Gegen das Leben und gegen die Frau: Das linke Selbstbestimmungsnarrativ

Wieder wurde eine Schwangerenberatungsstelle attackiert, Mitarbeiter in der Nachbarschaft verleumdet. Lebensrechtler haben sich daran gewöhnt. Sie gelten linken Aktivisten als Feinde, weil sie Frauen helfen. Das aber würde bedeuten, dass Frauen Hilfe brauchen. Und das darf gemäß linker Selbstbestimmungsrhetorik nicht sein.

picture alliance / NurPhoto | Tonny Linke

Nur selten schaffen es Fälle wie dieser in die Medien: „Nadia“, wie sie der Trierische Volksfreund nennt, ist Mitte zwanzig, als sie schwanger wird. Es war ihr „Traum“, ein Kind zu bekommen, und sie freut sich darauf, obwohl es nicht geplant war.

Doch ihr Partner macht deutlich: Das Kind oder ich. Er begleitet sie zum Arzt und zur Beratungsstelle, die ihr den Schein ausstellt, den sie braucht, um eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Am Abend nach der Abtreibung trifft er sich mit Freunden – mit ihrem körperlichen und seelischen Schmerz bleibt die junge Frau allein. Die Beziehung zerbricht: Nadia hat ihren Lebenstraum völlig umsonst zerstört.

Selbst ist die Frau?

Schwangerenberatungsstellen kennen solche Fälle zuhauf. Sie weisen darauf hin, dass „Selbstbestimmung“ im Fall von Konfliktschwangerschaften eine Illusion ist. Schon auf hormoneller Ebene unterliegen Schwangere Veränderungen, die ihre Gefühlslage zum Teil stark beeinflussen. Körperliche und psychische Belastungen, familiärer Druck, Sorgen, finanzielle Nöte, Versagens- und Zukunftsangst: In einer derartigen Situation wird Selbstbestimmung von zahlreichen Faktoren beschränkt und ausgehebelt.

Gegen keinen dieser Faktoren gehen linksextreme und „feministische“ Abtreibungsaktivisten vor. Soziale und gesellschaftliche Gegebenheiten, die Frauen die Freiheit nehmen, ein Kind zu gebären und sie dazu drängen, es abzutreiben, kümmern sie nicht.

Denn es geht ihnen im Grunde nicht um Frauen, sondern um eine These: Die These, dass der Mensch unabhängig, autonom, selbstbestimmt sei. Um sie aufrechtzuerhalten, müssen einschränkende Faktoren geleugnet werden. Wer Hilfe braucht, ist schwach. Aber Frauen sind stark. Deshalb dürfen sie keine Hilfe brauchen. Und daher haben Umstände, die Hilfe notwendig machen, nicht zu existieren.

Wer hilft, ist der eigentliche Feind

Anstatt also soziale Ungerechtigkeiten zu bekämpfen, wenden sich Abtreibungsaktivisten gegen Initiativen, die Hilfe anbieten.

Wer gegen das Leben des Kindes gerichtete Zwänge ausgleichen und auflösen will, und durch die Eröffnung von Alternativen überhaupt erst eine freie Entscheidung ermöglicht, gilt als Feind der Selbstbestimmung.

„Nieder mit dem Patriarchat“, schmierten Unbekannte kürzlich an die Hauswand der Schwangerenberatungsstelle von Profemina in Heidelberg. Und ließen die Nachbarschaft durch Einwurfschreiben wissen, dass die Arbeit der Beraterinnen – fast alle Mitarbeiter sind weiblich – die „Selbstbestimmung über den eigenen Körper“ verhindere. „Falsche Versprechen“ und Manipulation werfen sie der Beratungsstelle vor. Die Wortwahl des Schreibens lässt auf Täter aus dem linken Spektrum schließen: Sie erklären sich solidarisch mit „Genossinnen“ aus Berlin und München. In beiden Städten unterhält die Hilfsorganisation Büros.

Dabei richtet sich gerade die Arbeit der Beratungsstellen gegen eine frauenfeindliche und frauenverachtende Gesellschaft. Sie vermitteln praktische oder finanzielle Hilfe, bieten psychologische Begleitung und emotionale Unterstützung.

Beratung zum Leben

Die Kritik an Profemina und anderen unabhängigen Beratungsstellen entzündet sich daran, dass sie keinen Beratungsschein ausstellen, und dass die Beratung grundsätzlich das Ziel hat, das Leben des Kindes zu retten. Gegner nennen das „manipulativ“. Dabei fordert der Gesetzgeber genau das. In Paragraf 219 StGB heißt es:

Die Beratung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens. Sie hat sich von dem Bemühen leiten zu lassen, die Frau zur Fortsetzung der Schwangerschaft zu ermutigen und ihr Perspektiven für ein Leben mit dem Kind zu eröffnen; (…) Die Beratung soll durch Rat und Hilfe dazu beitragen, die in Zusammenhang mit der Schwangerschaft bestehende Konfliktlage zu bewältigen und einer Notlage abzuhelfen.
Nadias Fall zeigt, wie wichtig eine solche Beratung ist, die nicht von Beginn an nur auf die Ausstellung des Beratungsscheins fokussiert ist. Nadia hat nun das Gefühl, zur Abtreibung genötigt worden zu sein. Wie aber soll sie das nachweisen? Die Drohung, sie zu verlassen, ist strafrechtlich nicht relevant. Ihr Freund war nur dabei, saß neben ihr. Gab ihr das Gefühl, dass es nur eine Richtung gäbe, in die sie gehen könne. Subtiler Druck: Den beklagen linke Feministinnen nicht als „Manipulation“.

Genau diesem Druck hätte Nadia aber womöglich etwas entgegensetzen können, wenn sie von Menschen beraten worden wäre, deren Ziel nicht die Ausstellung des Beratungsscheins ist.

Von Menschen, die auch Hilfe über die Geburt hinaus vermittelt hätten, und nicht, wie Abtreibungsbefürworter faktenwidrig behaupten, lediglich, bis die Frau das Kind gebiert.

Diese Form der Hilfe wird jedoch als „patriarchal“ verschrien. Linke Frauen bekämpfen sie, indem sie tausende Euro Sachschaden verursachen. Geld, das nicht mehr in Beratung, Hilfe und Bewusstseinsbildung fließen kann.

„Ich liege gerade mit meinem Baby auf der Brust da und bin unendlich dankbar, dass er seit fast 3 Monaten unsere Familie perfekt macht! Sie haben mir geholfen, den Mut aufzubringen, dieses Wunder zuzulassen. Ohne Drängen und ohne Verurteilung konnte ich meine Entscheidung finden! Ich war so verzweifelt, dass ich nicht mehr klar sehen konnte. Ich finde keine Worte, die meine Dankbarkeit ausdrücken könnten!“, hat eine Frau, die bei Profemina Hilfe suchte, der Organisation rückgemeldet. Briefe und Zusendungen von Babyfotos belegen die Dankbarkeit der Frauen.

Die Beratung von fast 170.000 Schwangeren hat Profemina 2023 laut eigenen Angaben ermöglicht – allein im deutschsprachigen Raum. Zu Beginn der Beratung hätten 46 Prozent der Frauen eher zur Abtreibung tendiert, 64 Prozent hätten sich letztlich dafür entschieden, ihr Kind zu behalten.

„Dumpfer Hass“

Das ist jenen, die gegen Unterstützung für Frauen agitieren, offenbar ein Dorn im Auge. Die Berater sollen als radikale, religiöse und manipulative Fanatiker dargestellt werden. Das bedroht nicht nur die Reputation in der Gesellschaft und bei möglichen Spendern, sondern auch bei den Frauen, die sich womöglich nicht mehr trauen, dort Rat zu suchen, wo man ihnen tatsächlich helfen würde.

Kristijan Aufiero, Gründer und Geschäftsführer von Profemina, zeigt sich zutiefst besorgt über den „dumpfen Hass“, der seinem Team und dessen Arbeit entgegenschlägt. Und er sorgt sich, weil sich Teile der Politik „inhaltlich und argumentativ de facto hinter die Täter stellen und sich mit deren Anliegen solidarisieren.“

Es sei nicht leicht wegzustecken, „wie aussätzige Radikale angesehen zu werden, weil man beruflich jeden Tag verzweifelten Frauen im Schwangerschaftskonflikt hilft“, sagt Aufiero gegenüber Tichys Einblick. Er habe nicht den Eindruck, dass politische Entscheidungsträger sich ernstlich dafür einsetzen, „den Rechtsstaat gegen linksradikale Gewalt zu schützen.“

Aufiero fragt sich, wohin diese Kombination aus linksradikaler Gewalt und ihrer stillschweigenden Duldung noch führen soll.

Denn dass hier Menschen diskreditiert werden, die sich gegen Ungerechtigkeit engagieren, dass linke Täter Hilfe sabotieren, und den Tod ungeborener Kinder wünschenswerter finden als Unterstützung der Mütter; all das ist bereits skandalös genug.

Abtreibungsaktivisten scheuen die faire Auseinandersetzung

Zusätzlich jedoch spielt sich dieses Geschehen vor einem Hintergrund ab, der nicht nur Lebensrechtler beunruhigen sollte, sondern jeden, der für eine plurale und freiheitliche Gesellschaft eintritt: Auch wer leidenschaftlich für Abtreibung kämpft, sollte an einer fairen, gewaltlosen Auseinandersetzung interessiert sein.

Oder muss man etwa zu Gewalt greifen, weil man sonst keine Argumente hat? Weil viel zu offensichtlich ist, dass Abtreibungsaktivisten ausschließlich Schlagworte und Parolen anzubieten haben, und eine Ideologie, der sie Frauen wie Nadia und deren Lebensträume opfern?

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Kommentare ( 22 )

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22 Comments
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Michaelis
1 Monat her

Die Frau Schwarzer liest im Hamburger Schauspielhaus aus ihrem neuen Buch – und „Protestierende“ werfen ihr „transfeindlichen, rassistischen und ausgrenzenden Radikalfeminismus“ vor – so steht’s bei GMX. Und weiter:
„Ihr Auftritt im Schauspielhaus war im Vorfeld von mehreren hundert Theatermacherinnen und -machern in einem offenen Brief kritisiert worden. Auch sie warfen Schwarzer vor, dass sie ’seit Jahren gegen Selbstbestimmung, Arbeitsrechte und soziale Teilhabe von Trans-Menschen und Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern‘ kämpfe.“

Diesen „linken“ Spinner*Innen ist nicht mehr zu helfen, jede/r weiß dort am besten, was wahre „Selbstbestimmung“ sei. Die Depp*Innen sollen sich gegenseitig zerfleischen, es wäre das Beste fürs Land!!!

giesemann
1 Monat her

Solange eine Beratung vorgeschrieben ist, bevor man den „Schein“ bekommt, ist das alles Murx. Abtreibung ohne Beratung muss straffrei bleiben, so viel müssen wir den Frauen an eigenem Denken schon zugestehen, basta. Wenn die Beratung freiwillig ist, nichts dagegen. Mir sind viel zu wenige denkende Frauen hier bei der Debatte. Männer sollten hier eher die Klappe halten, einmal in ihrem Leben. Die Geschichte, „das Kind oder ich“ spricht nicht gerade für eine reife Persönlichkeit mit 25 – die würde sich eine solche männliche Unverschämtheit nicht bieten lassen und den Kerl zum Teufel jagen. Was sollen dann die sagen: Kinderehen weltweit:… Mehr

Mulle67
1 Monat her

Ich bin sowieso der Meinung, dass einer der Hauptgründe für Kinderlosigkeit darin liegt, dass Männer die Partnerin dazu zwingen. Extrem zugespitzt kann man sagen, dass Männer Sex mit Verpflichtungen (Kinder, Ehe) erkaufen, während Frauen Kinder und „Schutz“ mit Sex erkaufen. Wohlgemerkt: Extrem zugespitzt! Ist Sex ohne Verpflichtung zu haben, wird er auch nicht mehr mit Familiengründung „bezahlt“. Ein zweiter Hauptgrund liegt schlichtweg darin, dass eine 20-jährige Person heutzutage niemals aus eigener Kraft eine Familie ernähren kann. Geschichtlich hat es schon immer (auch bereits vor hunderten von Jahren) Zeiten gegeben wo es schwer war, eine Familie zu ernähren. Dann wurde die… Mehr

Rosalinde
1 Monat her

Es gibt auch ein rechtes Narrativ; jedenfalls wenn man Prime Video (Amazon) oder YouTube als kulturlose Elemente des Konservatismus sieht.
Früher, in Zeiten des Anstands, war in US Aktionsfilmen Gewalt gegen Frauen und Kinder verpönt.
Das gilt schon lange nicht mehr, nur Gewalt gegen Kinder wird noch nicht häufig offen gezeigt. Doch das kommt auch noch, die Fäkalsprache hat in ganz normalen US Filmen längst Einzug gehalten.

Last edited 1 Monat her by Rosalinde
verblichene Rose
1 Monat her

Frauen wollen heutzutage überall „mitspielen“. Teilweise sogar mindestens „non binär“, oder sogar gleich ein Mann sein. Wobei es in besagtem Fall keine Rolle spielt, daß es auch Männer gibt, die sich keinem, oder dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen. Denn die können grundsätzlich nicht schwanger werden. Was hielten Frauen daher davon, erstmal wieder das sehr schützenswerte Individuum zu sein, welches sie sind? Es gibt nämlich nicht ein „bisschen“ schwanger! Vielleicht besinnen sich die Damen der Schöpfung daher mal wieder darauf, daß Männer zuletzt regelrecht um ihren Instinkt beraubt wurden. Nicht von Männern, sondern überwiegend von Frauen! Und eines sollte Männern wie Frauen aber mindestens bewusst sein: Man kann… Mehr

Mausi
1 Monat her

D bietet oder soll Asyl bieten für Menschen in allen erdenklichen Notlagen. Aber es darf keine Stelle geben, die Schwangeren während seelischer Notlage Asyl bietet. Hilfe darf nur dort sein, wo sie passt.

fluffy_bird
1 Monat her

Man kann dies alles nur vollumfänglich verstehen, wenn man sich klarmacht dass es hier nicht um das vorgeschobene Selbstbestimmungsrecht der Frau geht. Die Frau hat jedes Recht selbst zu entscheiden, mit wem sie Geschlechtsverkehr hat und ob sie dabei Maßnahmen zur Empfängnisverhütung trifft oder eben nicht. Aber darum geht es nicht. Es geht hier um einen Todeskult. Um nichts weiter. Das mögen für manche harte Worte sein, beschreibt aber nur die bittere Realität. Es handelt sich sich um einen Kult oder eine Religion des Todes. Menschenopfer, nicht selten wurden dafür Babys oder Kleinkinder verwendet, gibt es in der Kultur des… Mehr

MartinKienzle
1 Monat her

Alles bekannt: Da die sogenannte „Neue Weltordnung“, sprich Weltkommunismus, angestrebt wird (https://www.epochtimes.de/politik/ausland/die-neue-weltordnung-ist-der-weltkommunismus-a2191312.html), nimmt die Forcierung der sogenannten „Abtreibung“ als sogenannte „Befreiung der Frau“ keineswegs wunder, das auch Fräulein Diouf wissen sollte!

Raul Gutmann
1 Monat her

Gegen das Leben und gegen die Frau

…ist wahrer als es TE dünkt.
Entgegen dem ominipräsenten westlichen Hohepriesteramt, die Frau als den besseren Menschen darzustellen, wird die Frau entgegen den zwei vorherigen Jahrhunderten in einer nahezu unvollstellbaren Weise ausgebeutet.
Daß die große Mehrheit der Weiblichkeit dies ignoriert, macht es kaum besser.

flo
1 Monat her

Der von Frauke Brosius-Gersdorf mitverantwortete BERICHT DER KOMMISSION ZUR REPRODUKTIVEN SELBSTBESTIMMUNG berichtet von in meinen Worten „großzügigen“ Regelungen in anderen Ländern. „Ganz überwiegend zeichnen sich Liberalisierungen und/oder (Teil-) Entkriminalisierungen des Schwangerschaftsabbruchs ab. …Durch gesetzgeberische Maßnahmen wurden im europäischen Raum die Rechtsgrundlagen zum Schwangerschaftsabbruch in jüngerer Zeit liberalisiert z. B. in Belgien, Finnland, Frankreich, Irland, Island, Luxemburg, Malta, den Niederlanden, Nordirland, Spanien und dem Vereinigten Königreich; jenseits Europas in Argentinien, Australien, Indien, Neuseeland und in einigen US-amerikanischen Bundesstaaten.“ usw. Die hierzulande in Gang befindliche Bewegung unter dem Slogan My Body, My Choice, siehe etwa die Petition auf innn. It „Legal, einfach,… Mehr