Deutschland hat das Bauen so teuer reguliert, dass die Bundesregierung jetzt dünnere Decken und weniger Ausstattung als Ausweg anbietet. Die Vorschriften bleiben weitgehend bestehen. Der Gebäudetyp E ist ein Offenbarungseid deutscher Baupolitik.
picture alliance/dpa | Elisa Schu
Es ist ein krasses Eingeständnis des Scheiterns. Mit dem sogenannten Gebäudetyp E – das E steht für einfach – präsentieren Justizministerin Stefanie Hubig und ihre Kollegin, Bauministerin Verena Hubertz, einen Offenbarungseid des deutschen Bürokratismus.
Die politische Intention hinter der Initiative der beiden Sozialdemokratinnen ist zunächst einmal löblich: Man will durch eine schlankere Regulierung die Baukosten drastisch senken. Von zehn bis 15 Prozent ist die Rede, wenn der Gebäudetyp E mit seinem ganz eigenen Regulierungskatalog zum Einsatz käme. Ansätze zur Deregulierung gibt es zu Tausenden: ob dünnere Decken, weniger Steckdosen, kein vorgeschriebener Handtuchtrockner im Bad oder unbeheizte Treppenhäuser – Bauherren wissen nur zu genau, welchen Schaden die Regulierungsarbeit der vergangenen Jahrzehnte in der deutschen Bauwirtschaft angerichtet hat. Vor allem die ewigen, zähen Planungsprozesse – langwierige Genehmigungsverfahren, umfangreiche Prüfungen, immer neue Auflagen – müssen endlich verschlankt werden, damit der am Boden liegende Bau wieder auf die Beine kommt.
Die Zahlen gehen weit auseinander. Je nach Schätzung fehlen derzeit im Bundesgebiet 600.000 bis 800.000 Wohneinheiten, manche rechnen sogar mit 1,2 Millionen. Die nicht abebbende Migrationswelle hat den mobilisierungsfähigen Bestand am Wohnungsmarkt verstopft. Wohnungswechsel werden aufgrund des fehlenden Neubaus und der hohen Kapital- und Baukosten immer schwieriger.
Ein weiterer Gebäudetyp löst die Baukrise nicht
Heute benötigt eine Familie mit Durchschnittseinkommen für den Erwerb eines Eigenheims ein Vielfaches ihres Jahreseinkommens. Der Eigenkapitalbedarf für ein Einfamilienhaus wird auf mehr als fünf Jahreshaushaltseinkommen geschätzt – in den 1980er-Jahren lag dieser Wert noch bei 3,6. Zudem steigen seit einigen Jahren die Bau- und Hypothekenzinsen im Zuge der Zinswende an den Anleihenmärkten weiter an. Es ziehen also ganz dunkle Wolken am Horizont der Bauwirtschaft auf.
Nun soll es also der Gebäudetyp E richten. Und das, nachdem die Politik vor einigen Jahren das Wohnen als neues ideologisches Schlachtfeld für sich entdeckte. Sie erinnern sich: Es muss gedämmt werden, was das Zeug hält, um das Weltklima zu retten. Dachflächen sollen begrünt, Solaranlagen installiert, Heizungen ausgetauscht und Gebäude aufwendig energetisch ertüchtigt werden. Der klimapolitische Umbau des Wohnens kennt im Grunde keine Grenzen mehr.
Man fragt sich: Weshalb wird nicht gleich das ganze Baurecht zum Gebäudetyp E deklariert? Weshalb befreit man das Land nicht von Bürokratismus, stumpfer Klimaregulierung und anderem politischen Irrsinn und überlässt das Denken den Ingenieuren? Weshalb überlässt man nicht dem Markt – dem Prozess von Angebot und Nachfrage – und den Investoren die Aufgabe, das Wohnangebot zu schaffen, das Menschen tatsächlich nachfragen und dort zu investieren, wo der Bedarf am größten ist, anstatt mit Mietendeckeln und Überregulierung die Renditeerwartungen der Investoren zu zerstören?
Es gibt neue Formulare statt ein vereinfachtes Baugesetz
Fachleute weisen auf ein Detailproblem hin: Der Gebäudetyp E setzt weder bei den Landesbauordnungen an noch beim Gebäudeenergiegesetz oder bei den kommunalen Stellplatzpflichten. Er ändert lediglich das Vertragsrecht: Bauherr und Bauunternehmen sollen künftig von den anerkannten Regeln graduell abweichen dürfen, ohne dass dies automatisch als Mangel gilt. Im Kern sind damit die anerkannten Regeln der Technik gemeint, vielfach festgeschrieben in DIN-Normen, die im Laufe der Jahre vom Branchenstandard zur faktischen Pflicht geworden sind.
Wer nach Rechtssicherheit sucht, muss die Abweichung weiterhin sorgfältig dokumentieren und Haftungsrisiken übernehmen. Ob Banken, Versicherungen oder Gutachter das politische Spiel mitspielen, ist bislang offen. Der Kern des Problems wird damit also nicht berührt: Es entsteht ein Sonderweg neben der noch immer unumstößlichen Regel. Und dieser Sonderweg bringt zunächst einmal weitere Bürokratie mit sich, das ist nun einmal so im Verwaltungshorrorkabinett Deutschland.
Grundsätzlich gilt: Schließen die Bauparteien keinen Gebäudetyp-E-Vertrag ab, gelten weiterhin die üblichen Standards. Die Regel bleibt der Normalfall, es entsteht ein scheinbarer, aber durchbürokratisierter Spielraum für Bauherren, der enorme Folgeprobleme nach sich ziehen kann. Ein Bauträger, der Hunderte Wohnungen errichtet, wird sich genau überlegen, ob er jedem einzelnen Käufer eine eigene Verzichtserklärung vorlegen kann. Der Gebäudetyp E ist damit kein Befreiungsschlag. Er ist Formularkrieg für Fortgeschrittene, der wahrscheinlich den Status quo sogar noch weiter festigt.
Die Lösung liegt nicht im Sonderweg, sondern im zügigen Rückbau der Regel. Ein simpler Standard müsste zum gesetzlichen Normalfall werden – wer nach mehr Dämmung ruft, mehr Komfort oder mehr Technik einbauen will, vereinbart und bezahlt sie mit einem individuellen Kontrakt. Dann entscheidet der Kunde über den Standard und der Investor darüber, ob sich das jeweilige Projekt noch rechnet. Bauen braucht eine realistische Marktrendite, sonst kann kein ausreichender Wohnraum mit ansprechender Qualität entstehen – ohne Mietendeckel, ohne Sonderverträge und ohne Formularkrieg. Das ist die Bedingung.
Kritik vom Branchenverband
Auch aus der Bauindustrie kommt deutliche Kritik an den Plänen der Bundesregierung. Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, bemängelt gegenüber der „Rheinischen Post“, dass mit dem Gebäudetyp E eine zusätzliche Vertragswelt geschaffen werden soll, obwohl die Branche seit Langem eine grundlegende Reform des Bauvertragsrechts fordert. Besonders problematisch findet Müller, dass der Gesetzentwurf ausdrücklich eine Abweichung vom üblichen Qualitätsstandard „nach unten“ vorsieht. Damit drohe bei Käufern der Eindruck zu entstehen, sie müssten künftig zwischen guten und schlechten Gebäuden unterscheiden. Eine solche Qualitätsdebatte hält Müller für fatal und sachlich verfehlt.
Dabei begrüßt der Branchenverband ausdrücklich, dass die Bundesregierung inzwischen selbst einräumt, wie sehr überzogene Anforderungen das Bauen verteuern. Umso schwerer wiegt die Kritik: Statt endlich die rechtliche Definition dessen zu überarbeiten, was überhaupt als übliche Beschaffenheit eines Gebäudes gilt, eröffnet die Regierung einen weiteren Sonderweg. Die Bauindustrie hofft nun auf Nachbesserungen im parlamentarischen Verfahren. Damit steht bereits zum Start der vermeintlichen Bauwende die Frage im Raum, weshalb die Bundesregierung ausgerechnet jene grundlegende Reform scheut, die das Problem an seiner Wurzel packen könnte.
Mit Blick auf die politische Situation in Berlin fragt man sich: Was hält wohl die kommende kommunistische Landesregierung vom Gebäudetyp E? E wie Enteignung?


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Mehr Bürokratie, sonst ein Null-Effekt, also nur für die „Galerie der Handlungsfähigkeit“!
es wird nirgendwo mehr gemurkst, gepfuscht und Mist gebaut als am Bau in Deutschland trotz mannigfaltiger Überwachung und Kontrolle mit Vorschriften, Regularien und sonstigem bürokratischen Kram.
Was nutzt es wenn Solche kontrollieren die zwar die Vorschriften kennen aber keine wirkliche Reale Fachliche Ahbung haben? Die Einhaltung von Vorschriften prüfen, oft die auf die es fachlich real oft gar nicht ankommt und solches das fachlich wichtig wäre nicht geprüft wird
Beste Lösung für die „Baukrise“: Grenzen dicht, Abschiebungen
Allein die Abschiebungen der vollziehbar Ausreisepflichtigen (237.588 vollziehbar Ausreisepflichtige Stand März) und der Personen ohne Duldung (41.346 Personen ohne Duldung, also unmittelbar ausreisepflichtig) sollten schon eine spürbare Entspannung des Wohnungsmarktes bewirken. Dazu für „Schutzsuchende“ die Leistungen reduzieren auf Notunterkünfte, „Bett, Brot, Seife“ und medizinische NOTversorgung, das würde weiteren Zuzug vermindern und viele dazu veranlassen, anderswo ihr Glück zu versuchen. Dazu die Asylanträge im Schnellverfahren abarbeiten, Klagen gegen Ablehnung nicht zulassen. Allerdings müssen endlich die Grenzen geschlossen werden. Und bitte kein „geht nicht!“. Während Corona ging es ja auch. Und wenn die EU protestiert, dann keine Zahlungen mehr an den übergriffigen… Mehr
Am einfachsten wäre doch, man würde wieder standardisierte und entfeinerte Plattenbauten erstellen wie in der DDR. Das geht schnell, effizient und billig. Ach so, schnell und effizient geht gar nicht und man will das auch nicht in Deutschland? Na, dann muss man sich eben weiter Jahre mit der Verwaltung herumärgern und ohne ein ererbtes Vermögen ist sowieso nichts drin. Wir haben auch gar nicht mehr ausreichend fachlich qualifizierte Handwerker.
Zehn bis 15 Prozent geringere Kosten machen bei den exorbitanten Preisen von Neubauten den Braten nicht fett. Es wird auch nicht dazu führen, dass Investoren in einen Markt mit der demographischen und vor allem wirtschaftlichen Perspektive Deutschlands investieren werden. Ganz abgesehen davon gibt es, auch in vielen Boomregionen des Landes, längst schon günstigere Immobilien mit etwas geringerem Standard: nämlich Immobilien vor Baujahr circa 2010, deren Preise auch in Großstädten wieder im erträglichen Bereich, also um 4000 -/qm, liegen. Diese Immobilien von der Bürde energetischer Sanierungszwänge zu befreien, würde vermutlich mehr bringen, als neue Standards.
Das größte Problem dürfte eher die Vernichtung oder Schließungen von hunderten, vielleicht sogar tausenden Baufirmen sein in den letzten Jahrzehnten.
Know How und Kapazitäten sind jetzt weg.
Das angedachte Bauvolumen muss jetzt mit den verbliebenen Firmen oder Gesellschaften gestemmt werden.
Daß das dauert dürfte jedem klar. Und billiger kann es auch nicht werden weil dadurch der Wettbewerb fehlt.
Die Standards von vor ca. 40 Jahren sind heute unzureichend.
Wieso man die nach unten regulieren will erschließt sich mir nicht.
Das sind Placebos, mehr nicht.
Deutsch sein heißt, eine als untauglich erkannte Regel nicht abzuschaffen, sondern Ausnahmetatbestände zu schaffen, die sich nicht ins Regelungsgefüge einpassen. Also müssen neue Ausnahmetatbestände her. Das lässt sich unendlich fortsetzen. Interventionsspirale halt. Am Ende stranguliert sich das System selbst, was noch lange nicht heißt, dass es abgeschafft wird. Da ist noch reichlich Luft nach unten. Zum Ende des weströmischen Reiches durfte man seinen Beruf nicht mehr wechseln, auch die Nachkommen nicht. Die Regelung wurde „notwendig“, weil keiner mehr zu festegelegten Preisen für gepanschte Münzen arbeiten wollte. Mir graut’s. Die DDR wurde von der BRD aufgefangen. Aber wer fängt die BRD… Mehr
So ist das wenn Diejenigen,welche Vorschriften und Norgemen erlassen von der realität keine fachliche Ahbung haben.
für die ca. noch 50 Millionen Deutsche gibt es mehr als genügend Wohnungen und Häuser, aber man will das dichtbesiedelte Land nun mit Massenquartieren weiter zupflastern… offenbar um die Wählerschaft für „unsere Demokratie“ zu befördern…
Die beiden Darsteller:Innen auf dem Foto können vielleicht gegen Rächts demonstrieren. Ahnung von Technik und Kommerz haben sie keinesfalls.
Schande über alle, die so etwas wählen.
Beim Bau werden mehr Papier- Vertrags – und Datenstapel , als Baumateriall bewegt , das macht die Sache teuer !
Am besten die Pläne ostdeutscher Plattenbauten reaktivieren.
Wer die Baubranche durch Konzepte wie den ‚Haustyp E‘ lähmt, betreibt Realitätsverweigerung. Dieses Herumdoktern an Symptomen schädigt alle Investitionswilligen im Land. Es ist zwingend und schnell notwendig, nicht nur die Einzelverantwortlichen, sondern diesen gesamten ideologischen Regierungsapparat politisch abzulösen, um weiteren Schaden für die Wirtschaft und die privaten Häuslebauer abzuwenden.