„Verschwenderisch, nutzlos“: USA steigen aus 66 internationalen Organisationen aus

Sie würden „gegen die Interessen der Vereinigten Staaten arbeiten“: US-Präsident Donald Trump hat den Rückzug der USA aus gleich 66 internationalen Organisationen und Netzwerken verfügt.

picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Evan Vucci

Von der Anordnung betroffen sind zentrale multilaterale Institutionen, darunter der Vereinten Nationen, wissenschaftliche Gremien und Programme zur Förderung von Demokratie, Gleichberechtigung und „Klimaschutz“. Es handelt sich um keine pure Sparmaßnahme, sondern die Korrektur des US-Kurses.

Die Entscheidung folgt im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit erneut der Leitlinie America First und ihrer neuen US-Strategie. In der veröffentlichten Anordnung heißt es, die betroffenen Organisationen, Abkommen und Verträge seien nicht mit den Interessen der Vereinigten Staaten vereinbar. Viele von ihnen hätten sich von ihrem ursprünglichen Auftrag entfernt und seien stattdessen von Ideologie geprägt. Die USA wollten nicht länger Strukturen finanzieren, aus denen sie keinen konkreten Nutzen zögen.

Auch Ausstieg aus dem Weltklimarat 

Auf der Streichliste steht die UN-Klimarahmenkonvention, die als institutionelle Grundlage des Pariser Klimaabkommens gilt. Ebenfalls genannt wird der Weltklimarat, dessen wissenschaftliche Berichte weltweit als maßgeblich für die Klimapolitik gelten. Mit dem Rückzug aus diesen Gremien verabschieden sich die USA aus zentralen Teilen der internationalen Klimaideologie.

Daneben trifft die Anordnung zahlreiche UN-Einrichtungen, die sich mit sozialen und gesellschaftlichen Themen befassen wie UN Women, der Bevölkerungsfonds UNFPA sowie verschiedene Bildungs-, Kultur- und Forschungsnetzwerke. Auch Organisationen zur vorgeblichen Förderung demokratischer Prozesse und der Zivilgesellschaft sind betroffen, darunter das International Institute for Democracy and Electoral Assistance. Technisch bedeutet der Rückzug, dass die USA ihre Mitarbeit und ihre finanzielle Beteiligung einstellen, soweit dies nach nationalem Recht möglich ist.

Rubio: „Antiamerikanische Institutionen“

US-Außenminister Marco Rubio begründete den Schritt mit scharfen Worten: Die überprüften Institutionen seien „überflüssig“, „schlecht verwaltet“ oder handelten gegen die Interessen der Vereinigten Staaten. In mehreren Stellungnahmen erklärte Rubio, einige dieser Organisationen stellten sogar „eine Bedrohung für die Souveränität, für die Freiheiten und den allgemeinen Wohlstand unserer Nation“ dar. Auf der Plattform X sprach er von „antiamerikanischen, nutzlosen oder verschwenderischen internationalen Organisationen“, aus denen sich die USA konsequent zurückziehen müssten. Die Überprüfung weiterer internationaler Engagements laufe noch.

Im Außenministerium ist zudem von „elitären Netzwerken“ die Rede, die sich von den Bedürfnissen der Bürger entfernt hätten. Aus einer ursprünglich pragmatischen Struktur internationaler Zusammenarbeit sei ein schwerfälliges System entstanden, das eher Ideologien als konkreten nationalen Interessen diene, heißt es aus Regierungskreisen. „Trägheit und Ideologie“ wolle man nicht länger finanzieren.

Der jetzige Schritt reiht sich in eine Serie früherer Rückzüge ein. Bereits in Trumps erster Amtszeit hatten die USA ihren Austritt aus der Weltgesundheitsorganisation sowie aus der UNESCO angekündigt.

Auch gegenüber der NATO und in der Handelspolitik nutzte Trump wiederholt den Vorwurf, die USA würden überproportional zahlen, ohne angemessene Gegenleistungen zu erhalten.

Auf der aktuellen Liste sind auch Organisationen mit direktem Europa-Bezug: etwa das European Centre of Excellence for Countering Hybrid Threats in Finnland, das sich mit der Abwehr hybrider Bedrohungen befasst. Der Rückzug aus solchen Einrichtungen wird insbesondere in europäischen Hauptstädten als politisches Signal verstanden werden.

Unklar bleibt bislang, wie hoch die finanziellen Einsparungen tatsächlich ausfallen werden. In der Anordnung werden keine konkreten Summen genannt. Dass es bei der Entscheidung primär um Geld geht, ist allerdings ohnehin nicht anzunehmen: Vielmehr bedeutet der Schritt der USA weg vom Multilateraleralismus hin zu einer strikt national ausgerichteten Außenpolitik.

Mit dem Rückzug der USA aus zentralen Foren verlieren diese nicht nur einen der wichtigsten Geldgeber, sondern auch eine politische und wissenschaftliche Stimme von globalem Gewicht. Die langfristigen Folgen für Klima- und Entwicklungspolitik wie die internationale Ordnung sind derzeit noch offen.

Anzeige

Unterstützung
oder