Wer beim Deutschen Buchpreis über die beste Literatur des Jahres mitentscheidet, sollte mehr vorzuweisen haben als politische Haltung. Mit Maha El Hissy sitzt nun eine Jurorin im Gremium, deren Texte Israel dämonisieren – ein weiterer Beleg dafür, wie tief der antiisraelische Aktivismus im deutschen Kulturbetrieb verankert ist.
picture alliance / Chris Emil Janßen | Chris Emil Janssen
Ich war schon immer skeptisch, wenn irgendeine deutsche Jury ein literarisches Kunstwerk in den höchsten Tönen lobte. Ich hege das gesicherte Vorurteil, dass in all den Juries, die über solcherlei befinden, rotgrüne Haltungsmenschen sitzen, als ob Haltung ein literarisches Kriterium wäre. Und erst recht werde ich missmutig, wenn so eine Jury sich besonders woke gibt, wie etwa die Jury für den Deutschen Buchpreis, der in diesem Jahr zu zigsten Mal verliehen wird. Auf der Longlist (20 Titel) stehen dem bunten Himmel sei dank nicht nur die Namen urdeutscher Autoren!
Und in der Jury geht es ebenfalls fortschrittlich zu. Es wird gegendert – und die Frauenquote ist übererfüllt: zwei Männer und fünf Frauen. Beginnen wir mit der Minderheit: Jan Ehlert ist Host eines Bücherpodcasts und tritt in Hörfunk und Fernsehen als Literaturexperte auf. Adam Soboczynski ist Ressortleiter Literatur im Feuilleton der Zeit. Eine der Frauen ist Buchhändlerin, also nah am Leser bzw. Buchkäufer, und Mitglied im „IGUS Sprecher*Innenkreis des Börsenvereins“. Eine weitere leitet ein Literaturbüro. Wieder eine andere ist Professorin für Literaturwissenschaften, Organisatorin der Kasseler Grimm-Poetikprofessur und „Herausgeberin der dazugehörigen Buchreihe zu Schriftsteller*innen und Filmemacher*innen der Gegenwart“. Cornelia Geißler ist als Literaturkritikerin bekannt, sie betreibt das Geschäft seit Jahrzehnten.
Und nun gibt es einen irritierenden Neuzugang. Wieder eine Frau, Maha El Hissy, sie wird uns als freie Kritikerin, Kuratorin und Moderatorin vorgestellt. Sie ist Mitglied mehrerer Preisjurys. Das muss reichen. Auch wenn man im Netz keine Literaturkritik von ihr findet, erfährt man doch immerhin, dass ihr jüngstes Buch 2012 erschien.
Der jüdischen Allgemeinen ist allerdings ein Essay von ihr untergekommen, der die Frage aufwirft, warum ausgerechnet sie über einen Deutschen Buchpreis mitentscheiden soll. Wollte man mehr Diversität? Buntheit? Sowas?
Und finden sich da Übereinstimmungen mit den anderen Juroren? Maha El Hissys Essayreihe »Literature of Unsettlement« in der Berlin Review strotzt nur so vor Hass auf Israel. Nein, natürlich muss man weder das Land noch seine Bewohner gleich lieben. Nur müssten wenigstens die historischen Details stimmen, die man zur Begründung seiner Ablehnung, ach was: seiner Verurteilung anführt.
Doch El Hissy scheint zu meinen, sie erzähle etwas, das im kulturellen Betrieb in Deutschland Allgemeingut ist und was sie daher besonders qualifiziert für einen Platz in einer Jury, die über den Deutschen Buchpreis entscheidet. Wie Daniel Neumann in der Jüdischen Allgemeine schreibt: „Denn spätestens seit dem 7. Oktober ist sie unübersehbar: eine eigentümliche und verstörende Verschiebung. Begriffe, die Israel nicht mehr kritisieren, sondern moralisch totalisieren, dämonisieren, delegitimieren – Genozid, Apartheid, Siedlerkolonialismus, ethnische Säuberung -, haben sich tief in den akademischen und kulturellen Mainstream hineingefressen. Sie haben eine kulturelle Hegemonie erzeugt, die längst den politischen Betrieb erfasst hat.“
Man muss sich nicht für den Deutschen Buchpreis interessieren. Allerdings sehr wohl für die tektonische Verschiebung in einem Land, in dem von Politikern immer noch behauptet wird, die Sicherheit und das Existenzrecht Israels sei „Teil der deutschen Staatsräson“. Aha. Und wo befindet sich derzeit die deutsche Staatsräson?


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Man braucht ja auch nur zu gucken, wer die Preise bekommt und wofür.
Es kommt nur darauf an, ob die behaupteten Fakten – hier über Israel – stimmen. Wenn diese zutreffen ist es ok, wenn sie übertrieben, aufgebauscht, falsch, verharmlost oder sonst wie verfälscht sind ist es nicht akzeptabel.
> Begriffe, die Israel nicht mehr kritisieren, sondern moralisch totalisieren, dämonisieren, delegitimieren – Genozid, Apartheid, Siedlerkolonialismus, ethnische Säuberung -, haben sich tief in den akademischen und kulturellen Mainstream hineingefressen.
Diese Begriffe werden sogar von kritischen Generälen des Landes verwendet, die beschreiben, was Siedler im Westjordanland und woanders treiben. Andersrum – woher die vermeintliche Pflicht, es zu verniedlichen und zu beschönigen?
Von einem finnischen Juden: >>>Westjordanland-„Ultra-Apartheid“ – und das kollusive internationale Schweigen<<<
Es gibt ja auch kritische Generäle, die sagen, dass Russlands völkerrechtswidriger Angriffskrieg auf die Ukraine ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg sei.
Exakt so geht der Wertewesten sich selbst auf den Leim. Wer eine solche Scheuklappenbetrachtung betreibt, wägt auch das abwertenden Geschwätz der Mafia über die „böse“ Polizei.
> Mit Maha El Hissy sitzt nun eine Jurorin im Gremium, deren Texte Israel dämonisieren Vielleicht. Mir ein Rätsel, wieso mein gesamtes Leben sich um ein kleines Land drehen soll, welches ich nie gesehen habe. Nicht mal dortige Generäle sind von aktueller Entwicklung begeistert: >>>NYT: Die eigenen Generäle warnen vor Israel<<< > „… Eine große investigative Reportage von Azam Ahmed, Natan Odenheimer und Ronen Bergman, mit Fotografien von Ivor Prickett, erschienen am 31. August 2026 in der New York Times, dokumentiert eine Entwicklung, die in Israel selbst für Unruhe sorgt: Pensionierte Generäle, ehemalige Geheimdienstchefs und frühere Regierungsmitglieder bereisen inzwischen organisiert… Mehr
Und warum sollte sich mein ganzes Leben um ein großes Land drehen, das ich nie gesehen habe? (🇷🇺)
Eine Frau fast ohne Hintergrund und wiki.
Ich weiß nicht, weshalb mir jetzt gerade wieder dieser Ardey, der neulich Suizid verübte, in den Kopf kommt? Angeblich war der Professor in Cambridge.
„Wir“ scheinen anfällig für solche?