Petition gegen Umbenennungen in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Hinter dem Umbenennungswahn in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden stecken Bildungsdefizite und eine verbohrte Ideologie. – Eine höchstgefährliche Kombination, wie die Geschichte lehrt. Nun läuft dagegen eine Petition.

IMAGO / Sylvio Dittrich

Seit Anfang 2020 wurden in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) 143 Kunstwerke beziehungsweise deren Titel „auf rassistische oder anderweitig diskriminierende Begriffe oder Inhalte“ geprüft – und politisch „korrekt“ umbenannt. TE hatte am 14. September 2021 darüber berichtet. Aufmerksam wurde die Öffentlichkeit auf diese Umbenennungsaktion durch eine parlamentarische Anfrage der sächsischen AfD-Landtagsfraktion. Das zuständige und mit zwei CDU-Ministern bestückte Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus hat angeblich „eine solche Überprüfung weder veranlasst noch durchgeführt“.

Kunstwerke politisch korrekt umbenannt
Die Kunstmetropole Dresden ist unter Sprachbarbaren gefallen
Hier nun Beispiele von Umbenennungen der SKD: Aus „Zwerg“ wurde „kleinwüchsiger Mann“ (in den USA heißt er seit Längerem „vertically challenged“). Aus „Knabe“ wurde „Junge“. Warum, weiß keiner. Aus „Zigeunermadonna“ wurde „Madonna mit stehendem Kind“. Aus „indischen Eingeborenen“ wurden einfach nur „Menschen“, aus einer „Zigeunerin“ wurde eine „Frau mit Kopftuch“. Aus der „Schwarzafrikanerin mit Spiegel“, auch als „Schwarze Venus“ bekannt, machten die Sprachbarbaren eine „Afrikanerin mit Spiegel“. All dies ohne Rücksicht darauf, dass die Titel der Kunstwerke von ihren Schöpfern so benannt wurden oder die Namen vor Jahrhunderten anderweitig zustande kamen.

Was steckt dahinter? Es stecken dahinter Bildungsdefizite und verbohrte Ideologie. Eine höchstgefährliche Kombination, wie die Geschichte lehrt! Man fragt sich nur, wie Direktoren solcher Kunsteinrichtungen (pardon, korrekt muss es wohl heißen: Direktor_*/I:nnen) in solche Positionen kommen konnten und warum die sächsische Landesregierung diesem seit 2020 währenden Treiben keinen Riegel vorschob. Also wieder mal ein Kotau vor einem um sich greifenden Kulturmarxismus!

Petition: „Folgt Identitätsraub auf Kunstraub?“

Nun läuft seit 20. September 2021 eine Petiton gegen diesen Umbenennungswahn. Die Petition richtet sich namentlich an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) und das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus (SMWK), vertreten durch Staatsministerin Barbara Klepsch. Mit Stand von 20. Oktober 2021, 12 Uhr, haben bislang gut 5.200 Unterstützer unterzeichnet – darunter rund zur Hälfte Nicht-Sachsen. 12.000 Unterschriften sind notwendig, um die Politik zu einer Reaktion zu veranlassen: sei es eine Antwort oder eine Anhörung oder eine Intervention.

Wörtlich heiße es im Aufruf der OpenPetition: „Wir fordern die Rückbenennung der 143 Kunstwerke.“ Und weiter mit Blick auf die SKD-Leiterin Prof. Dr. Ackermann: „Diese Kunstwerke gehören aber den sächsischen Bürgern. Frau Prof. Dr. Ackermann ist lediglich die Sachwalterin dieser weltweit einzigartigen Kunstschätze. Ohne sich bei den Sachsen, also den Eigentümern, für so einen weitreichenden Eingriff die Zustimmung einzuholen, fehlt der Museumsleitung schlichtweg jedwedes Mandat.“

Die Petenten rufen in Erinnerung, dass Frau Ackermann bereits 2019 verantwortliche Museumsdirektorin war. Am 25. November 2019 war es zu einem spektakulären Raub im Grünen Gewölbe gekommen. 4.300 Diamanten im geschätzten Wert von rund 110 Millionen Euro waren geraubt worden. Später wurden sechs Tatverdächtige des „Remmo-Clans“ festgenommen. Die Juwelen aber dürften vermutlich unwiederbringlich sein.

Damals hatte sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer in einer klaren Stellungnahme geäußert, die auch jetzt für die Umbenennungen von 143 Kunstwerken Geltung haben sollte. Kretschmer hatte damals gesagt: „Nicht nur die Staatlichen Kunstsammlungen wurden bestohlen, sondern wir Sachsen! Die Werte, die im Grünen Gewölbe und im Residenzschloss zu finden sind, sind von den ‎Menschen im Freistaat Sachsen über viele Jahrhunderte hart erarbeitet worden. Man kann die ‎Geschichte unseres Landes, unseres Freistaates nicht verstehen, ohne das Grüne Gewölbe und ‎die Staatlichen Kunstsammlungen Sachsens.“

Die Petenten dazu: „Durch eine politisch korrekte Kunst-Begriffszensur und eine allzu ‚woke‘ Museumsleitung fühlen wir uns aber als sächsische Bürger erneut bestohlen! … Eingriffe in die Sprachgestaltung sind grundsätzlich autoritären Regimen zuzuschreiben und von Demokraten klar abzulehnen. Sprache entwickelt sich dynamisch, das ist klar, aber das funktioniert in einer freiheitlichen Gesellschaft nur von unten nach oben niemals umgekehrt … Wir fordern daher die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden auf, die 143 Kunstwerke wieder so zu benennen, wie sie seit Generationen schon immer heißen. Das sind wir insbesondere unseren Vorfahren, die diese Werte erschaffen und erwirtschaftet haben, schuldig.“ Die Petenten wenden sich übrigens auch gegen Kunstbezeichnungen mit Asterixen (Sternen), denn diese seien nicht barrierefrei. Gemeint sind die angeblich gendergerechten Schreibungen mit Gender-Stern *.


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Kommentare ( 26 )

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WKW
1 Monat her
  1. Diese Umbennungen wundern mich gar nicht mehr: Es ist eine Sprachumstellung im Gange: Zunehmende Amerikanismen, von jedem Idioten , dazu gehören Klarna ( sogar in der Telefonlinie werde ich sofort geduzt ), und Ikea, werde ich geduzt. Die Volksgenossenschaft (NSDAP) und die Genossenschaft (SED) sind auf dem Vormarsch und meinen links zu stehen. Diese Firmen stehen natürlich nicht alleine, es breitet sich aus wie die Pest. Interessant ist, dass diese v.g. Firmen in Frankreich das „Sie“ ( übersetzt ) benutzen.
Th. Nehrenheim
1 Monat her

Leider scheint die Petition bei knapp über 6000 steckenzubleiben.
Man muss die Geschichte aus dem Kontext ihrer Zeit beurteilen. Wie aber soll das möglich sein, wenn man sie verfälscht?
Für die Römerzeit scheint man das übrigens besser hinzubekommen als für die NS-Zeit: Da werden die Maßstäbe von heute angelegt.

Ralf Poehling
1 Monat her

Historische Werke sind Dokumente ihrer Zeit. Sie sind nicht Dokumente unserer Zeit. Wer historische Werke ihres ursprünglichen Charakters beraubt, der tut der Gesellschaft keinen Gefallen. Denn eine Gesellschaft, die die Vergangenheit „korrigieren“ will, löscht sie aus. Und damit ist die Gesellschaft dazu verdammt, sämtliche Fehler noch einmal zu begehen. Immer wieder und immer wieder. Man stelle sich zur Verdeutlichung einfach mal vor, man würde heutzutage die Propagandafilme der Nationalsozialisten zensieren, weil einem heutzutage der Inhalt sauer aufstößt. Damit würde man jedoch das Dritte Reich letztlich nur verharmlosen. Wem wäre damit gedient? Was da in Museen an Kunstwerken hängt, muss einem… Mehr

Ulrich
1 Monat her

Die „Kulturschaffenden“ in Sachsen sollten bedenken, dass Victor Klemperer sein Tagebuch „LTI – Die Sprache des Dritten Reiches“ in Dresden verfasst, den Leuten also dort „aufs Maul“ geschaut hatte. Wer aber schon vor den großen Kunstwerken in Dresden keinen Respekt hat, für den wird auch dieser Umstand nur eine Petitesse sein.

Zylinderbohrung
1 Monat her

Das funktioniert in Ländern in denen die Museen sich über Besucher und Spenden finanzieren. Hier zahlt der Staat, egal ob wer kommt

Sonny
1 Monat her

Die Selbstermächtigung von Menschen in hochrangigen Stellen in jeglichen Bereich hinein gleicht einer kriegerischen Übernahme und einer bodenlosen Selbstüberschätzung und -erhöhung.
‚Dann mache ich das jetzt einfach mal und wenn keiner protestiert, läuft es durch.‘
Habe die Petition (Link im Artikel) selbstverständlich unterschrieben und wünsche mir, dass weitere Leser von TE ebenfalls mitmachen.

Last edited 1 Monat her by Sonny
jorgos48
1 Monat her

„Sprache entwickelt sich dynamisch, das ist klar, aber das funktioniert in einer freiheitlichen Gesellschaft nur von unten nach oben niemals umgekehrt …“
Wenn dem so ist, dann muss mit der Sprachgenderei der ÖRR eigentlich sofort Schluss sein. Wer ermächtigt die Intendanten, Redakteure und Moderatoren dazu unsere Muttersprache zu verhunzen? Die kleinen Diktatoren machen sich in den Agitprop Zentralen breit. Wehrt euch endlich!

j.heller
1 Monat her

Unterzeichnen bitte!

PM99
1 Monat her

Das Tragikkomische an der ganzen Sache ist: Auf dem Portal, auf dem die Petition gezeichnet werden kann, findet sich auch eine Statistik. Dort steht „5300 Unterzeichnende“. Wow, just in diesem Moment unterzeichnen also 5300 Menschen diese Petition! Schön wärs, nein bei Open Petition werden „Unterzeichner“ nur politisch korrekt als „Unterzeichnende“ geführt, was semantisch völliger Unsinn ist. Das ganze zeigt doch nur, wie weit die völlige Verblödung und Ideologisierung dieser Gesellschaft bereits vorangeschritten ist und dass auch diese Petition daran nichts ändern wird. Sie auf diesem Portal zur Zeichnung bereitzustellen ist wie sich bei einem Trickbetrüger über Hütchenspieler zu beschweren.

Deutscher
1 Monat her

In der gegenwärtigen gesellschaftlichen Klimakatastrophe ist eine solche Petition aussichtslos. Dennoch muß sie unterstützt werden. Sie ist ein Anfang.