17. Juni – am Tag danach

Heute hat uns folgende Zuschrift erreicht:

„Ich fand es sehr traurig, dass ich hier gestern keinen Artikel zu dem 17.  Juni 1953 fand. Ich weiß, dass dieser Tag in der alten Bundesrepublik auch missbraucht wurde und dass man diese damaligen Proteste auch im Zusammenhang betrachten muss.
Aber ich komme aus dem Osten, hatte diesen Feiertag nie und finde mich in diesem Rechtsstaat kaum wieder. Ich fühle mich schlicht von den stetig neuen Gesetzen bedrängt – entscheiden tun nahezu nur noch die Gerichte und von der „political correctness“ eingeengt. Läuft etwas nicht, dann wird nach neuen Gesetzen gerufen. Von der Freiheit, die wir 1989 hatten ist sehr wenig geblieben, zudem ist die DDR Geschichte nicht entsprechend aufgearbeitet. Ich fand gestern nur eine Handvoll ernstzunehmender Artikel zu diesem Tag, nicht einmal alle von gestern.
Eine Erinnerung an diesen Tag, auch wenn sie kritisch gewesen wäre, hätte ich begrüßt, ihr seid gut, bietet mit Eurem mutigen freien Journalismus auch den entsprechenden Rahmen. Es ist unser Feiertag, ein Tag für die Freiheit auf den wir alle stolz sein können.“




Es war ein mutiger Ruf nach Freiheit und Demokratie: Am 17. Juni 1953, am Mittwoch vor 62 Jahren, gingen eine Million Menschen in der DDR gegen das SED-Regime auf die Straße. Sowjettruppen, Stasi und DDR-Volkspolizisten schlugen den Volksaufstand blutig nieder. Die Angaben zu den Toten schwanken zwischen 23 und 383.

15.000 Menschen wurden verhaftet.

Am 16. Juni 1953 waren Berliner Bauarbeiter als Reaktion auf eine Erhöhung der Arbeitsnormen in Streik getreten. Tags darauf weitete sich der Protest zur landesweiten Volkserhebung aus: In 700 Städten und Dörfern gingen mehr als eine Million Menschen auf die Straße. Die Staatsmacht reagierte mit äußerster Härte: Unterstützt von Panzern der Roten Armee, wurde der Aufstand niedergeschlagen.

Der 17. Juni als Feiertag wurde zu Gunsten des 3. Oktober abgeschafft, dem Tag der Wiedervereinigung. Seither ist der 17. Juni aus unserem Gedächtnis verschwunden. Dabei wäre es ein Grund, auf die mutigen Männer und Frauen stolz zu sein – es gibt wenige solche Tage. Die Abschaffung des Feiertags zeigt Wirkung; wir haben den Tag der Freiheit vergessen und die Bahn ist frei für die alten Feinde der Freiheit im neuen, chicen Kostüm.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) warb dafür, den 17. Juni wieder zu einem bundesweiten Feier- und Gedenktag zu machen.

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