Familienpolitik: Die verkaufte Mutter

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Es gibt kein positives Mutterbild mehr

Die  Freiheit in der Gestaltungsmöglichkeit des Familienlebens wird nach Erfahrung der „Kulturtat“-Netzwerkerinnen immer mehr eingeengt. Die heute gültigen gesellschaftlichen, rechtlichen und politischen Strukturen machen es für Mütter immer schwerer, eine „freie Entscheidung zwischen Erwerbsarbeit und individueller Familienarbeit“ zu treffen. Die Frauen erkennen einen „Seiltanz aus Selbstausbeutung und Selbstverwirklichung“, in dem sich manche Mütter gar nicht mehr trauen, nur Mutter sein zu wollen. „Es gibt kein positives Mutterbild mehr“, beobachtet die studierte Germanistin Bettina Hellebrand (51). „Was ich tue für die Kinder, diese Gestaltung von Innenraum, diese tägliche Selbstschulung, das sieht niemand“, so Hellebrand und sie wünscht sich, dass „das, was Mütter den Kindern alltäglich geben, wieder Wertschätzung erfahren soll.“ Nach ihrer Erfahrung trauen sich junge Mütter oft gar nicht mehr, auf ihre innere Stimme zu hören und mehr Zeit zu Hause mit ihren kleinen Kindern zu verbringen.

Ein Beleg für diese Entwicklung ist der Niedergang von Krabbelgruppen: Diese privat organisierten Treffen von Müttern mit Babys, wie sie in den 1980er und 1990er Jahren zum sozialen Leben gehörten, gibt es in dieser Form kaum mehr. Der Ausbau von Kinderkrippen hingegen schreitet ständig voran und verstärkt die gesellschaftliche Erwartung an junge Frauen, möglichst schnell wieder in den Beruf einzusteigen. Und wer seine Kinder selbst erziehen will traut sich nicht mehr, weil angeblich nur Kitas und staatlich besoldete Erzieherinnen Kinder auf das Leben vorbereiten können. Glauben wir das wirklich? Die Politik jedenfalls erzwingt es, die Wahlfreiheit wurde längst ausradiert.

Grundvoraussetzung für eine demokratische Gesellschaft

Dabei ist individuelle Kindererziehung nach Überzeugung von Sabine Mänken (51) eine Grundvoraussetzung für die Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft. „Demokratie ist ohne individuelle Lebenszusammenhänge und Wertevermittlung  nicht möglich“, ist die studierte Volkswirtin und praktizierende Biographie-Beraterin überzeugt. „Emanzipation wird da sehr einseitig diskutiert.“ Viele Frauen fürchten den sozialen Abstieg durch Kinder, wenn sie auf ihren Beruf verzichten. Denn: „Kinderkriegen gehört zu den Armutsrisiken in Deutschland“, sagt Sabine Mänken. Eines von vielen Beispielen dafür ist die Umverteilung innerhalb unseres Rentensystems, das diejenigen bestraft, die sich um das Aufziehen künftiger Beitragszahler kümmern und diejenigen belohnt, die ohne Erziehungszeiten genügend Geld in das System der Umlage-Finanzierung einzahlen können.

„Volkswirtschaftliche Wertschöpfung findet aber auch durch individuelle Erziehungsarbeit statt. Ohne finanzielle Anerkennung dieses Beitrags zum Bruttosozialprodukt werden wirtschaftliche Zwänge weiterhin in vielen Fällen ausschlaggebend sein, die Familie der Erwerbstätigkeit unterzuordnen.“ Viel ist zu diesen Themen bereits geforscht und publiziert worden und so geht es den Frauen von „Kulturtat Familie“ weniger darum, die theoretische Diskussion zu beschreiben, sondern Einblicke in die alltäglichen Herausforderungen der Familienarbeit zu geben. Ihrer Aufforderung, persönliche Erfahrungsberichte zu schreiben, ist eine ganze Reihe von Frauen gefolgt und so ist der Sammelband „Die verkaufte Mutter“ mit 21 lebendigen, teils anrührenden, teils humorvollen, aber insgesamt nachdenklich stimmenden Erfahrungsberichten zustande gekommen. Dabei wollen die „Kulturtat“-Frauen keinesfalls eine bestimmte Form des Mutter-Seins zum Ideal stilisieren oder Empfehlungen für die Lebensgestaltung abgeben. Doch wollen die Frauen nicht länger Zuschauerinnen sein in einer Welt, in der der individuelle Lebensraum für Mütter und Kinder zunehmend eingeengt wird. Deshalb sind die anrührendsten Reportagen die jeweiligen Berichte über das Glück. Mütter brauchen keine staatliche Glücksforschung. Sie sehen das Glück in den Augen ihrer Kinder. Seltsam: Hat nicht jeder Mensch eine Mutter?

Kulturtat Familie: Die Initiative

Kulturtat Familie ist eine freie, politisch und religiös ungebundene Gruppe von Frauen, die sich aus innerer Überzeugung für Familienarbeit entschieden haben. „Familie“ verstehen sie dabei als eine frei gewählte Gemeinschaftsform, die in Verantwortung gegenüber den individuellen Entwicklungsbedürfnissen des Kindes Schutz und Bindung ermöglicht. Mit Blick auf die Kinder ist in den Frauen die Überzeugung entstanden, eine Arbeit zu tun, die uns erstmal niemand abnehmen kann: Da-sein! „Den Kleinsten ist das Recht auf einen Krippenplatz kein Anliegen“, bringen die Frauen ihre Erfahrungen und Beobachtungen auf den Punkt.   Die Kindheit wurde längst enteignet, verstaatlicht und verplant. Für die Erzählungen vom Glück mit Kindern ist kein Raum mehr. In diesem Buch aber ist auch davon die Rede. Es sind die anrührendsten Sätze – die vom Glück ganz ohne Plan und Vorschrift.  http://www.familie-ist-kulturtat.de

 

 VM_Cov_DRUCK_EinzelDie verkaufte Mutter – 21 Erfahrungsberichte zur Freiheit der modernen Frau

Herausgeber: Sabine Mänken, Bettina Hellebrand, Gabriele Abel Quell Edition ISBN 978-3-9815402-5-3, Preis: 14,90 Euro. zu bestellen hier im Shop.

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