Entwicklungshilfe aus Aserbaidschan für hessisches Finanzamt

Aserbaidschan leitet deutsche Entwicklungshilfe um: Der korrupte, reiche muslimische Öl-Staat ist Haupteigner des Finanzamts in Frankfurt – finanziert auch mit umgeleiteten Mitteln aus Deutschland. Und jetzt kassiert Aserbaidschan fette Miete, während Deutschland Entwicklungshilfe leistet.

Eines der größten Finanzämter Deutschlands hat seinen Sitz im Frankfurter Behördenzentrum hinter dem Hauptbahnhof. Dort sind unter anderem auch das Landesarbeitsgericht und eine Polizeiwache untergebracht. Insgesamt arbeiten rund 2.600 Landesbedienstete dort. Der Gebäudekomplex gehört zu 40 Prozent dem aserbaidschanischen Staatsfonds Sofaz. Dieser hält 40 Prozent der Anteile über einen Luxemburger Fonds.

Man kennt sich, man hilft sich

Ausgerechnet Aserbaidschan. Denn das Land und damit auch dessen Staatsfonds erhält die Mittel für den Kauf der Frankfurter Immobilie aus Frankfurt – im Wesentlichen von der Kreditanstalt für Wiederaufbau und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH, über die Entwicklungshilfemittel weltweit verschenkt werden. Deren Chef ist der glücklose und bislang durch irgendwelche Kompetenz nicht aufgefallene frühere hessische SPD-Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel. Es ist ein klassischer Versorgungsposten für bei Wahlen durchgefallene Politiker.

Passend: Der Gebäudekomplex wurde 2005 von der damaligen CDU-geführten Landesregierung unter Ministerpräsident Roland Koch als größtes Objekt der sogenannten Leo-Immobilien an einen deutschen Immobilienfonds verkauft. Seitdem wird er vom Land zurückgemietet, wie die Hessenschau in einer gründlichen Immobilienrecherche herausgefunden hat. Im Jahr 2018 verkaufte der Fonds den Gebäudekomplex weiter. Das Behördenzentrum erhielt mit der Capitals Property einen neuen Eigentümer. An die in Luxemburg gemeldete Gesellschaft zahlt das Land Hessen dafür jährlich mindestens 16,5 Millionen Euro Kaltmiete. Die Gewinne werden unter den Anteilseignern aufgeteilt.

Den größten Teil davon erhält der aserbaidschanische Staatsfonds Sofaz. Dieser hält 40 Prozent der Anteile an der Luxemburger Gesellschaft. So steht es im dortigen Handelsregister, soweit die Hessenschau. Somit ist Aserbaidschan indirekt Vermieter eines der größten Finanzämter Deutschlands.

Was macht Sofaz so?

Die Frage ist nun, woher bezieht der Staatsfonds seine Mittel? Dem ist wiederum TE nachgegangen. Sofaz ist Aserbaidschans Staatsfonds, der die Erlöse aus Öl und Gas langfristig anlegt, um makroökonomische Stabilität zu sichern, die Ressourcen für künftige Generationen zu bewahren, wie es im Aufgabenbericht heißt. So weit nicht ungewöhnlich. Das machen auch Staatsfonds von Ölländern wie Norwegen oder Katar. Staatsfonds in Entwicklungsländern sollten besser in die eigene Infrastruktur und Entwicklung investieren. Sofaz finanziert formal auch politisch beschlossene große Infrastruktur- und Sozialprojekte. Und hier schließt sich der Kreis. Denn es ist in Wirklichkeit Deutschland, das große Infrastrukturprogramme finanziert, und nicht Sofaz. Und Sofas kann seine Mittel dann in Deutschland investieren. Deutschland verschenkt Geld, Aserbeidschan verdient.

Deutsche Steuermittel für Aserbeidschan

Etwa 3,5 Millionen fließen aus Entwicklungshilfemitteln für den Ausbau der Trinkwasserversorgung und Abwasserentworgung in Imishli; das Projekt, das von den Berliner Wasserwerken durchgeführt wurde, gilt als gescheitert, die Mittel als verloren. „Nicht zufriedenstellend“ sei das, so das Entwiclungshilfeministerium in einer internen Bewertung. Dafür steckte das Entwicklungshilfeministerium 137 Millionen in ein ähnliches Projekt „Kommunale Infrastruktur“, 37 Millionen finanzierte die Frankfurt Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Aserbaidschan selbst beschränkte sich auf einen Anteil von 8 Millionen. Klar. Im extrem ölreichen Staat ist Geld knapp, das wird ja vom Staatsfonds Sofaz besser in ein hessisches Finanzamt investiert. Sofaz hätte also gut und gerne die Infrastruktur aus eigenen Mitteln finanzieren können. Aber die Abführung von Regenwasser überläßt man lieber den Deutschen und hat freie Mittel.

Um den Vorgang auf die Spitze zu treiben: Aserbaidschan gilt als autoritär regiert und hochkorrupt. Im Korruptionsindex von Transparency International (TI) liegt es auf Platz 154 von 180. Und deutsche Bundestagsabgeordnete sind nicht unbeteiligt. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Eduard Lintner (CSU) wurde wegen Mandatsträgerbestechung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Lintner bestreitet nicht, Millionenzahlungen aus Aserbaidschan erhalten und an andere Politiker weitergeleitet zu haben. Er sieht darin allerdings keine Bestechung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da er Revision eingelegt hat. Wir nehmen das zur Kenntnis.

Steuerzahler leisten doppelt

Und nun geht es also um eine bescheidene Mieterhöhung von rund 36.000 Euro. Den Betrag will die Finanzverwaltung Hessens jetzt den Eigentümern des Behördenzentrums vorenthalten. Vielleicht wäre es vermutlich klüger gewesen, den Gebäudekomplex zu kaufen. Mit Geldern aus der Entwicklungshilfe oder finanziert von der KfW. Bekanntlich liegt das Gute so nah. Aber deutsche Politik besteht eben darin, Mittel in korrupte Staaten umzuleiten, die sich damit eigene Mittel für diese Projekte ersparen können und dafür Immobilien in Deutschland kaufen, die sie an den deutschen Staat lukrativ vermieten. Dann zahlt der deutsche Steuerzahler doppelt. Erst Entwicklungshilfe, dann Miete für das Finanzamt, das die Mittel aus ihm herauspreßt.

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Kommentare ( 68 )

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nardazy
2 Monate her

wie sehr müssen unsere Politiker ihr Volk noch demütigen, bis es endlich aufwacht und sich wehrt?

andrea
2 Monate her

Die deutsche Korruption füttert die aserbeidschanische oder umgekehrt- genau weiß man es nicht. Ich vermute, wenn man dem auf den Grund ginge, würden nahezu alle „Entwicklungshilfeprojekte“ so oder ähnlich aussehen. Das Geld fließt vom ausgepressten Steuerzahler in undurchsichtige Kanäle, die letztlich alle abgehalfterten und unfähigen Parteibonzen mit mästen. Das geht wahrscheinlich schon lange Zeit so, nicht umsonst mahnten von Arnim und von Weizäcker schon Anfang der 80er Jahre, die Parteien hätten sich den Staat zur Beute gemacht. Kümmerte nur keinen, ging ja allen gut. Es erklärt aber auch gut die Angst vor dem Paria AfD, deren Mitglieder sich aus mehreren… Mehr

Waehler 21
2 Monate her

Roland Koch eben! Noch Fragen?

Reinhard Schroeter
2 Monate her

Die Aseriers arragieren sich mit der Dummheit, in diesem Fall, der der Westdeutschen,
Wenn sie es nicht machen würden, wären es eben andere.
Eines aber bleibt, nämlich die Dummheit.

jensberndt
2 Monate her

… und wieder ein Geschäft ganz im Geiste von Koschka Fischer und Jürgen Trittin: Kein Grund ist zu blödsinnig Geld aus dem Land zu schaffen, Hauptsache dem deutschen Volk wird es vorenthalten.

K.Behrens
2 Monate her

Leider noch ein weiterer Baustein an kalten nackten Fakten, was auch immer Aserbaidschan bedeutet, wo die Gattin des Präsidenten auch gleich mal Vizepräsidentin ist und nicht wenige sogenannte Aserbaidschaner im Iran, etc. leben. Machte nicht 2018 eine Merkel noch shake hands auf ihrem Trip durch die Galaxie Aserbaidschan und will auch von diesem brisanten Verkauf nichts gewußt haben?  Ich erinnere an Wegner und Schwarzer. Die Verpflechtungen der beiden mit Aroundtown sind bekannt, Mietverträge von uralten Hotels für Asylbewerber sind bereits abgeschlossen. Auch hier sieht die breite Öffentlichkeit im Dickicht der beteiligten Personen keinen Interessenkonflikt? Dabei kann man den Unternehmen mit… Mehr

Stuttgarterin
2 Monate her

Es fehlt ein Gesetz, dass Verschenken von Steuergeld verbietet. OK wäre es, wenn es staatliche Unternehmen gäbe, die so viel Überfluss erzielen, dass damit „bedürftige“ Länder wie China oder Aserbaidschan unterstützt werden.
Nur, wo hat ein Staatsunternehmen langfristig Überschüsse erzielt?
Ich bin nicht einverstanden, dass meine Steuermittel nicht in Schule und Wissenschaft in Deutschland, sondern in Investments anderer Länder fließen.

November Man
2 Monate her

In der Angelegenheit ist nicht nur Aserbaidschan korrupt. Die deutsche linksextreme Politik ist komplett durchgeknallt.

WandererX
2 Monate her

Warum hat Koch das Gebäude verkauft? Um Schulden zu begleichen?

Peter Klaus
2 Monate her

Ich frag mal meinen Nachbarn, ob er mir Geld schenkt, dass ich ihm dann mit Zinsen verleihe.