Der nächste Korruptionsfall in Brüssel: Im Mittelpunkt der Spitzenbeamte Henrik Hololei, dessen Arbeitsvertrag bei der EU-Kommission nun beendet wurde. Ein Disziplinarverfahren hat Verstöße gegen Dienstvorschriften festgestellt. Hololei ließ sich Business-Class-Flüge mit Qatar Airways bezahlen.
IMAGO / NurPhoto
Der estnische EU-Beamte Henrik Hololei spielte über Jahre hinweg eine einflussreiche Rolle innerhalb der Kommission: Zunächst war er als Generaldirektor für Verkehr und Mobilität tätig und damit maßgeblich an der europäischen Luftfahrtpolitik beteiligt. Zuletzt arbeitete er als sogenannter „Hors Classe Adviser“ in der Generaldirektion für internationale Partnerschaften – diese EU-Posten werden besonders gut bezahlt. Bereits am 21. März 2025 wurde er offiziell darüber informiert, dass gegen ihn ein internes Disziplinarverfahren eingeleitet worden sei.
Vertrauliche Informationen an Qatar weitergegeben?
Auslöser der Vorwürfe waren Erkenntnisse der EU-Betrugsbekämpfungsbehörde OLAF aus dem Jahr 2023. Diese Untersuchung lief nach Enthüllungen in mehreren Medien an und ging dem Verdacht nach, Hololei habe vertrauliche Informationen zu einem bedeutenden Luftverkehrsabkommen mit dem Staat Qatar weitergegeben. Im Gegenzug soll er Geschenke und andere Vorteile erhalten haben – darunter auch Business-Class-Flüge mit Jets der Quatar Airways, die von Dritten bezahlt worden seien. Die Prüfer untersuchten mögliche Verstöße gegen gleich mehrere Artikel des EU-Beamtenstatuts.
Der EU-Beamte selbst zeigte sich enttäuscht, erklärte aber, er akzeptiere die Entscheidung der Kommission und sei erleichtert, dass das langwierige Verfahren nun abgeschlossen sei. Die Affäre hatte sich über mehrere Jahre hingezogen und intern wie extern erheblichen Druck erzeugt, da sie erneut Zweifel an der Wirksamkeit der internen Kontrollmechanismen der EU aufwarf.
Erinnerungen an Qatar-Gate
Als Hauptverdächtige gelten die frühere Vizepräsidentin des Europaparlaments Eva Kaili sowie der ehemalige italienische Abgeordnete Antonio Panzeri. Ermittler werfen ihnen vor, im Gegenzug für den Erhalt von extrem hohen Geldbeträgen und Sachleistungen politische Entscheidungen beeinflusst und das Image Qatars innerhalb der EU verbessert zu haben. Bei Razzien wurden Bargeldsummen in sechsstelliger Höhe sichergestellt, mehrere Verfahren laufen noch.



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