-Mandelson-Skandal. McSweeney galt als „enger Vertrauter“ Mandelsons und war ein Fürsprecher seiner Ernennung zum Botschafter in Washington. Kurz darauf trat Starmers Kommunikationschef Tim Allan zurück, das nächste Bauernopfer. Wie lange also hält Starmer noch in Downing Street aus?

Doch die Labour-Abgeordneten sind weniger alert, wo es um das Schassen von erfolglosen Parteiführern geht. Wo die Tories wie ein nervöser Kollektivorganismus reagieren, immer bemüht, die eigenen Wahlchancen zu erhalten, sitzt Labour auch solche Zustände gerne aus. Die Werte der Labour-Partei haben seit dem letzten Sommer einen langen und beständigen Niedergang angetreten, den anscheinend nichts aufhalten kann. Ein neuer Grund scheint nun bei rund 20 Prozent der Stimmen erreicht. Seit Dezember belegen zudem die Konservativen von Kemi Badenoch in immer mehr Umfragen den zweiten Platz. An der Spitze steht seit langem Nigel Farages Reform UK.

Doch nun kommt vielleicht doch Bewegung in die Labour-Zustände, und der Impuls kommt aus dem Norden, aus der Schottischen Labour-Partei. Der Vorsitzende der SLP hat Starmer offen zum Rücktritt aufgefordert. Es ist Anas Sarwar, Sohn des ersten muslimischen Abgeordneten im Königreich. Sein Vater Mohammad Sarwar, geboren in Pakistan, wurde 1997 ins Unterhaus gewählt. Sarwar junior ist also ein weiterer Hinweis darauf, dass die „Zukunft Schottlands asiatisch sein wird“, wie ein „Migrationsexperte“ nicht so lange her formulierte. Nach Humza Yousaf, dem kurzlebigen schottischen First Minister (2023–2024) in Nicola Sturgeons Spuren, nun also Anas Sarwar, der eine Labour-Mehrheit in Schottland anstrebt – mit allerdings minimalen Chancen, wenn man nach den Umfragen geht.

Am Ende ein konvulsivischer Wandel?

Im Hintergrund von Sarwars Vorstoßes stehen die Wahlen zum schottischen Parlament, die am 7. Mai stattfinden sollen. Der Paki-Schotte will Wahlkampf gegen die SNP machen, aber die Skandale um Starmer und die allgemeine Unbeliebtheit des Premiers erlauben das kaum.

Aber wer sollte Starmer nachfolgen? Niemand will sich, so scheint es, die Finger verbrennen. Als wahrscheinlichste Wahl gilt nun fast schon Shabana Mahmood, die ihr Amt als Innenministerin mit dem größten Elan antrat. Dagegen scheint Gesundheitsminister Wes Streeting der ewig Unbereite unter den möglichen Diadochen zu sein: Er brauche noch Zeit, um seine Truppen zu sammeln, liest man. Streeting will keinen Sturm auf Downing Street ermutigt haben und weist Absprachen mit Sarwar weit von sich . Wer solche Diadochen hat, muss nicht um sein Amt bangen.

Doch die Wetten laufen: Wird Starmer diese Woche überstehen oder bleibt er noch ein Jahr im Amt? Niemand weiß es, weil aus dem Mund des Premiers so wenig Nahrhaftes oder Erklärendes dringt. Er ist ohnehin seit langem eine wächserne Fassade für eine Labour-Partei, die wie von innen ausgehöhlt scheint. Der Wandel könnte sich am Ende konvulsivisch vollziehen.

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Kommentare ( 11 )

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CasusKnaxus
42 Minuten her

Starmer war vorher britischer Chefankläger und hat zu allem nix gemacht. Er hat auch schön weggesehen bei den ganzen Pädophilen- & sog Groominggangs. Er hat soviele Leichen in seinem Keller, daß es schon bis oben im dritten Stock stinkt. Die ganze britische Elite hat sowas von fertig. Es hilft nur wie hier eine einzige Partei (ReformUK) -der ganze elendige Rest ist nur noch widerwärtig.

AmpelFluechtling
2 Stunden her

Interessant das besonders die links-woken mit Epstein verbandelt waren. Obama, Clinton, Strammer, britisches Königshaus. Trump kommt selten vor in den Akten und Leute wie Putin schonmal gar nicht.

Astrid
40 Minuten her
Antworten an  AmpelFluechtling

Die amerikanische Abgeordnete Marjorie Taylor Greene befasst sich mit den Missbrauchsopfern intensiv. Sie alle gaben an, dass Trump dort nicht war.

Astrid
2 Stunden her

Dieser Typ hätte niemals in diese Position kommen dürfen, denn selbst wenn es die Pädophile Epstein Geschichte mit allen unaussprechlichen Abartigkeiten nicht geben würde, hätte er sich durch die Missbrauchsskandale, an zum Teil minderjährigen englischen Mädchen, durch die sog. Grooming Gangs schon disqualifiziert. Hierfür wurde er öfters von Elon Musk öffentlich kritisiert. Was ist da in England überhaupt los? Das Königshaus ist in diesem ekelerregenden Epstein-Skandal mit drin. Der beste Freund des englischen Königs war der verstorbene pädophile Jimmy Savile, der etliche Missbrauchsopfer zu beklagen hatte. Was stimmt mit diesen Leuten nicht? Leben auf Kosten der Steuerzahler und gehen durchs… Mehr

Guzzi_Cali_2
2 Stunden her

Nach Starmer nur noch das MM-Doppelpack (Macron/Merz) weg und Europa kann wieder durchatmen.

Thomas
1 Stunde her
Antworten an  Guzzi_Cali_2

Nichts wird sich ändern wenn Starmer, Macron und Merz weg sind.

lube
2 Stunden her

Die Briten können sich als Dominium den Indern oder Pakistan anschließen. Sie haben den Traum von Multikulti jetzt bis zu Ende gelebt und sind am Ziel. Das war der Zusammenbruch.
Die CDU braucht auch bloß noch ein Jahr. Der Westen ist im Arsch Gesellschaft Experimente besonders wenn sie sozialistisch sind gehen immer schief und dann gibt’s halt wieder Tote. Die Bonzen werden sich auf die Kaymen Inseln verabschieden.

Last edited 2 Stunden her by lube
Thomas
2 Stunden her

Nach Starmer kommt die nächste Marionette. Wahrscheinlich eine Muslima. Oder Nigel Farage. Ändern wird sich systemimmanent nichts.

alter weisser Mann
2 Stunden her

„Derweil ist ein Drittel der britischen Fünfjährigen nicht bereit für die erste Klasse. Starmer wollte diese Zahl auf 75 Prozent bringen…“

Echt jetzt? Schafft man bestimmt noch.

Last edited 2 Stunden her by alter weisser Mann
Lars Baecker
2 Stunden her

Ekelhafte „Eliten“. Was für ein Sumpf. Mir fallen da wirklich keine Worte ein, die ausdrücken könnten, was ich für solche Subjekte empfinde. Die sollten alle gesellschaftlich geächtet werden, so wie sie es mit Menschen machen, die nicht ihren politischen Ansichten frönen. Von mir aus dürfen sie auch gerne im Knast verrotten. Wenn ich an die Kinder, also die Opfer dieser Perversen und jener, die schützend ihre Hand über sie halten, denke, könnte ich heulen. Das macht mich einfach nur wütend

bfwied
1 Stunde her
Antworten an  Lars Baecker

War das schon jemals über mehr als 2-3 Jahrzehnte, nämlich nach Katastrophen, anders? Wohl kaum. Menschen sind nun mal so, weil es immer nur um den Platz an der Sonne geht, und den bekommt man in aller Regel nur, indem man sich ihn erkämpft!