Deutschland wollte mal wieder die Welt retten – Dänen müssen jetzt den Kadaver entsorgen

Aus einem gestrandeten Wal in Deutschland, der „Timmy“ getauft wurde, wurde innerhalb kürzester Zeit ein nationales Moral- und Medienereignis.

picture alliance/dpa | Marcus Golejewski

Wochenlang bewegte kaum ein Thema Deutschland emotional stärker als Buckelwal „Timmy“. Jede noch so kleinste Bewegung wurde begleitet und dokumentiert. Aktivisten machten aus dem Wal eine nationale Herzensangelegenheit, die von den sich häufenden Gewaltdelikten in Deutschland ablenkte.

Doch all das war nutzlos. Timmy ist tot. Der Kadaver liegt inzwischen vor der dänischen Insel Anholt, wo Behörden vor Verwesungsgasen, möglichen Krankheiten und sogar Explosionsgefahr warnen.

Der Strand wurde abgesperrt, der Wal an Land gezogen. Er soll dort obduziert und anschließend entsorgt werden. Während die deutschen Medien keinen Beitrag über die große Rettungsmission ausließen, handeln die Dänen deutlich pragmatischer: Der Kadaver muss weg.

Deutschland exportiert seine Probleme

Während Deutschland seine Probleme gewöhnlich importiert, liegt die Sache in diesem Fall andersherum. Selbst das Schweizer Medium Blick griff die inzwischen spürbare Genervtheit über die deutsche Wal-Hysterie auf. In einem YouTube-Video sagt eine Dänin ziemlich offen, Deutschland habe sein „großes Problem“ einfach exportiert. Gemeint war der vor Anholt verwesende Wal-Kadaver, der nun ausgerechnet an einem Strand liegt, an dem normalerweise Familien und Kinder baden. Während Deutschland die moralische Rettungsmission inszenierte, dürfen die Dänen jetzt mit Gestank, Absperrungen und Gesundheitswarnungen leben.

Andere Länder andere Sitten

Seit die emotionale Rettungsoper rund um „Timmy“ verklungen ist, hört man darüber in den deutschen Medien freilich kaum noch etwas.

Wie anders andere Länder mit solchen Fällen umgehen, zeigt Frankreich. Dort wurde ein über zwölf Tonnen schwerer toter Finnwal innerhalb kürzester Zeit mit einem Kran geborgen, auf einen Lastwagen geladen und abtransportiert. Auch dort schlug Pragmatismus Moral.

Biologisch erklärbar

Auffällig ist schon, wie plötzlich überall Meldungen über gestrandete Wale auftauchen. Dabei ist die Sache biologisch deutlich weniger spektakulär, als die Medien suggerieren. Auch ein Wal stirbt irgendwann – wie jedes andere Lebewesen auch. Allerdings sterben sie zumeist irgendwo im Meer, sinken ab und werden dort von Bakterien, Organismen und anderen Meerestieren zersetzt. Genau daraus entsteht dann wiederum Nahrung für andere Lebewesen. Kreislauf des Lebens nennt sich das auch.

Das kann man als traurig oder natürlich empfinden. Doch nachhaltiger wird es eigentlich kaum, um dann doch einmal dieses inzwischen völlig kaputtgeredete Lieblingswort deutscher Aktivisten zu benutzen.

Reich durch Heuchelei

Wale stranden außerdem seit Jahrhunderten immer wieder oder verirren sich in flache Gewässer. Mal sind Tiere krank, mal orientierungslos, mal spielen Strömungen oder Lärm eine Rolle. Oft weiß man es nicht genau. Die Tiere können schließlich kein Abschluss-Statement mehr dazu geben.

Umso heuchlerischer wirkt die jahrzehntelange Weltuntergangsrhetorik vieler Umweltorganisationen. Über Jahre hinweg wurden Bilder sterbender Wale in Szene gesetzt und dramatische Aussterbe-Szenarien beschworen, um Aufmerksamkeit auf die Tiere zu lenken und damit Spenden zu generieren.

Wie viele Wale weltweit tatsächlich unterwegs sind, weiß allerdings bis heute niemand exakt. Die Zahlen beruhen fast immer auf Schätzungen, Hochrechnungen und Modellrechnungen.

Selbst nach dem Tod geht das Drama weiter. Wie die Berliner Morgenpost berichtet, wird inzwischen geprüft, ob Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus wegen der gescheiterten Rettungsaktion angezeigt wird. Kritiker werfen den Verantwortlichen vor, den Wal trotz Warnungen um jeden Preis zurück ins Meer geschleppt zu haben, obwohl Fachleute schon früh erklärten, dass das Tier vermutlich schwer krank oder viel zu geschwächt war.

Ohnmacht deutscher Medien

Würden deutsche Medien doch nur mit derselben Sorgfalt über das Schicksal der Mädchen und Frauen berichten, die täglich vergewaltigt, misshandelt und erstochen werden. Viele dieser Taten verschwinden oft schon nach wenigen Tagen aus den Schlagzeilen. Bei „Timmy“ dagegen wurde über Wochen der mediale Ausnahmezustand zelebriert. Das Thema wurde wortwörtlich: ausgeschlachtet.

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Kommentare ( 96 )

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96 Comments
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Michaelis
10 Tage her

Was wäre das, wenn man einen kranken und geschwächten Wal, der nur im flachen Wasser „Luft holen“ kann und sich deshalb dorthin begeben hat, wenn man dieses Tier absichtlich in tiefere Gewässer zieht, weit draußen und (erneut) viele Kilometer entfernt von seiner „Ruhestätte“?? Mord oder einfach nur saudämliche Tierquälerei des deutschen Gutmenschentums??!!

Last edited 10 Tage her by Michaelis
Deutscher
10 Tage her

Hätte man der Natur ihren Lauf gelassen! Aber das geht in Schland nicht, wegen „unschöner Bilder“. Völlig gaga.

Itzgruendisch
10 Tage her
Antworten an  Deutscher

Daß Wale in der Natur ab und zu stranden hat sich herumgesprochen. Nur hatte sich dieses Tier in Fischernetzen verfangen! Zudem steckten in seinem Maul Reste eines Stellnetzes (in einer Ausführung, die in MV wohl verboten ist).

Mit „Natur“ hat das nichts zu tun. Soviel Sachlichkeit sollte schon sein.

Michaelis
10 Tage her
Antworten an  Itzgruendisch

Blödsinn, wieder dieses dämlich-linke Geschwurbel!!! Nehmen Sie mal zur Kenntnis, dass auch Tiere Verstand haben, mehr als viele Menschen übrigens, und dass die sich nicht nur „verfangen“ oder „stranden“, sondern über ein komplexes Sensorium und hervorragend adaptierte Verhaltensmechanismen verfügen, um selbst über ihr Schicksal zu „entscheiden“!!!

Michaelis
8 Tage her
Antworten an  Itzgruendisch

Und hier das Ergebnis der Obduktion, Zitat GMX:

„Bei einem Blick ins Maul und in den Magen des Wals seien zudem keine Netze oder andere Gegenstände festgestellt worden, erklärte Jensen.“

Was sagen die grünen Schwätzer dazu?

Unglaeubiger
10 Tage her

Deutschlands Menschlein verlieren sich in Nichtigkeiten, in Unwichtigem das aufgebauscht und zur Staatsräson erklärt wird, weil sie das Wesentliche, das Existenzielle, ihre Zukunft schon lange Scharlatanen überantwortet und selbst den Blick dafür verloren haben. Die Illusionen der „Sauspieler“ können gar nicht so grottenschlecht sein, um nicht trotzdem mit Applaus bedacht zu werden.

Albert Pflueger
10 Tage her

Sehr früh war ich der Meinung, eine Notschlachtung mit anschließender Grillparty und üblicher Verwertung der Schlachtabfälle wäre richtig gewesen. Es hätte dem Tier Leid erspart und Neugierigen die einmalige Gelegenheit verschafft, Walfleisch zu kosten. Ich wäre hingefahren.

Teiresias
10 Tage her

Der entscheidende Schritt war, dem Tier einen Namen zu geben. Man hatte keine Ahnung, welches Geschlecht das Tier hatte, die Bild-Zeitung entschied sich für den männlichen Namen Timmy. Die politisch noch korrekteren Medien hatten gleich einen männlichen und einen weiblichen Namen und schrieben Timmy/Hope. Die Vermenschlichung wurde planvoll und vorsätzlich genutzt, diese Art der emotionalen Bindung mit der Öffentlichkeit herzustellen. Daran war nichts zufällig. Das war ein Ablenkungsmanöver, daß die Medien als Dienstleistung für die von der Realität in Bedrängnis gebrachte Politik erbracht hatten. Die anstehende Fußball-WM wird ähnlich wie der Wal genutzt werden. Ich befürchte die Durchsetzung der sog.… Mehr

Ceterum censeo Berolinem esse delendam
10 Tage her

Würden deutsche Medien doch nur mit derselben Sorgfalt über das Schicksal der Mädchen und Frauen berichten, die täglich vergewaltigt, misshandelt und erstochen werden.  Richtig! Über Collien Fernandes berichtet mittlerweile kein Schwein mehr! Und das ist ein Skandal! Diese gebrochene, von ihrer virtuellen Vergewaltigung schwer gezeichnete Frau ist journalistisch – auch von Tichys Einblick! – ausgeschlachtet und danach achtlos weggeworfen worden, nachdem das Thema vermeintlich ausgelutscht war. Als Wiedergutmachung fordere ich von Tichys Einblick eine Artikelserie über missbrauchte Frauen. Der Anfang sollte mit dem Schicksal der armen Bärbel Bas gemacht werden, die ein ähnlich hartes Los zu tragen hat („Ich bin… Mehr

Last edited 10 Tage her by Ceterum censeo Berolinem esse delendam
Sabine Schoenfelder
10 Tage her

Fernandes flog gerade mit Ulmen in die Südsee. Zum Honeymoon. 😉 Den Flug und die CO2-Steuer übernimmt das Justizministerium…..gibt es als Schmanckerl zusätzlich zur Gage für die gut organisierte Werbeeinlage im Sinne neuer restriktiver Gesetze….

Mermaid
10 Tage her

Schade, daß offenbar kaum jemand Ihre Ironie erkennt.

Lavinia
11 Tage her

Diese ganze Sache mit „Deutschland hat ein riesiges Problem exportiert“ zusammenzufassen, erscheint mir nicht angemessen. Das wäre dann der Fall, wenn man den Dänen einen Walkadaver vor die Tür gelegt hätte. Tatsächlich haben diese Leute versucht, einen kranken Wal zu retten, und sich dabei offenbar verschätzt (warum auch immer). Dazu, ob das von Anfang an eine schlechte Idee war, weil das Tier nicht zu retten war und dadurch noch mehr leiden musste, habe ich keine Meinung, weil mir dafür das Hintergrundwissen fehlt. Aber die hier durchscheinende Ansicht, dass so Tiere halt verenden und jeder, der sich um ein einzelnes Tier… Mehr

A rose is a rose...
11 Tage her

Es gibt wohl keine Nation, der es derart wichtig ist, die Welt retten zu müssen. Für das erhoffte „gute Gefühl“ der moralischen Überlegenheit, lässt man gerne etliche Milliarden Steuergelder springen und nimmt jegliche Kollateralschäden im eigenen Land in Kauf. Wer das kritisiert oder auch nur auf diese Widersprüchlichkeit hinweist, steht für die „Weltretter“ auf der selben Stufe wie – wir wissen es alle.

Michaelis
10 Tage her
Antworten an  A rose is a rose...

Ja ja, die „moralische Überlegenheit“. Könnte man als bizarre Erscheinung von ein paar Durchgeknallten abtun, wenn sie nicht so verheerend und gesellschaftsschädigend wäre!!!

joly
11 Tage her

Was das alles kostet. Schrecklich. Wie viele Migranten hätte man dafür im Mittelmeer retten können, oder flaschensammelnden Rentner ein paar Säcke voll Pfandflaschen überlassen können.

imapact
11 Tage her

Der „Fall Timmy“ ist ein Paradebeispiel typisch deutscher Sentimentalität. Sentimentalität verstanden als ebenso übertriebene wie falsche, also kitschige Gefühligkeit, die das Eigentliche, Angemessene, aus dem Blick verliert und am Ende nur Schaden anrichtet. Es ist eine sehr „grüne“ Befindlichkeit, die vor allem in Deutschland krasseste Auswüchse hervorbringt. Es ist die gleiche Haltung, die Kühltürme bestens funktionierender AKW in die Luft sprengt und die Horden einfallender Migranten mit Teddybären empfängt, aber von brutaler Gleichgültigkeit gegenüber den Folgen ihres Irrsinns ist. Und die Maske des Gutmenschen fällt sehr schnell, sobald jemand diese Zusammenhänge offen anspricht. Dann tritt bösartige Aggressivität an Stelle der… Mehr