Italien: Im Sinne der Verbrennermotoren

Im November musste Ursula von der Leyen eine schwere Schlappe hinnehmen: Das Klimanarrativ bekam selbst in der ideologisch fest eingenordeten EU einen Knacks – und damit auch die Deindustrialisierungspolitik. Doch deutsche Medien interessierte das kaum.

picture alliance / ANP | JONAS ROOSENS

In Brüssel roch es Mitte November stark nach verbrannten Bremsen – nicht von Elektrowagen jedoch, sondern von einer unerwarteten EU-Mehrheit, die abrupt, abbremste und die Richtung wechselte. Das Europäische Parlament gab ein Schauspiel zum Besten, bei dem die „Mehrheit Ursula“ erst knirschte, und dann kippte – wie ein alter Stuhl, der plötzlich nur noch drei Beine hat. Komisch jedoch, dass dazu in den deutschen Medien kaum oder relativierend berichtet wurde. Im Gegensatz zu Italien, wo ilmanifesto.it und Il Giornale sich des heiklen Themas, eher für die Deutsche Kommissionspräsidentin, annahmen.

Denn die EVP, der Zusammenschluss der konservativen Volksparteien – Manfred Weber, wieder ein Deutscher, ist Fraktionsvorsitzender, und eigentlich stets eine devote und zuverlässige Säule der Kommissionspräsidentin – legte einen Beifallsmarsch nach rechts hin, und zwar ohne Rückspiegel. Gemeinsam mit Melonis EKR, den konservativen Reformisten, mit der Lega, Le Pen, Orbán & Co. wurde das zentrale Klimabauwerk, der ominöse ‚Green Deal‘ Europas angeknackst, viele Beobachter meinten auch, angezählt, wie Ursula von der Leyen selbst auch. Der Green Deal, mehr ein ideologisches, denn Prestigeprojekt– umd einst als Stolz Europas gefeiert (von der linksgrünen woken Blase) – bekam also sichtbare Risse.

Die Abstimmung, die den Kurs brach

Die Zahlen waren eindeutig: 382 zu 249! Das saß. Aber die politische Botschaft war noch lauter als jede Zahl. Absichtlich ließ man quasi den Motor an der Verkehrsampel aufheulen.

Die neuen Regeln zur Unternehmensverantwortung wurden zurechtgestutzt wie ein Bonsai:

  • Pflichten nur noch für Firmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten und mehr als 1,5 Mrd. Umsatz
  • keine umfassende Kontrolle der Lieferketten
  • keine Pflicht mehr zu Klimaplänen nach Paris

Alle Beobachter mussten sich kurz sammeln, war das ein Sieg der Industrie-Lobby?
Ein (mittelschwerer) Unfall? Oder der Beginn einer neuen Ära?

Und was ist mit Manfred Weber? Der feierte das Resultat als „Ende der EU-Bürokratie“, während die Sozialdemokraten sich fragten, ob man gerade live miterlebt habe, wie ein politischer Teppich unter den eigenen Füßen weggezogen wurde?

Der Green Deal – im Parlament auf Diät gesetzt

Zwar segnete das Parlament am selben Tag noch das ‚90%-Reduktionsziel für 2040‘ ab – wenn auch mit einem „CO₂-Zertifikate-Notausgang“. Doch das wirkte mehr wie ein Restbestand alter Geschlossenheit. Forza Italia zögerte, andere EVP-Abgeordnete schauten betreten zu Boden. Der Bruch war eindeutig sichtbar: Wenn die große Mitte wankt, tanzen die Ränder.

Italiens neue Rolle: Wenn Rom Brüssel die Marschrichtung flüstert

In Italien wittert die rechte Achse Rückenwind. Biokraftstoffe statt Batterieglanz, Technologieoffenheit statt „grüner Dogmatik“, wie Lega-Vertreterin Isabella Tovaglieri bissig kommentierte. Auf Podien und Panels klingt es plötzlich wie auf einem Industrietreffen der 90er: „Die größte Selbstzerstörung der europäischen Industrie“ drohe – wenn nicht endlich ein Schwenk Richtung Biokraftstoffe erfolge.

Gleichzeitig schließt ein neues Bündnis im Parlament – EVP, Patrioten, EKR – Türen und öffnet andere. Und Ursula sieht staunend zu, wie ihr eigenes politisches Fundament umdekoriert wird. Dass sie tatsächlich noch ernst genommen oder gut angesehen wird? Tempi passati. Sie sitzt à la Merkel nur noch aus, ihre Frisur trägt sie von je her, wie einen Helm.

Währenddessen: Belém dreht am Klimawürfel

Bei der COP30 in Belém tasten sich Diplomaten durch ein Labyrinth aus vier Streitpunkten:

  • die gigantische Lücke zu 1,5°C
  • die mageren Finanzzusagen des Nordens
  • Methoden der Emissionsmessung
  • Handelsstreit um den EU-CO₂-Grenzausgleich

Dazu die ausschließlich durch Modellrechnungen entstandenen Zahlen des Global Climate Risk Index: angeblich 832.000 Tote und 4,5 Billionen Dollar Schäden in knapp 30 Jahren. Italien auf Platz 16 der am stärksten betroffenen Länder.

Der Klimawandel hat keine Geduld – doch Europas Politik gönnt sich gerade eine Pause, sehen es die Kritiker. Nur, die Wahrheit liegt mal wieder zwischen einer herbeigeredeten Apokalypse und falschen Städtebauweisen, oder falschen Daten.

Der Kampf um Narrative

Zwölf Staaten unterschrieben in Belém eine Erklärung gegen Klimadesinformation – eine bemerkenswerte Premiere. Ein stilles Eingeständnis, dass Fake News inzwischen schneller reisen als CO₂ in der Stratosphäre. Nur, bitte nicht die eigenen Missinterpretationen erklären müssen. Daten faken tun bekanntlich nur die anderen.

Und während einige Medien – auch Il Giornale – den Green Deal in altbekannter Manier als „teures Fantasieprojekt“ abtun, versuchen Wissenschaftler weltweit, die Sirenen der Vernunft wieder hörbar zu machen.

Ursula zwischen zwei Welten

Die Kommissionspräsidentin wirkt wie eine Kapitänin, deren Crew plötzlich beschlossen hat, Piratenflaggen zu hissen. Sie bemüht sich, kontrolliert zu erscheinen – doch die parlamentarische Realität erzählt etwas anderes. Der Green Deal steht auf der Kippe, und jene Allianz, die ihn getragen hat, bröckelt wie alter Putz.

Das Ergebnis:

Europa steht an einer Weggabelung, an der das Grün von gestern einem matten Schwarz zu weichen droht. Die überraschenden Vorkommnisse der letzten Tage, lieferten eine Art Skizze dazu. Doch ob daraus ein neues politisches Gemälde wird – oder nur ein dunkler Zwischenstrich – entscheidet sich erst in den kommenden Wochen.

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Kommentare ( 11 )

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Sonny
1 Monat her

Dat ursula ist es ja nicht alleine, die beschlossen hat, merkels Auftrag zur Deinsdustrialisierung Europas und insbesondere Deutschlands durchzuziehen.
Da müssen noch viele Köpfe rollen, bevor der Kontinent wieder vom Kopf auf die Füße gestellt werden kann. Aber die Entwicklung nähert sich der Realität an – und das ist ein mutmachendes Zeichen.
Fatal nur, dass die Verbrecher, die in den Parlamenten die Luft wegatmen, kaum zur Rechenschaft gezogen werden ob der Milliardenschäden, die sie angerichtet haben. Und da steht die nicht wirklich gewählte von der leyen ganz an der Spitze der ultimativen Negativ-Liste.

ThomasP1965
1 Monat her

Die Überschrift ist falsch. Statt „Im Sinne der Verbrennungsmotoren“ müsste es heißen „Im Sinne der Chinesen“.
Europa schenkt durch die Rolle rückwärts auf eine veraltete Technologie (den Verbrenner) den Markt der Individualmotorisierung den Chinesen, die den BEV Bereich jetzt schon beherrschen.
Deidustrialisierung durch kurzsichtige Konservativ/rechtsextreme Politik.
Es ist so, als setze man weiter auf zweispänner, statt Autos.

Ben Clirsek
1 Monat her
Antworten an  ThomasP1965

2024 waren knapp 41 % der neu zugelassenen Pkw in China NEV (BEV + PHEV).Darunter waren ca. 7,7 Mio reine Elektro-BEV und 5,1 Mio Plug-in-Hybride. Der verbleibende Anteil — grob geschätzt 10–10,1 Mio Pkw — waren klassische Verbrenner bzw. Fahrzeuge ohne Plug-in-Technik. Ich denke nicht, dass man angesichts dieser Zahlen von einer veralteten Technologie sprechen kann. Und viele wirtschaftlich unterentwickelte Flächenländer auf dieser Erde werden auf absehbare Zeit keine funktionierende Ladeinfrastruktur aufbauen können und damit auf Verbrenner angewiesen sein. Insofern haben Verbrenner genauso wie E-Autos ihre Vor- und Nachteile. Was mich aber wirklich aufregt sind überhebliche Besserwisser, die meinen sie müssten ihre simple Weltsicht als die absolute… Mehr

Last edited 1 Monat her by Ben Clirsek
Proffi
1 Monat her
Antworten an  ThomasP1965

Was sollen die Chinesen mit unserer miserablen Infrastruktur und der Elektrizitätsknappheit ? Werden Sie Deutschland diesbezüglich aufrüsten ? Die Elektromobilität ist in Deutschland ein totes Pferd.

November Man
1 Monat her

Die von der Leyen gehört nicht nur ausgebremst, sondern hochkant rausgeworfen und diese korrupte EU aufgelöst. Was diese Frau in unserem Land schon Schaden angerichtet hat, was die uns schon an Geld gekostet hat, das kann man nur noch mit dem grünen Ruinator und der Baerbock vergleichen. Diese Schäden sind immens und man kann sie kaum noch in Euros beziffern. Der Gesamtschaden für unser Land und unsere Wirtschaft ist verheerend.  

Elmar
1 Monat her

Die eine Idee ist genauso absurd wie die andere. Die massenhafte Nutzung von Biokraftstoffen verspricht Güllemais, so weit das Auge reicht, was in Deutschland schon jetzt teilweise der Fall ist und das alles, obwohl sich die Lebensmittelpreise schon jetzt auf den Weg zum Mond aufgemacht haben.

Proffi
1 Monat her
Antworten an  Elmar

Alle Folge des kompletten CO2 Irrsinns.

jensberndt
1 Monat her
Antworten an  Elmar

… und der in der Herstellung teuer und ethisch bedenklich ist und bei seiner Produktion mehr Ressourcen (Treibstoff und Dünger) verbraucht als er amEnde liefert. Die mögliche Alternative wäre Treibstoff aus Atomstrom, hmm – da war doch was?

Ralph Martin
1 Monat her

Man wird bescheiden und ist schon zufrieden, wenn nicht jeder politischer Unsinn umgesetzt wird.
Von sinnvollen politischen Entscheidungen für Wohlstand, Frieden und Freiheit heute und in Zukunft darf man nur noch träumen.

Christa Born
1 Monat her

Deutschland wird das schon zu verhindern wissen. Merz braucht die Grünen und Linken um seine Koalition zu retten.

Kaltverformer
1 Monat her

Ich hoffe, dass die Konservativen in den USA das zarte Pflänzchen der Vernunft erkennen und es beschützen.
Wir können jede Hilfe gegen den neuen Kommunismus brauchen, der sich hinter Klima-Irrsinn, Wokismus, Genderismus, Feminismus, Asylunwesen, Green Deal, Great Reset, usw. versteckt, den wir kriegen können.