Weil er Fragen an den Fernsehrat stellte, hat die Mainzer Anstalt einem Journalisten fristlos gekündigt. Unter Intendant Norbert Himmler muss jeder Angst um seinen Job haben, der noch eine eigene Meinung hat.
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Normalerweise sind Prozesse ja eher langweilig, erst recht am Arbeitsgericht. Doch dieser Fall ist alles andere als normal, und er ist auch kein bisschen langweilig.
Denn hier entblößt das Zweite Deutsche Fernsehen gerade sein Selbstverständnis.
Vor dem Arbeitsgericht Mainz wird der Fall von Joachim Sperling verhandelt, den alle seit Urzeiten nur Joe nennen. Mehr als 30 Jahre ist der Mann beim Sender – seit 1994 als freier Mitarbeiter, seit 1998 mit einem Vollzeitvertrag, die meiste Zeit davon beim Polit-Magazin „Frontal“. Jetzt wirft ihm die öffentlich-rechtliche Anstalt vor, dem Ansehen des ZDF zu schaden.
Den Namen Joe Sperling werden die meisten nicht kennen. Ganz sicher nicht im Zusammenhang mit Kritik am ZDF. Das liegt daran, dass der Journalist noch nie öffentlich mit Kritik an seinem Arbeitgeber aufgefallen ist. Selbst jetzt, da der Sender ihn rausgeschmissen hat, will er sich zu seinem Fall nicht äußern.
Intern hat Sperling durchaus Kritik geäußert, aber stets nur auf dem Dienstweg. Zum Beispiel hatte er Zweifel an der Überprüfbarkeit der Bilder in einem Bericht über den Ukraine-Krieg. Und er stellte Fragen zu einem langjährigen und inzwischen verstorbenen Mitarbeiter in der „Frontal“-Redaktion. Der Mann wurde kurz nach seinem Ruhestand als Verbindungsmann zweier Geheimdienste enttarnt.
Sperling wollte wissen, ob und wie diese dubiose Verbindung die journalistischen Quellen gefährdet und zum Beispiel die Themenauswahl beeinflusst haben könnte. Wenn über Jahre ein Agent irgendeines Geheimdienstes bei den Redaktionskonferenzen mit am Tisch saß, sind das eher nachvollziehbare Fragen.
Das „Vergehen“, das die Anstalt ihm jetzt vorwirft: Weil seine Vorgesetzten und deren Vorgesetzten seine Kritik abgebügelt hatten, wandte er sich an den Fernsehrat. Doch der, so argumentieren die ZDF-Anwälte, sei ein externes Gremium und im Prinzip ausschließlich für Zuschauerbeschwerden zuständig. Mit der Information dieses Gremiums habe Sperling Interna nach außen getragen. Das sei rufschädigend und rechtfertige die fristlose Kündigung.
Man wundert sich.
Der Fernsehrat ist nicht nur das oberste Aufsichtsgremium des ZDF, sondern er wählt auch den Intendanten. Der Sender stellt sich jetzt auf den Standpunkt, dass zwar jedermann außerhalb des ZDF sich mit Beschwerden und Bedenken an den Fernsehrat wenden könne – aber Kritik und Fragen von Mitarbeitern im Sender dürften da nicht landen.
Joe Sperling hat seine Bedenken wegen der Kriegsberichterstattung und der Geheimdienstverbindung des früheren Kollegen erst dem ZDF-Vertrauensanwalt vorgetragen, dann der Chefredaktion, dann der Intendanz. Er hat also stets sozusagen die Befehlskette eingehalten.
Im Ergebnis ist er überall abgeblitzt. Und nicht nur das: Nach vielen Jahren am Standort Berlin wurde er plötzlich nach Mainz versetzt. Sachlich gibt es dafür überhaupt keinen nachvollziehbaren Grund, zudem hat Sperling Frau und Kind und Wohnung in Berlin. Das ZDF, Überraschung, bestreitet eine „Strafversetzung“.
Trotzdem ging er nicht an die Öffentlichkeit, sondern wandte sich an die letzte Instanz im Sender: an das oberste Aufsichtsgremium, den Fernsehrat. Daraufhin flatterte ihm die fristlose Kündigung ins Haus – nach über 30 Jahren.
Was wäre passiert, wenn ein ZDF-Mitarbeiter den KI-Fake-News-Skandal dem Fernsehrat gemeldet hätte?
Wäre der auch fristlos gekündigt worden? Wie geht die Anstalt mit interner Kritik um? Wird sie als Teil institutioneller Selbstkontrolle verstanden – oder nur als Rufschädigung? Und was für eine Unternehmenskultur pflegt Intendant Norbert Himmler da? Für jeden halbwegs unbefangenen Beobachter entsteht der Eindruck, dass Sender Kritiker mundtot machen will.
Beispielhaft dafür ist nicht nur Joe Sperling, sondern auch Andreas Halbach. Der berichtete bei einer Anhörung im Landtag von Nordrhein-Westfalen von Missständen beim ZDF – und wurde danach kaltgestellt.
So läuft das in Mainz, sagen Mitarbeiter, die – aus nachvollziehbaren Gründen – lieber nicht namentlich genannt werden wollen: Kritiker würden versetzt, Projekte verschwänden in der Schublade, man bekomme keine Teams mehr. Beiträge würden auf Eis gelegt, man habe keinen Zugriff mehr auf Produktionsmittel.
Das sei keine funktionierende innere Pressefreiheit, sondern interne Zensur durch Entzug von Arbeitsmöglichkeiten. In einem Zeitungsinterview lässt sich ein Mitarbeiter mit diesem Satz zitieren:
„Wer intern Fragen stellt, riskiert seine Karriere.“
Nach Ansicht des ZDF ist das alles Quatsch. Die Argumentation geht ungefähr so: Natürlich kann man interne Kritik äußern. Die letzte interne Instanz ist aber der Intendant. Wenn der die Kritik abweist, ist eben Schluss.
Als Zuschauer und Zwangsgebührenzahler stellt man sich da schon die Frage: Wozu braucht es dann überhaupt noch diesen Fernsehrat?

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Joe Sperling kann vor Gericht argumentieren, daß er nicht als ZDF-Kader, sondern als Privatmann sich an den Fernsehrat gewandt hat. Oder als Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Dann muß der Fernsehrat ihn anhören.
Dazu fällt mir jetzt nur ein/auf, dass der Intendant schon den richtigen Nachnamen trägt!
„Wozu braucht es dann überhaupt noch diesen Fernsehrat?“ Die Frage ist falsch formuliert. Richtig wäre: Wozu braucht es das ZDF?
Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert…… und dies erst noch auf Kosten der Allgemeinheit.
Um meinen Missmut ob diesem Saftladen mit den Worten von Milei Ausdruck zu verleihen: „AFUERA“
Es gab also bis vor Kurzem einen „kritischen Journalisten“ beim ZDF.
Ich nehme an, diese Nachricht wurde bei TE gründlich und unwiderlegbar verifiziert. Das wäre dann allerdings eine echte Sensation.
Natürlich wird jemand der bei einer Propagandafirma arbeitet gefeuert wenn er keine Propaganda machen will. Dafür wurde er ja schließlich eingestellt und bezahlt.
Nicole Diekmann ist ZDF Korrespondentin in Berlin Hauptaufgabengebiet AFD. Sie rief zum Kampf gegen Nazis auf. Dann wurde sie gefragt, wer ein Nazi sein. Antwort: „Jede/r, der/die nicht die Grünen wählt.” Nun zu Jan Böhmermann ZDF: „Liebe 3sat-Zuschauer*innen, bitte nicht vergessen: nicht immer die Nazikeule rausholen, sondern vielleicht einfach mal ein paar Nazis keulen“. Quelle Tagesspiegel 23.04.2024 Schlussfolgerung: Jeder der nicht die Grünen wählt soll gekeult = getötet werden. Die Leitende Mainzer Staatsanwältin Andrea Keller fand keinen Grund zu einer Anklage: Alles sei nur Humor.
Das ZDF hat schon ein schlechtes Ansehen, einen gewissen Ruf,schlimmer kann es nicht mehr werden und man kann ohne Hemmungen tun, was man will. „Anstand,Fairness, Rücksicht “ was ist das denn. Ohne diese beiden Worte kann man tun und lassen was man will. Unliebsame oder zu kritische Arbeitnehmer kann man ohne Weiteres in “ die berufliche Wüste “ schicken. Abfindungen ? Kein Problem, es kommt ja genug Geld rein. ZDF und die Zwillingsschwester ARD, beide souverän auf politische Staatslinie, da kann nichrts passieren. Nur sollten beide niemals sagen, dass sie unabhängig,frei und neutral sind. Dass alle ihre Bildreportagen die Realität… Mehr
Das sollte doch dem dümmsten Schergen mittlerweile klar sein, worauf er sich mit diesen Leuten einlässt.
Es ist ganz einfach: Nimm die Kohle mit, die du mit (ehrlicher) Arbeit verdient hast und lauf, so schnell du kannst.
Ich denke die sieben da bei Anstellung schon gut rum nach Gesinnung, insofern werden sich da kaum Konservative tummeln, wie ja auch Umfragen beweisen, die nahezu 80% grünes Denken bei dem ganzen Komplex suggerieren.
Deshalb weiss man auch nicht, wie dieser Gekündigte wirklich denkt.
Vielleicht ein Ausrutscher? Ein Durchgerutschter im ewigen 10000-Jährigen grünen Reich?
Wenn doch diese EU aus dem Willen der Bürger entstanden ist, dann hat doch auch diese EU verdammt noch mal die Pflicht, für alle Mitgliedsstaaten einen einzigen öffentlichen Demokratie Sender in der jeweiligen Sprache, neutral, überparteilich einzurichten, der den überstapazierten Begriff Rundfunkauftrag auf ein notwendiges Mass reduziert. Alles andere auf nationaler Ebene ist dann nur noch optional freiwillig! Warum geht das im digitalen 21Jhd. nicht, wenn doch vorrangig das Motiv der Demokratieerziehung immer als notwendig strapaziert wird? Die Bürger haben diese nach hedonistischen Prinzipien agierenden ÖR Sender im Land satt.Aktuell arbeiten alle Politiker der herrschenden Klasse in Sachsen-Anhalt an neuen… Mehr