Solidarität mit der Jugend in Corona-Zeiten

Liesel Gödecke, 82, sagt: "Ich möchte nicht, dass alle jungen Menschen um meinetwillen auf leibhaftige Schule verzichten müssen".

picture alliance / Zoonar | Robert Kneschke

Ich bin 82 Jahre. Und ich lebe gerne. Ich gehe regelmäßig auf Reisen. Ich nehme höchst aktiv am politischen Geschehen teil. Ich treffe mich gerne mit anderen Menschen. Ich liebe das Leben und ich lebe die Liebe. Mein Lebensmotto lautet ganz unbescheiden mit meinem Lieblingslied von Gitte: „Ich will alles.“  

Doch bei aller Selbstliebe, war ich auch immer bereit, für die jüngere Generation Opfer zu bringen: Für meine behinderte Tochter. Für meinen Sohn samt Frau und meiner lieben Enkelin. Für meine Schüler als engagierte Lehrerin in der Förderschule. 

Auch wenn es hier und da schwere Zeiten gab, ich habe mit Freude und Herzblut Opfer gebracht. Denn letztendlich hat diese Solidarität mein Leben reich gemacht und mir noch mehr geschenkt als eine gnadenlose Selbstverwirklichung. 

Diese Haltung möchte ich auch im Alter und in Coronazeiten bewahren: Darum möchte ich nicht, dass die Generationen nach mir durch billionenfache Verschuldung um ihre Handlungsspielräume gebracht werden, nur um mich alte Frau zu schützen. 

Ich möchte nicht, dass die Wirtschaft lahm gelegt wird, damit ich alte Frau (vermeintlich) noch ein wenig mehr Lebenszeit anhäufen kann.  

Niemand überlebt das Leben
Corona: Lasst uns über den Tod sprechen!
Ich möchte nicht, dass alle jungen Menschen um meinetwillen auf leibhaftige Schule verzichten müssen, zumal ein genereller Schul-Lockdown gerade die sozial-schwachen Schüler trifft. Unsere Jugend braucht die bestmögliche Bildung, damit in Deutschland auch in Zukunft gute Impfstoffe erforscht werden können. 

Ich bin in einem Alter, wo das Anfreunden mit dem Thema Tod und Sterben dazugehört. Corona hin oder her, jeder Tag kann mit erhöhter Wahrscheinlichkeit mein letzter sein. 

Doch alle Tage, die mir noch von Gott geschenkt sein mögen, möchte ich bereit sein, für die Freiheit und Entwicklungschancen der Jugend Opfer zu bringen. 

Natürlich nehme ich Corona sehr ernst. Und natürlich nehme ich alle sinnvollen Schutzmaßnahmen sehr ernst. Aber genauso ernst nehme ich meine Solidarität mit der Jugend! 


Achija Zorn hat Liesel Gödecke geholfen, ihre Gedanken zu Papier zu bringen

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Kommentare ( 26 )

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26 Comments
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Hoffnungslos
9 Monate her

Auch ich bin schon älter, aber wegen mir müssen keine Schulen, keine Restaurants, keine Sportstudios, keine Läden, usw. geschlossen werden. Altenheime und Pflegeheime werden nicht ausreichend geschützt, denn dafür ist offensichtlich kein Geld da. 200 Gender Professuren sind natürlich wichtiger. Das ganze hat mit Gesundheitsvorsorge nichts zu tun. Die müßte anders aussehen. Die Gewinner dieser Pandemie sind in jedem Fall die Pharmafirmen, Amazon und all die Lieferdienste. Der Rest geht nicht nur bei uns mit schwerwiegenden Folgen den Bach runter.

Deutscher
9 Monate her

„Ich möchte nicht, dass alle jungen Menschen um meinetwillen auf leibhaftige Schule verzichten müssen“ Nun, mit dem Aufkommen der F4F-„Bewegung“ habe ich den Eindruck gewonnen, dass die jungen Menschen ganz gerne drauf verzichten. Ist nur meine Meinung, sorry. Die Schulen können geschlossen bleiben, weil sie nachweislich die Infektionslage verschärfen, allein schon durch den Busverkehr und ÖPNV. Nicht geschlossen bleiben kann der Einzelhandel, weil dieser ein zentraler Teil unserer Wirtschaft ist, sonst bald daran zugrunde geht und durch die Schließung dieser Geschäfte Infektionsherde erst geschaffen werden, da sich die Kundschaft in den verbliebenen Geschäften verdichtet (und das noch zu gekürzten Öffnungszeiten)!… Mehr

Last edited 9 Monate her by Deutscher
Michael M.
8 Monate her
Antworten an  Deutscher

Wer spricht hier von „sich opfern“, was soll denn bitte der Schmarrn?! Wer so viel Angst hat sperre sich meinetwegen bei sich zu Hause mit FFP3-Maske auf der Nase selber ein (gerne für immer, aber dann bitte den Söder auch gleich mitnehmen), aber spare sich von anderen Solidarität (in diesem Zusammenhang völlig deplatziert, weil es jeder selbst richten kann) einzufordern. Unsere Kinder sind nicht für ihr persönliches Wohlergehen zuständig, darum müssen sie sich schon selber kümmern. Diese unsere Kindern baden jetzt unmittelbar (Bildungsniveau, Vereinsamung etc.) und später monetär den ganzen Irrsinn aus und nur wegen der paar bekloppten Freitags-Hüpf-Clowns (es… Mehr

Julischka
9 Monate her

Wir schützen die „Alten“ vor dem Tod und nehmen den „Jungen“ dabei DAS Leben!!!

humerd
9 Monate her

Monat für Monat verhalte ich mich solidarisch mit der gesamten Gesellschaft. Ich zahle Steuern und Beiträge zu den Sozialkassen. Mit meinen Krankenkassenbeiträgen zahle ich die kostenlose Mitversicherung nicht nur der Kinder, auch des nicht berufstätigen Elternteils. Mit jeder Tankfüllung „rette“ ich die Umwelt, seit 01.01.2021 auch noch das Weltklima für zukünftige Generationen. Die Oma und der Opa zahlen auch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Ob dieser lockdown in der jetzigen Art & Weise notwendig ist, wird wohl erst die Zukunft zeigen. Wenn es ein Irrtum ist, dann begehen diesen Irrtum sehr viele Länder der Welt. Ich denke aber, solange wir… Mehr

AnSi
9 Monate her
Antworten an  humerd

Entschuldigung, aber mir ist das etwas zu viel Gönnerei. Wir können uns als Staat das alles gar nicht leisten und leben schon jetzt auf Kosten der Jugend! Und wofür? Dafür, dass 80jährige evtl. noch ein paar Jahre/Monate/Wochen/Tage länger leben? Wenn es wenigstens EHRLICH darum ginge… ! Aber es ist nur ein Vorwand! Nein, wir werden diesen Lockdown nicht „mit links überstehen“! Es mag sein, dass „die im Überfluss aufgewachsene Generation wieder ernsthafter wird“ aber wozu? Nach diesem Lockdown sind vor allem arme Länder NOCH ärmer. Das Elend wird NOCH schlimmer werden und dort werden NOCH MEHR Kinder sterben, als es… Mehr

Koeki171
9 Monate her

Chapeau!

Lesterkwelle
9 Monate her

Schiller: „Die allmächtige Zeit…“ Wenn Politiker vom Schlage Merkels/Söders ihre rabiate Total-lockdown-Massnahmen unter allen Umständen durchzusetzen fordern, bedenkt eigentlich niemand, dass der Generation 70 plus nur noch wenige Jahre bleiben, um ihre Träume, Wünsche, Vorstellungen zumindest teilweise nach einem meist arbeitsreichen Leben zu erfüllen? Sollen sie sich bereits jetzt schon währende der letzten Jahre zurückziehen und passiv dem Ende entgegendämmern? Die junge Generation geht einer ungewissen Zukunft entgegen, aber sie haben mehr Zeit zum Neuaufbau, die alte nicht.

Sybille Weber
9 Monate her
Antworten an  Lesterkwelle

Richtig, mit 70+ möchte man seine restliche fitte Lebenszeit nicht in einem dreidimensionalen Gefänglis verbringen!

evaundadam
9 Monate her

Gruß von eurer Oma: Ich will nicht „geschützt“ werden. Mein Risiko bestimme ich selbst und das heißt: lieber voll und in Freiheit kürzer leben als eingesperrt und voller Furcht vor dem Tod dahinvegetieren. Und schon gar nicht will ich „geschützt“ werden um den Preis, dass anderen verboten wird, was ich und meine Altersgenossen vorher in vollen Zügen genossen haben. Das finde ich nachgerade widerwärtig egoistisch. Also macht die Gesellschaft auf! Macht Partys. Tanzt ab. Reist in nahe und ferne Länder! Geht in Konzerte, geht ins Theater, geht ins Kino, umarmt eure Freunde, reißt euch die Maske vom Gesicht, zeigt euer… Mehr

giesemann
9 Monate her

Der Schutz, den man alten Leuten gezielt angedeihen lassen sollte ist VIEL billiger als jede Form von Lockdown, jeder Ruin ganzer Volkswirtschaften. Fazit: Die Alten müssen nicht auf Schutz verzichten, also „ein Opfer bringen“, wie es die tapfere Frau Gödecke glaubt. Dass das geht zeigt Schweden – obwohl die selbst eingestehen: Für unsere älteren Mitbürger hätten wir mehr tun können, so der „Staatsepidemiker“ Anders schon vor einem halben Jahr. Ich hoffe, sie haben das inzwischen umgesetzt, es kostet wirklich nicht viel. Es kostet nur ein bisschen Nachdenken, ist das so schwer? Sieht so aus. Man kann sich des Verdachts nur… Mehr

humerd
9 Monate her
Antworten an  giesemann

Immer nur die halbe Wahrheit zu Schweden: Schweden konnte gar nicht anders, da es eine linke Minderheitenregierung hat und bis Freitag hatte Schweden kein Pandemiegesetz. „Bislang hatte vor allem die Gesundheitsbehörde den Kurs des Landes abgesteckt und Empfehlungen gegeben. Schon am Freitagnachmittag kündigte Ministerpräsident Stefan Löfven daraufhin verbindliche Beschränkungen für die Anzahl von Personen in Fitnessstudios, Geschäften und Sportanlagen an. So solle Gedränge vermieden werden. Die bereits geltende Obergrenze von maximal acht Personen, die sich im öffentlichen Raum treffen dürfen, wurde zudem auf private Veranstaltungen ausgeweitet. Auch Bußgelder drohen nun bei Verstößen. Am Sonntag tritt das Gesetz in Kraft, es… Mehr

giesemann
9 Monate her
Antworten an  humerd

Das ändert auch meine Einstellung zu Schweden, danke dafür, . Somit wäre jede Kritik an den restriktiven Maßnahmen in DE und dem Rest der Welt hinfällig, sehe ich das richtig? Ist die faz glaubwürdig?

elly
9 Monate her

Ich bin Ü60 und sehe mich nicht mehr in besonderer Verantwortung für die Jugend, die zukünftigen Generationen. Bereits vor der Pandemie beobachtete ich eine große Lust am Niedergang. Erst erstickten die Mamis & Papis am Feinstaub, dann kam die Klimahysterie etc.. Alles mit dem Ziel, die Steuern erheblich zu erhöhen, sowie die Deindustrialisierung Deutschlands zu forcieren. Und auch wenn es für die heutigen jungen Leute unvorstellbar ist, die Kneipe an der Ecke, der Club, die Disco sind NICHT die Stützen der Wirtschaft. Auch nicht H&M & Co mit ihren Billigstklamotten für eine einzige Nacht im Club. Hätte meine Generation und… Mehr

Donostia
9 Monate her
Antworten an  elly

Die heute jüngere Generation unter 40 weiß gar nicht was Umweltprobleme sind. Wer in den 70ern groß geworden ist dürfte wissen, dass man in keinem größeren Fluss baden ging. Heute ist dies mit wenigen Ausnahmen gefahrlos möglich. Luftverschmutzung war ein wirkliches Problem, dass man dann auch gelöst hat und heute hervorragende Luftqualität besitzt. Alles was heute als Problem aufgebauscht wird ist in Wirklichkeit gar keins. Die unter 40 jährigen kennen die Umweltprobleme der 60er und 70er Jahre gar nicht und meinen sie leben in einem umweltzerstörtem Land. Haben wir erst eine perfekte Umwelt wenn keiner mehr stirbt? Wie bei Corona.… Mehr

GermanMichel
9 Monate her

Die junge Generation die wir haben ist aber leider eine „Fourth Turning“ Generation, die sich besonders konfomistisch als Kollektiv definiert. Die letzte Fourth Generation war die der großen Bewegungen Anfang des 20 Jahrhunderts, Kommunismus und Faschismus. Alle 4 Generationen bzw 90 Jahre kommt dann wieder eine ähnliche Generation, nach diesem Konzept. Lustigerweise, allerdings mit wenig lustigen Auswirkungen, stimmt dieser 4 Generationen Zyklus anscheinend auch noch mit dem großen Kreditzyklus überein, also immer diese 4. Generation erlebt einen Zusammenbruch des Finanzsystems. Na dann Prost Mahlzeit. Auf diese Generation sollte man nicht viel Rücksicht nehmen, ihr drohen harte Zeiten, aber sie wird… Mehr

humerd
9 Monate her
Antworten an  GermanMichel

ein alter Spruch: die 1. Generation spart und kauft das Grundstück, die 2. Generation spart und baut das Haus, die 3. Generation spart und richtet das Haus ein und die 4. Generation reißt dann alles nieder.