Entwicklungshilfe beenden – sonst wird Afrika nie auf eigenen Füßen stehen

Die Entwicklungshilfe muss beendet werden, fordert Volker Seitz. Seit sechs Jahrzehnten soll sie sich selbst überflüssig machen. Entstanden ist eine milliardenschwere Industrie, die Versagen finanziert, Korruption begünstigt, Abhängigkeit zementiert und Eigenverantwortung erstickt.

picture alliance / BMZ/photothek.de | Florian Gaertner

Die Debatte um den Sinn und die Steuerung von Entwicklungsgeldern hat in diesem Jahr sichtlich an Dynamik gewonnen. Das freut mich sehr, da ich schon seit Jahren die Almosen für Afrika (dort fließt der größte Teil der Steuergelder hin) als realitätsfern und zweckentfremdet bemängelt habe. Ich muss immer wieder daran erinnern, dass die Hauptaufgabe der Entwicklungshelfer seit sechs Jahrzehnten darin bestand und besteht, sich selbst überflüssig zu machen. Auch wenn ich viele Helfer in Afrika und Armenien kennengelernt habe, die mir gegenüber ihren Idealismus rasch verloren hatten, lassen sie sich mit ihrer Kritik, aus Eigeninteresse, sehr viel Zeit. Axelle Kabou schrieb: „Wir (die Afrikaner) haben uns daran gewöhnt, dass für Entwicklung das Ausland zuständig ist.“

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Heute fließen deutsche Steuergelder noch oft in korrupte Kanäle (vgl. zuletzt den GIZ-Skandal im Jemen), anstatt bei den Menschen anzukommen. Die gigantische Hilfsindustrie füttert sich vor allem selbst. Es geht um viele Milliarden Euro mit wenig Wirkung. Sowie die Verwechslung von Aktivität mit Ergebnis. Zuviele verdienen gut daran und niemand wird für das Versagen verantwortlich gemacht. Das ist so, weil es keine klaren Erfolgskriterien und keine konsequente Kontrolle gibt.

Dauerhafte Hilfsgelder an Regierungen sind wie ein ‚zinsloser Kredit ohne Rückzahlungsverpflichtung‘, und genau deshalb fördern sie Korruption und schlechte Regierungsführung“, sagt die Sambierin Dambisa Moyo in ihrem Buch „Dead Aid“. Da Regierungen ihr Geld aus dem Westen statt durch Steuern erhalten, müssen sie sich nicht vor ihren Bürgern rechtfertigen.

Natürlich müssten sie dann die Einkünfte aus den oft reichlich vorhandenen Bodenschätzen offenlegen. Durch Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Korruption entgehen den afrikanischen Staaten – nach einem Bericht der Afrikanischen Union vom Juli 2025 – jährlich 88 Milliarden US-Dollar. Grobe Schätzungen gingen sogar von über 500 Milliarden US-Dollar aus, sagt der Kameruner Idriss Linge. Er ist Advocacy Officer für das Tax Justice Network (TJN) mit Sitz im britischen Bristol.

Die Herrschenden verkünden unter dem Beifall westlicher Geberorganisationen Ziele, die mehr zählen als deren Erreichung. Das Versprechen ist immer größer als die Einlösung, etwa eine funktionierende, steuerzahlende Wirtschaft im eigenen Land aufzubauen.

Fehlschläge beeindrucken die Wohltätigkeitsindustrie nicht. Es gibt keine verlässlichen Aussagen über Wirkungen vor Ort. Traditionell gilt das Wort in der Entwicklungshilfe schon als Realisierung. Die bloße Durchführung von Seminaren gilt als Erfolg. Ein Follow up oder gar ein Wirkungsmonitoring ist unüblich. Es wird den Veranstaltungen Effizienz unterstellt.

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Immer mehr kritische Afrikaner kritisieren die ideologisch geprägte Entwicklungshilfe, entschieden von Politikern – die das echte Leben der Afrikaner nicht kennen –, aber ihre eigenen Prioritäten (wie Klima- oder Gesellschaftsmodelle) den Afrikanern von außen aufdrücken. Begriffe wie „Gender“ und „Klima“ sind zu zentralen Vorgaben geworden. Projektmittel werden in der Regel an diese Kriterien geknüpft. So wird das ursprüngliche Ziel der Armutsbekämpfung verfehlt. Mittel fließen in theoretische oder ideologische Schwerpunkte und politische Beraterprojekte verursachen hohe Verwaltungskosten und schmälern erheblich den direkten Nutzen in den Empfängerländern.

Diese Afrikaner fordern das sofortige Ende der klassischen Entwicklungshilfe. Afrika müsse den Weg des globalen Wettbewerbs wie Asien gehen, um eigene Strukturen und Industrien aufzubauen. Rohstoffe (wie Kakao, Kaffee, Baumwolle oder seltene Erden) sollten nicht mehr billig exportiert und im Ausland weiterverarbeitet werden. Dadurch könnten – nach dem Beispiel Botswanas und Ruandas- dringend benötigte Arbeitsplätze geschaffen und Gewinne im Land bleiben.

Heute wird – mit wenigen Ausnahmen – der unternehmerische Geist vor Ort durch den Zustrom kostenloser Hilfsgüter verdrängt oder erstickt. Beispiel: Subventionierte Lebensmittel oder Kleidung als „Hilfe“ ruinieren die afrikanische Landwirtschaft und die Textilproduzenten, die ihre Ware nicht mehr verkaufen können. In kaum einem Land südlich der Sahara müsste ohne die „Hilfe“ tatsächlich gehungert werden, sagt der Wirtschaftsexperte James Shikwati aus Kenia.

Es ist ja nicht so, dass dies alles in Berlin oder Brüssel nicht bekannt ist. Ändern wird aber nichts, solange noch viele Medien das Spiel mitspielen. Gerne wird dann die Entwicklungshilfe bewußt mit der humanitären Hilfe vermengt. Humanitäre Hilfe wird vom Auswärtigen Amt koordiniert nicht vom BMZ. Nach der Abwicklung des Ministeriums für die Berufsentwicklungshelfer wird es selbstverständlich weiterhin rasche Hilfe bei Hungersnöten, Naturkatastrophen oder Epidemien geben. Die Beendigung derartiger Nothilfe fordert niemand.

Wie sagte der kluge britische Historiker Henry Thomas Buckle: „Der größte Feind des Wissens ist nicht der Irrtum, sondern die Trägheit. „The great enemy of knowledge is not error, but inertness.“

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Kommentare ( 47 )

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LadyGrilka55
13 Tage her

Auch ich bin dafür, jegliche Entwicklungshilfe SOFORT einzustellen und das entsprechende Ministerium aufzulösen. Erstens: Es wurde seit Jahrzehnten „Entwicklungshilfe“ gezahlt. Was hat sich „entwickelt“? Wo ist die Evaluation? Zweitens: Der Mensch wächst an Herausforderungen, nicht wenn ihm die gebratenen Tauben in den Mund fliegen. Das gilt für Afrikaner genauso wie für Europäer und alle sonstigen Völker. Drittens: Die paternalistische Haltung gegenüber anderen Ländern ist Rassismus, der laut schreit: Ich bin dir überlegen, deshalb brauchst du meine Hilfe! Viertens: Ländern wie China und Indien (die uns gerade rasant überholen) „Entwicklungshilfe“ zu zahlen, ist lächerlich und absurd. Fünftens: Immer zuerst das eigene… Mehr

Mausi
18 Tage her

Typisch deutsch. Aber für D Einmischung in innere Angelegenheiten verbieten. Als ob Entwicklungshilfe keine Einmischung in innere Angelegenheiten eines fremden Staates ist. Insbesondere weil jeder weiß, dass das Ziel der Entwicklungshilfe verfehlt wird.

Deutscher
18 Tage her

Afrika interessiert mich nicht. Denen kann man ne dieselbetriebene Grundwasserpumpe mitten im Dorf hinstellen. Wenn sie kaputt geht, wird sie nicht etwa repariert, sondern dann holen sie das Wasser wieder zu Fuß am 8 Kilometer entfernten Wasserloch. Hoffnungslos, die wollen nicht modern werden.

Anglesachse
18 Tage her
Antworten an  Deutscher

Ich weiss nicht woher Sie dies „geballte Fachwissen“ her haben, jedoch ist es wohl so, dass hochtechn.Material verwendet wird, welches im Defekt gar nicht lokal repariert werden kann.
Ein Kat.betriebener Diesel mit elektron. Einspritzsystem ist nicht mit „Urwaldmitteln“ zu reparieren, jedoch ein Ballerdiesel (Wacker!) mit Glühkerze schon!
Wussten Sie dass es auch afrik. Ingenieure und findige Handwerker gibt?
Jaja, wir leben inzw. schon im 21.Jhrt. ohne Baströckchen o. Strohütte!!!

Dr. Rehmstack
18 Tage her

„Ministeriums für die Berufsentwicklungshelfer“: das ist der Kern, es geht gar nicht um Hilfe für Afrika, sondern es ist nichts anderes als ein Geldwäschesystem zur Finanzierung von Parteigenossen/“NGO`s“ über den Umweg des Auslands.

Sanijo
18 Tage her

Wir machen ein Geschäft, alle Afrikaner nach Deutschland und alle Deutschen nach Afrika, die linken und Grünen, schwarzen sowie die ganzen Woken bleiben da. Ihr könnt euch ja Hochstapeln damit genügend Platz für alle da ist, denn in Hochstapeln seid ihr Spitze! Die Deutsche Kultur und das Wissen nehmen wir natürlich mit! Das neue Geld ist die D-Mark und Geld wird keines mehr, zu den Ansammlung von Räubern und Banditen wie die UN und Davos, mehr fließen! Ist das ein Deal?!

Last edited 18 Tage her by Sanijo
Britsch
18 Tage her
Antworten an  Sanijo

Genau das
Es hat schon mal jemand den Vorschlag gemacht, Wir gehen alle dort hin wo die „Flüchtlinge“ her kommen. Hat aber gleich dazu geschrieben, aber was ist in ein paar Jahren, wenn wir alles aufgebaut haben, dann geht es wieder umgekehrt?

Anglesachse
18 Tage her
Antworten an  Britsch

So was nennt sich „Kreislaufwirtschaft“…😂

gast
18 Tage her

Als hätte „Entwicklungshilfe“ jemals jemandem auf die Beine geholfen. Entwicklungshilfe sind Subventionen für die einheimische Großindustrie. Du kriegst 10 Millionen Entwicklungshilfe. 3 Millionen darfst du selbst behalten für dich und deine Lieben und für den Rest kaufst du das Produkt XYZ von der Firma ABC. Ob du das Produkt verwendest oder nicht, ist egal.

Anglesachse
18 Tage her
Antworten an  gast

DAS ist das Problem: Das Hightec-Material ist nicht für den dauerhaften Gebrauch gedacht. Was soll ein Afrikaner mit einem Spülklo-System, wenn er/sie das nötige Wasser zum Leben braucht? Z.B. die skandinav. Torfklos wären angebrachter und sind selbst zu bauen u. liefern noch guten Trockendünger. Gibt,s übrigens auch mit Klobrille! Unsere moderne Architektur arbeitet inzw. wieder mit (nachhaltigen) Lehmziegeln (statt Beton) für Häuser, in Afrika ist das Knowhow für Lehmziegel sattsam bekannt. Wellblechütten sind überflüssig und zu heiss. In Indien kostet so ein Lehmhaus ca. 10.000$US (Aussage meines ind.taxidrivers) u. hält 1 Generation (incl.Monsum) Die Uni-HH hatte ein Projekt: „Hilfe zur… Mehr

Klaus Uhltzscht
18 Tage her

„…sonst wird Afrika nie auf eigenen Füßen stehen“
Die BRD denkt, Afrika ist ein hungriges Kind mit Kulleraugen.
Afrika muß aber nüchtern nach Nutzen und Risiko bewertet werden.
Das Ziel muß heißen: Gegenseitiger wirtschaftlicher Vorteil plus Frieden.
Es gibt Verteilungskampf und Freßfeinde. Klingt brutal Rächts? Kommt aber aus der Darwin’schen Entwicklungslehre für Tiere und Pflanzen. Bei den Menschen leben und handeln normale Völker wie die Afrikaner, Indianer, Eskimos und Asiaten nach diesem göttlich-natürlichen Prinzip.
Und noch ein Grundübel: Die Goethe-Institute der BRD überall in der Welt. 
Darüber schreibe ich mal getrennt. Deren Angestellt:innen werden mich hassen.

Last edited 18 Tage her by Klaus Uhltzscht
A.G.
18 Tage her

Entwicklungshilfe nennt man es….in Wirklichkeit ist es Bestechungsgeld / Schweigegeld damit die afrikan. ReGIERungen dem „Wertewesten“ (unsere Demokratie() und so…) erlauben das Land und dessen Rohstoffe auszubeuten, sowie die normale Bevölkerung dumm, arm und unten zu halten. Die Pharmaindustrie darf dann auch Medikamenten-Experimente und Impfungen an diesen wehrlosen Opfern durchführen…natürlich zum Wohle der gesamten Menschheit

Manfred_Hbg
18 Tage her

Als kurz nach der Merkel’schen Grenzöffnung und Einsesetzen der „Fachkräfte- und Bereicherungsflut“ dann auch immer mehr „Schwarze aller Couleur“ zu sehen waren, bin ich auch schon da zum Beispiel bei NZZ auf fast gleiche Artikel gestoßen in denen im Zusammenhang mit dem dauerverarmten Afrika ein Stop der seit jahrzehnten fließenden Hilfsgeldern gefordert und vor verschiedenen anderen Problemen mit Afrika gewarnt wurden. WOBEI hier dann in einen dieser NZZ-Artikel z.Bsp. auch Vergleiche mit/zu anderen Staaten gezogen und darauf hingewiesen wurde, dass all die damaligen sog, Entwicklungsländer die keinerlei Hilfsgelder bekommen haben, dass diese dann in ihrer Entwicklung schneller vorangekommen sind und… Mehr

karlotto
18 Tage her

Drei Ernten im Jahr , Rostoffe ohne Ende , aber die Mentalität , lässt alle am Hungertuch nagen.
Alle Menschen sind gleich , welch Illusion.

Anglesachse
18 Tage her
Antworten an  karlotto

Es ist das Ergebnis latenter Kolonialgeschichte seit 1900. Da sind auch EU-Länder involviert. Es sind abgepresste Lizensen und vertragliche Nutzungsansprüche.
Der pers. Schah wurde auch mal „abgesetzt“, weil er persische Ölförderlizensen für sein Land zurück wollte.
Erfolgreiche einheimische Revolten werden bei uns dann als „sozialistische Diktaturen“ tituliert.
Was da im Hintergrund geschachert wird, erkennt man, wenn man mal die Religionsverteilung in Afrika ansieht, denn auch „Missionierung“ spielt eine Rolle, nicht nur Islam.

Don Didi
17 Tage her
Antworten an  karlotto

Sehe ich ähnlich. Die „Wiege der Menschheit“, tausende Jahre Vorsprung, sitzen mit dem Arsch 30cm über unermesslichen Bodenschätzen und bleiben genau da regungslos sitzen und warten auf Versorgung.