BND soll in den Zensurapparat eingebunden werden

Neues aus dem Kanzleramt: Merz (CDU) will dem BND den großen Zugriff geben – Auslandsverkehr mitschneiden, Inhalte sechs Monate speichern, notfalls legal hacken. Nach DSA und Chatkontrolle folgt der nächste Griff: Massenüberwachung gegen Bürger, Medien, Opposition.

IMAGO

Nach Monaten heftiger Debatten um die Ausweitung des Brüsseler Zensurapparats im Rahmen des Digital Services Act (DSA) und der EU-Chatkontrolle ist es um die Spionageaktivitäten der EU-Kommission etwas ruhiger geworden. Nun sorgt ein Gesetzentwurf aus dem Bundeskanzleramt für Aufregung.

Die im Entwurf angedachte Kompetenzausweitung des Bundesnachrichtendienstes (BND) macht deutlich: Die deutsche Politik geht Hand in Hand mit der Brüsseler Kommission vor – mit aller Schärfe gegen die Privatsphäre und Kommunikation von Bürgern, Medien und regierungskritischen Organisationen.

Erinnerung an NSA-Skandal

Der CDU-Zensurkomplex
Daniel Günther offenbart, wes Geistes Kind die CDU ist: Sie will die totale Überwachung und Zensur
Wir erinnern uns an den vor über einem Jahrzehnt ausgelösten Skandal um den US-amerikanischen Geheimdienst National Security Agency (NSA). Seinerzeit war es der Whistleblower Edward Snowden, der die Umtriebe des Geheimdiensts enthüllte. Die NSA sammelte weltweit Telekommunikations- und Internetdaten, darunter Telefonverbindungen, E-Mails und Online-Kommunikation von Millionen Bürgern – häufig ohne strafrechtlich relevanten Hintergrund.

Programme wie PRISM, das direkten Zugriff auf Daten von US-Tech-Firmen erlaubte, oder X-Keyscore, das Internetaktivitäten in Echtzeit überwachen konnte, zeigten schon damals, wie weit die Überwachungspraxis fortgeschritten war und welche technischen Möglichkeiten staatlichen Akteuren offenstanden.

Mit dem geleakten Dokument aus dem Kanzleramt wird nun deutlich, wohin die Reise in Deutschland geht: Der Entwurf verfolgt nahezu dasselbe Prinzip. Dem Bundesnachrichtendienst soll es künftig erlaubt sein, den Internetverkehr aus Deutschland ins Ausland zu überwachen, was bislang ausgeschlossen war, und auf diese Weise bis zu 30 Prozent des Datenverkehrs erfassen. Dabei sollen Internetkommunikationen für sechs Monate gespeichert werden, diesmal auch Inhalte und nicht nur Metadaten, also die Verbindungen bestimmter Akteure untereinander.

Strategischer Türöffner

Das Vorgehen des Bundeskanzleramtes im Fall der BND-Kompetenzausweitung ist altbekannt: Zunächst wird die Tür zum eigentlichen Regelbruch aufgestoßen. Schutzräume von Journalisten, die für Staatsmedien autoritärer Staaten tätig sind, sollen damit sukzessive erodiert werden. Wer im Einzelfall als autoritär einzustufen ist, entscheidet dann wohl eine „Ethikkommission“, die den strengen ethischen Regeln des Merzschen Kanzleramts unterworfen wird.

Schnell landet man bei Begriffen wie Hass und Hetze, bei antidemokratischen Umtrieben, wie es im Kampf gegen die Opposition stets heißt. Kurz gesagt: Auf der Prioritätenliste stehen Inhalte und Positionen rund um den AfD-Kreis. Dies betrifft ebenso das Meinungsspektrum der Libertären und Konservativen, die sich gegen den klimasozialistischen Komplex oder den Aufbau eines Militärsektors positioniert haben. Auch Themen wie das „Europa der Regionen“ und der Widerstand gegen den wachsenden Machtkomplex in Brüssel dürften schnell zu den inhaltlichen Leitlinien der BND-Überwachung zählen.

Von dieser Ausgangsbasis aus werden die Überwachungsspielräume Schritt für Schritt erweitert, jeweils nach politischer Dringlichkeit.

Sollten sich ausländische Provider und Betreiber von Internetplattformen bei Anfragen nicht kooperativ zeigen, könnte der BND künftig die Erlaubnis zum legalen Hacken und Absaugen persönlicher Daten und Kommunikation besitzen. Und dies auch in den Landesgrenzen. Es ist die Carte blanche für jeden Schlapphut. Das gesellschaftliche Klima der Bundesrepublik nimmt sichtbare Züge einer digitalisierten DDR an.

Digitale Massenüberwachung

Werkzeugkasten des Totalitarismus
Ursula von der Leyens Impfplan gegen unerwünschte Meinungen und Gedanken
Bundeskanzler Friedrich Merz geht mit diesem Gesetzesentwurf weit über die bisherigen Versuche der EU-weiten Chatkontrolle hinaus. Geplant ist das legale Hacken fremder Systeme, darunter Google, Meta oder die von Elon Musk übernommene Plattform X. Zur Begründung dieser invasiven Politik wird eine strategische Notwendigkeit konstruiert, da die IT-Infrastruktur Deutschlands zunehmend von feindlichen Cyberangriffen bedroht sei.

Der BND soll eine Schlüsselrolle übernehmen und in Zukunft unabhängiger von US-Geheimdiensten agieren. Deutschland will auf dem Schachbrett der Geheimdienste mitmischen, einem global agierenden Geheimdienstnetzwerk. Praktisch richtet sich die Spionageabwehr aber eher gegen die eigenen Bürger, da technische und personelle Ressourcen nicht ausreichen, um auf internationalem Niveau mitzumischen.

Besonders die lange Dauer der Speicher- und Auswertungsfristen zeigt die Richtung: In Frankreich dürfen Geheimdienste Daten bis zu vier Jahre speichern, in Großbritannien und Italien gilt das Prinzip „so lange wie nötig“. Schritt für Schritt verlieren die Bürger ihren Rückzugsraum gegenüber einem ausufernden Bürokratenstaat.

Zynischer Politikstil und oppositionelle Kontrolle

Für den Grünen Konstantin von Notz, Vorsitzender des Parlamentarischen Gremiums zur Geheimdienstkontrolle (PKGr), ist die Lage klar: Sicherheitsrelevante Cyberabwehr müsste finanziell besser ausgestattet sein, aber seiner Ansicht nach im engen rechtsstaatlichen Rahmen erfolgen.

Das klingt auf den ersten Blick nach Rechtsstaatlichkeit, wird jedoch durch das tatsächliche Regierungshandeln systematisch konterkariert: Die geplanten Befugnisse reichen weit über notwendige geheimdienstliche Aufklärung hinaus. Die politische Stoßrichtung Brüssels und Berlins weist dabei ziemlich präzise auf die Etablierung einer Massenüberwachung digitaler Kommunikation hin. Besonders Plattformen wie X wirken wie Meinungskatalysatoren oppositioneller Aktivitäten gegen die Berliner und Brüsseler Politik. Hier wird Kritik an der Russland-Politik, dem Corona-Regime und dem wachsenden bürokratischen Regulierungsapparat laut. Und genau dort entzünden sich die Scharmützel zwischen Staat und Opposition.

Besonders unappetitlich wirkt in diesem Kontext das Outsourcing des Überwachungsapparats an sogenannte Trusted Flagger, die dem Überwachungsapparat unerwünschte Inhalte melden. Dies schafft ein Spitzelwesen, das an DDR-Methoden erinnert: Oppositionelle werden unter Druck gesetzt, rechtlich verfolgt oder verlieren den Zugang zu ihren Bankkonten – der soziale Tod, per Knopfdruck und auf Staatsbefehl. Vor diesem Hintergrund wirkt die Ausweitung der BND-Befugnisse wie ein weiterer Schritt in einen Flickenteppich verschiedener Überwachungssysteme, die nun miteinander verschränkt werden sollen. Das Ende des Briefgeheimnisses und anonymer digitaler Kommunikation scheint für den EU-Bürger besiegelt.

Repressiv und verlogen

Kontrollstaat Brüssel
Endkampf der EU und von der Leyen: Totalitäre Maßnahmen eines überholten Systems
Im Rahmen der Debatte um die geplante EU-Chatkontrolle hatte sich Deutschland zunächst öffentlichkeitswirksam gegen anlasslose Überwachung positioniert. Berlin wollte den Schein wahren und täuschte an, bürgerrechtlichen Traditionen der alten Bundesrepublik verpflichtet zu sein.

In der Vergangenheit haben freiheitliche Kräfte in Deutschland immer wieder mit Erfolg gegen die von Staatsakteuren angestrebte Vorratsdatenspeicherung mobil gemacht: ein Zeichen gesunder gesellschaftlicher Immunabwehr gegenüber feindseliger Übergriffigkeit des Staates.

Jetzt soll offenbar der Bundesnachrichtendienst diese „informatorische“ Lücke schließen. Die Initiative kommt – wie sollte es anders sein – direkt vom Bundeskanzler persönlich. Treu seinem Stil inszeniert er sich öffentlich als Verfechter der Freiheit, überließ es seiner Partei und der Koalition, sich ostentativ gegen die tiefgreifende EU-Chatkontrolle zu positionieren.

Merz schwieg während der Debatte zum Jahresende, wohl wissend, dass die nächste 180-Grad-Wende längst Gesetzesform angenommen und auf seinem Schreibtisch bereitlag. Nun bringt er mit kalkuliertem Zynismus den deutschen Spionageapparat gegen die eigenen Bürger in Stellung.

Wann der Entwurf in den parlamentarischen Prozess eingebracht wird, bleibt unklar. Stellungnahmen aus dem Kanzleramt zu diesem kritischen Thema liegen nicht vor; man operiert unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung. Die Bundesrepublik der 2020er Jahre hat noch immer keine wirksamen gesellschaftlichen Antikörper gegen den wachsenden staatlichen Repressionsapparat entwickelt. Möglicherweise ist diese Ohnmacht dem über Jahrzehnte imprägnierten Medienframing geschuldet, das den Staat als wohltätigen Akteur gezeichnet hat?

Resümierend lässt sich feststellen: Deutschland ist sowohl in der zerstörerischen Klimapolitik als auch auf dem Feld der systematischen Erosion der Bürgerrechte zum treibenden Faktor in der Europäischen Union geworden – oder war es möglicherweise schon immer, konnte den Eindruck nur geschickt vermeiden, einer der maliziösen Spieler in diesem üblen Spiel zu sein.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 35 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

35 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Sanijo
7 Stunden her

Das wäre doch eine Kriegserklärung wenn der Deutsche BND, Amerikanische Plattformen anbohren will! Die nächsten auf Trumps Liste!

Kaesebroetchen
9 Stunden her

Die Deutschen mal wieder. Warum ist das immer wieder unser Land, wenn es um die autoritäre Einschränkung von bürgerlichen Freiheiten einer offenen Gesellschaft geht? Und vorne dran die üblichen Schönschwätzer, die der einzigen Opposition im Bundestag „Zerstörung der Demokratie“ vorwerfen. Das sind immer wieder neue Gipfel der Heuchelei.

Engel
9 Stunden her

Schau’n wir mal. Wenn die USA mit dem Iran fertig sind, haben sie mehr Zeit für die Zerstörer hierzulande.

Also ich würde den Schlapphüten nicht empfehlen, damit anzufangen, Google et al zu hacken, das wird nach hinten losgehen.

ratio substituo habitus
10 Stunden her

Auslandsverkehr? Hm, meine Cloud ist bei einem ausländischen Anbieter, meine e-mail accounts auch. Mein Onlinebanking ist in Holland. Fazit: Alles. Und der Michel wird es wieder nicht merken (wollen).

Martin Buhr
10 Stunden her

Hybris ist wie eine Spinne : Sie zersetzt ihre Opfer und saugt sie aus , und uebrig bleibt in diesem Fall nicht die leere Chitinhuelle , sondern das entmenscht-lichte Boese .

CasusKnaxus
11 Stunden her

Mittendrin in Orwell 1984

Zack
10 Stunden her
Antworten an  CasusKnaxus

Eben.
Und nicht „kurz davor“ , wie oft statiert wird.
Das wurde in der Vergangenheit auch schon anderen Leuten zum Verhängnis.

alter weisser Mann
11 Stunden her

Ich bin ja grundsätzlich bei Euch. Aber was soll denn das?
„Besonders die lange Dauer der Speicher- und Auswertungsfristen zeigt die Richtung …… Schritt für Schritt verlieren die Bürger ihren Rückzugsraum gegenüber einem ausufernden Bürokratenstaat.“
Die Speicherdauer der Daten schränkt meinen Rückzugsraum echt nicht ein, die Sammlung und Verwertung der Daten tut dies. Oder glaubt jemand, das dauert mit modernen Methoden Jahre und hofft auf das Schlupfloch Fristablauf? Das wäre höchst blauäugig, ja geradezu albern.

Zack
10 Stunden her
Antworten an  alter weisser Mann

Das blauäugigste an dieser Aktion ist, zu glauben man hätte bessere IT-Leute als die Staaten oder die Russen oder gar die Chinesen!
Sie können vielleicht die deutsche Bevölkerung unterdrücken und überwachen , aber wehe, sie legen sich mit diesen Mächten an.

Lars Baecker
12 Stunden her

Wird sie trotzdem nicht davor schützen, aus den Ämtern und, sollten sie es zu weit treiben, aus dem Land gejagt zu werden. Die DDR ist wegen solcher Scharlatane schonmal untergegangen. Und sie wird es wieder und wieder tun. Ganz sicher.

karl.biermann
11 Stunden her
Antworten an  Lars Baecker

Die DDR ist doch nicht wirklich untergegangen. Sie hat die BRD übernommen und sich anschließend auf die EU weiter ausgeweitet, wenn man diesen TE-Artikel wirklich ernst nimmt.
Und viele ehemalige Funktionäre haben auch nach der Wende Karriere gemacht. Lediglich einige wenige der ganz Großkopferten hat man bestraft. Aber selbst Erich konnte sich nach Chile absetzen und starb in Freiheit.

Last edited 11 Stunden her by karl.biermann
Zack
10 Stunden her
Antworten an  karl.biermann

Ja, es sind immer wieder dieselben Fehler die gemacht werden: man übernimmt Leute aus dem totalitären System und lässt sie in der Bundesrepublik wieder an wichtige Positionen! Das war nach dem Ende des dritten Reichs auch nicht anders. Die einen machten in Deutschland Karriere, die anderen dort, wo sie von Nutzen waren , unabhängig davon welche Verbrechen sie verübten. Für eine überlebenswillige BRD wäre es nötig gewesen nicht den kleinsten Funktionär der SED in die Regierung oder ähnliches zu lassen , genauso wenig Menschen mit anderen Glauben , die politisch vielleicht bald stärker sind als die Einheimischen!! Beides führt zum… Mehr

Montesquieu
12 Stunden her

Google KI:

„Totalitär beschreibt eine Herrschaftsform, die absolute und umfassende Kontrolle über alle Lebensbereiche der Bürger anstrebt, keine abweichenden Meinungen oder Parteien zulässt und auf Ideologie, Propaganda und Terror basiert, wie z. B. das nationalsozialistische Deutschland oder Nordkorea. Es ist die extreme Form einer Diktatur, die das Ziel hat, Gesellschaft und Individuum vollständig zu unterwerfen und zu formen.“

Das regt mich zum nachdenken an.

Last edited 12 Stunden her by Montesquieu
Zack
10 Stunden her
Antworten an  Montesquieu

Und genau das ist DAS, wovon Günther gequatscht hat.

WGreuer
12 Stunden her

Mich würde interessieren, wie das technisch ohne Zusammenarbeit mit den entsprechenden Betreibern funktionieren soll. Mittlerweile ist der allergößte Teil des Internetverkehrs per https verschlüsselt. Da ist (theortisch) nix mit Mitlesen. Nur so. Man-in-the-middle Attacken direkt auf dem Rechner (per TA und damit erstellten Zertifikaten auf Windows-Rechnern) oder auch lokale Hacks auf die Browser/Apps würden das ermöglichen, dazu brauchen die aber Zugriff auf die Rechner/Handys. Oder haben die Verschlüsselungsprotokolle haben Hintertüren – was ich schon länger vermute? Alternativ müssten die Dienste mit den Anbietern (Facebook/Meta, X, etc.) zusammenarbeiten, was die vorwiegend amerikanischen Betreiber kaum tun werden seit Trump. Lediglich bei Emails… Mehr

Zack
10 Stunden her
Antworten an  WGreuer

Als E-Mails kann man sowieso nur noch Produkte von Tutanota oder Proton benutzen. Wer die Möglichkeit hat sollte das VPN direkt auf seinem Router installieren was lustigerweise auf Fritzboxen nicht funktioniert… Ebenso sollte man sich im Klaren sein , dass wenn man mit seinem Handy „sprechen“ kann oder manchmal sogar von Google angequatscht wird , dass permanent mitgehört wird was gesagt wird , das funktioniert übrigens auch über den internetfähigen Fernseher. Und vor allen Dingen kein Produkt mit der Vorsilbe SMART!! Smartphone ist schon“ tödlich“ , Smart-homes sind das Dümmste was man machen kann. Smartwatches zeichnen ebenso alles auf. Sicher… Mehr

Last edited 10 Stunden her by Zack
ratio substituo habitus
10 Stunden her
Antworten an  WGreuer

Ach so, weil technisch Versierte sich schützen können, ist es nicht schlimm, Massenüberwachung anzustreben! Weil es bisher nicht angewendet werden kann, ist es OK, die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen. Haben Sie es nicht verstanden oder wollen Sie in typisch linker Manier das Ganze verharmlosen?